Varroabehandlung/ Auswirkungen auf die Honigerntemenge

  • Wir wettern über Landwirte, die ihre Erträge mit Spritztechnik sichern.

    Gleichzeitig wird hier über regelmässige Varroabehandlung während der Tracht diskutiert.

    Dekadent nenn ich so etwas.

    Ein Forum ist immer noch dafür da zu diskutieren.


    Nicht jeder hat die Monatsbetrachtungen in der Biene&Natur v. 2019 auf dem Schirm und seit dem sind etliche Leute auch neu ins Thema eingestiegen. Woher sollen die eine Einordnung bekommen, wenn nicht über eine entsprechende Diskussion. Die Vehements, mit der hier manchmal aufgetreten wird und die doch sehr einseitige Ausrichtung ist auf die Dauer eher einschläfernd. Von daher gut, dass noch mal jemand aus einem anderen Blickwinkel schreibt. Ich persönlich warte immer noch auf die Nennung der anführten Studien vom Kollegen.

  • Ein Forum ist immer noch dafür da zu diskutieren.


    Ich persönlich warte immer noch auf die Nennung der anführten Studien vom Kollegen.

    Genau das.

    Aber scheint entweder nur eine Nebelkerze gewesen zu sein oder der kurze "ich-überrenne-alle-im-Forum-mit-meinem-Wissen"-Schub hat akut wieder nachgelassen, denn seit der Flut an spannenden Andeutungen in quasi allen Fäden hört man schon wieder nix mehr...

    Schade.

  • Sehe ich genauso. Dazu kommen nochmal die Zeit für die zusätzlichen Behandlungen. Und mir ist herzlich egal, ob das während der Tracht erlaubt ist - sowas kommt mir nicht in die Beuten. Und nebenbei frag ich mich, wie ich an alle Bienen rankommen soll, wenn ich DNM 1,5 plus 2 Normalzargen Honig drauf habe und träufeln soll ??? Was wäre, wenn sich die Suppe mit frisch eingetragenen Nektar verbindet ? Ne, mach ich nicht. Never.

  • Nix für ungut, aber lasse doch bitte mal die Kirche im Dorf und argumentiere mehr mit Sachlichkeit und weniger mit Vehemenz. Die permante Moralkeule nutzt sich allmählich ab und sicher werden deine Argumente dann auch besser aufgenommen.


    Ich möchte weder die Frühjahrsbehandlung propagieren noch führe ich sie selbst durch. Aber mal vom rein praktischen Standpunkt aus gesehen: Wenn im März eine Oxalsäure-Sublimation durchgeführt wird und ein Gramm Oxalsäure in das Volk gebracht wird: Welches Risiko entsteht hier für den Vebraucher? Selbst wenn die Völker klein sind, Honigräume aufgesetzt sind und am Ende nur 3 kg Frühtracht geerntet werden? Das erkenne ich beim besten Willen nicht.


    Es ist nicht erlaubt und es ist nicht nötig, daher sehe ich keinen Grund für die Durchführung einer Frühjahsbehandlung (lasse mich anhand von Daten aber auch überzeugen). Dennoch geht das Abendland nicht unter, wenn drei Tropfen Varromed im März in die Völker kommen.


    Zitat von rall0r

    Oder ist in einer Erwerbsimkerei der Unterschied von 2300€ irrelevant klein?

    Wenn ich dein Rechenbeispiel zugrunde lege, ist der Unterschied tatsächlich marginal. 2300 € entspricht rund 230 kg Honig, sprich knapp 1 kg Honig je Volk - im Beispiel mit den 250 Völkern. Wenn eine entsprechende Behandlung signifikant mehr Honig je Volk bringen würde (Konjunktiv!), wäre das gut angelegtes Geld.

  • Wenn mir eine entsprechende Behandlung tatsächlich signifikant mehr Honig je Volk bringen würde (Konjunktiv!), dann wäre das also tatsächlich gut angelegtes Geld.

