Beutenwechsel: von Erlanger Beute zu Zadant

  • Hallo ans Forum,

    da ich hier meine erste Frage stelle, darf ich mich zuerst kurz vorstellen. Ich heiße Tobias, bin Anfang 30 und imkere seit diesem Frühjahr in der Südpfalz. Nachdem mich das Thema Bienen schon viele Jahre lang fasziniert hat, habe ich 2021 einem Imker in meiner Region über die Schulter geschaut und dieses Jahr mit 2 Völkern in Zadant gestartet. Etwas unverhofft habe ich dann von einem Altimker 4 weitere Völker in alten Erlanger Beuten "geerbt". Um diese Völker geht es auch in meiner Frage.


    Ich möchte gerne alle Völker im gleichen Beutensystem haben. Darüber hinaus sind die Erlanger Beuten nach knapp 40 Jahren Benutzung auch ziemlich "durch" und müssten ohnehin grundlegend repariert oder ersetzt werden. Daher also der Wechsel.

    Die Völker in den Erlanger Beuten sind alle einzargig eingewintert. Ich würde den Wechsel der Beuten gerne im nächsten Frühjahr vornehmen. Erste Frage: Gibt es dazu einen besonders geeigneten Zeitpunkt?

    Die Rähmchen sind grundsätzlich kompatibel, die Erlanger Beuten verwenden ja auch ein Zandermaß. Allerdings sind es Kurzohrrähmchen. Meine erste Idee wäre daher, die Oberträger der Waben, die Brut enthalten, einfach etwas zu verlängern (mit Nägeln?) und in die Zadantbeuten umzuhängen. Daneben würde ich unausgebaute Mittelwände hängen.

    Vielleicht kann man das Umsetzen aber auch nutzen, um direkt die Waben zu erneuern. Meine zweite Idee ist daher eine Art Kunstschwarm - also die neue Beute einfach mit Mittelwänden auffüllen, die Bienen in die neue Beute kehren und in den ersten Tagen füttern.

    Meine zweite Frage: Welche Methode würdet ihr bevorzugen? Oder gibt es vielleicht noch eine ganz andere Methode, die ich nicht auf dem Schirm habe? Was muss ich beachten, welche Fehler kann ich vermeiden?

    Und anschließend: Ich würde 2023 gerne einmal versuchen, den Raps anzuwandern. Mit den umgesetzten Völkern wird das wahrscheinlich nicht möglich sein, da sie erst einmal mit dem Ausbau der Waben beschäftigt sein werden, oder?


    Ich habe mich im Forum bereits umgesehen, habe aber eine direkte Antwort auf meine Frage nicht gefunden. Wenn ich sie übersehen habe, bitte ich um Entschuldigung und würde mich über den Link zum Thread freuen.

    Ganz herzlichen Dank schon einmal für alle Antworten!

  • Willst du mit den vier Völkern viel Honig ernten, mache es wie JaKi vorschlägt. Würde ich ebenfalls so machen.


    Ist dir Honig egal und du willst eher wenig Arbeit, setze im Frühjahr statt Honigräumen eine Zadant-Zarge auf. Sobald die Mittelwände gut ausgebaut sind, lege ein Absperrgitter ein. Ist die Königin nicht ohnehin schon mit erster Brut hoch, setze sie nach oben, ggfs. mit 1-2 Bruträhmchen von unten (die dann im Laufe der Saison nach außen wandern und im Sommer entfernt werden können). Nach drei Wochen kannst du die untere, alte Zarge entfernen, die Brut ist dort ausgelaufen und oben neu angelegt worden. Honig/Futter wird unten kaum noch vorhanden sein. Dann wie gewohnt verfahren. Honigräume auch hier nicht vergessen.

  • Danke schon einmal für die Antworten.


    JaKi, kurz zum Verständnis: Die totale Brutentnahme wäre im wesentlichen meine Version 2, die ich Kunstschwarm genannt habe, korrekt? Und der Brutsammler wäre weiterhin in einer Erlanger Beute.


    @Liecter, auch dir herzlichen Dank! Hingertrag steht tatsächlich nicht im Mittelpunkt, ein paar Gläschen würde ich aber schon gerne ernten. Bei deiner Methode habe ich das Problem, dass Zadant und Erlanger Magazin nicht aufeinander passen (beim EM sind es 9 Waben nebeneinander, bei Zadant 10). Die Zadantzwarge würde also an den Seiten überstehen, das geht also so nicht.


    Wie würdet ihr denn meine genannten Methoden bewerten?

  • Genau. Beim Brutsammler würde ich dann nach einer Weile auch nochmal alle Bienen auf Mittelwände setzen. Falls du den Brutsammler weiselrichtig bildest, nach 10 Tagen und wenn weisellos im brutfreien Fenster.

    Mit einer TBE vor dem Raps ruinierst du dir die Frühtracht. Wenn du die TBE im Raps machst, kommt es drauf an. Kann dann auch sein, dass die vier oder acht Wochen brauchen, bis sie wieder richtig brüten. Das war bei mir in den letzten zwei Jahren so, da war dann auch nicht mehr viel mit Sommerhonig.

    So eine TBE ist viel Arbeit und wenn du die zur Frühtracht machst, hast du da gerade eh viel Arbeit mit allem anderen in der Imkerei.

    Ich fände es Verschwendung die Bienen ohne Not so früh wie möglich auf ein anderes Maß zu holen. Du könntest so auch Erfahrung sammeln, wie es ist mit Erlangern zu Imkern und wie das mit den alten Beuten so geht, was ist wirklich ein Problem und was nicht? Solche Erfahrungen haben die wenigsten und das macht bestimmt nicht dümmer.

