Varoafall nach Oxalsäure

  • Hallo , habe in meinen Völkern Oxalsäure (2gr. für 2 zargige Völker) verdampft ( im September wurde schon einmal mit ca. 30 ml As behandelt ). Nach 4-5 Tagen fallen jetzt im Durchschnitt nur 2-3 Milben . In einem Volk garkeine . Ist das Normal ?
    Wieviel Milben fiehlen bei Euch ?

  • Das könnte normal sein. Es werden nicht mehr Milben in den Völkern sein.
     
    Bei meinen Völkern sind insgesamt (bis 14 Tagen nach der Behandlung) zwischen 2 und 30 Milben gefallen.


    MfG

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Das kauf ich Euch nicht ab !


    Habe auch im August mit AS behandelt und war mit der Wirkung sehr zufrieden. Jetzt habe ich die Waben gezogen und mit Oxalsäure besbrüht.
    Durchschnittlicher Milbenfall liegt bei ca. 100 bis 500 Stück. Irgend etwas hat bei deiner Oxalsäureverdampfung scheinbar nicht funktioniert.


    Gruß
    Alfons

  • Hallo Alfons


    Es ist immer entscheidend wie viele Milben, dass noch nach der Behandlung im Volk verleiben, alles andere dient nur zur Statistik oder für Entscheide ob weitere Behandlungen noch nötig sind. In Deinem (Milben-) Fall drängt sich noch eine weitere Oxalsäurebehandlung auf. Deine Werte sind nach meinen Erfahrungen schon eher hoch. Entweder hattest Du Reinvasion oder, wiederum aus meiner jahrelangen Erfahrung heraus zu beurteilen, könnte auch die Ameisensäurebehandlung zu wenig effektiv gewesen sein. Für einen schlechten Behandlungserfolg gibt es jeweils immer einige Vermutungen, aber Du darfst ruhig auch bei Dir selber den gemachten Fehler suchen. Wenn Du ab dem 14. Tag nach der AS-Behandlung den natürlichen Milbentotenfall gelegentlich kontrollierst, bist du auch jederzeit im Bilde wie stark der Befall in den Völkern noch sein könnte. Im natürlichen Milbenfall kann man nur eine Tendenz des Befalls ablesen und ist etwa Mitte Oktober am zuverlässigsten.

  • Warum ist die Tendenz des Milbenbefalles am besten am natürlichen Milbenbefall Mitte Oktober abzulesen? Sollte das nicht das ganze Jahr über möglich sein, wenn nicht gerade eine Behandlung erfolgt oder erfolgt ist?


    Andreas

  • Hallo Hanspeter


    Bei einer Wirksamkeit der Oxalsäurebehandlung von 95 - 98 % verbleiben im schlechtesten Fall ca. 25 Milben im Volk.
    Bei diesen Völkern müsste ich theoretisch nochmal behandeln.
    Werde aber die Windeln kontrollieren und beobachten wie viele Milben pro Tag fallen und dann über weitere Behanlungen entscheiden.


    Viele Grüße


    Alfons

  • @ andreas
    Die Tatsache, das Mitte Oktober der natürliche Milbenfall am aussagekräftigsten ist, stammt von unzähligen Auswertungen des Bieneninstituts Liebefeld. Ich habe aus eigener Erfahrung gemerkt, dass man dem nat. Milbentotenfall nicht blindlings vertrauen kann, aber eine Tendenz kann man herauslesen.


    @ alfons
    Bei einem Milbenfall von gegen 500 nach der Oxalsäurebehandlung wird eine zweite Behandlung empfohlen.
    Doch denke ich, dass es der bessere Weg für die Völker ist zuerst den natürlichen Milbenfall zu kontrollieren. Bedenke aber dass einige Tage nach der Oxalsäurebehandlung noch Milben infolge der Behandlung hinunterfallen. Führe zwei Kontrollen von jeweils 5 bis 7 Tagen durch. Du wirst bei manchen Völkern unterschiedliche Werte zwischen der ersten und der zweiten Auszählung erhalten. Wenn man im Frühling die Drohnenbrut schneidet, sollten jetzt Maximum 1 Milbe pro Tag herunterfallen. Wer auf das Drohnenbrut schneiden verzichten will, muss jetzt einem Wert von 0,5 anstreben. Nach neuesten Empfehlungen sogar eher 0,2 Milben pro Tag.

  • Hallo,


    fünf bis sieben Tage zählen und dann 0,2 Milben pro messen. Das wird wohl nichts. Da ist im Mittel gerade mal eine Milbe gefallen.
    Der Milbenfall gehorcht der Poisson-Statistik und die hat die Eigenschaft, daß ihre Streuung gleich dem Mittelwert ist. Das heißt auch, daß man nach fünf Tagen die 0,2 Milben mit einem Fehler von 0,2 Milben gemessen hat. Mißt man 20 Tage ist der Fehler 0,11, nach 30 Tagen 0,09 und nach hundert Tagen annehmbare 0,045 (gleich 22%).
    Das Gleiche mit einer Milbe pro Tag: nach 5 Tagen 0,46 (Fehler 46%), nach 20 Tagen 0,22, nach 30 Tagen 0,19 und nach hundert Tagen 0,10 (also 10% Fehler).
    Solche seltenen Ereignisse zu messen dauert einfach seine Zeit.