    Ich hadere eben mit "wenn". Das VarroMed im Frühjahr zu einer besseren Honigernte führen soll, erscheint mir zweifelhaft, wenn ich wieder Randys Varroa Model zu Hilfe nehme:


    Wenn ich mit 10 Milben in die Saison starte, und bis Juli nichts unternehme, sind Anfang Juli <400 Milben im Volk. Wenn ich ab März alle 2 Monate VarroMed träufele, und davon ausgehe, dass es total super wirkt (was es nicht tut), dann habe ich Anfang Juli rund 250 Milben in der Kiste.

    Das sind natürlich nur Circa Werte und mit Vorsicht zu genießen, aber dass etwa 150 Milben einen signifikanten Unterschied im Honigertrag machen sollen...


    Selbst wenn ich von 50 Milben als Startpopulation ausgehe, haben wir dann Werte von 1700 Milben Anfang Juli (ohne Zwischenbehandlung) zu 1100 Milben (mit VarroMed). Selbst hier bin ich nicht wirklich überzeugt, dass es einen Unterschied macht, ob zum Ende der Honigsaison 800 Milben mehr oder weniger im Volk sind.


    Oder andersherum aufgezogen:

    Wenn ich eine hohe Startpopulation habe (sagen wir mal 300 Milben), dann habe ich ohne Zwischenbehandlung Anfang Juli ~10.000 Milben, wenn ich Zwischenbehandlungen einbaue, sind es ~6600.

    Die Zwischenbehandlungen dämpfen zwar das Wachstum der Milbenpopulation, aber eben nur in einem Maße, dass ich nicht unbedingt von einem betrieblichen Nutzen überzeugt bin.


    Da bleibt dann eben die Frage nach Kosten/Nutzen.


    PS: Was mir an dieser Diskussion gefällt, ist die konkrete Auseinandersetzung mit der Varroa-Entwicklung anhand des Varroa Models. Wollte ich schon immer mal machen, und das ist gerade ein willkommener Anlass :)

  • Das Varroa Modell und die Diskussion hier verfolge ich sehr intensiv, lehne für mich aber ebenfalls mit derzeitigen Mitteln eine Varroabehandlung vor der Honigernte ab.


    Ich verstehe Immenlos Hinweise sehr gut. Auch in der Landwirtschaft kennt man diese Abhängigkeit von immer mehr "Behandlungsmittel" für die Böden.


    Zielführend könnte langfristig eine Auseinandersetzung mit Zucht einer varroaresistenten Biene und die Förderung eines frühen Brutbeginns sein. Der wiederum würde ohne Honigverlust frühzeitig zum Beispiel ein Bannwabenverfahren während der Frühtracht ermöglichen.


    Das Ziel mehr Honig steht für mich weit hinter dem Ziel gesunde Bienen mit möglichst wenig Eingriffen des Imkers zu erreichen.

    Der Tradition verbunden, der Natur verpflichtet.

  • Nix für ungut, aber lasse doch bitte mal die Kirche im Dorf und argumentiere mehr mit Sachlichkeit und weniger mit Vehemenz. Die permante Moralkeule nutzt sich allmählich ab und sicher werden deine Argumente dann auch besser aufgenommen.


    Ich möchte weder die Frühjahrsbehandlung propagieren noch führe ich sie selbst durch. Aber mal vom rein praktischen Standpunkt aus gesehen: Wenn im März eine Oxalsäure-Sublimation durchgeführt wird und ein Gramm Oxalsäure in das Volk gebracht wird: Welches Risiko entsteht hier für den Vebraucher? Selbst wenn die Völker klein sind, Honigräume aufgesetzt sind und am Ende nur 3 kg Frühtracht geerntet werden? Das erkenne ich beim besten Willen nicht.

