Standorthonig - Wanderhonig

  • ... als Anschluß an den Biosiegel-Thread...


    Neben der geringeren ökologischen Belastung durch die Standortimkerei im Vergleich zur Wanderimkerei fällt ein Argument für das Standortimkern bisher überhaupt nicht: der Geschmack.


    Ich probiere mich jetzt seit geraumer Zeit durch die verschiedenen Honige verschiedener Imker hier aus der Region. (Es schult den Geschmackssinn ungeheuer!) Die mit weitem Abstand besten Honige sind nicht irgendwelche Raps- oder anderen Massentrachthonige, sondern diejenigen von Imkern, die keine Massentracht anwandern und aus unbebrüteten Waben ernten. Rapshonig schmeckt nach Rapshonig, egal ob aus Schleswig-Holstein oder aus Witten. Aber der Honig aus dem Garten am kahlen Plack im Ardeygebirge oder aus dem Ender Tal ist unverwechselbar. Das ist kein Lokalpatriotismus! Das Aroma ist um Klassen komplexer und vielschichtiger. Es ist wie der Unterschied zwischen einem sehr guten Wein vom Bio-Kleinwinzer aus Frankreich und dem Rebenschoppen im Tetrapak (ok, vielleicht ein bißchen drastisch, der Vergleich...:wink:).


    Das könnte der nicht wandernde Kleinimker noch viel mehr herausstreichen bei seiner Werbung...


    Viele Grüße von der Honigbar,


    Johannes

  • Hallo Johannes,


    wenn jemand nur wenige Völker hat, also vielleicht 6 oder 10 und nicht wandert, dann hat er immer anderen Honig. Mal hat er ein Rapsfeld nebenan, im nächsten Jahr Feldbrache. Oder mal ist der Sommer so trocken, daß der Klee erreichbar wird oder die Arkazie vertrocknet usw.
    Das ist dann auch das Problem oder eben Glück, denn es wird immer ein spezielles Gemisch.


    Wenn meinem Kunden der Honig aus Linde und Feldbrache ganz besonders schmeckt, kann ich ihm den nächstes Jahr nicht liefern. Es gibt zu viele Zufälle und Abhängigkeiten. Ich sage das meinen Kunden auch immer und die finden das eher interessant als daß sie darin ein Problem sehen.


    Wenn jemand aber tonnenweise Honig erzeugt, ist es schon wichtig, daß er in etwa gleichbleibende Geschmacksrichtungen trifft. Denn dann fragen die Kunden ja gerade Sonnenblumen- oder Beerlauchhonig nach, und kennen den Geschmack aus dem Vorjahr.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,


    schon klar, mir ging's letztlich nicht darum, das Wandern pauschal als schlecht abztun, ein Imker mit entsprechender Völkerzahl wird da nicht umhinkommen. Aber wie Du schon andeutest: Das Fehlen einer Sortenhonigauswahl muß gerade für einen Kleinimker kein Nachteil sein, im Gegenteil.


    Viele Grüße, Johannes

  • Ja Johannes so sehe ich das auch.
    Und Jahrgangshonig hat auch noch den großen Vorteil, daß es keine Probleme mit irgendwelchen Abmahnern oder Neidern gibt, die dann mal eben Dein Glas Honig, ohne Dein Wissen prüfen lassen, nur um Dir an den Karren ...


    Ich schreibe auf meinen Honig (nicht im DIB-Glas) immer die Schleuderung und den Jahrgang und manchmal noch sowas wie "mit viel Linde". Das läßt den Honig als Jahrgangshonig sehr edel erscheinen und bringt wegen der Angabe der Schleuderung auch Übersicht und Anknüpfungspunkte für Gespräche. Reine Sorten weise ich nicht aus und lege es auch nicht darauf an, sie zu erzeugen. Ganz im Gegenteil. Da ich auf den Jahrgangshonig kaum Einfluß habe, entsteht automatisch Exklusivität. Andere haben noch Raps vom letzten Jahr, ich hab' "02er 2. Schleuderung". Rapshonig wird eigentlich nie alle, "02er Frühjahr" schon. Und gerade deshalb kauft der Kunde schon mal ein paar Gläser mehr.


    Mischhonige sind einfach geschmachlich interessanter und wirklich viel vielschichtiger. Wer mal reinen Kastanienhonig gegen wilde Wiese oder reine Linde gegen einen Ganzjahreshonig (aus einem eigentlich ganz miesen Honigjahr) getestet hat, wird das sicher bestätigen.


    Aber Allah liebt auch hier die göttliche Vielfalt und Geschmäcker sind verschieden.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder