Zucht in abgeschlossenem Raum

  • Hallo zusammen,


    ich habe gerade die Montagsimker mit der VSH-Begriffserklärung gesehen. Dort wurde auch die Instrumentale Besamung erklärt mit dem Nachteil, dass die Völker durch das Sperma von einem einzigen Drohn natürlich sehr klein sind, da die Spermathek der Königin entsprechend klein ist.


    Meine Frage ist, kann man Bienen nicht einfach in einer Art Voliere unterbringen und sich dort paaren lassen?


    Hier wären 2 Probleme:

    1. In einer Voliere (bitte verzeiht mir das Wort) ist nur wenig Nahrung, vor allem Pollen. Daher können die Bienen dort nicht Sammeln

    2. Die Paarung findet in Luftiger Höhe statt an bestimmten Plätzen, warum sollten sich die Bienen in einer Voliere paaren.


    der 1. Punkt wäre einfach zu lösen, die Bienenkästen wären quasi Tore in der Voliere. Ich stelle mir ein Drohnenvolk vor und z.B. 4 Königinnen, die zu begatten wären. Die Kästen wären die Tore zur Voliere. Ein Tor mit großem Ausgang würde in die Voliere reichen. Ein anderes mit kleinem Ausgang (wo keine Drohnen oder Königinnen durchpassen) würde nach außerhalb der Voliere reichen. So könnten Drohnen und Königinnen nur in die Voliere rein, sich dort Paaren und wieder in ihre Beuten zurück. Die Versorgung der Völker würde durch die Öffnungen nach außen geschehen.


    der 2. Punkt wäre schlechter zu händeln, allerdings pressen sich Drohnen auch durch ein Gitter zu Tode, wenn sie Sex haben wollen, daher vermute ich, das Problem wäre nur auf der Weiblichen Seite. Ich meine, es war mal "Sendung mit der Maus" da wurde eine Königin angebunden und ein Hochzeitsflug simuliert, die Drohnen haben sich noch mit der Königin gepaart, selbst als sich das Gestell die Königin nicht mehr bewegt hat. Letztlich ist die Vermehrung ein extremer Drang auf beiden Seiten, daher sollte dies also eigentlich funktionieren (zumindest in der Theorie).


    Gab es solche Überlegungen schonmal? Und was würde sowas entgegenstehen? Die Vorteile wären kontrollierte Drohnen und Mehrfachpaarungen mit ausreichend viel Sperma. Die Königinnen könnten nach Eilage einfach ausgetauscht werden und das Drohnenvolk könnte auch quasi normal geführt werden, nur ggf. mit 2 Drohnenrahmen (die Anzahl der Drohnen würde ja für eine solch begrenzte Menge an Königinnen ausreichen). Natürlich würde es wieder keine Mischung von Eigenschaften bei den Königinnen geben, aber zumindest hätte man genug Sperma von mehreren Männchen.


    Ich frage nur interessenhalber und habe keinen Wunsch, sowas zu bauen. Ich versteh nicht, wieso es anders gemacht wird, daher frag ich :)


    VG;


    Thomas

    My Brother went over the Ocean, my Sister went over the Sea. My Father went over my Mother, that was the beginning of meeeee...


    10 Völker Carnica/Buckfast DNM 1.0 und 1.5 in Seegeberger und Holzbeute, Anfänger seit 2021

  • Hi @Mettbrötchen,


    ich vermute auch, dass es einen Grund gibt, dass das nicht gemacht wird, ich wüsste nur gerne, welchen :)

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  • Hi Bugsi,

    es gibt einen Aufsatz von William John Nolan aus dem Jahr 1932, "Breeding the honeybee under controlled conditions", der super interessant ist. Eigentlich geht es dort um instrumentelle Besamung (die damals, vor 90 Jahren, eigentlich schon genauso gemacht wurde wie heute üblich).

    Dort wird auch (wenn auch nur in einem Nebensatz) beschrieben, dass sogar schon Mendel versucht hat, Königinnen räumlich abgetrennt begatten zu lassen, und damit keinen Erfolg hatte - eine Begründung wurde leider nicht geliefert.

