Honigproben Honigverkostung im Verein

  • Liebe Imker,


    ich habe mich bereit erklärt (mit einem hier nur lesenden) Vereinsmitglied zusammen eine Honigverkostung zu organisieren. Jeder Imker darf dazu den seiner Meinung nach besten Honig seines Jahres abgeben. Die neutralen Gläser dafür werden gestellt. Nun wollen wir in der Sitzung die Honige probieren und bewerten. Es wird mit etwa 25 Honigen gerechnet und 25 Imker werden auch bewerten. Zusätzlich nehmen (natürlich neutral) auch die Herren Langnese, Breitsamer und der eigentlich namenlose Herr Metro mit Honigspenden teil. Auch ein Kunsthonig wird dabei sein.


    Weil wir Fehler, die vor uns schon gemacht wurden, vermeiden wollen und als "Junge" unter den ganz alten Haasen auch unter Leistungsdruck stehen, bin ich für Ideen dazu sehr dankbar. Ganz besonders interessiert mich, wie man den Honiggeschmack neutralisiert und ob sich eher der Geschmackstest vom Löffel oder vom Brötchen bewährt hat.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry


    Hast du deine Honigverkostung schon durchgezogen? Wie waren deine Erfahrungen, was würdest du empfehlen? Ich möchte eine solche Verkostung in meinem Verein durchführen.


    MfG Steffen Wittig

  • Nein die Verkostung steht noch bevor und zwar Ende diesen Jahres, damit alle Imker daraufhin arbeiten können. :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Imkers,


    die Honigverkostung ist durch und sie war spannend und sehr interessant. Gewonnen hat der einzige Waldhonig. Und zwar mit Abstand. Glücklich, wer solch einen Honig ernten kann.


    Im Prinzip war der Test ganz einfach. Jeder Imker mußte zwei Gläser á 250g identischen Honig abgeben. Die Gläser hatte er vorher leer erhalten. Der Honig mußte wenigstens streichfähig sein. Steinhart ging nicht. Der Imker mußte eine Sorte nennen. (Sommerblüte, war Standard) Die Gläser bekamen am Testtag beim Abgeben Aufklebenummern und wurden geöffnet und durch die Reihen gegeben. Jeder Imker hat also jedes Glas bewertet und damit jeden Honig zweimal. Aus Nummerierung und Reihenfolge konnte man nicht auf den Imker schließen. Auf dem Bewertungsbogen stand lediglich die Glasnummer, die Honigsorte und die Zeilen in die jeder Tester seinen Namen und die Bewertungen eingetragen hat. (Nur so konnte die Mehrfachbewertung durch den selben Imker verhindert werden. Wer schon drauf stand mußte weitergeben)


    Es wurden drei Parameter bewertet. Geruch/Geschmack, Farbe/Konsistenz, Arteigenheit/Sorte. Es wurden 3 Punkte gegeben für besser, 1 Punkt für durchschnittlich, 0 Punkte für schlechter. 2 Punkte gab es aus Statistikgründen nicht.


    Ein ganz normaler Lindenhonig bringt also 3 Punkte. Einen für durchschnittlichen Geschmack/Geruch, einen für durchschnittliche Farbe usw.


    Wenn dieser Honig super schmeckt und fantastisch riecht kriegt er hier 3 Punkte, auch wenn der Tester meint, daß es sich um einen Phaceliahonig handelt und er deshalb für Sorte und Arteigenheit 0 Punkte vergeben muß. Dieser Honig hat also 4 Punkte gesammelt.


    Die Punkte wurden in einer Gesamtspalte pro Zeile zusammengezogen und dort auch gleich nach unten addiert. Ich hab' das lange erklärt und keiner hat das verstanden und dann hat jemand "Na, wie bei'n Skat halt" gesagt und alles war klar.


    Zu den einzelnen Kategorien wurden keine Regeln getroffen. Wenn also ein Tester dünnflüssigen Honig liebt, kann er das mit 3 Punkten bewerten und wenn einer "cremig" toll findet dann bekommt der selbe Honig bei ihm eben 0 Punkte. Beim Geschmack/Geruch wurde die Sorte nicht berücksichtigt. Wenn also jemand Heidehonig nicht ab kann, dann gibt er hier 0 Punkte in Geschmack und Geruch, muß aber, weil es ein typischer Heidehonig ist wahrscheinlich bei Sorte/Arteigenheit 3 Punkte rausrücken.
    Das beste Ergebnis erzielte also ganz sicher kein Durchschittshonig.
    (Na verstanden? :wink: )


    Das Ergebnis war recht interessant. Ich hatte ja auch ALDI-Honig mit testen lassen und ein Imker hatte seinen Honig, wohl unabsichtlich, statt aufzutauen aufgekocht. Der ALDI-Honig hat immerhin den 5 Platz belegt, aber der gekochte kam irgendwo bei 10, wobei jeman "Waldhonig" auf den Bogen geschrieben hatte. :wink:


    Es war sehr spannend auszuwerten, daß mancher Honig ganz erhebliche Abweichungen auf den beiden Bögen, die zusammenaddiert wurden aufwies. Manchmal hatte ein Imker auf einem Bogen einen Honig völlig verrissen und auf dem anderen hoch gelobt. Es gab aber auch Imker, die müssen über den absoluten Geschmack verfügen, da wurde der selbe Honig auch wirklich völlig gleich bewertet.


    Ich war sehr erstaunt, wie unterschiedlich Honig des selben Gebietes und Jahres schmecken und aussehen kann und natürlich war es ein sehr illustrer Abend, weil natürlich jeder vom andern wissen wollte, woher denn nun der Malz- oder Blattgeschmack kam und wann genau geschleudert wurde und wann davor und wie genau usw. Auch war zu beobachten, daß Imker, die ja ihren besten Honig abgegeben hatten, diesen im Vergleich durchaus schlecht bewerteten.


    Übrigens hat kein Imker "Rapshonig cremig" abgegeben. Ich glaube wir machen diesen Honig selber schlecht. Am Lager hatten nämlich alle Imker noch Raps. Aber auch ich habe Linde eingereicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Moin Imkers,


    die Honigverkostung ist durch und sie war spannend und sehr interessant. Gewonnen hat der einzige Waldhonig. Und zwar mit Abstand. Glücklich, wer solch einen Honig ernten kann.


    Hallo Margret,
    mein liebes "preussisches Schandmäulchen" bitte, bitte lies dir den Satz einige Male durch - Der Waldhonig hat gewonnen - Glücklich, wer solch einen Honig ernten kann. Weißt du, dass der bay. Xare auch einer der glücklichen ist, auch ohne Entwicklungshilfe :lol::lol::lol:

  • Hallo, Franz Xaver,


    „Blauweiser Grantler“, hast du heute, deine Tabletten vergessen?
    Man sagt ja, das Glück ist mit den Doofen, und dazu zähle ich in diesem Jahr auch.
    Zum ersten Mal hier oben, habe ich mit meinen Bienen, Waldhonig ernten dürfen.
    Er ist nicht so tiefdunkel wie ich ihn sonst kenne, aber die Untersuchung ergab, überwiegend Waldhonig mit kleinem Blütenanteil.
    Nun habe ich also einen leicht cremigen Sachsenwaldhonig.
    Ich selbst mag ja lieber einen würzigen Frühtrachthonig mit der herrlichen Vielfalt von Frühlings- Kräutern und Blüten.
    Damit lief es in diesem Jahr nicht so gut und da hat man mir den Waldhonig als Alternative gegeben, zum Glück!


    Ich wünsche viele gesunde Bienen


    Margret

  • Liebe Imker,


    ein "Nicht-Sieger" hat auf eigen Kosten seinen Honig ins Labor gegeben und testen lassen. Weil er uns wohl allen zeigen wollte, daß sein Honig doch nicht so schlecht ist, wie nach unserer rein subjektiven Bewertung. Der Laborbericht lag innerhalb kürzester Zeit vor. (Wer selbst zahlt kann sich also vordrängeln :evil:) Das Ergebnis und was danach kam war erstaunlich. Die Deklarationsempfehlung war "Sommerblüte mit Linde" und die gibt es eigentlich garnicht. Das Zweite war, der Honig entspricht wegen Abweichung in HMF nicht dem D.I.B-Standard und darf nicht im D.I.B.-Glas verkauft werden.


    Der Imker verkauft seinen Honig aber im D.I.B.-Glas. Was also ist zu tun?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    der Honig entspricht wegen Abweichung in HMF nicht dem D.I.B-Standard und darf nicht im D.I.B.-Glas verkauft werden.


    Der Imker verkauft seinen Honig aber im D.I.B.-Glas. Was also ist zu tun?


    Wer will ihn denn daran hindern ??


    Schönes Beispiel, was vom D.I.B. - Standard und dem angeblichen kontrollierten D.I.B. - Honig zu halten ist.... :cry:

  • Liebe Imkers,


    gestern war wieder Hongverkosten angesagt in meinem Verein. Und das Peinliche vorweg: Die Niete, der Netto-Honig Nektar-Quell für 1,29 kam auf Platz 5. Ein Gemisch aus Eu- und Nicht-EU-Honigen. Und das bei 12 abgegebenen Deutschen Honigen. Letztes Jahr war der Aldi-Honig ähnlich gut.


    Gewonnen hat in diesem Jahr ein Imker, der auch hier im Forum schreibt. (na zumindest liest :wink: ) Er hatte den Mut einen richtigen Rapshonig abzugeben und hat damit sehr deutlich abgesahnt. Das war aber auch ein Genuß. Ein Rapshonig so cremig und sahnig und so mild und dennoch nicht langweilig. Also ganz mit Recht und kein statistischer Zufall. Er hatte mehr als doppelt soviel Punkte wie der letzte. Ich hab's mit meinem Arzeneiblütenhonig wenigstens vor den Netto-Honig geschafft, auf Platz 4. Hätt' ich ihn nicht als "Sommerblüte" deklariert, sondern als "Arzeneiblüten" oder "Kräutergarten" wär's besser gewesen. :cry:


    Insgesamt wieder ein sehr illustrer Abend mit sehr viel Erfahrungsaustausch und wertvollen Erkenntnissen über den eigenen Honig und die eigene Zunge. Die Jungen am Tisch erkannten ihre eigenen Honige fast sicher, die alten hatten große Schwierigkeiten damit. Und es gibt immer wieder Imker die so einfach mit der Masse abstimmen, als hätten sie garnichts geschmeckt. Und andere trauen sich nicht einem offensichtlich unterdurchschnittlichen Honig in steinform auch wirklich nur 0 Punkte zu verpassen.


    Macht sowas doch auch mal bei Euch! Der wahre Charakter der Kollegen ist auf so einem Abend nur schwer zu verstecken ... :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Freunde,
    ich bin mir da gar nicht so sicher, ob die Bezeichnung "Sommerblüte mit Linde" unzulässig ist. Wenn mich nicht alles täuscht, ist sie lt. Honigverordnung ok sofern der Lindenanteil lt. Pollenanalyse über 30% beträgt. Ich schreibe das mit Vorbehalt; es könnte sich ja inzwischen mal wieder was in der Honigverordnung geändert haben.

  • hallo,
    ich schließe mich Peters Meinung an.
    In dem vom Imkerbund herausgegebenen Heftchen 3.4 Honigsorten-Bezeichnungen von 2005 sind auf Seite 7 Beispiele für allgemeine Bezeichnungen in Verbindung mit einer Botanischen Sortenangabe genannt.
    Da steht unter anderem ,Sommertracht mit Linde'


    Ich zitiere:
    >Die zu nennende botanische Sorte (diesbezügl. Trachtanteil mindestens 30%) ist dabei stehts hinter die Allgemeinbezeichnung zu setzen. Die beiden Ausdrücke sind durch das Wort "mit" zu verbinden.<


    Das einzige was ich mir noch vorstellen kann ist, daß Sommerblüte nicht korrekt ist, denn Blütenhonig darf nur geringe Trachtanteile Honigtau enthalten und vielleicht ist das im August, wenn die Linde blüht, gar nicht machbar, sodaß man Sommertracht schreiben sollte. :-?


    Gruß, Robert