Totale Bauerneuerung

  • Hallo,


    Hanspeter hat im letzten Naturbau-Thread geschrieben, daß er alle 4 Jahre bei seinen auf Naturbau geführten Völkern eine totale Bauerneuerung durchführt. Auch Bruder Adam schreibt ja, daß er diese Methode der Bauerneuerung für sehr gut hält, sie aber wegen der Schwächung der Völker vor der Heidetracht nicht mehr anwendet (oder anwendete :cry:).
    Mir gefällt die Idee, daß man auf diese Weise auch mit einer Dadantbeute die Brutwaben jung hält, ohne aber die Struktur des gesamten Brutnestes durch Umhängen von Waben nach außen zu verändern; dies erscheint ja gerade bei einer Naturbau-Betriebsweise sinnvoll.


    Leider schweigt sich Br. Adam über die Details aus. Hanspeter und alle anderen, die das schon mal gemacht haben: wie geht das genau? Man fegt Bienen von den Waben in eine leere Beute (welche und wie viele Bienen?), diese kommt auf den Platz der alten Beute, die alte Beute wird verstellt. Wie geht es mit der alten Beute weiter? Werden nach und nach die neu geschlüpften Bienen dazugefegt, bis alle geschlüpft sind und die Nachschaffungszellen gebrochen? Was muß man sonst noch dabei beachten?


    Viele Grüße, Johannes

  • Ich arbeite nicht mit Naturbau,Deine Gedankenspiele scheinen mir aber sehr aufwendig angelegt zu sein.
    Lasse Dir die Waben doch als einen Block nach der Tracht mit einem Futterstoß wunderschön ausbauen.
    Bei Aufsetzen einer Ganzzarge mit Mittelwänden funktioniert dies wirklich herrlich.Du bekommst wunderbar ausgebaute Waben fast ohne Drohnenzellen.
    In Neuseeland wird übrigens nach diesem Strickmuster bei den Großimkern gearbeitet.(Verbunden mit einer höheren Frühtrachternte.)


    Gruß
    Rainer

  • Hallo Johannes


    Ich muss Dich berichtigen, ich selber imkere noch nicht 4 Jahre mit Naturbau, und das auch nur mit einem Teil meiner Völker. Somit konnte ich den 4 Jahres Turnus der Bauerneuerung noch nicht praktisch durchführen. Das es immer genau 4 Jahre sein müssen ist sowieso in der Praxis nicht immer sinnvoll.
    Ich denke, ich werde, wenn die Königin im Vorjahr die erhoffte Leistung nicht mehr brachte, das Volk auflösen. Durch Einengen kommt es im Frühling in Schwarmstimmung. So wird das Volk in mehrere Brutableger aufgeteilt. So erhalte ich nebst dem Ersatzvolk noch zusätzliche Reservevölker oder Völker zum Verkauf. Bei mir ist die Standbegattung noch möglich. Sobald die junge Königin im Brutableger in Eilage kommt, wird er mit Hilfe von Kunstschwarmverfahren und regelmässiges Füttern auf Neubau, bezw. Rähmchen mit MW-Streifen, gesetzt. Die alten Waben werden eingeschmolzen.
    Sonst kann man mit einer jungen Königin aus der Belegstation einen Kunstschwarm bilden. Die Brutwaben werden dann auf die anderen Völkern verteilt. Wie vom Rainer empfohlen, kann man das Kunstschwarmverfahren auch noch beim Einfüttern im August durchführen.
    Auch ohne 4 Jahres-Turnus probierte ich schon verschiedenes aus. Die beste Zeit für einen guten Naturbau ist die Schwarmzeit von Ende April bis Mitte Juni. Am schönsten bauen die Bienen bei uns im Mai. Für den Arbeiterinnenbau braucht es zudem eine junge Weisel vom letzten oder vom gleichen Jahr.


    Mehrheitlich halte ich meine Völker in Hinterbehandlungsbeuten.


    Im Magazinbetrieb habe ich noch eine weitere Möglichkeit gefunden. Ich setzte im Frühling eine zweite Brutzarge mit Rähmchen mit Leitstreifen auf. Diese wurde schön ausgebaut. Seit dem Spätherbst sitzt das Volk auf der oberen Zarge. Ich werde im Frühling die untere Zarge mit dem alten Wabenbau entfernen.


    Die Völkerführung im Magazin oder Hinterbehandlungsbeute ist nicht nur im Naturbau teilweise unterschiedlich. Und wenn man dann noch in einem Schutzgebiet für Apis mellifera mellifera imkert, ist eine andere Betriebsweise möglich als in einem freien Gebiet mit verschiedenen Rassen und deren Vermischungen. Das erschwert, aber bereichert zugleich auch, die Diskussion im Forum.

  • Jetzt habe ich's gefunden (peinlicherweise in einem Buch, das ich zur Zeit meines Postings schon lange gelesen hatte... :oops: - aber "damals" wußte ich noch nicht viel damit anzufangen). Es steht in "Meine Erfahrungen mit der Buckfastbiene" von Ries. Für interessierte Nichtbesitzer dieses Buches eine Kurzfassung:


    1. Altes Volk um 1 m verstellen und 90° drehen, neue, leere Beute mit Mittelwänden auf alten Platz (bei Naturbau Anfangsstreifen)


    2. Kö abfangen, in Zusetzkäfig mit Zuckerteigverschluß in neue Beute


    3. Die Hälfte der alten Brutwaben komplett in neuen Kasten abstoßen (dann zurück in alten Kasten)


    4. Trennschied in neuem Kasten bis zur guten Belagerung der Kö anschieben


    5. 6 l Futter 1:1 geben, nach 3 Tagen noch einmal


    6. Nach 7 Tagen noch einmal die Hälfte der alten Brutwaben abstoßen, Nachschaffungszellen brechen, eine belassen; neuen Kasten varroabehandeln
    (6a. Ggf. Restvolk mit Brutwaben auf anderen Stand bringen wg. Reinvasion)


    7. Nach 14 Tagen Kunstschwarm aus dem jetzt brutlosen Restvolk bilden (gekäfigte, unbegattete Kö zur Beruhigung belassen), füttern und varroabehandeln


    8. Kunstschwarm durch Flugloch in neue Beute einlaufen lassen (ggf. durch Absperrgitter)


    Viel Erfolg, wem auch immer...

  • Hallo Fridolin, bei dem oben genannten Verfahren geht es ja auch nicht um Zucht. Herr Ries beschreibt in seinem Buch vielmehr eine Methode, wie man Völker von einem anderen Wabenmaß auf Dadant umsetzt, ohne das man Waben umschneidet oder umhängt. Da dabei die Königin in den Dadantkasten kommt und das übriggebliebene Volk mit den alten Waben ohnehin nachher aufgelöst wird, ist es egal, das dieses nur eine Nachzuchtkönigin hat. Ob man diese von Herrn Ries beschriebene Methode auch für die Umstellung auf Naturbauwaben anwenden kann, was ja das eigentliche Thema hier ist, weiß ich allerdings nicht. Sicherlich wird das hinhauen. Warten wir die Erfahrungsberichte ab. Viele Grüße Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo alle zusammen,
    ich habe im letzten Jahr aus einem Volk 10 neue Völker in Dadant bekommen. Es wurden Schwärme eingefangen und in eine neue Beute mit Mittelwänden eingeschlagen und kräftig gefüttert. Diese haben dann gebaut und gebaut, ich habe immer wieder komplett ausgebaute Waben mit Brut und Futterwaben entnommen. Dazu braucht man keine hochwertigen Königinnen, das geht auch mit minderwerigen Königinnen.
    Die aus den Bauvölkern entnommenen Waben wurden wieder in neue Beuten gesetzt, eine neue hochwertige Königin dazu und ab geht die Post :lol: 
    Zuletzt habe ich auch die übrig gebliebenen Reste der Bauvölker umgeweiselt und so totale Bauerneurung mit neuen Königinnen bekommen. :lol:
    Ich werde dieses Verfahren auch weiter anwenden, indem ich Völker ganz gezielt nur bauen lasse und dann in den Vollvölkern Waben entsprechend tausche. Ähnlich beschreibt es auch Raymond Zimmer in seinem Buch.