Bienen zur CBPV-Sanierung abfegen?

  • Ich habe hier ein Volk (in der TBH) mit Chronischem Bienenparalysevirus. Glücklicherweise nur dieses eine. Es gab massiven Totfall, das Volk ist aber noch nicht sehr schwach.

    Im neuen Bienenjournal wird empfohlen, die Bienen abzufegen, weil die erkrankten und damit geschwächten Bienen nicht mehr in den Stock zurückkehren würden. Tut das wirklich not oder gehen die kranken Bienen auch so alle ab?

    Außerdem lese ich, dass es bei CBPV (wie bei Kalkbrut) eine genetische Komponente geben soll. Ist das belegt oder eher eine Eigenmeinung des Autors?

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • WFLP

    Hat den Titel des Themas von „Bienen zur CBV-Sanierung abfegen?“ zu „Bienen zur CBPV-Sanierung abfegen?“ geändert.
  • Bei mir hat vor paar Jahren eine neue Königin und das Volk eingeengt in eine Ablegerkiste geholfen.

    Ich habe sie einmal mit AS Schwammtuch behandelt.

    Die haben sich ziemlich schnell erholt.

    Bis zum Winter hatten sie wieder normale Volksstärke und keinerlei Symptome mehr.

    Vielleicht wars Zufall, oder Glück ?

  • Vor 2 Jahren war hier in der Region CBPV bei zahlreichen Völkern deutlich zu finden. Die hatten definitiv nicht eine ähnliche Genetik. Es waren Buckfast-, Carnika- und Mischlingsvölker betroffen.

    Da auch von den Infizierten einige Bienen noch fliegen können, nutzt das Abfegen meiner Erkenntnis nach nichts. Sie fliegen z.T. wieder in die Völker zurück

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Ich persönlich bringe Königinnen mit kranken Völkern oder Krankheitsanzeichen einfach nur um und löse diese auf. Egal welche Krankheiten. So schließt man Genetik ebenso aus wie "angesteckt".
    Fertig!

    :wink:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ich persönlich bringe Königinnen mit kranken Völkern oder Krankheitsanzeichen einfach nur um und löse diese auf. Egal welche Krankheiten. So schließt man Genetik ebenso aus wie "angesteckt".
    Fertig!

    Damit schließt du aber auch aus, daß du eine Genetik findest, die Resistenz entwickeln kann?


    Mein Beispiel im Hinterkopf ist aus dem Pflanzenbereich das Eschentriebsterben, vielleicht weit hergeholt...in Deutschland hat man anfangs alle befallenen Bäume vernichtet, in der Schweiz einen Teil beobachtet und dabei festgestellt, daß es Bäume gibt, die damit umgehen können.

    Der Tradition verbunden, der Natur verpflichtet.

  • Im neuen Bienenjournal wird empfohlen, die Bienen abzufegen, weil die erkrankten und damit geschwächten Bienen nicht mehr in den Stock zurückkehren würden.

    Nennt sich "Holländisches Modell", überzeugt mich aber nicht so richtig, weil bereits offensichtlich erkrankte Bienen sehr wohl noch koordiniert zum Stock zurückfinden (in Tests herausgefunden).


    Wenn, dann kann man die Flugbienen durch Verstellen abtreiben. Das hilft auch, den Infektionsdruck zu vermindern, aber meiner Erfahrung nach kann die Infektion zu einem späteren Zeitpunkt dann wieder auftreten.


    Außerdem lese ich, dass es bei CBPV (wie bei Kalkbrut) eine genetische Komponente geben soll. Ist das belegt oder eher eine Eigenmeinung des Autors?

    Das ist mehr Eigenmeinung, ich hoffe, das ist auch so hinreichend deutlich geworden.

    Bei mir beobachte ich eine starke genetische Prädisposition, aber Jelle hat eben auch andere Beobachtungen, die auf das Gegenteil hindeuten.

    Hier ist die Wissenschaft gefragt.


    Bei mir hat vor paar Jahren eine neue Königin und das Volk eingeengt in eine Ablegerkiste geholfen.

    Das Eng-halten wird eigentlich als Brandbeschleuniger von CBPV gesehen, weil viel Körperkontakt.

    Aber ich hatte auch mehr als ein Volk, das im Oktober noch CBPV zeigte, dann in eine kuschelige Wintertraube ging und trotz starken Totenfalls absolut OK aus dem Winter kam. Eigentlich hätte das Virus ja das Volk platt machen müssen, weil enger Körperkontakt. Hat es aber nicht.


    Da auch von den Infizierten einige Bienen noch fliegen können, nutzt das Abfegen meiner Erkenntnis nach nichts. Sie fliegen z.T. wieder in die Völker zurück

    Das deckt sich mit meinen Beobachtungen.

    Vielleicht hilft Dir mein älterer Beitrag, in dem ich einen Vortrag zusammengefasst habe:

    Hier nachzulesen.

    Danke noch mal für diese ausserordentlich interessante Zusammenfassung!

    Ich persönlich bringe Königinnen mit kranken Völkern oder Krankheitsanzeichen einfach nur um und löse diese auf. Egal welche Krankheiten. So schließt man Genetik ebenso aus wie "angesteckt".
    Fertig!

    Wenn "Auflösen" hier "Abschwefeln" meint, ist das aus Sicht der Infektionsprävention und Auslese sicherlich sinnvoll (wobei das schon sehr harsch ist). Aber ich fürchte, damit ist "Abfegen" gemeint, und das ist das Letztes, was man mit einem CBPV Volk machen will, dass an einem Stand mit anderen Völkern steht.


    An dieser Stelle möchte ich kurz eine Bitte an Züchter richten: Achtet auf CBPV und schließt Linien, die hier Schwächen zeigen, konsequent von der weiteren Zucht aus. Macht es mit CBPV Völkern wie bei Völkern mit Kalkbrut - weg selektieren. Ich habe aber den Verdacht, dass viele Imker (Gottseidank!) zu wenig Erfahrung mit CBPV haben, um eine Erkrankung auch frühzeitig zu erkennen.


    Damit schließt du aber auch aus, daß du eine Genetik findest, die Resistenz entwickeln kann?

    Mal ganz unwissenschaftlich: Wenn man einen Stand hat, an dem CBPV gerade so richtig wütet, dann erkennst du das eine Volk, welches einfach nicht krank werden will, sofort. Du musst nur die Fluglöcher ablaufen.

    Aber ehrlicherweise muss man auch zugeben, dass wir viel zu wenig über CBPV wissen, um da Aussagen über Resistenzen, Zucht, Behandlungsmöglichkeiten pipapo zu treffen.
    Aber es kann auch nicht schaden, bei der Selektion auch auf CBPV zu achten und entsprechend zu berücksichtigen.

    Wie gehst Du da bei (Verdacht auf) CBPV vor?

    Auch wenn die Frage an luffi ging, schreibe ich auch kurz was dazu:

    Dieses Jahr stelle ich die Völker einfach zur Seite und drücke die Kö ab. Entweder lasse ich nachschaffen (wenn Zeit und Jungfern fehlen) oder ich weisele was ein. Es gibt erste Völker, die den Massewechsel langsam durch haben, und wo die Anzeichen einer Infektion deutlich zurück gehen. Aber ich bin nicht objektiv genug oder nicht Wissenschaftler genug, um damit irgendetwas beweisen zu können.


    Mitunter habe ich aber gar nichts gemacht, bei ganz leichten Anzeichen, und habs laufen lassen, um dann Zeuge von Spontanheilungen zu werden.

    Das Virus überrascht mich einfach auch immer wieder (kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?).


    Jetzt schreibe ich etwas Gewagtes, Unwissenschaftliches:


    Mittlerweile gehe ich dem Verdacht nach, dass es Unterschiede in den Geschwistergruppen der Arbeiterinnen eines Volkes gibt, was die Anfälligkeit einer Erkrankung betrifft.


    Ich will das kurz erklären:
    Ich hatte Reinzuchtkönignnen, deren Völker stark erkrankten, allerdings erst zu einem Zeitpunkt, als ich schon von einer dieser Königinnen F1 gezogen hatte (nennen wir diese F1 Königinnen einfach: Gruppe A).

    Es gab Reinzuchtköniginnen, die nicht erkrankten, obwohl sie am gleichen Standort standen, von denen ich ebenfalls nachgezogen habe (F1 Gruppe B)


    Interessanterweise hatten die Mütter der Gruppe A und der Gruppe B die gleiche Mutter (also Großmutter für die F1) und waren zur selben Zeit auf der selben Belegstelle.

