Dunkle Biene

  • Hier setzt sich der Thread zum Thema "Apis mellifera mellifera" fort (Anfang: Thread "Frühlingsboten" im Februar, http://imkerforum.de/viewtopic.php?t=1788 )


    Weiß eigentlich jemand näheres darüber,


    1. ob diese 150 Melliferavölker in Deutschland irgendwo "konzentriert" sind?


    2. welche der Melliferapopulationen der Nachbarländer am ehesten noch der ursprünglichen Braunen ("Deutschen") Biene entsprechen? (Ich habe gehört, die Schweizer "Nigra" z. B. sehe zwar schwarz aus, sei aber ordentlich inzuchtdeprimiert und eigentlich gar keine richtige Mellifera mehr).


    Aufs erste Nachdenken kommt man ja schnell auf die Idee, "was für die bedrohten Haustierrassen zu tun" und Mellifera zu halten; lange bevor ich meine Bienen bekam, hatte ich mir das laienhaft 'mal gewünscht und ganz einfach vorgestellt. Aber der Aufwand? Ich meine: man muß ständig zu Belegstellen nach Belgien (oder sonstwohin), wenn man vermehren will. Außerdem: kann man seinen Nachbarn A.m.m.-Drohnen zumuten...?


    Wie machen das die standhaften Dunkle-Biene-Imker auf Dauer eigentlich?


    Viele Grüße, Johannes

  • Ich hatte am anfang ja auch überlegt, die Nigras zu halten, da ich sowieso viele RL(Rote Liste) Arten bzw Rassen Züchte.
    Zeitweise habe ich auch überlegt, der GEH beizutreten....
    Aber bei mir in der Umgebeung wird eigentlich nur mit der Carnica geimkert, und da wollte ich dann nicht mit irgentwas anderem anfangen und die populationen vermischen...
    Ansonsten bin ich eigentlich auch für den erhalt solcher "alten Rassen".

  • Hallo Johannes , Du hast geschrieben, die Schweizer Nigra sei eigentlich gar keine richtige Nigra mehr. Diesen Vorwurf gab es schon zu Anfang der Nigrazucht. Grund war, das der Urzüchter zeitweilig auf Carnica umgestiegen ist. Diese ließ er aber wieder fallen, und begann erneut mit dr Zucht der Nigra . Und zwar mit der gleichen Königin, die schon die Urspungsnachzuchten geliefert hat. Hier sieht man schon eine weitere gute Eigenschaft der Nigra: Langlebigkeit! Irgendwo habe ich darüber im Internet schon mehr gelesen. Werde mal versuchen, ob ich die Seiten wiederfinde. Viele Grüße Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo zusammen,


    ich habe auch darüber nachgedacht, etwas für die Dunkle Biene zu tun. Hanspeter Itschner hier aus dem Forum (bzw. aus der Schweiz) imkert mit der Dunklen Biene. Vielleicht kann er etwas zu diesem Thema beitragen.

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Ich selber bin kein Züchter und möchte mich deshalb nicht zu tief in eine Diskussion in das Fachgebiet Zucht einlassen. In meiner Mehrfachfunktion innerhalb unseres Vereinsgebiets bin ich für die Überprüfung des Einhalten der Gesetze rund um die Imkerei, also auch für die Zucht, hauptverantwortlich. Unsere Bienen sind zwar etwas stechlustiger als die Carnica, aber wir können die Bienenvölker auch ohne Schleier beobachten und teilweise daran arbeiten.


    Ich möchte hier den Artikel welcher in der schweizerischen Bienenzeitung erschien, anfügen. Er stammt von unserem Zuchtfachmann. Der aufmerksame Leser wird zwischen den Zeilen lesen können, dass eine erfolgreiche Zucht eher von den Eigenschaften der Imker als von der Biene abhängt. Solche Eigenschaften der Imker wären z..B: Einigkeit, Durchhaltewille, Geduld und Ehrlichkeit. Die natürlich vererbten Ureigenschaften der Bienen-Rasse, der Linie sollte ins Klima des Zucht-Gebietes hineinpassen. Unsere erfüllt diese Bedingungen.


