Königinnenzucht über Schwarmtrieb

  • Hallo zusammen,


    selbst ein schwarmträges Volk neigt ja dazu, irgendwann zu schwärmen, wenn es eng gehalten wird. Eine Schwarmkönigin ist dazu die natürlichste Art der Vermehrung bei den Bienen, von vornherein perfekt aufgezogen und kommt nur vor, wenn kein Mangel herrscht. Das sollte also alle Bedingungen treffen, die man für eine geile Königin benötigt.


    Ich stelle mir das so vor, dass man am Anfang des Jahres mehrere kleine Begattungseinheiten fertigstellt und dort Notköniginnen nachziehen lässt. Diese lässt man einfach das Jahr laufen, durch den begrenzten Platz würden die Bienen irgendwann Schwarmtendenzen entwickeln und ggf. (wenn keine regelmäßige Kontrolle stattfindet) abschwärmen. Nun könnte man die Zellen ernten (oder abwarten, bis alle geschlüpft sind / die Prinzessin die restlichen erledigt hat und sich selber begatten lässt).


    Das Verfahren hätte für mich folgende Vorteile

    1. Sehr einfach

    2. Perfekt aufgezogene Königin

    3. Man kommt durch den doppelten Brutzyklus schneller an eine lokale Biene (so man dies möchte)

    4. Natürliches Verfahren


    Nachteil

    1. Man produziert mehr abgeschwärmte Völker, auch wenn diese recht klein sein sollten

    2. Man hat das doppelte Risiko, dass eine Königin nicht zurückkommt

    3. Man hat sehr viel weniger Einfluss auf die Genetik (Belegstellen kommen durch den nicht planbaren Zeitpunkt ja leider nicht in Frage)

    4. Weniger Bienen, die eine Königin aufziehen, könnten auch Nachteile haben (allerdings pflegen bei Züchtern wahrscheinlich mehr Bienen auch mehr Schwarmzellen, daher bin ich mir nicht sicher, wie sich dies auswirken würde).


    Was ich nicht weiß ist, ob man dadurch eine Schwarmgenetik fördern würde oder nicht. Wenn man vorher eine schwarmträge Genetik hat, sollte dies eigentlich nicht ausschlaggebend sein, wobei es bei der doppelten Begattung natürlich dazu kommen kann.


    Ich glaube nicht, dass man über ein solches Verfahren eine Top-Leistungskönigin züchtet, aber auf jeden Fall gute Königinnen im Gegensatz zu den Notköniginnen. Gibt es solche Verfahren, die schon in der Praxis angewendet werden?


    Vg,


    Bugsi

    My Brother went over the Ocean, my Sister went over the Sea. My Father went over my Mother, that was the beginning of meeeee...


    10 Völker Carnica/Buckfast DNM 1.0 und 1.5 in Seegeberger und Holzbeute, Anfänger seit 2021

  • Nein, das wäre auch nicht notwendig da der Schwarm ja die Notkönigin beinhaltet, die nachgezogene Schwarmkönigin wäre ja noch im Volk.

    My Brother went over the Ocean, my Sister went over the Sea. My Father went over my Mother, that was the beginning of meeeee...


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  • Super. Absichtlich Mini-Schwärme in die Natur entlassen...

    Abgesegen davon, wird eine Schwarmzelle in einem Begattungskasten sicherlich wesentlich schlechter versorgt / gewärmt als in einem vernünftigen Pflegevolk.

    Klar kommt dabei irgend eine Königin raus, ich würde damit aber nicht meine Wirtschaftsvölker beweiseln wollen. Und ob Bioland / Demeter sich das unter "Vermehrung aus dem Schwarmtrieb" vorgestellt haben, glaube ich auch nicht.


    Viel Erfolg beim Versuch,

    Troll

  • Nein, das wäre auch nicht notwendig da der Schwarm ja die Notkönigin beinhaltet, die nachgezogene Schwarmkönigin wäre ja noch im Volk.

    Lässt du Welpen auch planmäßig weglaufen, wenn du weißt, dass du nicht genug Zeit hast, auf sie aufzupassen? Ist ja nicht schlimm, der Wurf hatte ja fünf und du brauchst nur einen?

    3. Man hat sehr viel weniger Einfluss auf die Genetik (Belegstellen kommen durch den nicht planbaren Zeitpunkt ja leider nicht in Frage)

    Du hast gar keinen Einfluss mehr auf die Genetik. Wenn du das zwei Jahre gemacht hast, sind im Schnitt noch 6 % deiner Ursprungsgenetik drin. Das heißt 94 % der Genetik kommt aus deiner Umgebung und ist deshalb davon abhängig, was die anderen halten.


    Was ich nicht weiß ist, ob man dadurch eine Schwarmgenetik fördern würde oder nicht.

    Natürlich fördert man damit schwarmtriebige Genetik. Die schwärmen nämlich zuerst und bilden die meisten Zellen.


    Ich glaube nicht, dass man über ein solches Verfahren eine Top-Leistungskönigin züchtet

    Das einzige, worauf mit diesem Verfahren gezüchtet wird, ist Schwarmtrieb.


    Und ja, das wird von der Aufzucht her wohl bessere Königinnen geben, als Notköniginnen. Aber statt verantwortungslos mit seinen Bienenvölkern umzugehen, könntest Du ja auch Umlarven lernen und es richtig machen. Oder du gibst 9 Euro für eine top aufgezogene Königin mit top Genetik aus, die kommt auch noch ohne Aufwand direkt nach Hause. Ich hab früher an manchen Tagen mehr für Zigaretten ausgegeben, ein Kinobesuch kostet heute schnell das Dreifache, du tust den Züchtern was Gutes und du hast eine oder sogar zwei ganze Saisons etwas davon.

  • Nein, das wäre auch nicht notwendig da der Schwarm ja die Notkönigin beinhaltet, die nachgezogene Schwarmkönigin wäre ja noch im Volk.

    Genau die Antwort hatte ich befürchtet. Was ist unter Tierschutzaspekten der Unterschied zu dem Aussetzen von Katzen? Die haben wenigstens noch eine gewisse Überlebenschance. Die geschwärmten Völker gehen (sofern nicht von anderen Imkern zufällig eingefangen) elendig an Varroa zugrunde.

  • Wenn die eine Notkönigin haben, ist es möglich, dass sich die Bienen sowie so eine neue Königin nachschaffen. Ist halt nicht sicher...


    Nur stelle ich mir die Frage, warum nicht Völker auf ganz kleinen Waben laufen lassen und von diesen Völkern frisch bestiftete Waben nutzen und diese anderen Völkern zugeben. Dann ziehen diese aus den frisch schlüpfenden Larven schöne neue Königinnen.

  • Nur stelle ich mir die Frage, warum nicht Völker auf ganz kleinen Waben laufen lassen und von diesen Völkern frisch bestiftete Waben nutzen und diese anderen Völkern zugeben. Dann ziehen diese aus den frisch schlüpfenden Larven schöne neue Königinnen.

    Kennst du schon den Bogenschnitt?

  • Nur stelle ich mir die Frage, warum nicht Völker auf ganz kleinen Waben laufen lassen und von diesen Völkern frisch bestiftete Waben nutzen und diese anderen Völkern zugeben. Dann ziehen diese aus den frisch schlüpfenden Larven schöne neue Königinnen.

    Kennst du schon den Bogenschnitt?

    Klar kenne ich den, ich larve aber um...


    Worauf ich hinaus wollte ist, dass ich nur Stifte gebe, so dass auf der gegebenen Wabe nicht noch ältere Larven sind, welche die Bienen nutzen. Denn diese wollen im Notmodus möglichst schnell wieder eine neue Königin...

  • Das Verfahren hätte für mich folgende Vorteile

    1. Sehr einfach

    2. Perfekt aufgezogene Königin

    3. Man kommt durch den doppelten Brutzyklus schneller an eine lokale Biene (so man dies möchte)

    4. Natürliches Verfahren

    1. Nur auf dem Papier

    2. Nein, besser als die Notköniginnen oder aus dem 1-Waben-Ableger, aber garantiert nicht perfekt.

    3. Du kommst am schnellsten an IRGENDWAS

    4. Nein, "natürlicherweise" vermehren sich die starken, gesunden und "im Saft stehenden" Völker am Besten... nicht die Völker, die aus der Not getrieben - und das machst Du dann - schnell eine Königin ziehen, um die Hütte schnellstmöglich zu verlassen.


    Warum setzt Du Dich nicht lieber mit den zahlreichen, erprobten und gut funktionierenden Zuchtweisen auseinander? Der Winter kommt, da hast Du Zeit und Material, falls benötigt, gibt es dann auch in Hülle und Fülle.

  • Nur stelle ich mir die Frage, warum nicht Völker auf ganz kleinen Waben laufen lassen und von diesen Völkern frisch bestiftete Waben nutzen und diese anderen Völkern zugeben. Dann ziehen diese aus den frisch schlüpfenden Larven schöne neue Königinnen.

    Kennst du schon den Bogenschnitt?

    Klar kenne ich den, ich larve aber um...


    Worauf ich hinaus wollte ist, dass ich nur Stifte gebe, so dass auf der gegebenen Wabe nicht noch ältere Larven sind, welche die Bienen nutzen. Denn diese wollen im Notmodus möglichst schnell wieder eine neue Königin...

    Ich hab auf meinem guten Auge -11 Dioptrin (Elf, nicht Eins!) und mit einer guten Lupe und gutem Licht, kann selbst ich die jüngsten Larven raussuchen. Hat mir ein erfahrener Züchter mehrfach bestätigt.

    Wenn ich das kann, kannst du das auch und dann brauchst du nicht hoffen, dass die Bienen wirklich erst die Eier aufziehen und dann auch wirklich die jüngsten Larven nehmen und nicht doch ältere.

  • Die gezielte Zucht aus dem Schwarmtrieb heraus, ist ja nichts neues. Bei Demeter-Imkern sogar obligatorisch, weil die nicht Umlarven dürfen.

    Weil die natürlich auch nicht rein nach Zufall züchten wollen, machen sie es genauso: ausgewählte Völker durch Enghalten in Schwarmtrieb bringen

    So würde ich es auch machen. Dass man dafür die besten Völker gezielt in Schwarmtrieb bringt, ist natürlich nicht optimal für die Honigausbeute.

    Wie aus Deinen kleinen Einheiten gute Königinnen werden sollen, weiß ich nicht. Also warum nicht das bewährte Verfahren? Wenn Du rechtzeitig vor dem Verdeckeln der Schwarmzellen die Waben (ohne Bienen) entnimmst und von einem weisellosen Volk zu Ende pflegen lässt, kann Du auch den Schwarmabgang verhindern und das Zuchtvolk weiter einsetzen. Schwarmzellen verwerten ist nicht so einfach wie beim Umlarven. Mit etwas Fingerspitzen lassen sie sich kurz vor dem Schlupf aber ausschneiden und käfigen.

    Weniger aufwändig als gängige Zuchtmethoden ist das sicher nicht. Schwierig ist vor allem der Kalender, weil die Schwarmzellen nicht gleichzeitig schlupfreif sind.


    Auch das könnte man weiter optimieren. Wie wäre es, wenn man ein weiselrichtiges Volk mit verdeckelter Brut aus verschiedenen Völker vollstopft, so dass die Königin keinen Platz zum Legen mehr hat und dann, wenn die Brut schlüpft (und damit der Schwarmdruck steigt) eine Wabe mit jüngster Brut von einer nachzuchtwürdigen Königin zuhängt? Schwarmzellen auf den anderen Waben werden gebrochen.

    Auch Nachschaffung kann übrigens gute Königinnen ergeben, wenn man das gezielt steuert, d.h. jüngste Larven anbietet.

    Insgesamt viel Aufwand und keine erkennbaren Vorteile gegenüber dem Umlarven.

    Ich bin ohnehin der Ansicht, dass Umlarven keine besseren Königinnen liefert als andere optimierte Verfahren, sondern nur die besser verwertbaren Zellen.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • im Gegensatz zu den Notköniginnen

    was für ein großes Wort.

    Du willst gute Queens ohne Arbeit und ohne Fachwissen auf die einfachste Tour, nee, das gibt nix Punkt

    Aus dem Schwarmtrieb heraus, das ist der richtige Anfang.

    Dann solltest du Paul Jungels Buch erwerben. Da gehts weiter.

    Aus dem Schwarmtrieb heraus im Weiselrichtigen Volk über Absperrgitter beste Queens machen...

    Schnell, einfach, sicher, und gut!

    Aber das willst ja grad nich hören :(

  • Es ging ja nicht um mich. Wie gesagt ich larve um, teilweise habe ich das NICOT System genutzt, mittlerweile lieber mit der Nadel.


    Der Tipp war für ihn, weil sich viele zunächst nicht an das umlarven trauen. Eigentlich wirklich versuchen und üben und dann klappt das auch schon!