    Viele Grüße

  • ch glaube ja den Aufwand würde keiner betreiben wenn man KÖs auch im Wintergarten begatten lassen könnte


    ich vermute auch, dass es einen Grund gibt, dass das nicht gemacht wird, ich wüsste nur gerne, welchen :)

    es ist gaaanz einfach, es geht nicht. Es kommt nicht zur Begattung!

    Ruttner und co haben das schon seinerzeit versucht hin zu bekommen. Freilich erst, als die Mehrfachpaarung von ihm mit Cordovan Drohnen auf der Insel Volkano bewiesen werden konnte.

    Volkano war also eine Belegstelle vo Cordovan Allele von Drohnen übertragen wurden.


    Es mag vielleicht daran liegen, das die Königin erst durch den Flug reif zur Begattung wird.

    Besamer wissen, die co2 Betäubung sorgt für das Anreichern des co2 in den Muskeln, was wichtig ist damit die Königin zügig oder überhaupt in Eilage geht. Präzise Co2 Betäubung täuscht also neben der Ruhigstelleung einen langen Begattungsflug vor.

    Ein Drohn muss seine Quallität/Gesundheit durch die Flugfähigkeit beweisen, kann er sich nicht lange genug am Drohnensammelplatz aufhalten, oder kommt er schon garnicht dahin, steigt die Chnace stark, das er Jungfrau bleibt. Die Natur liest so die Vitalsten (Lebensfähigten) aus

    Die sDi Besamung macht es erst möglich, geringfügig vorhandene Eigenschaften anzureichern.

    Man staune, Bruder Adam wusste schon darum :)

    Er warnte ausdrücklich vor Inzucht, obwohl er wusste, das sie unumgänglich ist, um Eigenschaften azureichern.

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.


    Richtige Auslese und exaktes Verpaaren, ist das Ruder mit dem das Schiff auf Kurs gehalten wird.

    Paul Jungels


    https://www.bienen-plus.de/

  • ich vermute auch, dass es einen Grund gibt, dass das nicht gemacht wird, ich wüsste nur gerne, welchen :)

    Es liegt in der Verhaltensbiologie der Honigbiene, dass die Begattung in einiger Entfernung von Stock stattfindet, um Inzucht zu vermeiden. Die Königin fliegt also ein gutes Stück, bevor sie überhaupt einen Drohn an sich ranlässt. Auch die Drohnen scheinen nicht stocknah begatten zu wollen Wie weit die Königin fliegt, scheint nicht sehr gut erforscht zu sein, es sind aber eher Kilometer als hunderte Meter. Die Antwort ist also einfach: Es gibt kein Gewächshaus, das diesen Anforderungen entspricht.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo zusammen,


    ich habe gerade die Montagsimker mit der VSH-Begriffserklärung gesehen. Dort wurde auch die Instrumentale Besamung erklärt mit dem Nachteil, dass die Völker durch das Sperma von einem einzigen Drohn natürlich sehr klein sind, da die Spermathek der Königin entsprechend klein ist.

    Dieser Zusammenhang ist IMHO not quite right.
    Aber die Begattung in Zelten wurde ausreichend schon in den 60er und 70er Jahren u.a. am Insitut in Erlangen getestet. Ohne Erfolg. Vielleicht kommt jemand ja mal auf einen entscheidenden Faktor der das dennoch ermöglicht.

    Die Bevorzugung lokaler Produkte ist weder Nationalismus, noch Faschismus, noch Protektionismus, sondern ist nur ein Symptom von Intelligenz und Umweltverträglichkeit.

  • Vielen Dank an alle Antworten, ich habe mir sowas schon gedacht, aber schön, wenn es bestätigt wird. Wieder was über die Kleinen gelernt :)

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  • Wer weiß wie viel Aufwand, wie viele Versuche und wie viele tote Kös und Drohnen hinter dieser einen Szene stecken..


    Und wer weiß, ob die Begattung am Ende erfolgreich war. Mein Finger ist auch schon Mal von einem Frosch begattet worden und mein Bein von einem Hund. 🫣😂😂😂😂