Ringversuch zu Futterkranzproben

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  • Ich ergänze zur besseren Lesbarkeit den Artikel mal in Textform :). Aus Bienenmütterchen 01/03 2023, Seite 19ff

    Futterkranzproben kritisch im Blick

    (Vorwort)

    Vor einer Weile bin ich mit einem Berufsimker zum Thema Futterkranzproben ins Gespräch gekommen. Als BSV ziehe ich regelmäßig entsprechende Proben. Bis dato habe ich die Untersuchungen der Labore nicht in Frage gestellt. Das Gespräch hat bei mir für einen Perspektivwechsel gesorgt, den ich euch nicht vorenthalten möchte.
    Da das Thema in der Imkerschaft mit Instituten und Labors sehr leidenschaftlich diskutiert werden könnte, möchte der Imker anonym bleiben. Seinen Text drucken wir also ohne Angabe eines Autors ab.

    Marie Förster


    Im Herbst 2018 wurde vom Nationalen Referenzlabor für Bienenkrankheiten, dem Friedrich Löffler Institut (FLI), in Zusammenarbeit mit dem LAVES – Institut für Bienenkunde Celle ein bundesweiter AFB- Ringversuch mit inkludierter Laborvergleichsuntersuchung durchgeführt, an dem insgesamt 26 Laboratorien teilgenommen haben, darunter auch eines aus dem Ausland. Das Friedrich Löffler Institut veröffentlichte die Ergebnisse am 9.11.2020 im Artikel „Ringversuch zum Nachweis von Paenibacillus larvae, dem Erreger der Amerikanischen Faulbrut“ Berliner und Münchener tierärztliche Wochenschrift*.

    Die Autoren testieren dort „einen insgesamt guten Stand der AFB-Diagnostik und die Qualität der Einrichtungen in Deutschland“. Die im Rahmen des o. g. Ringtests erfassten Daten werden in der Veröffentlichung tatsächlich nur unvollständig wiedergegeben.

    Erst durch Mitwirken des Bundesdatenschutzbeauftragten auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes hat das Friedrich Löffler Institut die tatsächlichen Rohdaten des Versuchs offen gelegt. (Anmerkung der Redaktion: Die schriftliche Korrespondenz dazu liegt uns vor.)



    Es ist festzustellen:

    1.) Zwei der 26 Labore haben beim Ringtest falsch positive Befunde erstellt.

    2.) Ein Labor hat ein falsch negatives Ergebnis geliefert.

    3.) Ein Labor hat irrtümlich den Wert einer Positivkontrolle in die Liste eingetragen.

    4.) Bei einem Labor konnte wegen starken Fremdkeimwachstums keine Auswertung einer Probe erfolgen (alle Labore erhielten Aliquots derselben, homogenisierten Ansätze, die ausdrücklich aus Honig B mit niedrigem Fremdkeimbelastung hergestellt wurden).

    5.) Insgesamt gab es extrem große Unterschiede bei der ermittelten Zahl der Kolonien bildenden Einheiten:

    Probe 348: 7 bis 69

    Probe 599: 8 bis 220

    Probe 658: 1 bis 23

    Probe 746: 2 bis 80

    6.) Auch wenn die Labore einen identischen Nährboden verwenden, streuen die ermittelten Zahlen der Kolonien bildenden Einheiten bei der Laborvergleichsuntersuchung:

    Probe 599: 18,7 bis 125.

    7.) Die Genotypisierung der ermittelten Sporen nach Eric I und Eric II konnte freiwillig erfolgen. Nur fünf Labore haben hier eine Angabe gemacht, Ergebnisse hierzu werden vom FLI unter Verschluß gehalten.

    Eine Publikation dieser Ergebnisse in den Imkerfachzeitschriften ist trotz Anregung unterblieben, eine wirklich öffentliche Diskussion der Ergebnisse hat nicht stattgefunden.



