Warum "pumpen" die Bienen?

  • Mein Sohn bringt mich in Verlegenheit. "Papa, warum wackelt die Biene mit dem Po?"


    Ja, warum?
    Gemeint sind die pumpenden Bewegungen mit dem Abdomen. Hat das mit der Atmung zu tun? Ich dachte immer, die ginge per Diffusion durch die Tracheen ohne aktives Ein- und Ausatmen?


    Neugierige Grüße von der Ruhr, Johannes

  • Johannes Haller schrieb:

    Hat das mit der Atmung zu tun?


    Hallo Johannes,


    ja!


    Und mit dem Fliegen, dazu müssen die Luftsäcke (= dünnhäutige Tracheen-Erweiterungen) aufgepumpt werden (wie beim Maikäfer!).
     
    Aber auch mit der Bewegung des Bienen-Blutes im offenen Kreislauf-System.
    Das im Rücken des Hinterleibes liegende schlauchförmige Herz pumpt das Blut in die Aorta. Diese führt durch die "Wespentaille" und den Brustabschnitt hinter den Kopf (mit Nährstoffen für "Gehirn" und Flugmuskel). Von dort fließt es offen, gelenkt von dünnen Häutchen (= Septen), zum Hinterleib zurück.


    Zitat

    Ich dachte immer, die ginge per Diffusion durch die Tracheen ohne aktives Ein- und Ausatmen?


    Jain!
    Näheres s. hier:
    < http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=58422 >
    (Die Abb. lassen sich vergrößern).

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo Frieder,


    danke für die interessante Information, insbesondere den Artikel aus Kiel. Nun verstehe ich das so, daß dort eine aktive Kontraktion der Tracheenstämme beobachtet wurde; einen Zusammenhang mit den pulsierenden Bewegungen des Abdomens sehe ich noch nicht. Weißt Du zum Zusammenhang Atmen - abdominelles Pulsieren genaueres - insbesondere, wie es funktioniert? Ich habe es bei vielen Bienen beobachtet, nicht nur bei denen, die abfliegen.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    nur in den feinsten Tracheen-Verzweigungen (= Tracheolen), die alle Organe um- und durchspinnen, findet praktisch Diffusion statt.


    In den Tracheenröhren werden die Atemgase durch Ventilation bewegt. Geregelt wird diese durch Atemzentren (im Strickleiter-Nervensystem), die auf den Kohlendioxid-Gehalt des Blutes ansprechen.
    Bei geringem Sauerstoffverbrauch genügen dazu schon die normalen Körperbewegungen.


    Bei höherem Bedarf wirkt die sogn. Abdominal-Pumpe.
    Zum aktiven Ausatmen ziehen sich die an den abdominalen Chitinpanzer-Segmenten ansetzenden (Atem-)Muskeln zusammen und Verengen den Hinterleib-Innenraum. Dadurch wird der Blut-(bzw. Hämolymphen-)druck erhöht und die inneren Organe sowie die beiden großen Luftsäcke werden zusammen gepresst.


    Die Einatmung erfolgt passiv, wenn die Organe (und damit das Abdomen) sich durch ihre Eigen-Elastizität wieder ausdehnen.


    Im Kopf- und Brust-Bereich sollen die Flugmuskeln ähnlich wirken, allerdings weniger ergiebig.
    Die neu endeckte Aktivität der Tracheen in diesem Bereich behebt da einen (Wissens- und) evtl. Sauerstoffmangel.


    Über eine bestimmte Abfolge des Öffnens und Schließens der 20 Atemöffnungen (= Stigmen) geht ein beständiger Luftstrom durch die beiden (den ganzen Körper durchziehenden) Längs-Tracheen-Stränge. Allerdings ist man sich da über Einzelheiten noch nicht einig.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)