Naturnahe Völkervermehrung

  • Seit einiger Zeit werden die herkömmlichen Zuchtmethoden mit Skepsis betrachtet ich imkere mit der Buckfastbiene, habe sehr viel Erfolg damit, die Frage ist nur immer, ist das auch nachhaltig?! Welche Fähigkeiten und Eigenschaften der Biene des Bien verkennt der Mensch moeglicherweise und züchtet er immer weiter evtl. wichtige Dinge weg?! Wer hat Erfahrung mit Schwarmzellenverwendung d.h. naturnaher Zucht?

  • Hallo Jona,


    das geht gut, nennt sich "Basiszucht". Du hast, bei aufmerksamer Selektion, keine Probleme mit dem Nachlassen der wichtigsten Eigenschaften incl. Honigleistung. Die Vitalität wird sicher nicht nachlassen. Die Bucki bietet dir dafür eine gute Grundlage. Hast vielleicht nur Probleme Schwarmzellen zu bekommen... Da musst du halt vielleicht etwas tricksen um ein Volk in Schwarmstimmung zu bekommen. Geht aber auch.


    Die andere Sache ist, was züchtet Mensch der Biene weg. Sobald du eine Selektion machst, greifst du ein, veränderst du etwas. Wenn du aber die Bienen nur sich selber überlässt, werden evtl. die für eine imkerliche Bienenhaltung interessanten Eigenschaften zurücktreten, denn die Natur "züchtet" z.B. nicht auf Leistung sondern auf Überleben. Es ist immer eine Gradwanderung. Ich bin aber durchaus der Meinung wir sollten hier dem Bien merh Luft lassen. Ob es nun beim Wabenbau ist oder bei der Auswahl der Made aus der eine Königin gezogen werden soll oder auch dem Winterfutter (ich weiss jetzt werde ich wieder als Öko-Onkel gebrandmarkt, aber es ist halt meine Meinung).

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Johannes,


    gute Frage! Ich ahbe die Schriften von Golz noch nicht alle ganz gelesen. Ich ahbe aber in Erinnerung, dass er dem SInne nach sagt, es geht mit jeder Völkerzahl, Hauptsache es machen - in der Umgebung - genügend alle mit. Wenn du natürlich selber, sagen wir mal > 30 Völker hast, gehts sicher gut, du musst ja eine gewisse Selektionsbasis und Möglichkeit haben. Wenn du nur aus drei Völkern das weinger schlechte auswählst und davon nachziehst, wirst du dennoch eine Verbesserung erreichen, aber es wird erheblich länger dauern, bis du die Qualität deiner Völker objektiv steigern kannst, da dir ja die Selektion der väterlichen Seite nicht möglich ist. Es gibt im Forum aber Kollegen, die in Sachen Basiszucht schon mehr Erfahrung haben. Lest ihr mit? Lasst was hören!

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hi Johannes,


    wie meinst Du daß denn ? Wenn ich das richtig interpretiere ist Basiszucht auf einen Satz gebracht: von den Völker Vermehren die DEINE ideale entsprechen. Ob Sanftmut, Wabenfestigkeit, Ertrag oder Krankheitsresistenz.


    Dante

  • Hallo Dante,


    schon klar in der Theorie. Ich bin halt Anfänger mit 2 Völkern (Buckfast F1), deren Sanftmut sehr angenehm ist (eines ist ultrasanft, das andere auch sehr ruhig, es achtet allenfalls darauf, ob der Imker vielleicht mal ermahnt werden muß, was aber bisher selten passiert ist). Durch die Berichte von michael2 in dem o. g. anderen Thread und von ein oder zwei anderen war ich etwas verunsichert; es klang da durch "ohne Reinzuchtköniginnen nach ein paar Jahren nur wilde Stecher". Daß es prinzipiell möglich ist, in der Basiszucht die Sanftmut zu betonen, glaube ich gern. Mir ist halt die Frage: wie viele Völker brauche ich dazu?


    Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    F1 ist für eine Basiszucht keine Grundlage weil das Material bei jeden nachziehen weiter aufspaltet und mit der Zeit seine Sanftmut verliert.
    Basiszucht mit F1 kann man zwar betreiben nur ist die Auslese schwieriger weil man dafür viel mehr Völker braucht, eine Zahl gibt es nicht, um so mehr umso besser.
    Bei F2 kann es schon vorkommen das deine Bienen nicht mehr so sanft sind als bei F1.
    Um das zu verhintern musst du wenigst alle drei Jahre eine Buckfastkönigin dazukaufen die mindest Belegstellenbegatet ist.
    So mit verhinderst du dass die Bienen mit der Zeit nervös werden und Inenzuchtanfällig werden, zwar fällt Inzucht nicht so ins Gewicht weil in einer Umgebung ja noch mehr Bienen stehen.
    Wenn die Bienendichte aber gering ist dann sollte man aber auf Inzucht achten.
    Inzuchtschäden erkennt man am lückenhaften Brutnest.
    So viel dazu. :D

  • Hallo Michael2


    Zitat

    F1 ist für eine Basiszucht keine Grundlage weil das Material bei jeden nachziehen weiter aufspaltet und mit der Zeit seine Sanftmut verliert.


