Nur einmal ernten

  • Hallo,

    zeitlich schaffe ich es dieses Jahr nur einmal zu ernten, das heisst, meine Frühtracht ernte ich mit Ende der Lindentracht.

    Der Wassergehalt wird dadurch, hoffe ich, nicht zu hoch.

    Die Frage ist für mich jedoch, ob es noch andere Probleme geben könnte, z. B. Entmischung, grobkistalliener Honig.

    Zum Impfen habe ich lediglich noch Honig aus der Spättracht 2021.

    Ich bitte um Rat und eure Erfahrungen.

  • Wenn ich so wenig Frühtracht in einer Wabe hatte, dass ich nicht geschleudert habe, war das Hauptproblem, dass es manchmal Stellen mit Honig gibt, den man nicht mehr aus der Wabe schleudern konnte. Kam aber auch nicht immer vor. Habe allerdings auch keinen Raps in der Umgebung, sondern eher Obstbaum und Löwenzahn.

    Sonst beginnt der "Ganzjahreshonig" bei mir nach dem Schleudern lediglich schneller zu kristallisieren und muss entsprechend früher gerührt werden. Dann gab es auch cremigen Honig, der sich nicht entmischt hat. Ohne rühren gibt es grobe Kristalle.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Gerade Linde verträgt sich überhaupt nicht mit Raps / Frühtracht finde ich. Mein letzter Lindenhonig ist 2 Jahre ohne entmischen flüssig geblieben (auch keine Gährung).

    Außerdem finde ich das "Zeitargument" nicht nachvollziehbar. Einen Sonntagvormittag hat doch jeder irgendwo mal frei, notfalls halt um 6-8 Uhr morgens schleudern und fertig (veranschlagte Zeit für 4 Honigräume).

    Alternativ kann man das ganze Schleudern-Drama noch weiter verkürzen, indem man das Saubermachen auf später verschiebt.

  • Nur in meinen ersten Imkerjahren habe ich zweimal geschleudert. Beim Früjahrshonig war dann der Wassergehalt recht hoch, der Honiggeschmack irgendwie langweilig und die Erntemenge zu gering für den Arbeitsaufwand. Raps gibt es hier nicht.

    Seither schleudere nur noch einmal Ende Juli und dieser Ganzjahres-Honig ist in jeder Hinsicht, vor allem im Aroma, sehr viel besser. Er wird auch nicht gerührt oder sonstwie misshandelt und noch am nächsten Tag in die Honiggläser abgefüllt. Darin kristallisiert er etwa ab Dezember.

    Soweit wir den Honig nicht selbst verbrauchen, konnte ich diesen für 7,50 EUR je Glas bisher locker verkaufen. Dieses Jahr wird er mindestens 8,00 EUR kosten.

  • Nur in meinen ersten Imkerjahren habe ich zweimal geschleudert. Beim Früjahrshonig war dann der Wassergehalt recht hoch, der Honiggeschmack irgendwie langweilig und die Erntemenge zu gering für den Arbeitsaufwand. Raps gibt es hier nicht.

    Seither schleudere nur noch einmal Ende Juli und dieser Ganzjahres-Honig ist in jeder Hinsicht, vor allem im Aroma, sehr viel besser. Er wird auch nicht gerührt oder sonstwie misshandelt und noch am nächsten Tag in die Honiggläser abgefüllt. Darin kristallisiert er etwa ab Dezember.

    Soweit wir den Honig nicht selbst verbrauchen, konnte ich diesen für 7,50 EUR je Glas bisher locker verkaufen. Dieses Jahr wird er mindestens 8,00 EUR kosten.

    Mag was dran sein, aber du unterschätzt, dass es für praktisch jeden Honig Kunden gibt. Insbesondere die milden Honig sind halt bei Familien mit Kindern sehr beliebt.


    Es ist natürlich eine Frage der Völker. Für 2 Völker ist der Aufwand mit Fluchten, HR holen Setup aufbauen und reinigen schon hoch. Ich persönlich würde aber eine Jahresernte nicht an einem Tag schaffen und ob ich jetzt ein ganzes Wochenende schleudere (meine bessere Hälfte killt mich) oder besser 2-3x im Jahr je einen Tag…


    Kommt für mich besser, aber das mag jeder für sich entscheiden

  • Beim Früjahrshonig war dann der Wassergehalt recht hoch, der Honiggeschmack irgendwie langweilig und die Erntemenge zu gering für den Arbeitsaufwand.