    Es ist zu resümieren:

    a) Knapp 20 % der Labore haben bei der Überprüfung der nur sieben Proben einen Fehler bzw. kein zutreffendes Ergebnis geliefert.

    b) Auf die Gesamtmenge aller untersuchten Negativproben (26 Labore mit je 2 Negativproben = 52 Negativproben total) waren rund 5,8 % falsch positiv eingestuft.



    Man bedenke:

    Alle Labore haben freiwillig teilgenommen. Die Versuche waren angekündigt, so dass eine größtmögliche Motivation zu genauester Laborarbeit unterstellt werden muss.

    Das FLI hat keine Aussage gemacht, ob im Rahmen des Ringtests

    a) eine Kontrolle (Standardsporenlösung) mitgeführt wurde,

    b) eine Einordnung der Proben in Kategorie I bzw. II erfolgt ist,

    c) eine Aussage zur heutigen Nachweisgrenze bei der Sporenuntersuchung gemacht werden kann.

    Fragt man das Friedrich Löffler Institut nach der Konsequenz, dann mag dieses Zitat aus vertraulicher Quelle hilfreich sein: „Wir arbeiten auf eine Harmonisierung hinsichtlich der verwendeten Nährmedien hin, allerdings würde der Kauf von Nährmedien für viele Untersuchungsämter sehr hohe Mehrkosten bedeuten, insbesondere dann, wenn die Nährmedienplatten bisher in einer einrichtungseigenen „Nährmedienküche“ hergestellt wurden. Zudem kann es bei einem kommerziellen Hersteller auch zu plötzlichen Lieferengpässen kommen, was vor allen Dingen hinsichtlich der Untersuchungsdauer durchaus von Nachteil sein kann.“


    Eine Diskussion über die Einordnung von Ergebnissen heutiger Futterkranzprobenuntersuchungen scheint geboten.


    Veterinäre und Imker sollten über die Grenzen der Labormethodik informiert sein, damit in der Praxis bei der Seuchenbekämpfung und bei der Erstellung von Gesundheitszeugnissen die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt.



    Das Teilen dieses Artikels in der Imkerschaft ist ausdrücklich erwünscht!


    *Quelle: https://www.vetline.de/ringver…von-paenibacillus-larvae- dem-erreger-der-amerikanischen-faulbrut

    "Das will nicht sagen, daß die Imker eine Versammlung von irgendwie seelisch "angeknackten" Menschen wären. Aber wer das ist oder wer das verhüten will, dem kann ich mit gutem Gewissen raten: Schaff Dir Bienen an!"

    Edmund Herold in "Neue Imkerschule", 1965

  • Das ist eine richtig richtig üble Sache :(

    Wichtig ist jetzt dass wir den Sachverhalt bis zu den Veterinären kriegen, damit da Besonnenheit einkehrt.

    "Das will nicht sagen, daß die Imker eine Versammlung von irgendwie seelisch "angeknackten" Menschen wären. Aber wer das ist oder wer das verhüten will, dem kann ich mit gutem Gewissen raten: Schaff Dir Bienen an!"

    Edmund Herold in "Neue Imkerschule", 1965

  • Unwahrscheinlich, die bitten dann die Institute um Stellungnahme/Einschätzung/Bewertung, und die sägen nicht ihren eigenen Ast ab!

    Einen Versuch ist es dennoch wert. Die Vets sind halt die Entscheidungsträger an der Stelle.

    "Das will nicht sagen, daß die Imker eine Versammlung von irgendwie seelisch "angeknackten" Menschen wären. Aber wer das ist oder wer das verhüten will, dem kann ich mit gutem Gewissen raten: Schaff Dir Bienen an!"

    Edmund Herold in "Neue Imkerschule", 1965

  • Was für mich dabei so richtig stinkt, ist die komplette Unterschlagung der falsch-positiven Proben in dem Artikel in vetline.

    Wenn der Artikel jetzt eine Abhandlung über die Performance der Nährböden wäre, dann wär das kein Thema. Aber hier liegt ein angekündigter Versuch vor, wobei man schon eine wesentlich höhere Sorgfalt erwarten kann, als vielleicht bei jeder normalen Probe.