    Das entspricht aber 1:1 der Argumentation der Landwirtschaft z.B. für Glyphosat: schon grundsätzlich eher wenig gefährlich und schon garnicht in den in der realen Anwendung ausgebrachten Mengen. Ist vermutlich für beide Fälle so auch richtig, in unserer Diskussion hier für Varroamittel/Bienen und Landwirtschaft/Glyphosat. Aber dann in beiden Fällen sssschhh leise^^


    Ich finde es auch legitim neben der Frage der Möglichkeit auch zu beleuchten, wie sinnvoll das wäre. Ich war raus wie als Ergebnis 'das Doppelte' im Raum stand. 'Wolle Rose kaufen?'^^


    Aber auch hier plädiere ich im Zweifelsfall für ausprobieren. Wäre ja toll. Zumindest für die Hersteller von der Plörre^^

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Schön wären Zahlen, die "das kg mehr" belegen, damit man weiß über was geschrieben wird. Wer starke Völker auswintert, die im FJ gut sammeln und bis zur Sommertracht keinen "Milbenschock" erleiden (hatte ich noch nie), muss sich um das kg mehr eher keine Gedanken machen.


    Es ist eine immer wieder müßige Diskussion über Behandlung während der Trachtzeit und deren Auswirkung auf den Honig. Ganz ähnlich wie bei der Bioimkerei - Holz, kein Kunststoff - ganz prinzipiell Punkt. Llecter hat's da auf den Punkt gebracht - eine oder zwei OXS Sublimationen bei angenommenen HRen während der Trachtzeit wäre rein rechnerisch eine völlig unbedeutende Belastung des Honigs, zumal dieser Stoff ohnehin enthalten ist. Aber - wird das Prinzip unterlaufen, bleibt's nicht bei einer oder zwei Behandlungen, dann werden's schon mal viele; denn es soll ja mehr Honig bringen...


    Mal die Kirche im Dorf lassen!

  • Das entspricht aber 1:1 der Argumentation der Landwirtschaft z.B. für Glyphosat: schon grundsätzlich eher wenig gefährlich und schon garnicht in den in der realen Anwendung ausgebrachten Mengen. Ist vermutlich für beide Fälle so auch richtig, in unserer Diskussion hier für Varroamittel/Bienen und Landwirtschaft/Glyphosat. Aber dann in beiden Fällen sssschhh leise^^

    Auch hier habe ich, vielleicht berufsbedingt, eine etwas andere Sichtweise :) Egal ob Glyphosat, Varromed oder sonstwas - letztlich kann und sollte man das alles als Werkzeug sehen. Sinnvoll und richtig (dosiert) angewendet bringen diese unbestreitbare Vorteile (bevor wieder die (virtuellen) Steine fliegen: natürlich kann man über die Größe dieser Vorteile streiten und ob diese nicht durch andere Nachteile aufgewogen werden). Falsch eingesetzt, richten diese Werkzeuge Schaden an. Das trifft aber auch auf das Küchenmesser zu.


    Letztlich wäre es nun langsam Zeit für BernhardHeuvel die beiden angesprochenen Studien zu benennen, damit wir eine Ahnung bekommen wie groß der Vorteil denn tatsächlich sein könnte.

  • 2300 Euro Ersparnis sind übrigens nicht das selbe, wie 230 kg Honig. Der Honig ist nämlich Umsatz, davon kommt nur etwa die Hälfte beim Imker an und bringt außerdem zusätzliche Arbeit. Die 2300 Euro Ersparnis sind direkt ein Monatslohn an, den man schonmal einen Haken machen kann.

  • Falsch eingesetzt, richten diese Werkzeuge Schaden an. Das trifft aber auch auf das Küchenmesser zu.

    Im Fall von Glyphosat eine seltsame Bewertung. Ein Messer arbeitet punktgenau, Glyphosat tötet alle Pflanzen ab, die es erwischt, es ist ja ein Totalherbizid. Wenn man alles, was da grünt, für vernichtenswert hält, dann mag man dem folgen. Wenn man das nicht so sieht, kommt man wohl zu dem Ergebniss, dass man Glyphosat nicht anders als falsch anwenden kann.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)