Varroabehandlung/ Auswirkungen auf die Honigerntemenge

  • Im Fall von Glyphosat eine seltsame Bewertung. Ein Messer arbeitet punktgenau, Glyphosat tötet alle Pflanzen ab, die es erwischt, es ist ja ein Totalherbizid. Wenn man alles, was da grünt, für vernichtenswert hält, dann mag man dem folgen.

    Natürlich. Was ist denn das für eine Frage? Weswegen sonst sollte man Totalherbizid einsetzen? Das Messer setzt du auch ein um zu schneiden, und nicht als Hammer. Und es gibt durchaus gute Gründe, warum der Einsatz von Glyphosat in bestimmten Situationen Sinn macht.


    Mit der gleichen Begründung kann man auch den Einsatz von Varroabehandlungsmitteln pauschal ablehnen. In wieweit das dann aber eine zielführende Argumentation ist, mag jeder für sich selbst beurteilen.


    Das ist aber kompletter Off-Topic. Wenn du das weiter diskutieren möchtest, dann machen wir das gerne in einem der zahlreichen bestehenden Threads :)

  • Das Bieneninstitut Kirchhain vergleicht in einer mehrjährigen Studie (Projekt VITALBIENE) zwei verschiedene Betriebsweisen. In der einen Betriebsweise werden die Bienenvölker nach dem hessischen Varroakonzept behandelt, in der anderen innovativen Betriebsweise gibt es eine Sommerbrutpause mit einer Oxalsäure Behandlung. Auf eine Winterbehandlung wird bei der innovativen Betriebsweise verzichtet.


    Der Einfluss auf den Honigertrag durch die unterschiedlichen Betriebsweisen wird auch untersucht.


    An den Berufsimkertagen in Friedrichshafen gibt es hierzu ein Workshop mit den Mitarbeiter*innen des Bieneninstitutes.

  • Mein Problem damit ist aber, dass die Kombination ApiVar/VarroMed als Tandem so nicht zugelassen und auch nicht erprobt ist.

    Bei VarroMed weiss man nicht so genau, was da eigentlich drin ist und ob und wie es mit ApiVar reagiert, ist auch unklar. Wäre ich eine Erwerbsimkerei, ich hätte da Bedenken.

    Das kann ich gut nachvollziehen, und mir ist auch nicht nach Experimentieren bei der Varroabehandlung. - Dafür ist das Rechenmodell ein feine Sache, und tut niemandem weh.

    Als Alternative zu Apivar+Varromed... TBE+OX... das Rechenmodell aus dem Beitrag #13 mit 1 Sommerbehandlung und 2 Winterbehandlungen würde rein rechnerisch den gleichen Effekt wie das Modell von Bernhard abbilden... als Ergebnis eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, neben Sicherheitsreserven gegen Unzulänglichkeiten (Anwenderfehler, Zeitpunkt, Effektivität, etc...)

    Feher und Risiken: Eine sehr hohe Belastung im Frühjahr führt im Herbst zum Zusammenbruch, trotz TBE+OX im Sommer, die kommt zu spät. - Auch bei niedriger Last im Frühjahr nur TBE ohne OX wäre ebenfalls kritisch, die verbleibende Varroalast zu hoch, das Volk bricht im Herbst zusammen. - TBE+OX ohne Winterbehandlung lässt das Volk überleben, führt aber zu hoher Last im Frühjahr, und im nächsten Herbst zum Zusammenbruch. - Kritisch bleibt generell die Winterbehandlung. Zumindest 1 Behandlung muss brutfrei erfolgen. 2 Behandlungen erhöhen die Trefferwahrscheinlichkeit, und senken die Varroabelastung auf ein niedriges Niveau.

