Überwinterungsprobleme bei Buckfast bei Zuckerfütterung

  • Von einem Imker in Donaueschingen wurde mir über einen Vortrag von Fehrenbach Senior berichtet,daß
    Buckfastvölker bei Überwinterung auf
    reinem Zuckerwasser schlecht bis gar nicht auswintern sollen.
    Völlig abgeerntete C-Völker überwintern auf reinem Zuchkerwasser bestens,warum soll dies bei den B-Völkern anders sein.
    Wie ist Eure Erfahrung ?


    Gruß
    Rainer

  • Hallo Namensvetter,


    diese Aussage wird häufig aus dem Zusammenhang gerissen und dann in den Raum gestellt. Franz Fehrenbach erzählt in seinem Vortrag die Begebenheit, als er in den frühen 70er Jahren Pfefferle Ableger schenkte. Diese wurden gepflegt und ergaben im gleichen Jahr schöne Völker. Deshalb wanderte Pfefferle mit ihnen in die (pollenlose) Tannentracht. Die Völker wurden abgeerntet und aufgefüttert. Im Frühjahr waren sie tot. Fehrenbach will damit zeigen, dass beim Jungvolk die Versorgung der potentiellen Winterbienen bestens sein muss, d.h. mit Nektar UND VOR ALLEM Pollen. Ausserdem zeigt er, dass ein Jungvolk noch nicht voll gefordert werden darf. Wenn das nicht geschieht, wirds kritisch. Bei manchen Buckfastlinien muss man sich da sehr zurückhalten, da sie sich wirklich noch mühelos zu echten Vollvölkern entwickeln. Man bedenke, dass heute allgemein eine Überwinterung auf einem Teil Honig empfohlen wird. Eine Überwinterung nur auf Zuckerwasser ist sicher gezielte Fehlernährung, weil sämtliche Vitalstoffe fehlen.


    Wäre die Buckfast allgemein empfindlich gegen Überwinterung auf Zuckerwasser, so hätte ich seit 1997 keine Bienen mehr! Das von Buckfastgegnern gern verbreitete Gerücht "die vertägt kein Zuckerwasser" ist ein (absichtliches?) Missverständnis der Fehrenbach-Aussage. Übrigens war es auch dieses Argument eines "Bienenfachwartes" gegen die Buckfast, was mich veranlaßte es mal mit dieser Biene zu versuchen. Ich habs bis heute nicht bereut! Nochmal, die Aussage Fehrenbahcs bezog sich nicht auf normale Wirtschaftsvölker, sondern auf Ableger!

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  • Dank für Deine Mühe.
    Überwinterung nur auf Zuckerwasser
    von Jungvölkern gelingt bei der C-Biene doch gut.


    Ausgerechnet Jungvölker mit ihrer größeren Vitalität (0-jährige Königin)soll man doch voll fordern.
    Weisle ein zurückgebliebenes Altvolk
    mit einem Mini-Ableger mit 0-jähriger
    königin um ,so wird dieses Volk die anderen in Bezug auf Honigertrag(ca. 50% plus),Brutnestaufbau;Sammeleifer
    Einwinterungsstärke übertreffen.
    Eben diese Jungvölker sind mir für den Einsatz im gleichen Jahr bei der Waldtracht die liebsten.Du mußt dich um nichts kümmern(außer aufsetzen) und hast höchsten Honigertrag und höchste Einwinterungstärke.
    Diese Völker mit der 0-jährigen Königin
    sind auch von überwinterten Jungvölkern nicht zu schlagen.


    Gruß
    Rainer

  • Zitat

    Eine Überwinterung nur auf Zuckerwasser ist sicher gezielte Fehlernährung, weil sämtliche Vitalstoffe fehlen.


    Das kann man so nicht stehen lassen. Die Vitalstoffe kommen in erster Linie im Pollen vor (Vitamine etc.). Der Zucker des Honigs dient in der Ernährung "nur" als Kohlenstoffquelle (und damit Energiequelle). Wir Menschen nutzen Getreideprodukte, Kartoffeln, Zucker etc.


    Den Bienen ist es egal, wo sie die Zuckerlösung sammeln, ob in einer Blüte, auf Blättern oder aber wässrige Rübenzuckerlösungen vom Imker gegeben. Man könnte das von den Bienen umgearbeitete Zuckerwasser auch als "Rübenzuckerhonig" bezeichnen. :x


    Die Vitalstoffe, die im Honig sind, wurden alle von den Bienen zugegeben bzw. stammen aus den Pollen, die im Honig sind.


    Fehlernährung bzw. besser Mangelernährung kommt bei Bienen vor, wenn nicht genügend Pollen gesammelt werden können. Es gibt nicht wenige Krankheiten, die auf Pollenmangel zurückzuführen sind.


    MfG
    Gerold Wustmann

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Reiner,


    Du schreibst ja:


    Zitat

    Völlig abgeerntete C-Völker überwintern auf reinem Zuchkerwasser bestens


    Hast Du es auch mit Honig versucht ? nur zum Vergelich...


    Dante

  • Selbstverständlich benötigen die Bienenvölker Pollen zur Brutaufzucht.Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen hier aber, daß Bienenvölker mit unterschiedlichen Menge Pollen pro aufgezogene Biene zu Recht kommen können (Anpassungsfähigkeit des Bienenvolkes auf unterschiedliche Pollenangebote in der Natur).
    Als Beleg für die hervorragende Überwinterung auf Zuckerwasser der C-Biene kann man Mitte August einen Kunstschwarm bilden ,auf Mittelwände einschlagen und komplett auffüttern.
    Er wird bestens auswintern.Da Mitte August noch keine langlebigen Winterbienen vorhanden sind, müssen diese mit dem Sirup daher bestens zu Recht kommen.
    Für die Überwinterung ist ein ballaststoffarmes Futter besser beeignet,
    vor allem bei längeren Phasen wo die Bienen nicht ausfliegen können. Zusammenbrechen der Jungvölker in der Tannentracht wie von Reiner bei Buckfast beschrieben ist bei der C-Biene so nicht gegeben.
    Bei richtiger Betriebsweise (genügend
    freie Zellen )schränken junge C-Völker auch bei stärkster Tannentracht ihr Brutnest nicht übermäßig ein.So geschehen 2001 in der Tannentracht
    wo sie im August während der Tracht
    noch 10 Brutwaben aufwärts aufwiesen.


    Gruß
    Rainer

  • Hallo Namensvetter,


    Ich habe nur die Aussage des Herrn Fehrenbach mal kommentiert, wie er es wohl verstanden haben wollte. Allerdings bleibt zu bemerken, dass die damalige Betriebsweise mit der Buckfastbiene gänzlich anders war. Da wurde ja mit Herbstverstärkung gearbeitet, um im Frühjahr aufsatzreife Völker zu haben. Die heutigen Buckfastlinien verhalten sich da grundsätzlich anders. Seit den 70er Jahren ist da viel passiert. Die Buckfast Br. Adams war ja von ihm für die Spättracht in der Heide "optimiert". Seit die Buckfastzucht aber auf anderen Schultern ruht hat sich da vieles verschoben. Das begann schon mit der Integration von Anatolierherkünften in den 60er Jahren. Wenn du dazu noch genaueres wissen willst musst du halt die Fehrenbachs selber fragen (Kontaktadresse findest du auf buckfast.de). Auch zu deiner zweiten Frage mit den zwei Dadantbruträumen. Ich habe leider vergessen, was genau der Grund dafür ist und bevor ich hier Käse erzähle "dann lieber Fresse halten".


    Ein Zusammenbrechen der Völker in der Waldtracht geschieht übrigens auch nicht. Das wär ja wieder was anderes.


    Noch mal, ich kann die Erfahrungen Fehrenbachs nicht bestätigen, weil ich erstens damals noch keine Buckfast hatte (auch keine Bienen) und zweitens selber immer die Völker mit einem hohen Anteil an Fertigsirup oder Zucker überwintert habe. Aber überlegt doch auch das andere, Bruder Adam hat in Buckfast tonnenweise Winterfutter über eine eigens konstruierte Anlage angemischt und logischerweise anschließend auch verfüttert. Probleme hatte er damit nie. Was Fehrenbach, Adam und auch Gerstung immer propagiert haben ist halt ein gewisser Anteil an Honig für die Überwinterung. Hierzu bietet die große Dadantwabe gute Voraussetzungen.


