Weltmaß Langstroth

  • Guten Abend, alle zusammen!


    Ich bin ganz "neu" hier :D , und möchte von euch wissen, warum sich ein Weltmaß wie Langstroth überall durchsetzen kann, nur hier in Europa nicht?


    Ich überlege gerade, meine Imkerei komplett auf Langstroth umzustellen, aus Gewichtsgründen allerdings als Flachzargenbetrieb.


    Wer von euch hat Erfahrung damit, egal ob positiv oder negativ, ich möchte alles hören! :lol:


    Aus den beschriebenen Gründen: was spricht dagegen, die kleinste Zargenhöhe (145 mm) auch als Brutraum zu verwenden? O.K., dann bräuchte ich wahrscheinlich 4 Bruträume, aber meine Wirbelsäule würde mir danken...


    Warum ist auch bei diesen kleinen Höhen der Oberträger noch 19mm dick? Aus statischen Gründen doch gewiß nicht...
    Nur wegen der Massenfertigung?


    Besteht evt. Interesse, sich an einem Großeinkauf zu beteiligen?
    Man kennt das Prinzip: je größer die Menge, desto geringer der Preis...
    Ich habe Beuten im Sinn ohne den Untersockel, dafür mit Gitterboden, auf Paletten zu stellen/montieren, mit insgesamt 8 der kleinen Zargen, Fluglochkeil, Futteraufsatz mit Seitenaufstieg, Bienenflucht, Absperrgitter, komplett mit Rähmchen, allerdings ohne Blechdeckel, sondern einem Schachteldeckel aus Holz.
    Nach Angebot würde mich das bei "Kleinabnahme" in dieser Ausführung um die 210 Euro kosten, allerdings würde der Preis bei Abnahme von 100 Stück (gesamt) schon auf 175 Euro sinken...

    Schöne Grüße von der Weser!


    buckibiene

  • Hallo buckibiene!
    Ich habe aus den gleich Gründen wie Du mit Zander FLACHzargen zu imkern begonnen (obwohl hier in der ganzen Umgeubng nur mit DN geimkert wird).
    Ich habe aber heuer versuchsweise zwei Völker auf Dadant (ebenfalls ein "Weltmaß") umgestellt und werde auch den Rest auf Dadant umstellen. Bei Halbzargen hast Du so viele Rähmchen im Brutraum, was schon sehr lästig ist, wenn Du im Brutraum z.B. die Königin suchen willst, oder auch nur nachschauen willst bezüglich Weiselzellen.
    Bei Dadant habe ich nur eine Zarge als Brutraum mit zwölf Rähmchen.
    Diese Zarge bleibt am Boden stehen und ich brauche lediglich die Honigräume abheben - und die sind im Flachformat, also nicht so schwer.
    Aus meiner Erfahrung würde ich von Flachzargen im Brutraum abraten.
    Bin neugierig, was die anderen hier berichten werden.
    In jedem Fall wünsche ich viel Freude bei der Imkerei!
    Fritz

    Fritz Eder
    (Hobby-Imker mit 4 Carnica-Völkern in DN im Garten - 335 m Seehöhe)

  • Hallo, Fritz,
    über Dadant habe ich auch lange nachgedacht, aber damit verspiele ich doch gerade den größten Vorteil des Magazins: die Schichtenbeweglichkeit.
    Dadant ist in dem Sinn eher eine Oberbehandlungsbeute als ein Magazin.
    Ich habe mit Segebergern als Halbzargen diese Beweglichkeit sehr schätzen gelernt, aber das Maß ist definitiv zu klein.
    Deswegen will ich ja umstellen...
    Aber ich darf unter gar keinen Umständen mehr als 20 kg heben, also muß es bei Flachzargen bleiben.
    Allerdings ist dann die Frage, welche; die Differenzen in der Höhe betragen ja nur ja ca. 22-25 mm.
    Aber wie entscheidend ist diese Höhe für die Bienen?
    Zumal ich einen 19 mm dicken Oberträger bei dieser Höhe für maßlos überdimensioniert halte, und soviel Holz im Vergleich zur Wabenfläche auch nicht unbedingt gut finde...


    Wer kann mir meine Fragen beantworten?
    Und möglichst aus eigener Erfahrung?
    Ich würde mich sehr freuen!