    Eigentlich hätten die Arbeiterinnen der Reinzuchtköniginnen genetisch sehr eng beieinander liegen müssen, aber weil wir von einer Landbelegstelle reden, weiss man auch nicht so genau, wie zuverlässig die Anpaarung tatsächlich gelaufen ist.


    Worauf ich aber hinaus will:
    Fast alle (!) F1 der Gruppe A zeigten ebenfalls CBPV, keine der F1 der Gruppe B zeigte CBPV. Alle F1 sind standbegattet worden. Ist also die Anfälligkeit für CBPV durch die Mutterseite stark vorgegeben? Ist nur eine Mutmaßung!


    Aber zurück zu den Geschwistergruppen:

    Ich meine zu beobachten (vorsichtige Wortwahl), dass die standbegatteten F1 Königinnen ihrerseits Arbeiterinnen hervorbringen, deren Buckfastherkunft nicht zu verleugnen ist, die aber auch eben sehr viele mausgraue Arbeiterinnen zeigen. Es zeigt sich, dass ich mit meinen Buckis in Carnica-Land wohne, die phänotypischen Unterschiede sind relativ leicht zu erkennen.


    Die roten Buckfast-Arbeiterinnen scheinen überproportional häufig Symptome zu zeigen, im Vergleich zu ihren mausgrauen Schwestern.

    Ich habe das ganze auch kürzlich unfreiwillig experimentell (vorsichtig) bestätigen können:

    Ich habe einen starken Adam-Starter erstellt, mit Brutwaben und Bienen unterschiedlicher Völker. Wenn man so will, habe ich ein Volk zusammengestellt, welches künstlich die unterschiedlichsten Geschwistergruppen hatte.

    Innerhalb kurzer Zeit zeigten sich massiv CBPV Symptome, die ich scheinbar vorher bei zumindest einem Volk übersehen haben musste.

    Ich habe den Starter dann in Ableger aufgeteilt und mit den angezogenen Zellen versehen.


    Ich hatte eigentlich keine Hoffnung, dass die Ableger was werden, weil sie recht schnell an Stärke haben federn lassen müssen. Allerdings blieben dann doch Arbeiterinnen übrig, nämlich zumeist die mausgrauen, und die pflegen jetzt 2 Dadant Brutwaben. Es gibt noch vereinzelte, offensichtlich erkrankte Bienen, aber das Verhältnis Bucki-Rot zu Carnica-Grau ist vielleicht 4:1, was die Kranken betrifft.

    Ich bin auch hier gespannt, wie sich das mit den neuen Arbeiterinnen verhalten wird, die da schlüpfen werden.


    Das beweist alles nichts, und kein stolzer Buckfastzüchter sollte sich jetzt angegriffen fühlen.

    Ich möchte nur meine Beobachtungen teilen. Ich habe auch keine statistisch relevante Menge an Völkern, um daraus Allgemeinplätze zu formulieren.

    Aber der Erfahrungsaustausch ist wichtig, denke ich.

  • Hi Ralf!


    Danke für deinen ausführlichen Beitrag. Ich weiß gerade auch nicht, was ich zu deinen Beobachtungen sagen soll. Ich kann das aber mit Carnika und Buckfast schlicht und ergreifend nicht bestätigen. Ich habe vor 3 Jahren insgesamt 2 Volker gesehen, wo das CBPV zu beobachten war. Ganz vereinzelt und vielleicht 2 % der Bienen. Die Königin dieser Völker habe ich abgedrückt. Die Völker habe ich zu Ablegern verarbeitet. Seitdem keinerlei Symptome.


    Ich bin ratlos bei deinem Fall...

    8|

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ich ziehe für mich dann folgendes Fazit: Nicht Abfegen, weil sonst Zuflug in die Nachbarvölker. Ich würde im Zuge der TBE umweiseln und das wäre ja zugleich eine hygienische Maßnahme.

    Wie wichtig ist hier eigentlich Wabenhygiene, wenn die Krankheit einen Virus als Erreger hat und nur erwachsene Bienen befällt?

