Infobrief des Laves zum neuen Tierarzneimittelgesetz

  • Berggeist Nenn das Kind ruhig beim Namen. Ein Glas Honig für 2,50 € aus dem Discounter kostet weniger als andere Honige und hat eine geringere Qualität. Billig ist hier das richtige Wort, wie ich finde.

    Ich habe da auch gar nichts gegen. Ich kaufe in manchen Lebensbereichen auch billig ein. Wobei ich es bei Werkzeug noch immer bereut habe 😂

    Übrigens zum Argument „‚Honig soll sich jeder leisten können“: Deutsche essen typischerweise 1 kg Honig pro Jahr. Wenn ich für ein 500 g Glas 7 statt 5 Euro nehme, erhöht das die Honigkosten für den durchschnittlichen Verbraucher um 33 ct pro Monat. Ich finde das ist daher kein Argument.

    Man könnte natürlich auch den Anspruch haben, dass jeder Mensch sich überdurchschnittlich viel Honig leisten können soll. Diesen Anspruch würde ich aber nicht teilen.

  • Habe mir die EU-Verordnung 2019/6 ‚Genehmigung, Einfuhr und Herstellung von Tierarzneimitteln‘ nun genauer angesehen. Ich arbeite selbst in der Pharmaindustrie in der Entwicklung von Arzneimitteln (für Menschen). Deshalb hier ein paar Infos/Extrakte und Überlegungen:

    • Vorteile, wenn nur zugelassene Tierarzneimittel (TAM) an Bienen eingesetzt werden: Qualität der Lebensmittel (zum Bsp. Vermeidung von Schwermetall-Verunreinigungen), Vertrauen der (europäischen) Kunden; und für die Hersteller dieser Mittel rentiert sich der Aufwand der Zulassung und kontrollierten Qualität nur wenn die Mittel von Imkern dann auch gekauft werden
    • Der Zulassungsinhaber eines TAM hat umfangreiche gesetzliche Pflichten, das ist für Imker und selbst für Vereine kaum/nicht machbar. Allerdings könnten Vereine und Institute die Bedürfnisse der Imker zu Anwendungsformen (OXS-Sublimieren…) an die TAM-Firmen herantragen und besprechen wie man eine (Erweiterung der) Zulassung erreichen kann (zum Bsp. Unterstützung bei Feldstudien).
    • Geräte zur Anwendung von TAM: Es kann eine Zulassung eines Gerätes mitsamt dem TAM beantragt werden, das Gerät muss dann aber sehr verlässlich (und überall) funktionieren. Es kann aber auch die TAM-Zulassung ohne Gerät erfolgen, und die Anwendung nur beschrieben werden (zum Bsp. ‚Sprühen mittels Zerstäuber‘). Letzteres gibt uns Imkern natürlich mehr Freiheit bei der Auswahl des Geräts.
    • Die neue EU-Verordnung soll die Zulassung von TAM für Bienen erleichtern, indem kein komplettes ‚Dossier‘, sondern ‚nur‘ eine Risiko-Nutzen-Abschätzung von der TAM-Firma geliefert werden muss. Außerdem sollen TAM-Zulassungen in der ganzen EU gelten. All das lässt auf eine bessere Zukunft hoffen (zum Bsp. hoffentlich bald OXS-Sublimation in D erlaubt).
    • Kosten für TAM: Bei OXS könnte man die Kosten reduzieren indem man im Sommer zu/nach Ernte eine brutfreie Zeit bewirkt und somit nur 1-2x behandeln muss statt im Block. So eine Brutpause wird ja in mehreren threads beschrieben, oder zum Bsp. auf website der LLH (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen). Kö-Ableger, (Kunst-)Schwärme, Bannwabe, Kö Käfigen, TBE, Teilen & Behandeln etc.
    • Wenn man ein TAM verwendet, aber man von der Anwendungsbeschreibung abweicht (zum Bsp. Dosierung, Art des Sprühens/Vernebelns), dann war das bereits bisher ‚off-label use‘. Das ist nicht generell verboten, aber der (Arzt oder) Imker ist dann selbst verantwortlich für etwaige negative Wirkungen (an Tier oder Lebensmittel, zum Bsp. Säuregehalt im Honig). (Off-label-use wird auch am Menschen oft angewandt, in dem Fall muss der Arzt den Patienten darüber aufklären und dessen Einverständnis einholen.)