    Schöne Grüße von der Weser!


    buckibiene

  • Hallo


    also mal meine Meinung zum Weltmaß. Mir ist es eigentlich egal ob in der ganzen Welt mit einem Maß geimkert wird. Da es überall verschiedene Tracht- und Klimaverhältnisse gibt sollte man sich darauf einrichten und nicht ob man einfach nur dazu gehört. Am Ende imkert man auf Weltmaß und erntet keinen Honig. Auch die Biene spielt natürlich eine Rolle welches Maß man wählt. Ein Argument für das Weltmaß wäre natürlich der Bienenhandel im großen Stil kreuz und quer um den Globus, aber das haben wohl die wenigsten im Sinn. Die Imkerei ist in unseren Gefilden wohl eher eine sehr feudale angelegenheit.
    Das Zander-Maß hat z. B. fast die selben Dimensionen wie Langstroth nur wurde es eben in Deutschlanmd entwickelt.
    Ich imkere mit Zander normal im Brutraum und 2/3 im Honigraum. Die dicken Oberträger stören nach meinen Erfahrungen die Bienen auch nicht bei den Flachzargenrähmchen (15,9 cm hoch), sie verhindern aber das lästige Überbauen.
    Zum Flach- und Gemischtzargenbetrieb kann ich das Buch "Naturgemäße Bienenzucht" von Moosbeckhofer empfehlen.

  • Hallo, Walter,


    es geht mir eigentlich nicht ums "dazugehören", sondern ich halte das Langstroth-System für mittlerweile so perfektioniert, warum soll ich das Rad neu erfinden?


    Im deutschsprachigen Raum haben die Imker eigentlich in den letzten zweihundert Jahren nur bewiesen, daß man jede Biene auf jedem nur vorstellbaren Waben- und Beutenmaß halten kann...


    Langstroth ist längs und quer durch Nordamerika verbreitet, das Argument mit verschiedenen Tracht- und Klimaverhältnissen zieht da nicht! Ebenso ist es mit den verschiedenen Bienenrassen!


    Ich habe mich in den letzten zwei Jahren buchstäblich mit jedem System beschäftigt, das einen Marktanteil von mehr als 1% hat, und aus logischen Gründen bin ich jetzt bei Langstroth gelandet.


    Guck dir doch mal die Kataloge der großen Hersteller außerhalb Europas an!
    Alles kompatibel, keine Schwierigkeiten!
    Einfach in der Herstellung, auch in Großserien, keine Verwirrung der Anfänger, jeder kann mit jedem Bienen und Beuten tauschen/kaufen/verkaufen, was spricht denn eigentlich dagegen???


    Ich kenne fünf Läden für Imkereizubehör, und alle fünf Inhaber würden Freudensprünge machen, wenn sie sich das ganze überflüssige Gerümpel aus dem Lager halten könnten!


    Diese unendliche Vielfalt mag ja irgendwo ihre Reize haben, aber betriebswirtschaftlich ist es nur der nackte Wahnsinn!


    Ist hier zufällig auch jemand, der meiner Meinung ist? :lol:

    Schöne Grüße von der Weser!


    buckibiene

  • Ich finde es schade, dass die Imker sich nicht zum metrischen System bekennen können. Selbst die Engländer haben offiziell keine "Füße" mehr, sondern Meter. Aber die Überseekolonie benutzt weiter inches und meter nebeneinander und hat damit jede Menge Umrechenaufgaben.
    Wer hat soviel Imkerautorität, dass er Dadant und Langstroth auf ganze Zentimeter (vielleicht sogar in 5-er Schritten) runden darf?
    Die Originalmaße kennen nur 1/8 Inch-Schritte - ca 2mm.
    Die Zandermaße sind meines Wissens die einzigen, die auf dem metrischen System basieren.


    Auf zum lustvollen Umrechnen
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
    ----------------------------------
    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Ach nee Peter56,


    das ist glaube ich ziemlich of Topic, weil ja das Maßsystem nun wirklich nicht viel mit Wabenmaß oder Betriebsweise ect. zu tun hat.