  • Die totale Brutentnahme wäre im wesentlichen meine Version 2, die ich Kunstschwarm genannt habe, korrekt? Und der Brutsammler wäre weiterhin in einer Erlanger Beute.

    Es geht auch ganz einfach:


    Die Völker in der Erlanger Beute (Zandermaß) auswintern, wie üblich. In der Südpfalz dürfte es Mitte bis Ende April schon ausreichend Tracht geben und damit schon einen Honigraum. Zu dem Zeitpunkt hast in den Völkern gut 6 BW mit Brut. Die Zadant Kiste mit MW füllen (5 reichen m.E. plus einen Baurahmen für Drohnenbrut), schieden und dann die gesamte Bienenschaft dort hinein abschütteln (die Kö' kann man vorher suchen und im Clipkäfig separieren, muss man aber nicht - nur wenn Du ganz sicher sein willst). Danach ggf. Kö' aus dem Käfig einlaufenlassen, ASG drauf und darauf die Brutwaben mit den wenigen ansitzenden Bienen. Obendrauf dann noch den schon angetragenen Honigraum und dann machen lassen. Das kann man auch oder gerade bei guter Rapstracht durchführen - da wird super schnell gebaut. Das Schwarmthema ist damit auch erst einmal durch und Honig ist Dir gewiss.


    Viel Erfolg!

  • Lege einfach ein "Brett" dazwischen, das die Maße ausgleicht. Ob auch ein Rahmen auf das Brett muss ist davon abhängig ob auch ein Absperrgitter zwischen die Bruträume soll und wie der Beespace ist, damit es reinpasst.

  • Wenn du die nach oben wachsen lassen willst, häng eine ausgebaute Wabe Zadant mit hoch. Dann kann die Königin schneller anfangen zu stiften und durch das neue Brutnest finden sich die Bienen auch schneller zu recht.

  • Halte ich für eine charmante Lösung, wenn man früher als nach Ende der Sommertracht den Umzug machen will. Der Haken ist, dass man dann viele Erlanger Zander mit Honig drin hat. Die kann man sicher auch wieder verwerten, aber das ist ein Nachteil (z.B. hinters Schied mit verlängerten Ohren auf alle Völker aufteilen. Ggf halten die auch mit den kurzen Ohren, wenn man die Kisten nicht bewegt, bin mir da nicht sicher von der Länge.


    Ansonsten wäre ich für TBE-Umsiedelung im Sommer. Ist das sauberste ohne Gefrickel, aber du führst halt 2 Systeme eine Saison.

  • Mach den Bienen und dir möglichst wenig Stress.

    Spar dir das Gedöns mit Brutscheune, Brutwaben im Honigraum und Kunstschwarm im Frühjahr, wenn du das nicht aus anderen Gründen sowieso machen willst. Das ist nur Zusatzaufwand zu einer Zeit in der schon genug andere Tätigkeiten anfallen.


    Zur Auswinterung die Ohren der Rähmchen mit kleinen Blechwinkeln (Stuhlwinkel) verlängern und ganz normal in die Zadant-Beute einhängen. Falls du Angst vor Unterbau hast, kannst du unten ein Füllstück unter die Rähmchen binden oder schrauben. Ich nehme aber an, dass die Bienen das für einen Hochboden halten und da gar nichts bauen. Die so gepimpten Waben kannst du genauso wie die Zadant handhaben, hast kaum einen Unterschied zu einen Zadant Volk und den vollen Honigertrag.

    Wegen der kleineren Wabenfläche hast du halt ein paar Waben mehr im Brutraum als bei reinen Zadant-Waben. Aber das kannst du ja passend schieden.


    Erst dann wenn du sowieso den Wabenbau erneuerst, fliegen die alten Zanderrähmchen raus und werden durch Zadant ersetzt.


    Du kannst das Volk dann genauso führen, wie du es mit deinen Stammvölkern auch vor hast. Ob du TBE oder eine andere Varroa-Behandlung planst, ist dann unwesentlich.

    Gruß, Peter

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    "Das Einfache ist nicht immer das Beste; aber das Beste ist immer einfach." - Heinrich Tessenow

  • Ich würde im Frühjahr eine Zarge Zadant obendrauf stellen, nach zwei Wochen diese Zarge auf den Boden stellen, alle Bienen da reinfegen, ASG auflegen und denn ehemaligen BR da oben drauf und nach dem Auslaufen der Brut und Verdeckeln des Honigs diesen ernten und danach die Waben ausschmelzen. (Oder nach dem Verdeckeln der Brut wegnehmen und eine Zelle stecken oder anpflegen lassen und als Ableger mit den Kisten verkaufen).

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Du wohnst in der Pfalz, da gibt es einen perfekten Zeitpunkt:

    Anfang April 4 Völker auf Zander verkaufen

    4 Völker auf Zadant kaufen.

    Biste auch gleich das ganze Gefrickel los. Km Zweifelsfall würde ich sogar die Erlanger Beuten als Transportbox mitschenken, dann ist das Thema auch vom Tisch.

    Die neuen Völker sind dann auch gleich Rapsfertig.

  • Auslaufen lassen der Brut im Frühjahr ist nur logisch. Sonst hat man vielleicht nur Arbeit und Kosten und Ernte fällt aus.

    Wenn leer alle ausgefressenen Waben ohne Brut raus oder hinter ein Schied bis die leer sind. Rest alles in Zadantkiste rein fuer einige Zeit ggf mit Schrauben arbeiten. Mittig ab April Mai dann immer 1 Zadantraehmchen rein wenn gebaut weitere. Die alten Raehmchen hinter dem Schied auslaufen lassen, ohne Koenigin die bleibt im Brutnest.

    Braucht halt länger wie Rases Vorschlag.

    Was besser ist vermutlich probieren.

    1 System macht auf jedenfalls Sinn.