Afrikanische Bienen

  • Ein guter Kontakt in Ostafrika ist das Baraka Agricultural College in Molo im kenianischen Hochland. Neben anderen landwirtschaftlichen Kursen bieten sie auch Einsteigerkurse für Imkerei an und produzieren selbst Beuten (Kenya Top Bar Hive). Zielgruppe sind Kleinbauern und -bäuerinnen: https://barakaagricollege.ac.ke/beekeeping-development-unit/

    Viele Grüße,

    Ludger

    (seit 2002 Carnica, Standbegattung; Löwenzahn, Obstblüte, Sommerblüte, Robinie, Linde; Zander, Zeidlermagazin (Heroldbeute), Hohenheimer Einfachbeute; Neutralgläser, eigene Etiketten; Honig, Propolis, Met, Bärenfang)

  • so bisschen wundert mich jetzt schon, dass hier keinem Züchter der Hut hochgeht wenn afrikanische Bienenrassen mit „afrikanisierten Bienen“ gleichgestellt werden…

    Danke, da habe ich tatsächlich zu schnell gelesen. Die in #8 verlinkten Initiativen befassen sich glücklicherweise mit der "richtigen" afrikanischen (nicht "afrikanisierten") Biene.


    Deichkind & keinimker

    Afrika gehört zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Apis Mellifera.

    @edit: Die Unterarten habe ich jetzt nicht auf dem Zettel, da ist der Hinweis sicherlich angebracht, bevor man irgendeine Art irgendwo hinbringt.


    aumeier tolle Hinweise, das hilft sicher schon weiter!


    Schöne Grüße - Matthias

    Es war alles sooo gut geplant. Und dann kam das Leben dazwischen...

  • frika gehört zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Apis Mellifera.

    Na sicher.

    Doch dann muss der Typ nicht durch andere verfälscht / ersetzt werden.

    Aber bitte!

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • ich war 2007 in Gahna.

    aumeier


    Meintest du Ghana?....Staat in Westafrika.


    Mir stellt sich dann die Frage; ob die Biene in Westafrika, das gleiche Verhalten zeigt, wie die Biene in Ostafrika (Simbabwe)?


    Nigra und carnica, waren sich distanzmässig deutlich näher. Und doch recht unterschiedlich, in ihrem Verhalten.


    Lg Sulz.

  • Hallo zusammen


    Ich kann jetzt nicht über den Umgang mit "afrikanischen" Bienen (Scutelata?) aus eigener Erfahrung berichten, aber von meinem Umgang mit "afrikanisierten" Bienen in Brasilien in den letzten 10 Jahren. Evtl. kann man ja trotz Unterschiede davon profitieren.

    Im Prinzip sind die meisten Faktoren wie bei europäischen Bienen, die das Verhalten bestimmen, nur eben "extremer".


    Es braucht einen guten Schutzanzug. Ein "Sheriff" erwies sich bei mir als zu dünn. Ich habe jetzt einen dreilagigen Netzanzug, der zu 90% funktioniert. Wenn ich in der Regenzeit eine Brutraumdurchsicht mache, reichen dünne Küchenhandschuhe. Bei starken Völkern und Ernte kommen die dicken Vinyl-Handschuhe zum Einsatz. Gummistiefel o.ö. und abschließende Hosenbeine sind wichtig.

    Der Smoker sollte etwas größer sein. Ich gebe oben "Grünzeug" (lemon grass) drauf, so daß es kein heißer Rauch ist. Bei zuviel Rauch IN die Kiste besteht Gefahr, daß sie abschwärmen, v.a. in der Regenzeit, wenn kaum Brut und Futter im Stock ist. Drüber rauchen - aber dafür dick und kalt.

    Es kommt stark auf die Tageszeit an. Früh morgens bei Dämmerung (ab 5.30 Uhr hier in Rondônia, Brasilien), wenn es noch frisch ist, sind die Flugbienen weg, und es ist "friedlicher". Später (ab 9 Uhr) bei Hitze hängen die alten Tanten daheim rum und sind schlecht gelaunt. Schwüles Wetter und Gewitter im Anmarsch ist absolutes no-go - selbst "Fluglochbeobachtung wird riskant.

    Da ich Nachbarn in 200m hab und selbst nur 50m vom Stand weg bin, arbeite ich nachts. Dann ist morgens wieder alles ruhig. Problem ist nachts, daß die Bienen oben aus dem Kasten "quellen". Aber sonst geht es gut in der Nacht, wenn man die Lichtquelle etwas seitlich von sich hat.


    Insgesamt muß man wissen, was man an der Kiste machen will - kein langes Rumfummeln. Zuviele "Besuche" führen oft zum Abschwärmen. Die Königinnen sind flugfähig und laufen oft nicht "brav" auf der Wabe rum, wenn man guckt. Insgesamt sind die Bienen nicht wabenstet. Sie bilden einen Bart und fallen oft zu Boden. Gut für die Ameisen. Dumm, wenn die Königin dabei ist.


    Auf Parfüm etc. reagieren die afrikanisierten Bienen auch sehr stark. Ebenso auf Leder (Handschuhe, Stiefel).

    Bei extrem aggressiven Völkern verstelle ich die Kiste abends. Dann hab ich am nächsten Abend nur noch die jungen Bienen in der Kiste und kann ruhiger arbeiten, wenn ich z.B. die Königin suchen muß (was aber selten vorkommt).