    Bienenzucht und Bienenhaltung im Glarnerland
    Christian Rickenbach, Verein Glarner Bienenfreunde
    25 Jahre Glarner Gesetz über Bienenzucht und Bienenhaltung


    Wie es dazu kam
    Mitte der 70er Jahre, als sich schweizweit die Protagonisten der „Landrasse“ und der Carnica in den Haaren lagen und mittels Leistungsvergleichen die beste aller Bienen für die Schweiz suchten, arbeiteten erfahrene Glarner Imker an einer Lösung, die den Verhältnissen in der Glarner Imkerei entsprach. Mit grossem Interesse und aktiver Unterstützung verfolgte die Zuchtgruppe der Zürcher Bienenfreunde die Arbeiten an einem kantonalen Bienengesetz, das die Rassenzugehörigkeit der im Glarnerland gehaltenen Bienen regelt. Erklärtes Ziel der Bestrebungen war es, die angestammte dunkle Biene züchterisch zu fördern und gleichzeitig die Einfuhr anderer Rassen zu verbieten. Die züchterische Arbeit sollte durch Schutzgebiete für Reinzuchstationen unterstützt werden.
    Landsgemeinde und Regierung unterstützten die Imker
    In der folgenden Debatte spielen die im Landrat und im Regierungsrat vertretenen Imker eine wichtige Rolle. Das Gesetz über die Bienenzucht und die Bienenhaltung im Kanton Glarus wird von der Landsgemeinde angenommen. Der Regierungsrat erlässt die bis heute gültigen Vorschriften – die wichtigsten möchte ich im Schlussabschnitt in Erinnerung rufen.
    Erfolg und Gewinn für die Glarner Bienenfreunde
    Die Imker im Glarnerland sind praktisch geschlossen im Verein organisiert und zeichnen sich durch Bedächtigkeit und Verantwortungsbewusstsein aus. Der Zusammenhalt im Verein und die Akzeptanz der kantonalen Vorschriften stehen auf hoher Stufe. Dies hat uns einerseits den Rassenstreit über all die Jahre erspart und uns gleichzeitig vor den Folgen mancher Modeerscheinung bewahrt. Der Nutzen für den Einzelnen wurde in den vergangenen Jahren offensichtlich (Bsp. Steigerung der Erträge, jahrelang frei von Bienenkrankheiten, späte Invasion der Varroamilbe, einheitliche Biene vor allem im mittleren und hinteren Kantonsteil). Die getroffene Regelung erweist sich aber auch für die Zuchtgruppe der Zürcher Bienenfreunde mit der A-Belegstation Krauchtal als Glücksfall.
    Günstige geografische Voraussetzungen
    Das Tal der Linth mit nur einem Ausgang und dem rundum hohen Abschluss ist wie kaum eine andere Talschaft unseres Landes für eine solche Regelung geschaffen. Dabei ist der Druck der Vermischung mit Bienen anderer Rassen im unteren, offenen Kantonsteil nicht zu übersehen (Buckfast ist ja auch für ungeübte Augen leicht erkennbar). Mit den beiden Belgstationen Krauchtal und Klöntal verfügt der aktive Züchter aber über gute Möglichkeiten seinen Rassenstandard halten zu können.
    Respektierung der gesetzlichen Bestimmungen durch die Imkerschaft
    Gesetze sind einzuhalten – das ist eine Maxime friedlichen Zusammenlebens und Zusammenwirkens. Selbst wenn es schwarze Schafe in den eigenen Glarner Reihen geben sollte, rechtfertigt das die Verletzug der Vorschriften durch ausserkantonale Imker nicht. Es seien deshalb zum Schluss die wichtigsten 3 Punkte in Erinnerung gerufen:
    1. Im ganzen Kantonsgebiet dürfen nur Bienen der „Landrasse“ (Apis mellifea mellifera) gehalten werden.
    2. In den beiden grossen Seitentälern Klöntal und Krauchtal dürfen keine Bienenvölker stationiert werden. (Sperrgebiete für die Belegstationen)
    3. Jedes Wandern in den Kanton Glarus ist bewilligungspflichtig. Wandergesuche müssen 3 Wochen vor Wanderbeginn beim kant. Bieneninspektor eingereicht werden.