    Die EU-Verordnung gibt hier sogar gute Hoffnung finde ich:


    Seite 67 der deutschsprachigen Fassung der EU-Verordnung 2019/6 ‚Genehmigung, Einfuhr und Herstellung von Tierarzneimitteln‘


    ‚Artikel 115 Wartezeit für Arzneimittel, die nicht gemäß der Zulassung bei der Lebensmittelgewinnung dienenden Tierarten angewendet werden


    … b) für Milch von Tieren, deren Milch für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, beträgt die Wartezeit nicht weniger als: i) die längste in der Fachinformation genannte Wartezeit für Milch, unabhängig davon, für welche Tierart sie genannt wird, multipliziert mit dem Faktor 1,5, ii) sieben Tage, wenn das Arzneimittel nicht für Tiere zugelassen ist, deren Milch für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, iii) einen Tag, wenn das Arzneimittel eine Wartezeit gleich Null hat …


    (4) Bei Bienen bestimmt der Tierarzt die geeignete Wartezeit von Fall zu Fall nach einer Beurteilung der Verhältnisse in den einzelnen Bienenstöcken und insbesondere des Risikos eines Auftretens von Rückständen im Honig oder in anderen für den menschlichen Verzehr bestimmten Lebensmitteln, die Bienenstöcken entnommen werden.‘


    Die Info zur Milch habe ich deshalb mitreinkopiert, weil OXS-Mittel an Bienen ja meist ‚0 Tage‘ Wartezeit haben. Während der Text zu Bienen nur bedingt nützt, weil OXS etc ja ohne Tierarzt verabreicht wird.



    Die Sache mit dem Preis für Honig in (Mittel-)Europa versus den Rest der Welt: Das betrachte ich in der Tat als noch nicht gelöstes Problem. Nicht nur bei Honig. Wenn in Europa produziert wird, dann unter hohen Qualitäts-, Sozial-, Umweltstandards. Das hat seinen Preis. Importware unterliegt derzeit weit weniger Standards. ‚Zum Glück‘ haben auch die EU-Politiker durch die Pandemie festgestellt, wie wichtig es für die Versorgungssicherheit (Pandemien, politische Konflikte…) ist, lokal zu produzieren (Lebensmittel, Medikamente, Batterien/chips…). Für einen gerechteren globalen Wettbewerb und Reduzierung des Klimawandels sind ja nun auch für Importwaren höhere Standards angedacht (hoffentlich bald…) und (Umwelt-)Kostenwahrheit für den Transport. So hoffe ich auch hier auf eine baldige ‚bessere Zukunft‘. Die wir natürlich alle mitgestalten können (lokal einkaufen…).


    Viele Grüße und alles Gute,

    Corinna

  • ....

    Im Beispiel von @sebihees in #109 wird bei angenommenen 30kg Honig/Volk/Jahr = 750kg Honig bei seinen 25 Völkern oder entsprechernd 1500x 500g-Gläsern das Glas um ca. 275 EUR Mehrkosten/1500 Gläser = 0,18 EUR teuerer.

    Du wirst sie vermutlich selber tragen, andere werden sie weitergeben oder müssen woanders einsparen, wollen sie nicht darauf sitzen bleiben.

    Ist doch eigentlich ganz einfach.

    Wenn es denn alles Völker zur Honigproduktion wären...


    Ab diesem Jahr werde ich das Procedere wir folgt versuchen: 16 Wirtschaftsvölker und im Sommer dann jeweils TBE (2 Wirtschaftsvölker zu einem) um dort die neuen Königinnen rein zu setzen. ein Volk dient nur um die Begattungseinheiten zu füllen...

  • Ein Online-Vortrag eines Amtsveterinärs über "neue Gesetzeslagen" der Imkerei:

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    Danke für das teilen. Schön, dass Profis solche Informationen heutzutage kostenlos zur Verfügung stellen.

  • Kann ich mir die 5,7 Prozent Oxalsäurelösung noch in der Apotheke meines Vertrauens abmischen lassen? Da gibt es doch noch eine Übergangslösung bis 2028

    Das 5,7 % ige Oxuvar kaufen wir uns original auf Vereinsbestellung beim Hersteller für unter 10€. Was willst du da noch rummixen lassen?? Auch im Handel ist der Preis erträglich.

    lg

    Imkern muß einfach, praktisch, bienengemäß, imkerschonend und preisgünstig sein