OS oder nicht OS, das ist hier die Frage...

  • Hallo,


    nach einmaliger AS-Behandlung nach Liebig im September fielen in meinen beiden Völkchen geschätzt je etwa 200 Milben. Jetzt habe ich die Windeln geprüft (7 Tage 'drin), in beiden Völkchen fiel keine einzige Milbe.


    Ich frage mich, ob ich nicht doch sicherheitshalber OS verdampfen soll, denn es sind kleine Jungvölker, das eine besetzt in der sehr kalten Zeit laut Gemüllstreifen 3 1/2-4 Wabengassen, das andere 5-6. Wäre jetzt eine Milbe gefallen, wären das auf einen ganzen Dadantkasten hochgerechnet ja schon 3 in 7 Tagen, laß' es 4 in 10 sein, dann bin ich schon über der empfohlenen Grenze von 0,2 Milben/Tag, wenn ich im nächsten Jahr keine Drohnenbrut schneide.


    Was denkt Ihr?


    Viele Grüße von der Ruhr (steigender Pegel),


    Johannes

  • Hallo !


    In vielen Artikeln der letzten Wochen lese ich nur vom verdampfen von Oxalsäure. Das mag in einer kleinen Imkerei sicherlich gut funktionieren, wenn man mal von den Gesundheitsgefahren für den Anwender absieht ist mir aber in einem größeren Imkereibetrieb viel zu zeitaufwendig. Hier ziehe ich die Träufelmethode z.B. mit Bienenwohl (wie sie auch der Anfänger sicher anwenden kann) vor. Natürlich kann man sich im Rahmen der Kostenersparnis die Oxalsäure auch selber anmischen.
    Jetzt kann man natürlich über den Grad der Wiksamkeit beider Methoden depattieren........ Ich sehe das mal so: Habe ich bei meinen Bienen keine vernünftige und zeitige Spätsommerbehandlung z.B. mit AS vorgenommen (denn in dieser Behandlungsmaßnahme liegt ja eigentlich der Schlüssel einer erfolgreichen Varroabekämpfung, nicht erst im Winter wo nur die Restentmilbung erreicht werden soll) ist es doch schon egal ob ich 80 oder 90 oder sogar 95% der noch vorhandenen Milben erwische, das Volk ist sowieso schon stark geschädigt.


    Beste Grüße und allen am Forum beteiligten einen guten Rutsch ins neue Jahr !


    Frank Osterloh

  • Hallo Martin !


    Ja Du hast absolut richtig gehört ! Denn die Varroabehandlung bei Bienenvölkern sollte mit einer Kette von Maßnahmen durchgeführt werden, und da steht die Behandlung im brutfreien Zustand nun mal zuletzt und dient der Restentmilbung ! Sollte es da nochmal richtig krachen, ist im Vorfeld etwas schiefgelaufen. Entweder beim Imker selbst, oder bei den nahen Nachbarimkern (Reinfektion). Deshalb macht Varroabekäpfung auch nur Sinn, wenn sie flächig koordiniert von allen Imkern durchgeführt wird und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht.
    In dieser Frage ist von den örtlichen Veterinärämtern, Imkervereinen und Instituten viel Aufklärungsarbeit zu leisten welche sich jedoch für alle betroffenen auszahlt.


    Beste Grüße


    Frank

  • Hallo Martin,
    ich habe eben mal meine Aufzeichnungen aus den letzten Jahren durchgesehen.
    Durch die Oxalsäure-Träufelbehandlung im Dezember fielen demnach 1 % bis 4,5 % der Milben, die während der gesamten Behandlung seit August erreicht wurden.
    Da kann man wohl mit gutem Recht von einer 'Restentmilbung' reden.


    Interessant ist vielleicht auch, dass bei der Kurzzeitbehandlung mit Ameisensäure direkt nach der letzten Ernte (in der Regel Anfang August) zwischen 38 % und 70 % aller Varroen fielen.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Frank,
    das mit der Verkettung usw. ist mir klar. Nur, wenn man keine Restentmilbung durchführt, muss man genau wissen was sich an Milben im Volk befindet (natürlicher Milbenfall in brutfr. Zeit). Weiß man es nicht, oder es sind noch zu viele Milben im Volk trotz Behandlung, durch z.B. die von Dir erwähnte Reinfektion, geht der Schuss für das nächste Jahr nach hinten los! In dem Fall ist die Restenmilbung wichtig! (Ich habe sie aber auch in den letzten Jahren nicht gebraucht). Leider verlassen sich zu viele Imker auf die Spätsommerbehandlung und damit ist die Sache erledigt. Ich denke dass ist einer der Hauptgründe für jährlich wiederkehrende Völkerverluste. Wenn mit AS behandelt wurde ist ein Anraten die Restentmilbung oder die Kontrolle in der brutfreienzeit zu unterlassen falsch! Ich bin im übrigen der Meinung, dass jeder Imker in der Lage sein muss seine Völker effektiv zu behandeln, egal was Nachbarimker A ober B macht. Koordination wäre natürlich besser aber häufig nicht möglich.
    Gruss M. Brandt

  • Martin Brandt schrieb:


    das mit der Verkettung usw. ist mir klar. Nur, wenn man keine Restentmilbung durchführt, muss man genau wissen was sich an Milben im Volk befindet (natürlicher Milbenfall in brutfr. Zeit). Weiß man es nicht, oder es sind noch zu viele Milben im Volk trotz Behandlung, durch z.B. die von Dir erwähnte Reinfektion, geht der Schuss für das nächste Jahr nach hinten los! In dem Fall ist die Restenmilbung wichtig! (Ich habe sie aber auch in den letzten Jahren nicht gebraucht). Leider verlassen sich zu viele Imker auf die Spätsommerbehandlung und damit ist die Sache erledigt. Ich denke dass ist einer der Hauptgründe für jährlich wiederkehrende Völkerverluste. Wenn mit AS behandelt wurde ist ein Anraten die Restentmilbung oder die Kontrolle in der brutfreienzeit zu unterlassen falsch! Ich bin im übrigen der Meinung, dass jeder Imker in der Lage sein muss seine Völker effektiv zu behandeln, egal was Nachbarimker A ober B macht. Koordination wäre natürlich besser aber häufig nicht möglich.


    Hallo Martin,


    das was Du schreibst halte ich für enorm wichtig, ich kann es nur unterstreichen. Insbesondere sollten wir nicht vergessen, dass sich allem Anschein nach Resistenzen gegen zugelassene Varroazide weiter ausbreiten. Eventuell spielt diese Tatsache auch bei den Bienenschäden eine Rolle, die bisher alleine auf Beizmittel zurückgeführt wurden.


    Ich habe vor längerer Zeit einmal erlebt, wie meine Bienen die Varroamilben "kiloweise" aus zusammenbrechenden Völkern einschleppten. Dass Varoamilben nach der Ameisensäure-Behandlung gehäuft auf einer Windel lagen, hatte ich vorher nie gesehen und auch nachher nie wieder beobachtet. Glücklicherweise endete das ganze schon im Spätsommer, vermutlich waren die "Spendervölker" zu diesem Zeitpunkt endgültig zusammengebrochen. Meine eigenen Bienen habe ich zwar durch den Winter bekommen, die Völker waren im nächsten Frühjahr aber deutlich geschwächt.


    Wenn so etwas aber etwas später im Jahr passiert, dann wird es sehr schwer die eigenen Völker wirkungsvoll gegen die Reinvasion zu schützen, so man nicht abwandern kann.


    Grüße


    Ulrich

  • Martin Brandt schrieb:

    wenn man keine Restentmilbung durchführt, muss man genau wissen was sich an Milben im Volk befindet (natürlicher Milbenfall in brutfr. Zeit).

    Ich habe inzwischen Zweifel daran, daß der natürliche Milbenfall der richtige Ratgeber für oder gegen eine OS-Nachbehandlung ist:


    Wie oben schon gesagt: über 7 Tage keine einzige Milbe auf den Windeln. Auf Petra S. Rat hin habe ich ihren Varrox dann doch in die Beuten gehalten. Ergebnis: stärkeres Volk ca. 90 Milben, schwächeres ca. 20. Sieh mal an!!


    Was ist dieser natürliche Milbenfall denn nun wirklich wert? Ich bin jetzt heilfroh, daß ich trotz Null Milben nachbehandelt habe. Auch, wenn das Autoradio jetzt nicht mehr funktioniert... :evil:


    Viele Grüße und alles Gute zum neuen Jahr,


    Johannes

  • Hallo Johannes,


    schade ums Radio. :wink: 
    aber dem tut ein Töten wenigstens nicht weh.
    Wenn ich-wie Du dieses Jahr- im Zweifel bin, dann behandele ich erst einmal probehalber jedes dritte oder vierte Volk.
    An dem Abfall bei diesen sehe ich dann, ob ich die anderen auch behandeln soll.
    Allerdings geht es meist so aus, dass ich die anderen auch behandeln muss, weil mehr Tierchen fallen, als nach der "natürlichen-Totenfall-Methode" zu erwarten waren.


    Grüsse

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-