    Im Rechenmodell nur 1x TBE+OX und 1x OX träufeln: Bei nur 1 Sommerbehandlung und 1 Winterbehandlung müssen beide sitzen, sowohl der Zeitpunkt als auch die Effektivität. - Ansonsten ist man ganz schnell auf dem aufsteigenden Ast mit zunehmender Varroapopulation von Jahr zu Jahr.

    ... auch diese Betrachungen sind nur Interpretationen aus dem Rechenmodell heraus. - Wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmen, dann spräche das für das Modell.

  • Im Rechenmodell nur 1x TBE+OX und 1x OX träufeln: Bei nur 1 Sommerbehandlung und 1 Winterbehandlung müssen beide sitzen, sowohl der Zeitpunkt als auch die Effektivität. - Ansonsten ist man ganz schnell auf dem aufsteigenden Ast mit zunehmender Varroapopulation von Jahr zu Jahr.

    Vielleicht sterben deswegen auch bei erfahrenen Imkern immer mal wieder einzelne Völker. Weil eins z.B. zur Winterbehandlung doch nicht aus der Brut war und dann könnte sich das aufstauen und hat erst im übernächsten Jahr einen tödlichen Effekt.

    Dazu paßt auch der Gedanke, dass während man seine Völker vermehrt, die Varroa nicht so das Problem ist. Weil man bei diesen Völkern, die überzähligen Milben eben mit den zwei oder drei Waben zur Ablegerbildung grad wieder raus nimmt 💡

  • Also varromed zb kann man direkt vor aufsetzen des honigraums angewendet werden, die Untersuchungen belegen, dass es keine Rückstände gibt, so viel zum Thema den Honig nach China zu verkaufen oder ähnliches. Und eine Frühjahrsbehandlung macht durchaus Sinn, wenn man es rein objektiv betrachtet. Was haben wir im Herbst wie im Frühjahr? Genau, räuberei! Wer wird ausgeräubert? Genau, Schwächlinge! Warum sind sie schwach? Oftmals wegen unzureichender Varroabehandlung! Wozu führt dies? Zu reinvasion! Was bedeutet das? Gesunde Völker, die im Dezember behandelt wurden und gut im Saft stehen, holen sich die varroen ins Haus. Und dann brechen die im Juli plötzlich weg, obwohl ja erfolgreich behandelt wurde im Vorjahr, ganz nach Lehrbuch. Ich habe mit dem Modell von Randy Oliver gespielt und da hat die Frühjahrsbehandlung, im März die Varroa nochmals deutlich zu reduzieren vor Honigraumgabe, einen sehr deutlichen Effekt, und zwar, dass die Völker die Schadschwelle im September statt august erreichen.


    Und auch resistente Völker müssen da geschützt werden, denn gerade die sind diejenigen, welche im August vital sind und sich durch reinvasion die Varroa holen und dann die wertvollen winterbienen ausräumen und so tendenziell geschwächt in den Winter gehen obwohl sie eigentlich resistent sind. Solange es nicht flächendeckend tolerante Völker gibt, macht es durchaus Sinn auch die resistenten Völker vor reinvasion zu schützen.

  • Also varromed zb kann man direkt vor aufsetzen des honigraums angewendet werden, die Untersuchungen belegen, dass es keine Rückstände gibt, so viel zum Thema den Honig nach China zu verkaufen oder ähnliches.

    Na klar kannst Du das anwenden. Jederzeit. Aber was sagt denn die Honigverordnung?^^

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Die Honigverordnung sagt eigentlich gar nichts über Varroa-Behandlungen soweit ich das lese. Solange der Honig nicht verändert wird (z.B. Säuregehalt wird erhöht) sollte da kein Problem sein. Wenn dann, steht das in einer anderen Verordnung.

  • mir vor wie ein verbiegen von Gesetzen und Verordnungen so wie man es gerade braucht,

    so einige dampfen, weiss ich, ist hier in D nicht legal, weiss ich.

    Nun benutzt da jemand Legales in D, aber vielleicht nicht zur richtigen Zeit ?, und wird ans Kreuz dafür genagelt.