    @Wustmann
    Und dass Honig für unsere Bienen hochwertiger ist als Zuckerwasser liegt doch wohl auf der Hand. Gerade im Winter dient der Honig eben nicht nur als Kohlehydratquelle. Pollen wird im Winter ja auch aus den eingelagerten Vorräten meines Wissens nicht aufgenommen. Also kommt der notwendige Anteil an 'Vitalstoffen' wie z.B. Enzyme und Vitamine usw. aus dem Honig. Auch wenn der dortige Anteil eher gering ist, das ist klar.


    wieder Rainer
    Was anderes, wo imkerst du denn um mit welchen C-Material? Wär' interessant für alle um deine Erfahrungen besser einordnen zu können. Wenn du von 10 Brutwaben sprichst, wäre es bei Dadant gewaltig, bei DNM eher mäßig.


    Noch ein Tip: Versuch' mal eine Gruppe Buckfast (z.B. von Fehrenbach) in der Wald/Tannentracht, aber vergiss nicht genügend Honigräume mitzunehmen!


    Sorry, so viel wollt ich eigentlich gar nicht palavern...

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  • Hallo,


    die Winterbienen der Ausser-Tropen haben sich bekanntlich im Spätjahr durch starke Pollenaufnahme in ihrem "Fettkörper" ein Fett- und Eiweiß-Vorrat angelegt, aus dem sie während der Überwinterung alle benötigten Zusatzstoffe beziehen.
    Sie werden die eingelagerten Pollenvorräte nicht angreifen, schon wegen den unverdaulichen Pollenhüllen. Auch auf den Pollen im Winterfutter-Honig sind sie nicht angewiesen.


    Das ändert sich natürlich mit dem Brutbeginn, wenn sie als Ammen den Fettkörper-Vorrat verbrauchen und Pollen für den Futtersaft benötigen.


    Wie die Fettkörper-Verhältnisse bei den Tropen-Bienen sind (mit Trachtpausen bei hohen Temperaturen), entzieht sich meiner Kenntnis. Für Hinweise wäre ich dankbar.


    Stecken auch Erbanlagen von nicht an Winter gewöhnte Tropen-Bienen in der Buckfast?



    Bis jetzt war ich der Ansicht, dass oftmals der Vorteil der reinen Zucker-Überwinterung bewiesen wurde; gibt es da begründete Zweifel?


    In Melezitose-Jahren (= bei mir jeder etwas feuchte Sommer) entnehme ich vor der Auffütterung den letzten Rest Honig aus dem Überwinterungs-Raum, bei meiner "Wald+Wiesen-Carnica" ohne jeden Nachteil.


    Wer seine Zuckerlösung selbst ansetzt, sollte aber nur die Qualität "Raffinade" (EG I) nehmen. In der EG II-Qualität ist noch der Dreifach-Zucker "Raffinose" enthalten, im Winter ein "Gift" wie der Melezitose-Zucker.


    Bequemer für Imker und Bienen ist natürlich der Invertzuckersirup, bei später Fütterung auch (winter-)bienenschonender.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo Reiner,
    beim C-Material verwende ich Zuchtmaterial von guten Magazinimkern
    wie Seip, Trachteinsatzgebiet ist das
    schöne Oberbayern,das verwendete Wabenmaß ist Zander.
    Im Tannenjahr 2001 wiesen die sich frei entfaltenden Völker (ohne Absperrgitter)im August in der Spitze bis 18 Brutwaben auf.
    Als ich früher nur mit ganzen Räumen imkerte verwendete ich notgedrungen zwecks schneller Honigernte mit Bienenflucht das Absperrgitter.
    Seit Einführung der Halbzargen bleiben sie außen vor.
    Die Verwendung des Absperrgitters
    z.B. auf der 2 Brutraumzarge beschleunigt nach meiner Erfahrung die Einengung des Brutnestes.
    In der Waldtracht wird darauf geachtet daß in der obersten Zargen immer genügend Leerzellen vorhanden sind. So
    halten diese Völker auch in den Massentrachen die Brutnester entsprechend dem jahreszeitablaufbedingten Entwicklungsrhytmus aufrecht.
    Zum Einsatz kommen 0 und 1-jährige
    Königinnen.Nichts fördert die Entwicklung eines Bienvolkes so stark wie die Verwendung von jungen Königinnen und reduziert gleichzeitig den Arbeitsaufwand pro Volk derart stark.