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • WFLP und alle:


    Herr Schierling vom Tiergesundheitsdienst Bayern hat mir mal folgendes geschrieben (Verkürzte Stichpunkte von mir fomuliert):


    -für CBPV gibt es sehr wahrscheinlich eine genetisch bedingte erhöhte Anfälligkeit -> von solchen Völkern also nicht mehr nachziehen. luffi hat es ja auch schon so empfohlen, ich würde auf jeden Fall auf die beiden Herren hören, die wissen was sie sagen.


    -als RNA-Viren sind CBPV-Viren vermutlich außerhalb ihres Wirtes nur kurz, Stunden oder Tage überlebensfähig bzw. infektiös. Untersucht wurde das bei diesen konkreten Viren aber noch nicht.


    -um sicher zu gehen, kann man mit den üblichen Mitteln desinfizieren (Spülmittel, Abflammen o.ä.).


    Ich selbst habe den festen Eindruck, dass sich die Krankheit vornehmlich auf benachbarte Völker ausbreitet und gehe daher davon aus, dass es über Verflug funktioniert. Übertragung via Stockmeisel oder Waben habe ich noch keine feststellen können. Das würde die Aussage oben unterstützen (kaum Überlebensfähigkeit auf Gegenständen).


    Befallene Völker kommen bei mir bisher immer alleine zurecht, verlieren aber über Wochen hinweg ständig viel Bienenmasse. Der Honigertrag wird erstaunlicherweise aber nicht weniger, doch die Völker wirken einfach angeschlagen und das über Wochern, ehe sich der Zustand zumindest optisch zum Spätsommer bei mir hin immer wieder völlig erholt.


    Interessanterweise gab es bei mir Fälle, wo stark befallen Völker im Folgejahr keinerlei Anzeigen gezeigt haben, aber auch solche, wo die selben Völker im Folgejahr erneut zu kämpfen hatten.


    Grundsätzlich kam es zum ersten Auftreten bei mir 2019. Richtig massives Auftreten dann im Jahr 2020. In 2021 war fast nix und heuer in 2022 sind bei mir wieder 3 Völker stark betroffen, wobei es zunächst 2 waren, dann wurde ein Drittes angesteckt, während ein viertes dazwischen nach wie vor ohne Symptome bleibt, obwohl jetzt von zwei Seiten befallene Bienen einfliegen dürften. Spricht für die starke genetische Komponente.

    Ebenso, dass unter dem Strich alle stark befallenen Völker seit 2019 eigentlich immer wieder die selben waren (bzw. nah verwandt), höchstens mit einem Jahr Pause dazwischen. Für mich ganz klare genetische Komponente.


    Ich belasse alles, wie in den Vorjahren, ziehe aber von diesen Völkern natürlich nicht mehr nach bzw. sie werden heuer noch regulär umgeweiselt. Ansonsten passe ich nicht weiter auf, erst, wenn es nach Umweiselung wieder neu auffammt, muss man vielleicht doch auch in die Richtung "Infektion auch über Gegenstände" gehen.

    Mal sehen, wie es weiter geht.

  • -als RNA-Viren sind CBPV-Viren vermutlich außerhalb ihres Wirtes nur kurz, Stunden oder Tage überlebensfähig bzw. infektiös. Untersucht wurde das bei diesen konkreten Viren aber noch nicht.


    -um sicher zu gehen, kann man mit den üblichen Mitteln desinfizieren (Spülmittel, Abflammen o.ä.).


    Ich selbst habe den festen Eindruck, dass sich die Krankheit vornehmlich auf benachbarte Völker ausbreitet und gehe daher davon aus, dass es über Verflug funktioniert. Übertragung via Stockmeisel oder Waben habe ich noch keine feststellen können. Das würde die Aussage oben unterstützen (kaum Überlebensfähigkeit auf Gegenständen).

    In Deutschland vielleicht nicht, aber es gibt durchaus Studien, die sich mit dem Aufbau des Virus und den Infektionswegen beschäftigen. Eine davon aus Frankreich, 2007.Spread of Infectious CBPV

    Übertragungsweg Ausscheidungen. Sichtbar erkrankte Bienen haben eine erhöhte Ausscheidungmenge lt .Studie mit entsprechend infektiöser Viruslast.

    Damit wären Stockmeißel und Waben durchaus potenzielle Überträger.

  • Ich neige inzwischen zu einer Schwefelschnitte und fertig. Das dauert sonst ewig und blockiert die Kiste für einen gesunden Ableger.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife