Zucht im schwarmtriebigen weisellosen Volk

  • Liebe Züchter,


    ich möchte dieses Jahr erstmals im schwarmtriebigen weisellosen Volk züchten. (Alles im Wochenabstand: Volk dreimal mit Brutwaben aufpumpen, Weisel auf den 6 mittleren Waben sperren, Weisel am letzten WE Sa. oder Freitag auf eine neue Wabe sperren, Weisel samt Offener Brut aus den Bannwaben in Ableger auslagern, Zuchtstoff geben bzw. belassen, Volk verstellen und in Ableger übereinander durch Gitter trennen, Königinnenableger kommt an den alten Platz des Zuchtvolkes und bekommt so die Flugbienen zurück und den Honigraum auch, Begattungsableger werden getrennt und weggebracht, einer bleibt für die Flugbienen da, die Jungweiseln schlüpfen jetzt gerade)


    Fragen dazu: Wird die Königin schlechter versorgt, wenn nach wenigen Taen im Bannwabenbereich Schwarmzellen angepflegt werden und führt das zu Qualitätseinbußen der zuletzt gelegten Eier?


    Besteht die Gefahr, daß die im untersten Ableger des Ausbrüters schlüpfende Jungweisel als Singer auszieht?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Entschuldigung, ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt.


    In einem schwarmtriebigen Volk erhält die Königin ab der Pflege von Weiselzellen Schonkost um flugfähig zu werden und aus der Eilage zu gehen. Wenn nun im schwarmtriebigen Zuchtvolk in der Woche in der die Königin auf 6 Waben gesperrt ist, Schwarmzellen gebaut und bestiftet sind und auch gepflegt werden, wird sich das auf die Qualität der Eier auswirken, die sie dann in die Zuchtwabe legt?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    soviel ich mir angelesen(!) habe, beginnt
    die "Schonkost" für die Königin nicht erst nach dem Ansetzen der ersten WZ,
    sondern viel früher.
    Im schwarmtriebigen Volk geht die "Harmonie" verloren
    und die Königin wird nicht mehr so gepflegt.(Henne oder Ei????)
    Sie legt daher weniger und es werden WZ angesetzt.
    Es ist wohl ein Teil des Schwarmgeschehens,
    daß aus der Beschränkung der Legerate die Eier für die Weiselzellen gelegt werden.
    Daher würde ich mir darüber keine Gedanken machen.


    Die Erfahrungen Bruder Adams sagen, daß das beste Material von Königinnen kommt, deren Legerate eingeschränkt ist.
    In irgendeinem "Imkerfreund" von 2001 wurde von einer Untersuchung berichtet, die eine eine erhöhte Konzentration von
    wachstums- und enwicklungsfördernden in solchen Eiern nachweist.
    Die genaue Ausgabe des "Imkerfreunds" kann ich Dir jetzt nicht nennen, aber ich kann danach suchen.


    Zu deiner Aufzuchtmethode:


    Ich verlasse mich lieber auf das bewährte Rezept, das Fridolin beschrieben hat.
    Da kann fast nix schiefgehen.


    Damit Du meine Antwort auch richtig einordnen kannst:
    Ich habe erst seit 4 Jahren Bienen, die ich in der Zeit von 2 Ableger auf 15 Völker + 10 Reserveableger aufgebaut habe.
    Ich weiß, Du legst Wert auf sowas... :wink:


    Gruß, Erwin

  • Hallo Henry, nachdem Du mich schon persönlich aufgeforderst hast, hier zu diesem Thema Stellung zu nehmen, möchte ich das gerne tun.Leider tue ich mich schon mit der Überschrift schwer. Ein schwarmtriebiges Volk kann doch nicht weisellos sein. Schwarmstimmung kann doch nur im weiselrichtigen Volk vorkommen. Ansonsten würde ich so ein Volk als "Nachzuchttriebig" bezeichnen. Das was Du meinst, ist die Ausnutzung der Schwarmstimmung für die Zucht. So wie ein Restvolk nach Schwarmabgang Weiselzellen weiterpflegt. Das kann man allerdings in der Literatur besser nachlesen, als ich es hier wiedergeben kann. Empfehlen würde ich das Verfahren nach Sklenar. Das ist recht sicher und gut in der Anwendung. Es wird auch bei Hölzer´s "Brutdistanzierung" beschrieben. Viele Grüße Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    danke für Deine erbetene Antwort.
    Die Idee "schwarmtriebiges weiselloses Volk" stammt aus "Meine Betriebsweise". Bruder Adam macht dort das Aufpumpen durch aufsetzen eines kompletten entweiselten Brutraumes über Gitter. Nach Schlupf und damit massenhaftem Überschuß an Jungbienen kommt der zweite Brutraum weg. Jetzt kommt also Raumenge als Schwarmfaktor dazu. Erst jetzt, wenn der Schwarmtrieb voll ausgeprägt ist, kommt die Königin samt offener Brut weg und der Zuchtstoff wird gegeben. Die Jungbienen wollen ihren Futtersaft loswerden, Königinnen pflegen und die Edelmaden werden wie gewünscht überversorgt.
    Als zweites Argument wird die Zuchtmutter in kleinen Ablegern gehalten um ihre Legeleistung auf einige hundert Eier einzuschränken und so die Qualität der Eier zu erhöhen.


    Ich möchte nun versuchen beides zu kombinieren und an meine Verhältnisse anzupassen. (Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend bei den Bienen, Verstellen auf den Balkon immer Sonntag abend möglich, Verstellen von dort immer Freitag nachmittag unter zurücklassen von Restbienen... DNM...usw.) Ausprobieren will ich es auf jeden Fall, nur will ich Fehler, die andere schon gemacht haben, nicht unbedingt wiederholen.


    Deshalb nochmal die Frage:
    Ist für die Qualität des Nachzuchteies entscheidend, warum die Legeleistung der Königin beschränkt ist? Ist also ein Ei aus einem kleinen Ableger (wie von Bruder Adam beschrieben) einem Ei einer wegen Schwarmvorbereitungen weniger gefütterten Weisel überlegen?


    Erwin : Danke auch für Deine Antwort. (:wink: Und für Deinen Nachsatz) Eigentlich findet die das gleiche statt wie von fridolin beschrieben. Nur wird das Volk vorher mit Fremdbienen auf Masse gebracht und anschließend in Ableger mit schlüpfreifen Zellen aufgeteilt. Die Bienen pflegen dabei immer ihren eigenen Zuchtstoff, der niemals gekäfigt oder umgelarvt wird. Die Sammelbienen bleiben dabei dem Ursprungsvolk erhalten, so jedenfalls die Idee.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry, ob die Qualität der Eier in einen Kleinableger besser ist, als die aus einem Großvolk, weiß ich nicht. Da spielt auch die Verfassung der Königin und vor allem der Brutpflege betreibenden Bienen und des Futters und des Wetters und und und eine Rolle. Der Vorteil eines solchen Kleinablegers ist sicherlich der, das die Zuchtkönigin quasi im Schongang gehalten wird. Sklenar z.B. hat seine "47" Urmutter damit bis ins siebte Jahr gehalten. Den Aufbau eines guten Trachtvolkes hat eine Zuchtmutter ja schon hinter sich gelassen, sonst hätte man sie als solche nicht ausgelesen. Ein weiterer Vorteil ist der, das man Maden zum umlarven nicht erst in einem großen Volk auf vielen Waben suchen muß, sondern diese schneller im Ableger finden kann. Noch zum Thema Schwarmtriebigkeit: Königinnen aus Schwarmzellen gelten immer noch allgemein als die besten. Deshalb hat man in der Zucht schon immer dafür gesorgt, das die besten Völker in Schwarmstimmung kamen oder das Zuchtstoff in schwarmstimmige Völker kam. Das hat man oft auch mit Verstärken des Pflegevolkes gemacht. Insofern ist die Methode von Bruder Adam eigentlich nichts Neues. Einzig das Ausmaß der Verstärkung erreicht eine ungewöhnliche Größe. R. Zimmer beschreibt diese Methode recht ausführlich (Die Buckfastbiene in Frage und Antwort), kommt aber zu den Schluß, das sie unwirtschaftlich ist, da der Entstehungspreis der einzelnen Königin zu hoch ist. Viele Grüße Lothar

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