Glyphosatfall: Imker bekommt Recht

  • Ich gehe davon aus, dass die Beuten vorhanden sind und keine gekauft oder gebaut werden müssen. Bei uns im Verein und Umgebung werden und wurden Völker auf Dadant mit 7 Waben für 150 € im Mittel verkauft. Jedoch mit Wald und Wiesenköniginn und auch nicht die stärksten.
    Was die Preise für Beuten auf dem Markt sind, weis ich nicht. Ich baue alles selber.
    Ich kaufe aber auch im jahr 20 m³ Weyhmoutkieferholz ein und habe wieder einen anderen Preis. Nach meiner letzten Rechnung lag ich mit meinen Stunden und Maschinenstundensätzen für eine 12er US Dadant Beute mit 5 Honigräumen und Absperrgiter bei 155 €.
    Wie gesagt, die Beuten habe ich nicht gerechnet.

    Es ist immernoch nicht Bekannt, wie viele Stöcke es waren.


    Wenn ich grob die 14 000 € / 400 € / St. = 35 Beuten.
    Der Ertragsverlust ist noch nicht mit drin. Es reicht aber für ein paar Beuten.
    Wie gesagt, interessant wäre zu wiesen, wie viele Beuten es sind.

    Es fehlen aber immernoch ein paar ZDFs.
    Es aber immer noch eine Chance neu anzufangen und ich würde es machen.

    Imker im dritten Jahr.

    Imkern im angepassten Brutraum.

    24 Völker Stand Juni 2021:

    Dadant, Zadant und Mini Plus Völker, 1 TBH, 1 Bienenkiste

    53 Hühner

  • Wer gegen Gesetze oder Anordnungen verstößt, konnte schon immer belangt werden, wenn der Verstoß nachweisbar war.

    Das größere Problem ist wohl, dass die Verordnungen nicht immer so toll zusammen passen.

    Selbst bei ordnungsgemäßer Anwendung von Pestiziden kann es zu Überschreitungen der Grenzwerte kommen. Das ist sicher selten der Fall, aber wenn man betroffen ist, hat man nicht das beste Blatt auf der Hand. Dann hat keiner der praktisch arbeitenden einen Fehler gemacht, aber der Imker schaut trotzdem in die Röhre.

    Auch Verstöße nachzuweisen und zuzuordnen ist äußerst schwierig.

    Für alle Beteiligten in jedem Fall eine sehr kostspielige und unangenehme Situation.

  • Wenn das Gericht dem Kläger vollumfänglich Recht gegeben hat, ist fraglich, wie der Schaden ermittelt wurde, sicher nicht der Gesamtschaden, sondern nur der entgangene Gewinn. Der Gesamtschaden einschließlich Folgeschäden ist m.E. wesentlich höher. Deshalb gab der Imker dann wohl auf.

  • Wie viel Honig war insgesamt denn betroffen? Sicher ist nur das es über 2t waren, 500 kg Löwenzahn und 1,5 t Kornblume + weitere Frühtracht die nicht näher beschrieben sind.

    Das würde ja bedeuten, daß da das ganze Jahr Glyphosat in irren Mengen ausgebracht wurde. 150x den Grenzwert überschritten. Löwenzahn und Kornblume blühen aber eher nicht gleichzeitig. Zusätzlich steckt die Aurelia Stiftung mit drin. Da bleiben mehr Fragen offen, als sie beantwortet werden.


    Screenshot_20220621-093557.png

    Spiegel hat den Artikel jetzt korrigiert, aber der Schade ist angerichtet, die landwirtschaftlichen Gruppen schäumen vor Wut. Für die ist das eh unvorstellbar und Fake News, da ist die Verknüpfung von Glyphosat als Insektizid das Sahnehäubchen.


    Ich befürchte, die Geschichte tut uns Imkern keinen Gefallen.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Das würde ja bedeuten, daß da das ganze Jahr Glyphosat in irren Mengen ausgebracht wurde. 150x den Grenzwert überschritten. Löwenzahn und Kornblume blühen aber eher nicht gleichzeitig. Zusätzlich steckt die Aurelia Stiftung mit drin. Da bleiben mehr Fragen offen, als sie beantwortet werden.

    Waren ja auch zwei Spritzungen, einmal im Löwenzahn, einmal zur Getreidereifung während die Kornblume schon geblüht hat

  • Screenshot_20220621-093557.png

    landwirtschaftlichen Gruppen schäumen vor Wut. Für die ist das eh unvorstellbar und Fake News, da ist die Verknüpfung von Glyphosat als Insektizid das Sahnehäubchen.


    Ich befürchte, die Geschichte tut uns Imkern keinen Gefallen.

    Zeigt aber leider auch wieder das die Biene leider in der Landwirtschaft immer wieder nicht als Teil, sondern als Hobby wahrgenommen wird

  • Nee, das zeigt mir vor allem, das die Landwirtschaft vom Stadtklientel eher als optional angesehen wird. Da wird ohne geringste Lust sauber zu recherchieren vom Glyphosat als Insektizid geschrieben. Lebensmittel kann man ja importieren. Wenn ich Landwirt wäre, würde ich mir nach dem Lesen eines solchen Artikels überlegen, Imkern einen Standplatz zu geben, weil ich die Sorge hätte, danach verklagt zu werden. Berechtigterweise. Sowas vertieft unnötigerweise die Gräben zwischen Landwirt und Imker.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Wenn ich Landwirt wäre, würde ich mir nach dem Lesen eines solchen Artikels überlegen, Imkern einen Standplatz zu geben, weil ich die Sorge hätte, danach verklagt zu werden. Berechtigterweise. Sowas vertieft unnötigerweise die Gräben zwischen Landwirt und Imker.

    ist richtig - das macht es aber trotzdem nicht richtiger, dass dieser Landwird diese Unmengen von Glyphosat auf seine Felder wirft - ganz egal wogegen.

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."

  • ist richtig - das macht es aber trotzdem nicht richtiger, dass dieser Landwird diese Unmengen von Glyphosat auf seine Felder wirft - ganz egal wogegen.

    Ich schätze, das ist es, was Ralf meint. Du weißt doch gar nicht, was genau passiert ist, und schlussfolgerst dennoch, dass Unmengen an Glyphosat auf den Acker gekippt wurden - was der Artikelt ja auch suggeriert (und vielleicht auch so war, ich weiß es nicht).


    Es kann sein, dass eine einzige Anwendung schon zu den entsprechenden Folgen führt, weil irgendetwas nicht beachtet oder falsch gemacht wurde oder sehr unglückliche Umstände zusammen kamen. Auch wenn es die einzige Anwendung im Jahr war. Das ist in etwa so, als wolle man Autos verbieten, nachdem man von einem schlimmen Unfall auf der A3 gelesen hat. Statt sinnvolle Regeln wie Tempolimits einzuführen.


    Im Übrigen ist Glyphsosat wie so ziemlich alles andere auch nur ein Werkzeug, das richtig oder falsch angewendet werden kann. Bodenlebewesen leiden bspw. im Allgemeinen deutlich mehr unter dem Pflug als unter Glyphosat.

  • Du weißt doch gar nicht, was genau passiert ist, und schlussfolgerst dennoch, dass Unmengen an Glyphosat auf den Acker gekippt wurden

    Man darf sicherlich zu Recht vermuten, dass genau das nachgewiesen wurde, weil das Urteil sonst nicht zu Gunsten des Imkers hätte ausfallen können.

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."

  • Das ist in etwa so, als wolle man Autos verbieten, nachdem man von einem schlimmen Unfall auf der A3 gelesen hat. Statt sinnvolle Regeln wie Tempolimits einzuführen.

    :!::!::!:


    Meines Erachtens ist die zunehmend schlechte Qualität der Gesetzgebung ganz massgebend darauf zurückzuführen, dass man um jeden Einzelfall rum ein neues Gesetz basteln will. Den Mechanismus sieht man auch hier: Der Einzelfall wird sofort zum Präzedenzfall hochstilisiert, der dann das noch fehlende Gesetz einstweilen vertreten soll. WFLP hat es auch schon erwähnt: Man weiss ja gar nicht, was genau geschehen ist …

  • ich denke mal, ein landwirtschaftlicher Betrieb rechnet mit Kosten und bringt normalerweise nicht mehr Pestizide aus, als für sie nötig.

    Was mich ärgert ist, dass wir Imker in der Nachweispflicht stehen, dass gegen Gesetzte verstossen wurde.

  • Was mich ärgert ist, dass wir Imker in der Nachweispflicht stehen, dass gegen Gesetze verstossen wurde.

    Als wäre das was Ungewöhnliches. Ganz generell muss der, der was will, die entsprechenden Nachweise erbringen. Auch für Nichtjuristen sollte dieser Gedanke nicht völlig abwegig sein, denke ich mal.


    Ich erinnere mich noch gut, wie wir vor 30 Jahren über die «dummen Amis» gelacht haben, die für alles Mögliche Millionensummen einklagen konnten (die Hälfte der Fälle gehört in den Bereich der urbanen Legenden, aber das ist ein anderes Thema). Heute kennt auch bei uns niemand mehr den Grundsatz casus sentit dominus. Geschieht mir was Schlechtes, muss mal ganz grundsätzlich ein anderer dafür blechen, ist die moderne Erwartungshaltung. <X Hat jetzt natürlich gar nichts mit dem konkreten Fall hier zu tun!