    Hallo Frieder,
    ich pflichte Dir bei,
    Versuche mit frühzeitigem Geben von Pollenersatzstoffen im Frühjahr ergaben keinen Erfolg.Der Brutansatz erfolgt vielmehr nach einer inneren Uhr und springt mit dem Eintrag von natürlichem Pollen erst richtig an.So beteiligen sich auch nicht alle Winterbienen mit ihrem Fettkörper gleichmäßig bei der Aufzucht der ersten Bienenbrut sondern das Bienenvolk hält einen Reservetrupp zurück,der dann in Notsituationen einspringen kann.


    Gruß
    Rainer

  • Hallo Frieder


    Frieder Hummel schrieb:


    Wie die Fettkörper-Verhältnisse bei den Tropen-Bienen sind (mit Trachtpausen bei hohen Temperaturen), entzieht sich meiner Kenntnis. Für Hinweise wäre ich dankbar.


    Stecken auch Erbanlagen von nicht an Winter gewöhnte Tropen-Bienen in der Buckfast?


    Stimmt, zumindest zu einem kleinen Teil. In einigen Buckfastlinien Bruder Adams steckte schon etwas Ägypterblut. Das ist wohl die am wenigsten an unsere Verhältnisse angepasste Biene. Sie überwintert bei uns nicht und hat den Flutrhythmus des Nils in ihrem Brutrhythmus drin. Bei den anderen Rassen ist es Sahariensis ud Monticola, bei der Sahariensis überwiegend die Varietät as dem Atlas-Gebirge, also auch kühler. Beide überwintern sehr gut mit Zucker.


    Was deine Frage mit den Fett-Eiweiss-Körper betrifft, da muss ich erstmal nachdenken und nachforschen. Interessiert mich auch.


    Frieder Hummel schrieb:


    Bis jetzt war ich der Ansicht, dass oftmals der Vorteil der reinen Zucker-Überwinterung bewiesen wurde; gibt es da begründete Zweifel?


    Gegenfrage, wo steckt der Vorteil? Sehen wir vielleicht die Nachteile nicht? Verringerte Vitalität des Biens, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, abgewöhnte Fähigkeit der Überwinterung auf Waldhonig?

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  • Hallo Rainer, da haben wir ihn schon gefunden, den kleinen Unterschied. Reiner´s Bericht von Fehrenbach bezieht sich auf die Tannentracht im Schwarzwald, Deine Erfahrungen auf die Tannentracht im Bayerischen Wald. Wo da der kleine Unterschied ist? Das Pollenangebot während der Tracht! Pfefferle schreibt in seien Buch "Unser Imkern im Magazin und der Varroa", das die Völker während der Tracht durch den Pollenmangel schwächer werden, und er deshalb während der Tracht die Völker untereinander vereinigt. Deshalb seine Betriebsweise, Aufbau von Jungvölkern für die n ä c h s t e Saison, Abarbeiten lassen der Altvölker in der Tannentracht. Bei Dir Rainer sieht es anders aus. Du hast während der Tanentracht genügend Pollen, der das Brutgeschäft aufrecht erhält. Da bleiben dann die Völker genügend stark, um noch überwintern zu können. Dann kann man ruhig 0-jährige Königinnen in den Völkern haben. Im Schwarzwald wäre dies Verschwendung. Hoffentlich habe ich jetzt nicht Rainer und Reiner verwechselt. :) Viele Grüße Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.