    Aber warum sollen wir Imker nicht auch die unterschiedlichsten Maßangaben verwenden, ist das wirklich ein Problem? Dann muß man sich eben einen Zollstock (also echt in Zoll) kaufen für's Basteln. Andere Hobbys leben mit noch viel mehr nationalen Einheiten. Ich bin zB. auch Bogenschütze und Taucher. Bogenlänge wird in Zoll angegeben, Auszug also Pfeillänge auch, Zugkraft in Pfund oder in Kg, Pfeilduchbiegung hat eine eigene Einheit, die auf Pfund und Zoll basiert aber der Abstand zur Scheibe und deren Größe wird in Metern angegeben. Beim Tauchen gibt man die Tiefe immer in Metern, den Druck aber in PSi (Pfund pro Quadratzoll) oder bar an (Hektopascal wäre die ISO-Einheit). Die Gewinde der Flaschen sind dennoch metrisch.


    Kein Bogenschütze oder Taucher macht daraus ein Problem und ich glaube ein Imker auch nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ja, ja, die Imker sind Individualisten!


    Aber es ist schon besser, dass Landwirte nicht mehr mit Morgen, Ruten oder sonstigen regionalen Einheiten rechnen.


    Hier schreibt doch jemand:
    Make it as simple as possible, but not simpler!

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
    ----------------------------------
    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Meine Lieben,
    genau DARUM geht es doch! :lol:


    Was spricht gegen eine Vereinfachung durch Standardisierung im Beuten- und Rähmchenwirrwarr?
    Denn was anderes ist es nicht!


    Die Arge Magazinimker kämpft seit mittlerweile 25 Jahren dafür, aber die geschätzten Kollegen Imker sind zu stur dafür.
    Ich frage mich nur, warum....


    Beuten und Rähmchen und Mittelwände könnten ganz erheblich billiger werden, weil dann endlich echte Großserienfertigung möglich wäre.


    Kein Anfänger müßte sich von älteren Kollegen über den Tisch ziehen lassen, nur weil der seinen Steinzeit-Kram für teuer Geld loswerden will;
    kein Anfänger müßte ohne jedes Fachwissen die wichtigste Entscheidung treffen, nämlich welches System er nehmen soll;
    kein Anfänger würde Streß mit seiner Frau/Mann bekommen angesichts der nun doch erheblichen Anfangskosten. :lol:


    Im übrigen würde der Wiederverkaufswert auch steigen, weil ja eben alles zu allem passen würde.


    Außerdem wäre es auch kein Problem, bei zunehmendem Alter oder sonstigen Gebrechen von Vollzargen auf niedrigere umzusteigen, die dann auch leichter zu handeln sind.


    Wieso leisten wir uns den Luxus, von der Ausrüstung her eine der teuersten Imkereien der Welt zu betreiben??? :o
    Haben wir alle zuviel Geld?


    Den deutschen Erfindergeist in allen Ehren, aber betrachtet doch mal die Angelegenheit von der betriebswirtschaftlichen Seite!
    Rationalisierung ist angesagt, warum denn nicht auch in der Imkerei? :D

    Schöne Grüße von der Weser!


    buckibiene

  • Hallo, buckibiene,


    soweit ich das verstanden habe, kommt es bei den dicken Oberträgern nicht auf die Statik an, sondern darauf, daß die Bienen bei einem dünneren Oberträger diesen nicht als "Decke der Höhle" begreifen, weil es für sie darüber "spürbar" mit freiem Raum weitergeht und sie dann Überbau errichten. Bei einem dicken Oberträger hätten sie dann das Gefühl, daß dort oben die Wabe endet und nicht bloß unterbrochen wird.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo, Johannes,
    danke für die Erklärung!
    Aber wie verhalten sie sich denn dann bei der Überwinterung, wenn der erste Oberträger für sie schon sozusagen "Ende" bedeutet?
    Meine Mädels sind gut ausgelesen, sie haben nur eine sehr schwache Neigung zu Über-und Wirrbau, das würde für mich kein Problem darstellen, da wäre dann im reinen Flachzargenbetrieb ein dünnerer Oberträger ausreichend..., wenn das der einzige Grund dafür ist! :D

    Schöne Grüße von der Weser!


    buckibiene

  • Hallo Ihr Lieben,


    buckibiene schrieb:

    Was spricht gegen eine Vereinfachung durch Standardisierung im Beuten- und Rähmchenwirrwarr?


    Dagegen spricht, daß ich mein Deutsches Normalmaß mag, viele Rähmchen und Waben hab', Beuten hab' in die eben nur DNM paßt. Und meine Völker auf DNM sitzen. Ich hab' nur solange nichts gegen Standardisierung, solange ich mich nicht umstellen muß. Für mich würde es auch nicht billiger, weil ich ja erst noch eine Investition in das neue Standardmaß hätte und mein DNM-Zeug ja auch sofort wertlos wäre. Ich bin deshalb nicht sturer als jemand der auf Zander, Kuntzsch, Golz oder Freudenstein imkert. Ich kann nur genau wie der rechnen.