    125 Glarner Imker pflegen in gegenseitiger Achtung 1250 Bienenvölker - wir danken für einen respektvollen Umgang mit uns Glarner Imkern und unsern Glarner Gegebenheiten.



    Soweit der etwas lange Bericht meines Kollegen. Ich hoffe damit den Grundstoff zur einer echten sachlichen Diskussion beigetragen zu haben.

  • Hallo Hanspeter,


    stimmt es, daß es in der Schweiz verschiedene Zuchtrichtungen der dunklen Biene gibt (reine Nigra versus Mellifera-Landrasse oder so ähnlich)? Leider weiß ich nicht mehr, wo ich das gehört habe...


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes, die zur Zeit bekanntesten und noch gezüchteten Melliferalinien dürften "Nigra"(aus der Schweiz) und "Braunelle"(aus Tirol) sein. Nomen est omen. Es gibt aber in Deutschland noch einen Züchter, der eine verbesserte Nigra hält. Diese soll nicht mehr den für Hinterbehandlungsbeuten und kleinen Beuten gewünschten Hünglertyp entsprechen, sondern durchaus einem "Magazintyp" darstellen. Irgendwo im Internet habe ich dessen Seiten mal gefunden, mit beeindruckenden Bildern, leider finde ich die nicht mehr. Wer Bescheid weiß, bitte Infos hier veröffentlichen. Gehört habe ich auch schon von einem "Stamm Mittelland", aber der soll erloschen sein. Viele Grüße Lothar

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  • Lothar, mit „eine verbesserte Nigra“ meinst Du sicher an das Klima von Deutschland angepasste. Unsere Linie startet eher ein wenig spät, und ist auch für schweizerische Gegenden mit früher Tracht (z.B. Basel) nur bedingt geeignet, gilt auch in der Hinterbehandlungsbeute.
    In unserem Bergklima entwicklet sich unsere Linie im Magazin und zwar mit sehr guter Honigernte. Voraussetzung dazu ist ein guter Standort (sonnig und gute Trachtverhältnisse). In Jahren mit geringer Tracht bringt das Magazin nichts.

  • Hallo Hans-Peter, der Züchter, den ich meine, heißt Wörsching (oder ähnlich), und kommt aus dem Freiburger Raum, also "Vor Deiner Haustür". Mit "Magazinbiene" meine ich, das diese volksstärker und brutfreudiger ist und auch sonst mehr gute Eigenschaften für den modernen Imkereibetrieb besitzt. Damit meine ich auch andere Beutenformen, die ein "Großvolk" beherbergen. Herr Wörsching hat sich nicht nur die Mühe gemacht, die Nigra zu erhalten, sondern zu verbessern. Also keine "Museumsbiene", sondern durchaus was brauchbares für den modernen Imkereibetrieb. Wie schon geschrieben, finde ich die sehr guten Internetseiten von ihm nicht mehr wieder. :cry: . Viele Grüße Lothar

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  • Hallo zusammen
    Hallo Lothar
    Habe mal ein wenig gesucht, und bin auch fündig geworden. Ich nehme an, das ist der Züchter der dunklen Biene, den du gesucht hast.


    Roland Wörsching,
    Amselstr. 10,
    74199 Untergruppenbach,
    Tel. 07131 - 701540 ,
    e-mail: woersching@unterland.net

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....