    Grüße, Thomas

  • @ thomas
    Danke für die statische Ueberlegung. Habe die Empfehlungen von dieser Seite noch nie durchdacht.
    Deine Statistik sagt für die Praxis aus: Je kleiner der zu anstrebende tägliche Milbentotenfall ist, umso länger muss die Unterlage pro Zählperiode im Volk bleiben.
    Für mich sind die Werte 1,0 und 0,5 natürlich gestorbene Milbe pro Tag immer noch gültig und brauchbar.
    Wie sieht Deine Statistik für die Werte 1.0 und 0,5 aus.
    Danke Thomas

  • Hallo, wieso möchtest Du mit einer solchen guten Frage anonym bleiben.


    Der natürliche durchschnittliche Milbentotenfall sagt aus wie gross das die Varroapopulation im Volk ist, also mit wie vielen Varroa-Milben man im Volk rechnen muss.


    Jetzt ist aber diese Hochrechnung (genau wie bei Wahlen) ungenau und eher tendenziell. Deshalb gibt es keine zuverlässige Hochrechnungstabellen. Es gibt deshalb auch verschiedene Ansätze von Umrechnungsfaktoren welche ich aber in Frage stelle. Es sind für mich zu viele Unsicherheitsfaktoren im Spiel.


    Ich halte mich an die Empfehlungen vom schweizerischen Bieneninstitut und damit bin ich immer gut gefahren.


    Ich möchte hier das Wichtigste, welches vermutlich vielen Leser sicher bekannt vor kommt, auflisten.


    Anfangs August sollte nicht mehr als 2000 Milben das Volk belasten.
    Anfangs Oktober sollte die Belastung kleiner als 500 Milben sein. Das bedingt ein Drohnenbrutschneiden im nächsten Frühling.
    Anfangs November sollte die Belastung kleiner als 50 Milben betragen, wenn man auf das Drohnenbrut schneiden im nächsten Frühling verzichten will.


    Da man logischerweise die Milbenbelastung im Volk nicht zählen kann, behilft man sich mit dem durchschnittlichen Milbentotenfall.
    Der darf Anfangs August nicht grösser als 10 Milben pro Tag sein (=ca. 2000 Milben im Volk). Wer mehr hat muss solche Völker sofort behandeln.


    Mitte Oktober entspricht nach der Ameisensäurebehandlung ein durchschnittlicher täglicher Milbentotenfall von 1 Milbe etwa 500 Milben im Volk.
    Nach einer Thymolbehandlung entspricht Mitte Oktober ein durchschnittlicher täglicher Milbentotenfall von 1 Milbe etwa 100 Milben im Volk. Bei 1-3 Milben pro Tag ist nach einer Thymolbehandlung ein Drohnenbrut schneiden im nächsten Frühling nötig. Bei mehr als 3 Milben muss eine Winterbehandlung durchgeführt erden. Wieso der Unterschied bei verschiedenen Behandlungsweisen entsteht weiss ich nicht. Das ist auch ein Grund, dass es keine lineare Tabelle gibt.
    Wer im Spätherbst mit Oxalsäure behandelt hat danach weniger als 50 Milben im Volk.


    Übringens erreicht der natürliche Milbenfall 30 Milben oder mehr im Tag so entspricht das 4000 bis 6000 Milben im Volk. Solche Völker kann man vielfach nicht mehr retten oder gehen sehr geschwächt in den Winter.


    Ich meine mit diesen Zahlen und einer gezielten Behandlungsweise führt man seine Völker gut durch das Jahr und belastet sie nicht zusätzlich unnötig.



    Siehe auch sehr ausführlich
    http://www.apis.admin.ch/deutsch/pdf/Varroa/April-Nov_d.pdf

  • Hallo Hanspeter,


    habe nochmal nachgerechnet, man kann es in eine allgemeine Formel fassen:
    Wenn man den täglichen Milbenfall in der Form 1/N darstellt [Beispiel: 0,5 Milben pro Tag heißt N=2] und die Beobachtungsdauer k*N Tage ist [6 Tage hieße bei N=2: k=3] gilt für den Fehler (Streuung des geschätzten* Mittelwertes des täglichen Milbenfalles): F= 1/Wurzel(k).
    Beispiel: 0,5 Milben pro Tag -> N=2;
    7 Tage beobachtet -> k=3,5 ergibt F=0,53 (d.h. 53%);
    30 Tage beobachtet -> k=15 ergibt F=0,258 (d.h. 25,8% Fehler).
    1 Milbe pro Tag -> N=1;
    7 Tage beobachtet -> k= 7 ergibt 38% Fehler.


    An die Statistiker: Mich würde interessieren, wie man die Vertrauensintervalle berechnen kann.


    Viele Grüße, Thomas


    *: Statistiker sagen "schätzen", wenn aus einer Zufalssprobe etwas berechnet wird (z.B. der mittlere Milbenfall)

  • Die Befallszahlen sind ja beeindruckend.
    Kann man daraus auch Rückschlüsse auch die Zuchtwürdigkeit einzelner Völker ziehen?