    Insgesamt beschränkt sich mein Arbeiten an den Bienen eh auf 1 Brutraumdurchsicht im Februar /März (vor Trachtbeginn) und dem Geben bzw. Abnehmen von Honigräumen. Ich nutze Bienenfluchten in Schubkarren und setze die Honigräume nicht wieder über der Bienenflucht auf das Volk. Das Volk erhält gleich beim Abräumen der vollen Honigräume neue Zargen. Ich will da mindestens eine Woche nicht mehr ran, um das Volk nicht zu gefährden (Räubereigefahr bei schwächeren Völkern, evtl. abschwärmen, Ameisen etc.).

    Weisellose Völker und andere Problemkinder werden zur Seite gestellt und entweder mit Mini+ beweiselt oder aufgelöst. Aufgestock wird durch Schwarmfangkisten, die ich im Gelände verteile. Klappt sehr gut bei gebrauchten Kisten mit "Aroma"


    Aufgestellt sind die Beuten einzeln mit Abstand. Erschütterungen beim Öffnen etc. bleiben so auf ein Volk beschränkt und teilen sich nicht über die Beutenbank an den Nachbarn weiter. Wichtig ist bei uns Schutz vor Ameisen (um Beute sauber halten, Salz-Kalkmischung streuen), Wespen (nur starke völker, Fluglochgröße, schnelles sauberes Arbeiten) und Gürteltiere, Ameisenbären, Wildschweine,...(Schutz vor Umwerfen durch stabile Aufstellung und Sicherung im worst-case durch Gurt). Achtung beim Arbeiten und Abnehmen des Regenschutzes: Vogelspinnen? Schlangen? Sie lieben die trockenen, geschützen Ecken.


    Das ist so ein kurzer Überblick meiner Erfahrungen... Viel Erfolg und herzliche Grüße,

    Borschard

  • Borschard Vielen Dank für den interessanten Einblick!

    Ich bin froh das ich so nicht Imkern muss, ich glaube so hätte ich keinen Spaß daran.

    Das Problem, wenn man mit dem "Bienenvirus" angesteckt ist, ist, daß man sich letztlich nicht abhalten läßt. Aber es gibt Tage, da hebe ich den Deckel an. Mach ihn gleihc wieder drauf. Geh heim und hol ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank. Und warte auf eine bessere Gelegenheit. Ich hab insgesamt hier eben weniger Termindruck als in Deutschland. Kein kristalisierender Rapshonig der geschleudert werden muß. Kein Winter. Keine Varroabehandlung die "jetzt sein muß" und derentwegen die Honigräume runter müssen... insgesamt sind die Bienen hier "wartungsfreier" und ich bin wohl eher "Honigdieb" als "Bienenpfleger".

  • Für Arbeiten bei Nacht, hab ich an Weihnachten eine Stirnlampe mit rotem Licht geschenkt bekommen. Das sollen die angeblich nicht sehen, selber sieht man aber wohl ganz akzeptabel damit. Das wäre vielleicht auch was für so Aggrobees. Mal abgesehen davon, wenn die Tage zu heiß zum arbeiten sind, ist die Nacht vielleicht dann doppelt vorteilhaft. Entspannt will ich in diesem Zusammenhang mal nicht verwenden. ;)

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • black.peterle


    rotes Licht war vor allem wichtig, als Taschenlampen noch Glühbirnchen hatten, da war rotes Licht viel besser, weil die Bienen das Glühbirnenlicht sehr gut sehen konnnten und darauf reagiert haben. Rot können sie dagegen nicht gut sehen, also war auch rotes Licht nicht annähernd so auffällig - auch rote Blüten sind für sie von grünem Blattwerk kaum zu unterscheiden.

    Heute, mit den LEDs ist es egal, auch das weiße LED-Licht wird ähnlich wie früher rotes Licht nur schlecht wahrgenommen bzw. sie reagieren nicht sehr stark darauf. Ich träufle z.B. gerne in der Dämmerung - dann kann ich die Bienen im Taschenlampenlicht in den tiefen Gasses besser erkennen als bei hellem Tageslicht. Die Bienen selbst werden dagegen sogar weniger gestört als tagsüber, weil beim Öffnen nicht plötzlich viel Tageslicht einfällt. Kalt ist es zur Träufelzeit ja sowieso, egal ob am Tag oder in der Nacht.


    Allerdings können Bienen das LED-Licht grundsätzlich schon sehen. Denn Bienen, die bereits aggressiv sind, fliegen auch das LED-Taschenlampenlicht schnell aggressiv an. Das zeigt sich z.B. dann, wenn man zur Zeit einer Ameisensäurebehandlung mit der Taschenlampe nachts an den Fluglöchern vorbei geht. Da sind immer einige Bienen am Flugloch, die gestresst sind und dann sofort auf die Lichtquelle losfliegen, aber die Orienterung sofort verlieren, wenn man das Licht ausmacht - der Beweis, dass sie es sehen können.

  • Einen wunderschönen guten Abend, an diesem wunderschönen guten Abend 😁


    Borschard, danke.

    Würde mich auch Mal interessieren.

    Schade das es zu weit weg ist.

    aumeier : "Interessant" weiß ich nicht, ob es lange wäre. Aber es ist immer interessant, wie schnell man plötzlich sein kann :) Mein Vater in Deutschland hatte mal Wirtschaftsköniginnen aus Zandt, die ich bei einem Besuch mal bearbeiten durfte. Das war wie "Tai-Chi-Imkern" gegenüber dem hier üblichen "Kickbox-Imkern". :)