    Es fällt mir schwer neutral zu bleiben, aber Wasser predigen und Wein saufen, is auch nicht richtig.

    Wenn das mit der Anwendung geht solls mir recht sein. Ich hab in meinen frühen Jahren dermaßen auf die Socken bekommen als ich wo fragte ob ich Ox sprühen kann da 0 Tage Wartezeit drauf steht (Hr könnte ja nen Tag runter). Ab da war der heilige Gral Honigverordnung kein Honig wenn in dem Jahr zuvor behandelt hast.

    Bernhard ans Kreuz nageln liegt mir fern er wird schon wissen was er tut und auch die nötigen Analysen gemacht haben.

  • Gute Güte, so viele Beiträge in einem Tag. Nun gut.


    Ich habe mir gerade nochmal die Honigverordnung angesehen, die jeder hier im Gesamttext einsehen kann: https://www.gesetze-im-interne…v_2004/BJNR009200004.html und kann keinen Bezug zum Thema finden.


    Ich habe mich für die Anwendung von Varromed entschieden, weil es als einziges Mittel für die Anwendung im Frühjahr zugelassen ist. Europaweit und in Deutschland im Speziellen. Persönlich finde ich die Propolisbestandteile gut, die es damals auch in Bienenwohl gab. Und der Verzicht auf Zucker in der Lösung, weil Zucker und Oxalsäure immer Darmschäden bei den Bienen verursacht. Das Leaky Gut-Syndrom bei Bienen. Die Wirkung ist völlig ausreichend, wenn das neue integrative Konzept verstanden und angewandt wird.


    ApiVar nutze ich nach der letzten Ernte als Sommerbehandlung. Ich nutze ApiVar als eines von zwei zugelassenen Mitteln mit dem Wirkstoff Amitraz. Daß ich Apitraz nicht nutze, hat in erster Linie mit meiner persönliche Abneigung gegen die Herstellerfirma zu tun.


    ApiVar mit Amitraz muss eigentlich nur in dicht mit Bienenvölkern besiedelten Gegenden, zum Beispiel in der Stadt, jedes Jahr eingesetzt werden. In weniger dicht besetzten Landstrichen reicht es, alle drei-vier Jahre einmal mit ApiVar die Grundbehandlung zu machen. Hier ist die Behandlung mit Varromed nach dem neuen Konzept jedoch weiter notwendig.


    Langfristig – und so schreibe ich es ja auch in meinem Buch – ist die eigenständige Varroaresistenz der Bienenvölker notwendig. Ich unterstütze die Varroaresistenzzucht. Ob die Sache rein genetisch über die Zucht erfolgt, sei nochmal dahingestellt. Meiner eigenen Erfahrung nach bedarf es da zusätzlich zur "technischen" Lösung auch eine biologische Lösung. Sprich: die Anwendung des Wissens über die Bienen- und Varroabiologie. Wir wissen sehr viel und handeln noch nicht danach.


    Eben erwähnter Randy Oliver hatte mich auf den "Dreimonatseffekt" hingewiesen. Sprich: Seinen Versuchen nach, erholt sich die Varroapopulation nach einer Behandlung spätestens nach drei Monaten wieder auf 100 Prozent des Ursprungszustandes vor der Behandlung.


    Dann kam eine Studie aus den Niederlanden mit Ameisensäure im Frühjahr hinzu und vor allem die Studie aus Kanada:

    Currie, RW and P Gatien (2006) Timing acaricide treatments to prevent Varroa destructor (Acari: Varroidae) from causing economic damage to honey bee colonies. Can. Entomol. 138: 238–252

    DOI: https://doi.org/10.4039/n05-024


    Seither, und das sind jetzt schon einige Jahre, kann ich diesen starken Effekt auch selbst bei mir beobachten. Andere mit mir befreundete Imker sehen diese Effekte auch. Und bei denen, die zum Beispiel beim Sonntagstreff bei mir gehört und das übernommen haben. Hier liegt also schon reichlich Erfahrungswissen vor, wie Manne sagen würde: natürliches Erfahrungswissen.