    Und außerdem liebt Allah die göttliche Vielfalt. Bei den Menschen, den Bienen und den Beuten.


    Ich hab' aber auch einen Vorschlag. Lack für Kraftfahrzeuge ist nur deshalb so teuer, weil so viele unterschiedliche Farbtöne gebraucht werden. Ich zum Beispiel brauche grün-metallic an den PKWs und am Lieferwagen weiß. Deshalb schlage ich vor, in Zukunft alle KFZs nur noch in grün-metallic auszuliefern. (Ich versuche noch schnell den weißen Lieferwagen los zu werden :wink: ) Das würde richtig sparen. Endlich kein teures Rot, kein langweiliges weiß, kein aufheizendes Schwarz, kein perverses Raser-Rosa. Dafür aber alle Autos in grün-metallic und mind. 1000 Euro günstiger. Das wär Klasse.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo buckibiene


    Zitat

    Was spricht gegen eine Vereinfachung durch Standardisierung im Beuten- und Rähmchenwirrwarr?
    Denn was anderes ist es nicht!


    ...überhaupt nichts, aber ich glaube das ist kaum umzusetzen. Das beutenwirrwar ist wohl schon zu einem stück kultur in der dt. Imkerei geworden.

    Zitat

    Außerdem wäre es auch kein Problem, bei zunehmendem Alter oder sonstigen Gebrechen von Vollzargen auf niedrigere umzusteigen, die dann auch leichter zu handeln sind


    ...das geht aber bei verschiedenen anderen Maßen auch.

    Zitat

    Den deutschen Erfindergeist in allen Ehren, aber betrachtet doch mal die Angelegenheit von der betriebswirtschaftlichen Seite!
    Rationalisierung ist angesagt, warum denn nicht auch in der Imkerei?


    ...Rationalisierung klingt immer gut, aber in diesem Fall bezieht es sich "nur" auf die Anschaffung und da die meistem Imker Hobbyimker sind haben sie dann einmal ihre Beuten und dann ist für die nächsten 20-30 Jahre Ruhe. Auch wird es den Hobyimker nicht interessieren wie man auf der anderen seite des Globus mit einer Monotonie von Beutenarten imkert.

    Zitat

    Die Arge Magazinimker kämpft seit mittlerweile 25 Jahren dafür, aber die geschätzten Kollegen Imker sind zu stur dafür.
    Ich frage mich nur, warum....


    Auch heute passt schon eine ganze Menge übereinander, z. B. im kompatiblen Beutensystem der AG der Magazinimker (Langstroth-Zander-Dadant-12er DN)


    Prinzipiell hast du natürlich mit den Kosteneinsparungen recht. Aber jeder Imker will genau mit dem Maß arbeiten mit dem er schon immer gearbeitet hat, und so wie es von jedem Imker mindestens 1,4 Betriebsweisen gibt so wird es auch von jedem imker genausoviele Beutenmaße geben.

  • Hallo, Walter,


    dankeschön für die sachliche Antwort!
    Es geht mir ja auch nicht darum, irgendjemand zu irgendwas zu bekehren oder zu zwingen; nichts liegt mir ferner!


    Ich begreife nur einfach nicht, wie es so weit kommen konnte!
    Das Problem mit den älteren Kollegen und den ganz exotischen Sachen wird die Biologie schon richten, auch wenn sie noch zwanzig, dreißig Jahre zum Aussterben brauchen... :lol:


    Wenn der Wirrwarr schon lange deutsche Imkerkultur ist, frage ich mich natürlich auch, warum in anderen Ländern die wirklich hübschen Stücke an Kultur ausgestorben sind, oder schon fast.. (die angemalten Stirnbrettchen, oder die Figurenbeuten)


    Das Umsteigen auf niedrige Zargen geht aber nur bei den bekanntesten Maßen! Da hat der hohe Marktanteil für die Variationsbreite gesorgt!


    Daß sich der "Spareffekt" erst mal nur auf die Anschaffung bezieht, ist klar, aber langfristig hätten doch eher alle was davon...


    Warum muß dieses Chaos denn unbedingt so bleiben???

    Schöne Grüße von der Weser!


    buckibiene