Schulz-Langner -Verfahren

  • Hallo,
    in einer Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren zur Bekämpfung der Bienenseuchen habe ich gelesen, daß als Schutzmaßnahme gegen die Amerikanische Faulbrut ansteckungsverdächtige Völker dem "Schulz-Langner-Verfahren" unterzogen werden sollten. Die Bekanntmachung ist aus dem Jahre 1989, gilt aber anscheinend immer noch.
    Weiß jemand, um was es sich bei diesem Verfahren handelt? Ich frage im Moment nur interessehalber, allerdings besteht in unsrem Landkreis in nur ca. 12 km Entfernung derzeit ein Sperrbezirk wg. Amerik. Faulbrut.


    Viele Grüße
    Stefan

  • Greißl Stefan schrieb:

    ... daß als Schutzmaßnahme gegen die Amerikanische Faulbrut ansteckungsverdächtige Völker dem "Schulz-Langner-Verfahren" unterzogen werden sollten ...
    Weiß jemand, um was es sich bei diesem Verfahren handelt? ...


    Hallo Stefan,


    ja, Dr. Wolfgang Ritter weiß es (Diagnostik und Bekämpfung der Bienenkrankheiten, S.90/91, 1996):


    Umhängeverfahren kombiniert mit einer Medikation, zuerst von Schulz-Langner (1956) beschrieben, später (1962, 1966) abgewandelt.


    Dabei werden die nicht zu stark infizierten Brutwaben in den Honigraum umgehängt, sodass die daraus schlüpfenden Bienen erhalten bleiben.
    Stark infizierte Brutwaben und alle Futterwaben werden vernichtet; Beuten und Geräte desinfiziert.
    Das Medikament wird in Zuckerwasser (1:1) verabreicht, je Volk 0,5 mg Terramycin Reinsubstanz.


    Das Verfahren kommt nur für eine Behandlung im Herbst in Frage, um eine Belastung des Honig auszuschließen. Mit Rückfällen muß gerechnet werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo Leute,


    das ist ja ein Ding:




    Zitat

    Das Medikament wird in Zuckerwasser (1:1) verabreicht, je Volk 0,5 mg Terramycin Reinsubstanz


    Das ist ja schlicht und ergreifend ein Antibiotikum.Wer es nachlesen will:
    http://www-vetpharm.unizh.ch/TAK/03000000/00039891.01


    Wer kommt denn auf so einen Quatsch ?
    Meines Wissens nach ist der Einsatz von Antibiotika in der Imkerei doch verboten?
    Wenn sowas noch in einer amtlichen Verfügung steht, gehört den Herren dort aber mal Dampf gemacht.
    Antibiotika gegen Sporenbildner einzusetzen, bringt außerdem nichts, weil die Dauerform (Spore) nicht abgetötet wird und höchstens resistent wird.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Michael wie lange bist du Imker, hattest du schon mal AFB bei deinen Bienen gefunden? Was würdest du machen, wenn du 110 Völkern und 40 Ableger hast und findest plötzlich AFB in einem Volk? ........ Alle Völker abtöten? Den BSV rufen und ihm beim verbrennen helfen? Hast du eine Ahnung wie viel Wochen der BSV in deinen Völkern herum sucht und welches Chaos entsteht wenn der gute Mann nur selbst 7 Völker bewirtschaftet da er sonst überfordert ist?


    Terramycin ist bei uns zwar nicht zugelassen, wird aber regelmäßig zur Vorbeugung und Behandlung eingesetzt. Ein Imkerkollege hatte ca. 5kg aus den USA mitgebracht und in kurzer Zeit fast alles an interessierte Imker im Umkreis, verkauft.
    Selbst der BSV aus unserm Landkreis hat sich damit eingedeckt.
    Terramycin wird bei uns in der Tierhaltung angewendet und ist in der Apotheke erhältlich. In den USA gehört es zum Alltag der Imker und wird überall eingesetzt.
    Im Buch „Neue Imkerschule“ von Edmund Herold und Karl Weiß auf Seite 194 ist nachfolgendes beschrieben! (Ehrenwirth Verlag)


