Macht Honig dick ??

  • Liebe Imkerfreunde,


    immer wieder höre ich in meinem Bekanntenkreis, dass Honig bestimmt ähnlich viel Kalorien hat wie z.B. Schokolade oder Zucker. Ich bin nun kein Nahrungsmittelexperte, sonder esse nur einfach gerne Honig. Die Bestandteile sind mir bekannt, nur vielleicht kann mir jemand etwas über die Kalorienzahl von Honig sagen, damit ich diese "Dickmacherängste" widerlegen kann.


    Vielen Dank


    Lutz

  • Hallo Lutz,
    Honig hat etwa soviel Kalorien wie Kristallzucker.
    Demzufolge macht er auch dick, wenn Du zuviel davon ißt.
    Honig ist trotzdem ein gesundes Nahrungsmittel.
    Es kommt einfach auf die Menge an...
    Du kannst auch soviel Marmelade, Nutella oder auch Magerjoghurt essen, daß Du dick wirst.
     :wink:



    Viele Grüße,
    Erwin

  • Hallo Lutz
    Ich versuche als Imker Deine nicht so einfachen Fragen möglichst kurz und verständlich zu beantworten.
    Irtümerlicherweise wird behauptet der Honig sei so schädlich wie der Haushaltzucker, doch die Zusammensetzung unterscheidet sich wesentlich.
    Die Bienen führen dem Nektar und Honigtau Fermente hinzu, durch welche eine Zuckerart in eine andere umgewandelt werden kann. Bis zu 30 verschiedene Zuckerverbindungen findet man dadurch im Honig.
    Haushaltzucker wird grösstenteils aus Zuckerrüben gewonnen. Er besteht aus dem Zweifachzucker Saccharose. Ausser Kalorien enthält der Zucker nichts anderes und ist damit ein leerer Kalorienträger.
    Honig besteht aus Fructose (34 - 41%), Saccharose (28 - 35%), Zweifachzucker (4 - 15%), Mehrfachzucker (1 - 14%) und Wasser (17 - 20%).
    Durch Verzehr von Glucose (Einfachzucker) und Saccharose (Zweifachzucker), welche schnell ins Blut gelangen, steigt der Blutzuckerspiegel sprunghaft an. Die Bauchspeicheldrüse produziert dadurch grosse Mengen Insulin und der Blutzuckerspiegel sinkt zu stark. Es entsteht ein schneller Blutzuckerabfall welcher ein Hungergefühl auslöst und der Körper verlangt nach noch mehr Süssigkeiten (z.B. Schokolade). Der Stoffwechsel wird belastet und es entsteht Übergewicht.
    Fruchtzucker ist ebenfalls ein Einfachzucker, welcher aber trotzdem die Fähigkeit besitzt langsam, ohne den Körper allzu sehr zu belasten, ins Blut zu gelangen.
    Mehrfachzucker werden zuerst in Einfachzucker aufgespalten, bevor sie in das Blut gelangen. Da dieser Vorgang eine längere Zeit beansprucht, steigt der Blutzuckerspiegel nur langsam und gleichmässig an. Die Unterzuckerung und dadurch der Heisshunger tritt nicht auf. Der Stoffwechsel wird nicht so sehr belastet.
    Da der Honig aus verschiedenen Zuckerarten besteht, gelangt ein Teil des Zuckers als Energie- Spender sofort ins Blut, ein andere Teil später und der Mehrfachzucker folgt dann noch später nach. Das heisst der Blutzuckerspiegel bleibt gleichmässig bestehen und das verlangen nach noch mehr Zucker bleibt aus.
    Ausserdem hat HONIG mehr Süsskraft. Zum Kochen eignet sich eher flüssigen Honig und sollte erst, wenn immer möglich, kurz vor dem Anrichten den Speisen beigegeben werden. Hitze schadet dem Honig.
    100 Gramm Honig hat etwa 325 Kalorien (1350 Joules), Zucker 400 Kalorien (1660 Joules).
    Soweit zum Thema Zucker. Es gibt im Honig aber auch noch andere Inhaltsstoffe, welche sehr wertvoll sind.
    Es wird immer schwieriger, natürliche und wenig bearbeitete Lebensmittel zu bekommen. Einem Naturprodukt wie der Honig sollte man daher besondere Beachtung schenken