    Letztendlich ist das den meisten Wissenschaftlern auch bewusst gewesen, als sie zum Beispiel den Drohnenschnitt im Frühjahr erfunden haben. Naja, eigentlich geht das Drohnenschneiden auf eine lange Tradition zurück. Früher hat man Drohnen geschnitten, weil man den Drohnen den Honig nicht gegönnt hat. Heute eben, um die Varroa zu kürzen. Leider ist das Drohnenschneiden im Ergebnis eher kontraproduktiv. Ich habe das immer wieder über Jahre versucht und festgestellt, daß ich durch das Weglassen des Drohnenrahmens (und daher auch kein Schneiden der Drohnen) eine ganze Zarge Honig mehr ernten kann. Das ist für mich ein Zeichen dafür, daß gerade mehrfach wiederholtes Drohnenschneiden die Bienen auf irgendeine Weise schwächt. Ich vermute, daß die unnatürlich große Fläche Drohnenbrut einfach zu viel Fettkörper verbraucht. Verringerter Fettkörper gleich weniger Futtersaft für Flugbienen gleich weniger Honig.


    Drohnen haben die Bienenvölker trotz fehlendem Drohnenrahmen übrigens natürlich trotzdem reichlich und in ausreichender Menge.


    Soviel erst einmal dazu.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Ich habe mir gerade nochmal die Honigverordnung angesehen, die jeder hier im Gesamttext einsehen kann: https://www.gesetze-im-interne…v_2004/BJNR009200004.html und kann keinen Bezug zum Thema finden.

    Wird bei jedem simplen Honiglehrgang durchgenommen. HV, §2(1) in Verbindung mit Anlage 2 Allgemeine Anforderungen.


    Da die erwähnte Studie der Niederländer weiter fehlt , hier mal was anderes aus Holland bzgl

    Frühjahrsbehandlung und Auswirkungen auf den Honig.

    Rückstande Honig Frühjahrsbehandlung


    Drohnenbrut schneide ich nicht, ich brauche die. Aber DR setze ich. Die Flächen, die sonst an den Wabenrändern entstehen, da das Volk dann dort die benötigten Drohnen erbrütet dürften zusammen locker den DR füllen. Das dies dann weniger auszehrend auf den aufs gesamte Volk wirken soll, entzieht sich mir.

  • BernhardHeuvel

    Danke für deine Antwort, für mich wäre es einfacher, wenn du erst schlüssig erklären kannst, wieviel Honig du durch Varroabehandlung im Frühjahr mehr erntest, bevor du mit der nächsten Zarge Honig wegen fehlendem Drohnenbau daherkommst.


    Gruß Ramona

    Die lieber Wissenschaftlern mit Fakten folgt, als Politikern mit blumiger Sprache ;)

    Der Tradition verbunden, der Natur verpflichtet.

  • Dohnenschneiden, muss ja an der Voklsleistung zerren.

    Es bedarf viel Energie, das Wachs und die Drohnenbrut zu erneuern. Die Energie fehlt wo anders.


    Was verstehst du unter Varroatolernanz / Resistenz?

    Diese Begriffe würden heißen, dass die Bienen, umgerechnet auf Größe Mensch, in etwa mit einem Parasiten, so groß wie ein Karnickel, als Sauger, klar kommen, ohne das er ihnen angedockt schadet? Egal welche Menge von Parasiten davon im Stock ist.

    Bitte um plausible Erklärung.


    Nichts destotrotz würde sich wohl jeder Bienen wünsche, die aber nicht Tolerant / Resistent zur Varroa sind sonder genau das Gegenteil damit machen - wenn das geht, ohne den Killerbienenstatus zu erreichen.