    Auch der Versuch, die Daten nicht offenlegen zu müssen, ist ehrlich gesagt einem Institut nicht würdig.


    Ich hätte in weiterer Folge erwartet, das in einem kürzeren Rhythmus eine Wiederholung des Versuches vorgenommen wird, sowie etwaige Blindtests (also ein Ringversuch ohne Ankündigung) gemacht werden.

    (Man beachte - der Ringtest ist von 2018)

    Hierzu ist mir jedoch nichts bekannt, vielleicht weiss das Forum dazu mehr?

  • Was erwartest Du. Das habe ich sogar mit, durch das Vetamt standart mässig gezogenen,

    Lebensmittelproben erlebt.

    Ich verzichtete früher auf versiegelte Gegenproben, weil man nicht weiss, auf was untersucht wird. Eine allround Gegenprobe muss ich innerhalb weniger Tage von einem zugelassenen freien Labor, auf meine Kosten, untersuchen lassen. Total auf den blauen Dunst. Man darf nicht abwarten, ob es eine Beanstandung gibt, und dann gezielt darauf hin untersuchen lassen. Das kostete früher schon mehrere 100 Euro.

    Es ist ein Freibrief für die staatlichen Labore, wenn da steht: Auf eine Gegenprobe wurde verzichtet.

    Allein das Häkchen bei, Gegenprobe wurde erstellt, sorgte für sorgfältiges Arbeiten dieser staatlichen Untersuchungsstellen.


    Hatte der Kontrolleur den Betrieb verlassen, landete die Gegenprobe auf dem Frühstückstisch. Für mich also nur ein optisches Druckmittel, denen zu zeigen, dass ich eventuell untersuchen lasse.



    Gruss

    Ulrich

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  • Ich habe viele Jahre in einem Labor gearbeitet (chemisch technologisch, ich hatte mit Beton und Zement zu tun, nicht mit Honig). Leider funktionieren Untersuchungen im Labor nicht wie in der Fernsehserie CSI. Die Beurteilung, was ein Untersuchungsergebnis aussagt oder wo die Grenze der Aussage liegen, ist unendlich schwierig.


    De facto ist aber die eigentliche Schwachstelle bei den meisten Untersuchungen die Probennahme. Das wurde im Ringversuch noch gar nicht berücksichtigt, trifft aber bei der Faulbrut-Untersuchung in besonderem Ausmaß zu. Da gibt es so viele Möglichkeiten, Fehler zu machen, z.B. wenn der BSV mit der gleichen Kleidung und Werkzeug Proben an verschiedenen Ständen nimmt oder wenn Schimmel oder Keime im Spiel sind, die Wahl der Wabe, die beprobt wird,...


    Wie valide eine Faulbrut-Untersuchung ist, weiß man wahrscheinlich nicht und es würde viel Geld kosten, dies herauszubekommen.


    Off-Topic: meine Antwort auf Faulbrut ist jährlich Totale Bauerneuerung


    Liebe Grüße

    Börni

  • Ich glaube ja, das viele die Bedeutung für die Imker noch garnicht verstanden haben: Das Drama beginnt, wenn von den Instituten (Laboren) eine FKP für jedes Volk gefordert wird. Bei einer wie wir jetzt wissen entsprechenden Fehlerquote werden bei genügend beprobten Völkern IMMER positive Ergebnisse dabei sein. Und dann kommt der dritte Teil des Dramas, nämlich eine völlig im Ermessen des jeweiligen Veterinärs liegende Vorgehensweise. Da kann dann schonmal ein ganzer Betrieb stillgelegt werden. Was das kurz vor dem Raps bedeutet, kann sich ja jeder mal für seinen Betrieb überlegen. Also nicht wegen einem Ausbruch der AFB, sondern wegen falsch positiver Ergebnisse. Die es ja angeblich gar nicht gibt. Ja Danke....

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife