Varroamanagement Ralf Kolbe

  • Hi Leute,


    weiß nicht, ob es dazu schon einen Faden gibt, hatte auf die Schnelle nichts gefunden.


    Was haltet ihr von Ralf Kolbes neuem Varroa- und Vermehrungsmanagement? Auf seinem Kanal erklärt er seine neue Betriebsweise.


    Klingt erst mal nicht schlecht, mir drängen sich allerdings ein paar Fragen auf.


    1. Wenn ich im Juli einen Königinnenableger mit 2 vollverdeckelten Waben mache, werden die ausreichend stark bis zum Herbst? Ich habe ja viele geschädigte Bienen und eine 100%ige Brutfreiheit bekomme ich auch nicht hin. Er behandelt dann Block mit OS. Wenn ich so an meine Brutscheunen mit 20 Brutwaben denke, haben die nach 6 Wochen zwar noch ausreichend Bienenmasse, aber wenn ich die Rechnung mit 2 Waben machen, muss ich 90% Bienen rausrechnen...da bleibt nicht mehr viel. Ich schaffe mit diesen Bienen quasi nur einen Übergang für die kommenden Brutsätze, die allerdings direkt nach der Teilung gebildet werden.


    2. Ralf belässt die Honigraumbienen im Altvolk mit den restlichen Brutwaben ohne Kö und setzt nach 7 Tagen eine legende Jungkönigin zu. Auch hier OS Block und auch hier keine richtige Brutfreiheit. 9 Tage nach der Teilung geht die neue Kö in Eilage. Die schlechte Wirksamkeit im Sommer der OS Blockbehandlung ist lt. verschiedener Untersuchungen belegt. Außerdem schwimmen nach 14 Tagen schon einige Larven im Futtersaft. Verdeckelt sind auch noch einige Zellen aus dem letzten Brutsatz vor der Teilung. Da muss man zu Zeitpunkt der Teilung gute Waben zur Verfügung haben, die nur noch wenig offene Brut enthält.


    Vorteile und Nachteile zur TBE aus meiner Sicht: (die enderen Betriebsweisen lasse ich mal außer acht, da sich diese beiden Verfahren ähneln)


    Vorteile:

    - Geringerer Arbeits- bzw. Materialaufwand bei der Teilung.

    - Keinen Stillstand im Volk, da im Ableger sowieso, wie auch im Altvolk relativ schnell der normale Brutzyklus vonstatten geht.

    - Mehr Ableger im nächsten Frühjahr zur Verfügung


    Nachteile:

    - Keine oder nur zum Teil erledigte Wabenhygiene, die ich sowieso irgendwann im Jahr dann machen muss.

    - Hoher Arbeitsaufwand für die Blockbehandlung

    - Der Varroadruck wird nicht so stark gesenkt, wie bei der TBE, da keine volle Brutfreiheit zustande kommt und die Blockbehandlung einen niedrigeren Wirkungsgrad hat. Und hier sehe ich das Hauptproblem. Wenn dann die Winterbehandlung nicht so gut funktioniert, nimmt man relativ viele Milben mit ins nächste Frühjahr. Und damit verschiebe ich doch das Problem immer früher in den nächstem Sommer hinein, weil die Völker früher zusammenbrechen.


    Fazit: Ob die Völker im nächsten Jahr wirklich besser aussehen, bleibt für mich offen. Nur die Selbstübung mit einem Teil der Völker wird das zeigen. Dann kann man sicher mehr sagen. Auf den ersten Blick sehe ich für mich bei der TBE Vorteile, auch wenn dies die höchste Arbeitsspitze für meine Imkerei bedeutet, da mit dem Trachende alles auf einmal passieren muss. Ralf Kolbes Fazit ist sehr positiv, aber er macht das glaube ich auch noch nicht so lang. Langjährige Erfahrungswerte sind durch die unterschiedlichen Wetterverhältnisse und Pollenversorgung ein sehr entscheidender Faktor für eine funktionierende stabile Varroa-Betriebsweise.


    Hat jemand von euch schon Erfragungen mit dieser Betriebsweise sammeln können?

    Wo seht ihr Vor- und Nachteile?


    P.S. Bin sehr froh, dass ich TBE, Vermehrung, Ernte und Behandlung seit gestern abgeschlossen habe. Das war schon ganz schön knackig und man denkt immer...die paar Völker mehr machen doch nicht den großen Unterschied. Ich kann euch sagen: Doch machen sie!! Die Tage waren lang, die Füße schwer, der Tennisarm meldete sich auch ab und zu und das Lager sieht aus ;(


    Aber jetzt kommt wieder eine schöne Zeit...stundenlanges Etiketten kleben, schweres Futtereimerschleppen und Lager aufräumen. Ach...eine Imkerei ist doch was Herrliches ;)


    Wäre schön, wenn ihr mal Eure Ansichten und Erfahrungen mit der Ralf Kolbe Taktik teilt.


    Grüße Jens

  • Ich kenne OS (oder OX) Block nur vom Verdampfen.

    Was verstehst man bei Ihm unter OS Block?

    Manche sprühen auch im Block. Er hat nicht erklärt, was er genau meint.


    2. Ralf belässt die Honigraumbienen im Altvolk

    Hat er das so gesagt? Ralf bildet bei seinen riesigen Völkern zur Honigernte Kunstschwärme aus den Honigraumbienen, manchmal sogar vorher. Das sieht man in den anderen Videos, aus diesem Jahr.


    Wir probieren das dieses Jahr mit vier Völkern aus.

  • Hallo Jens,

    die Video‘s von Ralf Kolbe zu seinem neuen Varoa- Management habe ich auf YouTube gesehen.

    Es wäre sehr hilfreich wenn Jemand hier den entsprechenden Link setzen könnte.

    Besonders wichtig finde ich den Zeitpunkt der Maßnahme, direkt nach Ende der Lindenblüte.

    Zu diesem Zeitpunkt haben die Völker maximale Brutnestgrösse und die Milbenzahl ist bei günstigen Bedingungen noch gering.

    Testen und Zählen würde Klarheit bringen,

    ob eine Reduzierung der Anzahl, nicht die Totale Vernichtung der Milben, ausreichend sein könnte.

    Bei mir sind es dieses Jahr z.B nur sehr

    wenige Milben, die fallen.

  • Zuerst hier mal die Links zu den 3 Erklärvideos: Ralf Kolbe 1, Ralf Kolbe 2, Ralf Kolbe 3


    Vorraussetzungen:
    - entsprechend Zeit direkt nach Trachtende
    - man muss die Alt-Königin sicher finden und umsetzen können

    - für jedes WV eine Ablegerkiste bzw. 2. Beute vorhalten + Mittelwände
    - Fütterer für alle WV und Ablegerkisten + Futter (zeitgleich)
    - OXS Blockbehandlung für WV und Ableger
    - für jedes WV muss eine legende Königin vorgehalten werden (Mini Plus)
    - Erfahrung mit der Einwinterung von je 1 Ableger pro WV auf 6/7 Waben (Verdopplung Völker)

    - Verkauf der Ableger im Frühjahr, bzw. als Reserve

    Das alles muss man erst wirklich können und haben, bevor man es in Betracht zieht. (Zeit, Platz, Material, Kunden, eigene Fähigkeiten) - Nix für Anfänger, denke ich.

    Dass ein Züchter mit eigner Belegstelle problemlos 200 Ableger mit 1-jähriger Königin im Frühjahr verkaufen kann, glaube ich.

  • Ich habe ja schon genug mit der TBE zu tun.
    Das ist ja schon eine Materialschlacht, die seinesgleichen sucht.

    Mein Lager sieht auch aus. Bin froh, dass unser Wohnwagen verliehen ist. Ich habe mich in drei Scheunen ausgebreitet und muss bald aufräumen. Bin so froh, wenn ich den alten Stall endlich ausbauen kann. Alles nur noch im alten Stall und darüber.

    Ich habe pro Volk immer eine Ersatzkönigin im Mini oder Kieler laufen. Hier hätte ich keine Probleme. Auch der Verkauf ist kein Thema. Da findet sich immer jemand. Die Beuten usw. sind auch nicht das Thema. Hier werde ich im Winter noch einmal 50 Minis bauen müssen.

    Ich muss mir die Videos noch einmal anschauen. Habe das Thema nur nebenbei angeschaut.

    Es ist sehr intressant.

    Mit den Milben habe ich nur in einem Volk Probleme gehabt. Selbst die Brutscheunen sind nicht so stark belastet. Hier sehe ich aktuell kein Problem. Vor allem, nach der Linde ist das möglich.

    Bei den Völkern, die normal im Wald stehen und dann später zurücl kommen. Hier müsste ich dann einen anderen Standort suchen. Oder wie seht ihr das Verfahren bei Spättrachten?


    Aber den Aufwand und die Logistik verbunden mit hohen Kosten muss einer auch leisten können. Klar, dass muss bei gleichbleibender Völkerzahl nur einmal gesetzt werden.

    Ich habe jetzt schon 8 Völker aus meinen Brutscheunen gemacht und 5 folgen noch. Den Rest Bienen nehme, je nach Befahlsgrad zur Verstärkung. Ich kriege hier nicht alle unter.


    Das mit der OS im Block sprühen, hört sich interressant an. Ich kenne das nur beim verdampfen.

    Das werde ich im Herbst oder Winter ausprobieren. Hat hier jemand beim sprühen Erfahrungen? Gibt es hier Studien oder Seiten mit Infos?

    Imker im dritten Jahr.

    Imkern im angepassten Brutraum.

    24 Völker Stand Juni 2021:

    Dadant, Zadant und Mini Plus Völker, 1 TBH, 1 Bienenkiste

    53 Hühner

  • da wärs doch einfacher, erst ox im Block zu verdampfen und dann das Volk mit gesunder Brut zu teilen ?

  • Mit einem OXS-Block reduziert man auf jeden Fall mehr als ausreichend den Milbenbefall; aber der Aufwand...


    7 mal pro Volk und Kö'-Ableger behandeln macht bei 10 Völkern und 10 Kö"-Ablegern 140 Behandlungen.


    Das spricht für sich!

  • Mit einem OXS-Block reduziert man auf jeden Fall mehr als ausreichend den Milbenbefall; aber der Aufwand...


    7 mal pro Volk und Kö'-Ableger behandeln macht bei 10 Völkern und 10 Kö"-Ablegern 140 Behandlungen.


    Das spricht für sich!

    In welchem Abstand finden die sieben Behandlungen statt?

    Ich habe bisher beim erstellen der Brutscheunen den Flugling und Brutling mit OXS behandelt und dann die KS beim erstellen noch einmal. Entweder OSX oder Milchsäure. Die KS mache ich dann bei der ersten Kontrolle nach spät. sieben Tage noch einmal. Da werden sie dann auch eingeengt.

    Imker im dritten Jahr.

    Imkern im angepassten Brutraum.

    24 Völker Stand Juni 2021:

    Dadant, Zadant und Mini Plus Völker, 1 TBH, 1 Bienenkiste

    53 Hühner

  • Meine Vermutung wäre, dass der Hintergrund für Kolbes Weg in der stärkeren Vermehrung ohne Trachteinbußen liegt, damit er die Vielzahl seiner Königinnen frühzeitig in „echte“ Völker im Standmaß bringt. Bei der „normalen TBE“ machst du die in der Regel ja etwas später und vor allem meist Brutscheunen aus der Brut von ca 2 Völkern ein neues. Bei Kolbes Variante sind es eben aus 2 Völkern 4 statt 3 (Pi mal Daumen).


    Explizit meine Vermutung/Interpretation

  • Meine Vermutung wäre, dass der Hintergrund für Kolbes Weg ... damit er die Vielzahl seiner Königinnen frühzeitig in „echte“ Völker im Standmaß bringt.

    Das sagt Ralf Kolbe explizit mehrmals, dass es für ihn als Züchter ein Vorteil ist.

    Er schildert auch wie er seinen Weg gefunden hat: Durch die Behandlung der Drohnenvölker, vor Drohenabtrieb die Königin zu entnehmen. - Die Drohnenvölker wären mit der Brutpause und neuer Königin besser ins neue Jahr gestartet als TBE-Vergleichsvölker.

    (JaKi war schneller. ;) )

  • Ja der Aspekt Vermehrung ist schon sehr interessant. Aber die Blockbehandlung würde mich auch abschrecken. Ralf argumentiert auch mit einer zeitlichen Einsparung, da die TBE für ihn sehr aufwendig ist. Das ist für mich auch nicht so ganz nachvollziehbar. Wenn ich an jeder Kiste, wv/ableger viermal Waben ziehen oder entsprechend verdampfen muss, würde das meinen Rahmen sprengen (rein gedanklich). Die TBE kommt für mein Verständnis mit zwei Eingriffen an den Altvölkern und zwei Eingriffe an den Brutscheunen aus.


    Ralf hat übrigens auch noch ein schönes Anleitungsvideo für Styrodur Ablegerkisten gemacht. Wenn man da in die Masse geht, kann man richtig Geld sparen. Max 10 € die Kiste mit sieben Waben Platz (oder fünf Waben/ eine Doppelfuttertasche). Ein weiterer Vorteil, wenn du so viele Ableger machst... du kannst deine leeren Kisten im März wieder voll machen.