    Ich dachte immer Basiszucht kann man betreiben selbst bei F33...
    Frage: wie kammen die ersten Züchter zB: vor 100 Jahre zu eine "sanftmutige" Biene ? doch nur über Basiszucht oder ?
    In ein Punkt hast Du allerdings recht: das ganze geht nur bei vielen Völker....


    MfG
    Dante

  • Hallo Dante,


    man kann alles machen nur ob man die Zeit hat und der Aufwand sich lohnt ist eine andere Geschichte.
    Um das ganze einfacher zu machen betreibt man Reinzucht.

  • Hallo,


    es ist ein Trugschluss, dass Reinzucht diese Probelme löst. So darf man das nicht sagen! Du hattest halt nur Glück gehabt Michael2. Lies' dir mal Das durch:


    http://www.apisjungels.lu/page95.html


    Reinzucht machen, aber das andere nicht lassen! Tausende Imker beweisen, dass die ReInzucht nicht alleine brave Bienen bringt. Schau dir doch mal die Hohenheimer Bienen an (JA!, ich mag Dr. Liebigs Person nicht, aber seine Bienen sind gut!). Eine wirklich schöne Sanftmut OHNE Reinzucht nur aus Standbegattung heraus. Sicher ist dort die Zuchtbasis > 70 Völker, aber es zeigt dass es auch ohne geht!


    Übrigens, jede "Reinzucht-Königin" ist auch eine F1. Und was heisst eigentlich Aufspaltung? Du kannst ab 10 Völkern etwa sinnvoll Basiszucht betreiben. Auch ist es eine von C-Reinzüchtern gerne verbreitete Unwahrheit, dass man als Buckfastler alle drei Jahre eine "Reinzucht-Buckfast" nachkaufen muss. Von jeder Zuchtmutter kannst du ja mind. drei Jahre nachziehen. Also dann halt vielleicht alle 6-7 Jahre, da du bei Buckfast nicht alle Jahre zur Erhaltung der Schwarmträgheit auf junge Queenies umweiseln musst. So, whats the problem? Probier es aus und du wirst es sehen.


    Übrigens, wenn sich Inzucht schon am lückigen Brutnest zeigt, ist es sowieso schon zu spät, da dann die Sex-Allele schon zu reduziert sind. Schon vorher zeigt sich mangelnde Lebenskraft, bei oft jedoch vorhandener guter Sanftmut etc. Soviel hierzu in aller Kürze.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo,

    Zitat

    michael2: F1 ist für eine Basiszucht keine Grundlage weil das Material bei jeden nachziehen weiter aufspaltet und mit der Zeit seine Sanftmut verliert.


    Zitat

    Reiner Schwarz: Übrigens, jede "Reinzucht-Königin" ist auch eine F1.


    Klasse! Hier kann ich mal eine Frage los werden, die mir schon lange unter den Nägeln brennt: Wodurch wird eigentlich eine Bienenkönigin zur 'F0'-Königin?


    Ist es etwa so, dass beim Bienen-ZÜCHTER der F-Zähler grundsätzlich bei 0 angehalten und erst beim Verkauf an gewöhnliche Bienen-VERMEHRER eingeschaltet wird?


    Das wäre praktisch, denn dann könnte das Material des ZÜCHTERS ja niemals aufspalten: Es wäre ja immer F0!


    Und die VERMEHRER könnten immer nur genau einmal mit gutem Gewissen nachziehen: Anschließend hätten sie ja das verdächtige F1-Material!


    Oder ist es ganz anders?


    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo zusammen, wozu Reinzucht? Damit man sich verschiedene Königinnen kaufen kann und diese an seinen Ständen testen kann und dann von den Besten vermehrt. Das ist der Ausgangspunkt für Basiszucht. Jede später neu erworbene Königin lässt einen doch wieder beim Punkt Null anfangen. Warum sollte dabei Inzuchtschäden auftreten? Das einzige, das gegen diese Methode spricht, ist doch das den Reinzüchtern dabei irgendwann die geschäftliche Grundlage entfällt. Die ersten reinen Carnica lernte ich bei einem Imker kennen, der im Schutzanzug mit Schleier Schwärmen hinterherkletterte. Von allen Fremdschwärmen, die ich eingefangen habe, hat bisher nur einer "Buckfastfarben" gehabt. Und es war ein gutes Volk. Viele Grüße Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.