    Da würde ich was dran ändern, dann ist die mehrmalige Schleuderung sehr sinnvoll. Wenn man natürlich keinen Frühjahrshonig in den Völkern hat, braucht man nicht zu schleudern. Ist eine wesentliche Menge, beispielsweise Löwenzahn in den Waben, viel Spaß im Juli.

  • Er wird auch nicht gerührt oder sonstwie misshandelt und noch am nächsten Tag in die Honiggläser abgefüllt.

    Wer willentlich die Imkerei als eine Form der Prostitution betreibt, sollte mit dem Begriff 'misshandeln' ggf. zurückhaltend umgehen^^


    Ich hab letztes Jahr an einigen Ständen nur einmal geschleudert, weil die Frühtrachternte so miserabel war. Ich finde die Mischung Raps/Linde ganz lecker, aber es sind deswegen schon einige Waben unnötig in den Schmelzer gewandert, weil dicke Placken Frühtracht ausgezuckert waren. Die Gefahr besteht halt. Ahorn, Löwenzahn, Raps o.ä. werden halt gerne mal hart.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Bis auf den Begriff "Misshandeln" fand ich den Post ganz gut. Diese Variante hat sich offensichtlich bei ihm bewährt.


    Wenn die üblichen Kontrollen im Jahr gemacht werden und Varroabehandlung UND der Verkauf stimmt!?

    Alles Top, oder ?

    LG

    Hulki

  • ich hatte in meinem ersten Imkerjahr den Honig ganz drin gelassen, weil ich 1. nicht alles zum Schleudern parat hatte 2. nicht viel drin war und mir wichtiger war, dass die Bienen gut über die Runden kamen.

    im Nächsten Jahr hatte ich hier Honig aus dem 1. Jahr mit rausgeschleudert und der Honig hatte einen ganz anderen, viel aromatischeren Geschmack. Da ich diese Gläser nur für mich und Familie abgefüllt hab war das auch mit Kennzeichnung und evtl. Winterfutter kein Thema.


    Eigentlich würde es mich reizen sowas nochmal im Versuch zu machen. Aber da müsstest du ja quasi nichts beifüttern, damit die du den im nächsten Jahr schleudern und abfüllen kannst. Mir ist das aktuell zu umständlich. Aber ganz verdrängt es der Plan noch nicht. Geht ja dann auch in die Richtung demeter.


    Zurück zum Thema: sofern man wirklich zu wenig drin hat, ok. Für 10kg insgesamt würde ich auch nicht schleudern.

    Ich glaub generell, dass wir uns als Imker zu viel Einreden, was der Honig alles muss. Wir müssen uns halt nach Gesetzen und Normen richten und nach dem Konsumenten. Die Biene "nur" nach der Natur. Ich glaub wir könnten eine ganz andere Vielfalt erzeugen wenn wir nur wollen und es evtl. nicht unbedingt verkaufen müsste bzw. sich Gedanken machen wie man es dann korrekt deklariert. Aktuell richtet sich der Imker hauptsächlich nach dem Markt und Gesetz und richtet sich danach aus. Was aber vllt nicht zwangsläufig die best mögliche oder vielfältigste Honigqualität ergeben muss.

    Hier wird der ein oder andere laut dazwischenkrätschen.. aber ich denke es gibt einige die den Honig ernten obwohl er noch gar nicht reif ist, weil alle in der Umgebung ernten und man später zB. einen Honig mit zu viel Wassergehalt hat. Der erfahrene Imker wird das verhindern können, aber wird dafür vllt reinen Sortenhonig abfüllen wollen weil seine Kunden es so gewohnt sind. Vllt muss man auch den Kunden umerziehen und ihm klarmachen, dass nicht jedes Jahr wie das andere ist. Ähnlich wie auch bei einem kleinen Weingut, schmeckt das Produkt eben jedes Jahr etwas unterschiedlich.


    Aber dieses Jahr wäre das echt gar nicht möglich bei den Mengen, wo ich bei meinen 3 WV je 2x12 Waben DNM Honigraumzargen drauf hatte. Da wäre ich jetzt bei 3 Zargen + 1,5 DNM Brutraum. 1. komm ich da fast nicht mehr ran ohne Hilfe und 2. ist mir das dann auch viel zu krank vom Gewicht.