    „“““ Das bei uns bekannteste Mittel gegen AFB ist Sulfathianzol. Es ist unter verschiedenen Namen und Aufbereitungen, wie z.B. Eleudron und Cibazol, im Handel. Auf 4 l Zuckerwasser 1:1 kommen 0,5 g des Wirkstoffs.
    Aber auch Antibiotika lassen sich wirksam gegen die Bösartige Faulbrut (AFB) einsetzen. Es wird entweder vermischt mit Puderzucker als Pulver über die Waben gestreut oder im Zuckerwasser angewendet. Beide Mittel sind für Mensch und Tier unschädlich.
    Das bei AFB übliche Kunstschwarmverfahren kann auch bei der (EFB) Gutartigen Faulbrut mit Erfolg angewandt werden. Auch gibt es ein Heilverfahren – nicht mit Sulfthiazol, das hier versagt, sondern mit Antibiotica wie Terramycin, Streptomycin und Erythromycin. Beim Terramycin rechnet man 125mg Wirkstoff auf 1 Liter Zuckerwasser 1:1, beim Erythromycin, das früher als Apimycin verkauft wurde, bis zur doppelten Menge. In den Handelspräparaten ist der Wirkstoff in der Regel verdünnt enthalten. Man muß also darauf achten, wie viel Wirkstoff sich in den erhältlichen Präparaten befindet, und danach dosieren. Es wird empfohlen, den kranken Völkern an mehreren Abenden hintereinander je ½ bis 1 Liter Heilfutter zu geben. Das Zuckerwasser darf bei der Zugabe des Mittels nicht wärmer sein als 25º C, weil Hitze das Mittel zerstört. Es ist weder in der Lösung noch im verabreichten Futter der Bienen länger haltbar. Man muß das Mittel erst in etwas Wasser lösen, ehe man sie zur ganzen Futtermenge gibt.


    Wer Interesse hat sollte sich dies aufschreiben, es kann jeden erwischen und Hilfe von seitens der Behörden ist nicht zu erwarten. Wer schon einmal Faulbrut in seinen Völkern hatte wird dies bestätigen.


    Desinfektion der Beuten
    Die Kästen der faulbrutbefallenen Völker sind mit heißer Sodalösung (5%ig) oder mit kalter Ätznatron- oder Kalilauge (2-3%ig) zu schrubben und mit reinem Wasser gut nachzuspülen. Dasselbe hat mit den Rähmchen zu geschehen. Vorsicht: Gummihandschuhe und Schutzbrille! Wenn man will, kann man alles auch noch mit der Lötlampe hinterher abflammen.


    Ich wünsche allen ein gutes und Seuchenfreies Jahr 2004
    Alfred

  • Hallo Alfred,


    ich habe schon sehr lange Bienen.
    Und habe auch schon beim Sanieren geholfen. Durch Kunstschwärme.
    Geht gut, und ist vor allen Dingen gefahrlos für die Umwelt.
    -Terramycin ist und bleibt verboten, und das zu Recht.
    Selbst wenn es alle nehmen, wird es dadurch nicht plötzlich legal.
     :oops: 
    Und wenn morgen oder übermorgen Terramycin in deinem Honig gefunden wird (was ich nicht hoffe!), dann kann der BSV so lange in deinen 110 Völkern arbeiten, wie ihm beliebt, weil deinen Honig brauchst Du dann über lange Zeit niemanden mehr zum Verkauf anzubieten.
    Jungs, denkt doch mal darüber nach, was ihr euch da antut !

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Alfred


    Was möchtest Du eigentlich mit deinem Schreiben bezwecken? Uns zum Jahresende erschrecken? Kann man Dich überhaupt noch ernst nehmen?


    Die schweizerischen Labors suchen im Honig nach solchen von Dir genanten, in der Bienenzucht streng verbotenen, Medikamenten. Sünder werden hart bestraft. In Deutschland und Oestereich wird es sicher auch nicht anders sein.


    Anwendungseinschränkungen vom Hersteller: Terramycin/LA ist bei Kleintieren nicht zu verwenden.


    Mehr ist zu Deiner Auforderung gegen das Lebensmittelgesetz zu imkern nicht zu sagen. Mir fehlen einfach die Worte.

  • Tja, das fehlte noch, daß Antibiotika hier Einzug halten. Die Stiftung Warentest fand vor einigen Jahren in einer Untersuchung heraus, daß beispielsweise 90% der Kanadischen Raps/Kleeblütenhonige Spuren von Antibiotika enthalten, die aus der AFB-Behandlung stammen.


    Selbst in den USA und Kanada beginnt ein Umdenken, alldieweil diese Mittel nämlich präventiv eingesetzt wurde - die beste Methode, um Resistenzen zu erlangen. Die Mittel wirken bekanntlich nicht gegen die Sporen, d.h. man hat dann ein äußerlich gesundes Volk mit Sporenbefall.


    Ich habe selber einmal eine Faulbrutepidemie im Kreis mit über 40 betroffenen Imkern und über 200 abgeschwefelten Völkern überstanden, hatte selber 7 erkrankte Völker und zahlreiche infizierte. Diese "nur" infizierten konnten allesamt über das Kunstschwarmverfahren bzw. bei Stufe 1 durch normale imkerliche Maßnahmen wie viel Bauen lassen saniert werden.


    Es ist auch kein Drama, ein an Faulbrut erkranktes Volk zu haben. Viel schlimmer ist, wie sich seinerzeit zeigte, die Unwissenheit der Imker. So waren bei uns von den 42 betroffenen Imkern nur zwei oder drei überhaupt in der Lage gewesen, den Ausbruch zu erkennen. Aber es waren alles gute Carnica-Züchter, die in ihrem Verein stundenlang über die Reinzucht bröseln konnten.... :) Bei einem Treffen zur Behandlung der Faulbrut tauchten dann so gute Fragen auf, ob man infizierte Rähmchen im Backofen bei 250°C desinfizieren könne usw. Wir hatten bspw. einen Biologielehrer, dessen Völker an Faulbrut und Folgekrankheiten eingegangen waren. Statt erst einmal nachzuforschen, woran dasdann nun lag, kaufte er im Nachbarkreis dann neue Ableger und setzte sie in die alten Beuten. Oder Stände mit gammligen Hinterbehandlungsbeuten, wo seit zwei Jahren keine Durchschau mehr im Brutraum stattgefunden hatte.


    Faulbrut ist beherrschbar und durch Präventivmaßnahmen sowie gutes imkerliches Arbeiten vermeidbar. Antibiotika brauchen wir nicht.


    Mit imkerlichen Grüßen


    Klaus

  • MeierAlf schrieb:


    Terramycin ist bei uns zwar nicht zugelassen, wird aber regelmäßig zur Vorbeugung und Behandlung eingesetzt. Ein Imkerkollege hatte ca. 5kg aus den USA mitgebracht und in kurzer Zeit fast alles an interessierte Imker im Umkreis, verkauft.
    Alfred


    Hallo Alf,
    habe mittlerweile deine Beiträge von OS Verdampfer gelesen, du bist nicht zufällig der vom Planeten Melmac?


    @ Hartmut, ich hoffe, dass sich noch einige Imker der Meinung von unserem Schweizer Bieneninspektor Hans Peter Itschner anschließen, den Artikel des Hr. Meier unverzüglich zu löschen, der eine Aufforderung zu einer Straftat gleich kommt. Für www.bienen.de ist dieser Artikel schädlich.
    Bitte um Beiträge zu diesem Löschappell!

  • ADIZ/die Biene 1/2004 Seite II oben (Originaltext in D.I.B. aktuell 5/2003)


    ...
    Die Verwendung von Antibiotika gegen Faulbrut ist nicht nur sinnlos, sondern vor allem auch verantwortungslos.
    Deutscher Honig gilt bisher als ein Honig, der frei von Faulbrutmedikamenten ist. Dies ist ein wichtiges Verkaufsargument.
    Der Deutsche Imkerbund setzt sich dafür ein, daß Echter Deutscher Honig frei von Antibiotika bleibt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Franz-Xaver!
    Im vergangenen Sommer gab es bekanntlich einen heftigen Zensurskandal in einem Imkerforum, das seine Heimat südlich der Mainlinie hat. Und nun wird hier der Webmaster zur Zensur aufgerufen!!! Bravo!


    Gute Wünsche für 2004!
    Winfried

  • Liebe Leser,


    Zensur kann nicht das Mittel der Wahl sein.
    Selbst der Größte Blödsinn soll mindestens solange hier öffentlich ausgestellt werden, bis sein Verfasser um Entfernung seines Beitrages bittet. Denn diese Beiträge sind ja gerade wichtig, weil sie andere Beiträge des selben Verfassers und seine Kompetenz ins richtige Licht setzen. Das, meine ich, gilt auch für beleidigende oder irgendwie anders neben der Etikette liegende Beiträge.


    An uns Forumslesern perlt Blödsinn doch oft einfach ab, nur der Verfasser muß mit seiner Peinlichkeit weiterleben. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • auch ich meine, dass die Antworten auf verantwortungslose Postings den Schreiber des Beitrages in das Licht rücken, in das er gehört. Wir dürfen nicht aufhören, bestimmte Meinungen im Forum zu kritisieren. Ich denke, dass dann auch kein Anfänger Schaden nehmen wird, in dem er den "schlechten" Tipps Folge leistet.
    Allerdings: in bestimmten Fällen muss der Webmaster (hat er auch schon) eingreifen. Ob das in diesem Fall sein muss, glaube ich nicht.
    Nur Vollidioten benutzen Antibiotika im Falle der Bekämpfung der AFB!!!

  • Manchmal kann ich nicht stillsitzen und muss sofort harte Worte austeilen, besonders wenn nach meiner Ansicht der Imkerei und dem Forum Schaden zugefügt wird. Es gibt viele Anfänger, mit ohne richtigen Vereinskontakt, welche sich im Forum orientieren.
     
    Henry , wenn Du als Experte meinst das solche Auforderung, wie Antibiotikum in der Imkerei einzusetzen, weder der Imkerei noch dem Forum, sondern nur den Verfasser schädigen, bin ich beruhigt und werde in Zukunft versuchen auf solche Meldungen nicht mehr zu reagieren.

  • Hallo Jungs,


    danke.
    Was bin ich froh, dass ihr euch zu Wort gemeldet habt.
    Als meine erste Antwort lange Zeit ohne Reaktion blieb, ging mir ja schon der Schweiß aus. :wink: 
    Gut zu sehen, dass ihr meiner Meinung, die ja auch die offizielle Meinung ist, seid.

    Zitat

    Es ist auch kein Drama, ein an Faulbrut erkranktes Volk zu haben. Viel schlimmer ist, wie sich seinerzeit zeigte, die Unwissenheit der Imker. So waren bei uns von den 42 betroffenen Imkern nur zwei oder drei überhaupt in der Lage gewesen, den Ausbruch zu erkennen.


    Leider mußten wir in meinem Kreisverband die gleiche schlechte Erfahrung machen.
    Viele "gestandene" Imker hatten keinen Schimmer, wie sie die AFB erkennen, geschweige denn behandeln sollten. Also wurde mal wieder in die Trickkiste gegriffen und herumexperimentiert.
    @ Xaver
    Sonst eigentlich nie, aber heute möchte ich dir widersprechen.
    Nur dadurch, dass wir diese Zeilen im Forum stehen lassen, können wir offen diskutieren. Es zeigt uns und anderen, die das Thema vielleicht noch nie betroffen hat, dass es verschiedene Denkansätze gibt und befassen sich mit der AFB.
    Das Thema muss in die Imkerstammtischrunden, totgeschwiegen wurde es schon viel zu lange.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-