Verständnisfrage Wanderimkerei

  • Hallo an alle,

    mich würde interessieren, wie das bei Wanderimkereien mit der Kontrolle der Beuten abläuft. Mal angenommen, die Imkerei hat ihren Sitz irgendwo im Süddeutschen Raum. Dann wandert sie im Frühjahr z.B. an den Bodensee zur Obsttracht. Danach weiter sagen wir in den Schwarzwald oder Pfalz zur Waldtracht und am Schluß in die Heide. Bleiben die Imker dabei ständig am jeweiligen Ort? Oder fahren die wirklich dann öfters zum Standort und setzen neue Honigräume auf usw?

  • Ich habe nur eine kleine Wanderimkerei - sofern möglich, hole ich mir Hilfe vor Ort. Ich setze zum Beispiel insgesamt 4 Honigräume auf, sperre aber die oberen zwei mit Hilfe von der Folie ab. Wenn mir die Stockwaage sagt es ist Zeit zu erweitern, dann bitte ich einen lokalen Imker die oberen zwei freizugeben indem er nur die Folie zieht.

    Ansonsten fahre ich doch mindestens alle zwei Wochen vorbei und schaue durch die Völker.

  • Die ganze Zeit vor Ort ist selten.

    Die meisten fahren die Völker in die Tracht und holen sie zum Trachtende wieder ab. Dank Funkstockwaage und Erfahrung geht da einiges. Die Bölker müssen halt entsprechend vorbereitet sein.

    Bei langen Trachten wie Raps/Wald/Tanne sieht es anders aus da muss man regelmäßig mal hin.

    In der Heide z.B. sieht es ja sogar so aus das einige der Standorte Militärgebiet sind, da hat man ein Anreise und und. Abreisefenster. Hält man das nicht ein wirds schwer. Im Raps muss man z.B. immer einmal zwischenzeitlich hon, da es dadurch das er so früh Blüht meist noch zu kalt ist gleich 3-4 Honigräume aufzusetzen.

  • Hallo gopper0815,

    Ich denke bei deiner Frage muss man zwischen Hobbyimkereien und Berufsimkereien unterschieden.

    Bei Hobbyimkerein spielt es eine untergeordnete Rolle, wie viel Geld und Zeit die Fahrten kosten, weswegen Hobby-Wanderimkereien häufig mehrfach zu den Ständen fahren.

    In Berufsimkereien läuft es in der Regel so ab, dass Raps -& Frühtrachtstände in der Nähe des Betriebs gesucht werden, da zu dieser Zeit einige Fahrten anfallen (Schwarmkontrolle, Honigräume aufsetzen, etc.)

    Bei Frühtrachten wie z.B. Löwenzahn fahren wir nicht zur Schwarmkontrolle, hier wird das Volk so groß geschiedet und so viele HRs(Honigräume) gegeben, dass sie auf jeden Fall reichen.

    Für Akazie und Linde werden die Völker an ihren Frühtrachtstandorten abgeerntet und neue HRs aufgesetzt (bei uns in der Regel 3 Stück Zander3/4), dann direkt vom Frühtrachtstandort zur Anschlusstracht gefahren. Mithilfe von Stockwagen und dem Wetterbericht wird entschieden, wann die Völker in der Tracht fertig sind und dann werden sie abgeholt und in der Nähe des Betriebes "zwischen-geparkt", abgeerntet und neue HRs aufgesetzt. In diesem Zug wird das Volk einmal beurteilt (Ob es noch stark genug und intakt ist für die Spättracht).

    Dann fahren wir die Völker in den Wald/Tanne und lassen sie da auch mit einer Stockwaage bis zum Ende der Tracht stehen. Da der schwäbische Wald von uns nicht allzuweit entfernt ist, ernten wir, je nach Trachtergibigkeit, die Völker vor Ort ab und fahren sie dann an Sammelplätze in Betriebsnähe, wo sie dann aufgefüttert und behandelt werden.

    Zur Überwinterung werden sie dann in wärmere Regionen gebracht, wo dann auch die Winterbehandlung und Auswitterung stattfindet.

    Als Berufsimker sollte man immer versuchen die Arbeitsspitzen zu brechen, weshalb es wichtig ist, in der Zeit, wo viel Arbeit am Volk stattfindet, einen kurzen Anfahrtsweg zu haben. Auch später während den Sommer/Spättrachten haben wir beobachtet, dass bei den Völkern keine großen Eingriffe mehr notwendig sind, daher lassen wir sie dann einfach machen.

    Das heißt, dass man ab der Robinie mehr Logistikunternehmer als Landwirt ist, die Zeit um im Juni-August wirklich viel in die Völker zu schauen, haben wahrscheinlich nur Hobbyimker.

    Hoffe das hat dir ein bisschen einen Einblick gegeben, je nach Region lohnt sich aber Standimkerei auch deutlich mehr, da die Fahrten eben Zeit und Geld fressen.


    Liebe Grüße,

    Johannes

  • Vielen Dank für die Einblicke. Das war schon sehr aufschlussreich. Wahrscheinlich ist es bis zu einer bestimmten Größe wirtschaftlicher, diversen sortenhonig zuzukaufen. Bei den Spritpreise überlegt man es sich schon zweimal, wie oft man anfährt

  • Darf ich in diesem Zusammenhang auf eine Sendung der Montagsimker hinweisen. Luffi hat dort Vieles zur Wanderimkerei vielleicht in etwas kleinerem Maßstab sehr detailliert erläutert. Kann man viel lernen, auch wenn manches davon nicht meinem Gusto entspricht. Es ist eine gute, weil informative und kurzweilige Sendung zu diesem Thema.

    Viele liebe Grüße und bleibt stabil

    Wolfgang, der selbst nur mit bis zu sechs Völkern ( eine Astra Kombi- Ladung ) innerhalb des Landkreises wandert.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.