Knappe Ressourcen, Liefer-Engpässe 2022/23?

  • Huih, da komme ich mit dem Lesen nicht mehr mit. So viele Beiträge in kurzer Zeit.

    "alle Investitionen auf Eis legen". Wieso das? Die Investition heute ist billiger als die von morgen und sie produziert auch morgen noch das Produkt von heute, aber zu den Preisen von morgen! Warum also deiner Meinung nach Investitionen nicht auch auf Vorrat anlegen?

    Das ist reines Erfahrungswissen von alten Leuten. So erkläre ich mir den Hintergrund:


    Bei größeren Investitionen laufen die Kosten des Projektes aus dem Ruder, weil Energie- und Materialkosten nicht mehr zu planen sind.


    Bei kleineren Investitionen hatte sich in der Vergangenheit gezeigt, daß Liquidität wichtiger ist als ein Gerät zur Produktion. Auf die allermeisten Gerätschaften lässt sich beim Produzieren verzichten.


    Ab einem gewissen Level produziert es sich schlecht gegen eine Entwertung/Inflation. Ich gebe Dir Recht, wenn alles vorbei ist, sieht das wieder anders aus. Aber dann werden möglicherweise über eine Währungsreform nochmal Vermögen "umgeschichtet". Sondergewinne oder Übergewinne sind ja jetzt schon Gegenstand der medialen Monologe.


    Wer hindert uns Imker das gleiche zu tun? Verkaufe das 500gr. Glas nur noch für 10 EUR!


    Noch hindert uns der Markt, weil der Markt für teuren Honig sehr viel geringer ist als der Massenmarkt.


    Bei mir hat die Preiserhöhung – vorausschauend bereits letztes Jahr durchgeführt – zu einer Halbierung des mengenmäßigen Umsatzes geführt. Die Käufer sind äußerst preissensibel und essen eben nur noch ein halbes Glas pro Woche. Und nicht mehr ein ganzes Glas, wie vorher. Das Frühstück fällt etwas schlanker aus. Ganz nach der FDH-Diät. (Friss-Die-Hälfte-Diät.) Heutzutage sind die Käufer preissensibler denn je.


    Ähnliche Erfahrungen haben größere Imker bereits in der Vergangenheit – also vor der verstärkten Inflation – in den Supermärkten immer wieder gemacht. Geht der Preis um einen Euro rauf, halbiert sich der Umsatz. Aktionen mit 20 % Rabatt erhöht den Umsatz um 75 %.


    Ich habe für den Ausgleich die Anzahl der Verkaufsstellen erhöht, aber das erzeugt beim Ausliefern und Verwalten wiederum erhöhten Aufwand. Kleinere Gebinde zum alten 500 g-Glaspreis – sozusagen Inflationsgläser – sind auch nur eine vage Lösung, weil die Gläser ähnlich teuer sind wie normal große Gläser und weil der Aufwand beim Abfüllen steigt.


    Kurzum: so leicht ist das Thema nicht zu lösen, trotz vieler Stellschrauben.


    Da gibt es eine Lösung: Für den Luxusmarkt produzieren. Der ist wenig preissensibel. ;)

    Ich weiß aus eigener Anschauung, daß gerade die Wohlhabenden sehr preissensibel sind. Da muss schon Prestige mit dem Luxusgut einhergehen. Nun ist Honig nicht gerade ein Luxusgut wie ein Sportwagen oder eine teure Uhr.


    Bisher war es hipp und prestigeträchtig gewesen, die Bienen zu retten und was für die Umwelt zu tun. Wenn aber der allgemeine Wohlstand mit dem Hackebeil reduziert wird, wird es einen Sündenbock geben, und das werden voraussichtlich die Grünen sein. Der grüne Anstrich, den sich die Imkerei gibt, ist heute hipp und kann nach außen zur Schau getragen werden. Diese Mode kann aber schnell verwelken (wie Tulpen in der Tulpenkrise...) und dann wird Honig wieder ein relativ normales Lebensmittel.


    ...allgemeinen Inflationsrate...

    Die natürliche Erfahrung spiegelt diese Inflationsrate nicht wider.


    Sei Du besonders gegrüßt, Manne, es freut mich wirklich von Dir hier zu lesen! An natürlicher Erfahrung haben leider die Wenigsten heute ein Interesse. Zahlen und die "Wissenschaft" sind die Götter der heutigen Zeit. Das passt auch besser zu den Avataren und dem Metaverse, in dem sich die Menschen heute verstecken. Vor sich selbst verstecken! Wir reden nochmal drüber, wenn wir uns begegnen sollten.


    Mein Großvater war Imker in der Nachkriegszeit, der Honig war sehr begehrt.

    Und da waren die allgemeinen Lebensverhältnisse noch mal deutlich elementar eingeschränkter als heute.

    Das Toptauschobjekt war so was von überflüssig : Zigaretten!

    Meine Großmutter hatte mit dem Fahrrad Zigaretten und Butter aus Holland nach Deutschland geschmuggelt, um die Familie über Wasser zu halten.


    Wenn es wirklich hart auf hart kommt, gibt es wieder Bezugsscheine und Wertmarken. Aus dem Tagebuch einer anderen Urgroßmutter aus der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges: "Willy hatte sogar einen Vorrat an Mehl, Grieß, Zucker usw. organisiert. Ich muß es hier nochmal erwähnen, besonders für die junge Generation, man konnte nicht einfach in den Laden gehen und etwa ein Viertel Schinken verlangen oder Butter oder Äpfel oder eine Tafel Schokolade oder eine Rolle Nähfaden, alles gab es nur auf Marken oder im Schwarzhandel. Zum Beispiel 1/2 Pfund Butter für 250 Mark oder eine Schachtel Zigaretten für 50 Mark."


    Es gibt ein ganz hübsches Buch über die Imkerei in Deutschland, worin die Verhältnisse während der Hyperinflation in der Weimarer Republik auch ganz gut beschrieben werden. Titel: Honig für das Volk. Geschichte der Imkerei in Deutschland. Von Rainer Stripf.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Zehn Jahre je 5 % Inflation sind dann 20 % Kaufkraft.

    Es wären natürlich rund 27,6%.
    Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass die Inflationsraten in Deutschland nie länger als 5 Jahre nacheinander bei mehr als 5% lagen.

    Das stimmt doch auch nicht…

    Inflation ist Teuerung.

    Nach 10 Jahren 5% Inflation kostet etwas das heute 1€ kostet dann 1,63€.

    Wären es 2€ hätte sich die Kaufkraft halbiert… es ist aber „nur“ 1,63.

    D.h. nach 10 Jahren 5% Inflation liegt die Kaufkraft „noch“ bei über 60%.

  • Wobei Immenlos nicht derjenige war, der die 20% Behauptung aufgestellt, sondern angezweifelt hat.

  • Ich möchte die Antwort auf die Eingangsfrage noch etwas präzisieren.

    In vielen Bereichen verringern sich die Lieferengpässe bereits jetzt.

    Die Inflation wird sowieso zurück gehen, in vielen Bereichen sogar die Preise vom momentanen Niveau gerechnet. (das ist übrigens nicht das selbe)

    Die hohen Einkaufspreise für Energie werden sich zunächst in den Verkaufspreisen der damit produzierten Produkte wiederspiegeln, aber eine Normalisierung ist absehbar.

    Bei der Energie ist auch die Frage, ob wir jetzt sehr hohe Preise bezahlen, oder ob diese bisher unangemessen niedrig waren. Zugegebenermaßen eine unbequeme Frage.

    Einige scheinen sowieso sehr günstige Preise gehabt zu haben. Anders ist eine plakativ beschrieene Verzehnfachung des Energiepreises nicht nachzuvollziehen.

    Die meisten Zeichen deuten darauf hin, dass weder die Preise weiter steigen, noch die Lieferketten in größerem Maße gestört werden. Ich vermute eine Entspannung in beiden Bereichen.

  • Solange wir die "Merit-Order" haben, werden wir was Stromkosten angeht, m.E. über den Tisch gezogen.


    Schöne Grüße - Matthias


    PS wär ja noch schöner, wenn sowas für alle anderen Produkte auch gelten würde, dass der teuerste Produzent den Preis bestimmt.

    Es war alles sooo gut geplant. Und dann kam das Leben dazwischen...

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  • Habe mich dieses Jahr mal mit Gläsern (600 Stück DIB, inkl. Einlagen und Etiketten) und genug Zucker für die nächste Zeit eingedeckt. Viel billiger wird beides wohl nicht werden und die Investition bringt mich als Hobbyimker nicht um. Lagerfläche habe ich im Keller genug. Als Großimker würde ich anders denken müssen.


    Denke es wird zu einer Verknappung kommen, Preise werden steigen, aber das wird sich wieder relativieren. In zwei Jahren ist es vielleicht wieder "beim alten", d.h. Verhältnis nicht beim Preis.

  • Egal wie es wird, wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, haben wir auf jeden Fall etwas da, um eine ggf. kommende saure Zeit etwas zu versüßen, und mit dem man zur Not auch gegen andere Waren des täglichen Bedarfs tauschen kann ;)


    Schöne Grüße - Matthias

    Es war alles sooo gut geplant. Und dann kam das Leben dazwischen...

  • Glaubt Bernhard überhaupt selbst den Mist, den er hier postet.

    Die alten Leute haben ihren Lohn sofort vom Fabriktor in den Lebensmitteleinkauf getragen. Am nächsten Tag hat man nur noch halb soviel bekommen.


    20% Rabatt steigern den Umsatz um 75 %. Doch nur dann, wenn ich irre viel Geld in Werbung investiere. Außerdem ist Umsatz nicht gleich Gewinn.


    Ich höre schon wieder auf.


    Danke Wes für die Richtigstellung dieser lächerlichen Behauptung von 20% Restkaufwert.


    Gruss

    Ulrich