  • Hallo Lutz
    Hat denn die Imkerschaft etwa Übergewicht ????? Wenn dem so wäre,das Honig dick macht,müsste man einen Imker an seinem dicken Honig- Bauch erkennen,oder??? Naja eigentlich gibts bestimmt auch Imker die keinen Honig vertilgen und trotzdem erhöhten Bauchumfang vorweisen.
    Bei zuviel Honig lecken ist es doch bestimmt nicht vermeidbar,oder????? Dann wird die Hose eben etwas größer gemacht,alles lösbar.
    imkerliche Grüße

  • Hallo, Hanspeter,


    Deine Angaben über die Zucker im Honig scheinen mir nicht ganz richtig. Bei den im Honig enthaltenen Zuckern ist Dir der nach der Fructose im Durchschnitt zweitwichtigste durchgegangen, die Glucose, die - wie Du schreibst - schnell ins Blut aufgenommen wird. Saccharose wird wie alle Zwei- und Mehrfachzucker nicht schnell ins Blut aufgenommen, sondern überhaupt nicht. Sie wird an der Darmwand durch das dort sitzende Enzym Saccharase in je 1 Molekül Glucose und Fructose gespalten und verhält sich danach wie diese. Glucose wird von der Darmzelle aktiv, daher schneller, über einen Transportmechanismus ins Blut "geschaufelt", während Fructose nur passiv diffundiert und damit etwas langsamer ankommt.


    Ich denke, daß sich der Gesundheitswert von Honig weniger an der Zuckerzusammensetzung als vielmehr an den von Dir genannten "anderen Inhaltsstoffen" festmacht.


    Und, ob er dick macht, hängt m. E. einfach von der verzehrten Menge ab...


    Viele Grüße, Johannes

  • Johannes, danke für die Korrektur, ich habe zur sehr vereinfacht und abgkürzt.
    Das Reduzieren oder Ausbleiben des Verlangen nach noch mehr Süssigkeiten scheint mir persönlich auch ein wichtiger Faktor. Wobei auch für mich die positiven Wirkungen der anderen Inhaltsstoffe von grösserer Bedeutung sind.

  • Hallöchen,
    noch eine kleine Ergänzung zu den obigen Ausführungen: Honig ist nicht vergleichbar mit Schokolade in Sachen "Dickmachen". Denn in der Schokolade findet sich auch ein hoher Anteil Fett, welcher im Honig nicht zu finden ist. Absolute Regel für Menschen, die sich bewußt ernähren lautet: Niemals Fett mit Zucker! Da Honig kein Fett enthält, passt das ja wunderbar... Im Übrigen habe ich auch noch keine dicke Biene gesehen! :D:D Gruss Verena

    Das Wissen hat bittere Wurzeln, aber seine Früchte sind süß! (Cato)

  • In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein sehr gutes Buch (Büchlein) aufmerksam machen:
    "Ein Leben lang gesund MIT HONIG Da Nahrungsmittel Honig in verschiedenen Lebensabschnitten" Dip. oec. troph Renate Frank.


    Eine kurze Zusammenfassung zum Thema Honig und ernährung. Prima Büchlein.
    Leider ist es so, dass auch in der Ernährungsberatung vielfach einfach Quatsch erzählt wird. So kann ich mich an eine Sendung im Bay. Rundfunkt erinnern, wo immer wieder Zucker und Honig auf eine Stufe gestellt wurden und der Unterschied nicht herausgearbeitet wurde.


    Mir scheint auch, dass wir Imker es tun müssen - informieren und aufklären, was es mit dem Honig auf sich hat.


    Leider aber muß ich auch hier feststellen, dass der Imker wohl weiß Bienen zu halten. Beim Thema Honig ist oft aber dann auch dessen Horizont erreicht. "Ich habe keinen Honnig mehr, nur noch Rabshonig", mit solchen Sprüchen werden Kunden empfangen.


    An Süßigkeiten könnte ich mich manchmal tot futtern. Bei Honig dagegen genieße ich den ersten Löffel, den zweiten eß ich auch noch und beim dritten geht dann schon nichts mehr. Von Honig dick werden, würde mir also nicht gelingen.


    H. Watzl