Methode der Tages-Maximaltemperaturen

  • Elle: Brutphasen in warmen Wintern sind nichts ungewöhnliches. Hängt auch von der Gegend ab. Problematisch ist allerdings der Futterverbrauch, wenn es über eine längere Zeit geht und später solche Kältezeiten auftreten wie vergangenes Jahr.

    Deutlich zu sehen an den Temperaturen über 365 Tage für unsere Gegend.

    Wetterverlauf-Jahr.jpg

    Sollte es wieder kälter werden (deutliche Minusgrade), gehen die Bienen aus der Brut und Legestopp ist wahrscheinlich (Blaue Linie geht auf Null).

    2022-01-13-Brut-Bienen.jpg

    Nach wie vor scheinen sie bei uns aber Brut zu haben.
    Imker Bruno

    12 Völker US-Dadant. Angepasster Brutraum. Wissensbasierte Imkerei aufbauend auf Erfahrungen und Können der Alten und lernend von den Bienen, die wissen was zu tun ist und stets das Erforderliche tun.

  • Dazu kann ich nichts sagen, da derzeit die Völker zu bleiben. Wenn es noch Mal wärmer wird, prüfe ich Ende Januar bzw. Anfang Februar nur eben den Futtervorrat in den leichtesten Völkern. Ansonsten bleiben jetzt auch hier die Finger weg.

  • Der Futterverbrauch macht doch nachdenklich!

    Hier war es auch so, Flugbetrieb und viel Bewegung in den Beuten.

    Ende Januar ist in etlichen Völkern ev. Schicht im Schacht.

    Ich gehe davon aus,dass die Völker in Brut sind und wenn die Prognosen eintreffen, auch in Brut bleiben. Es wäre aber auch kein Flugwetter bei Nacht leicht unter und tags leicht über Null.

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • Dann müssten meine Völker in einem Monat 6kg Futter verbrauchen und das werden sie sicher nicht.


    Denn Ende Dezember war noch überall locker 6 Kg Futter drin! Ich bin für meine Situation deswegen recht entspannt. Aber ja, das kann u.U. ein Problem werden....

  • Hallo zusammen, hallo Bruno,

    ich hab jetzt mal ein wenig mit Deinem Tabellenblatt gespielt. Ganz eindrucksvoll, wie sich damit die Folge des Wettergeschehens auf die Brutentwicklung abbilden lässt.

    (Ist das Blatt eigentlich komplett funktionsfähig oder fehlen da noch Makros oder Formeln? Ich würde gerne mal die Daten kompletter Jahre hineinkopieren und die Ergebnisse mit dem tatsächlichen Verlauf dieser Jahre vergleichen.)


    Mir wird die Methode leider wenig nutzen.

    Sie läuft ja auf eine sehr extensive Betriebsweise hinaus, in der Völker mit unbefriedigendem Verlauf lange Zeit unentdeckt bleiben.

    Ich habe mich dagegen für eine intensive Betriebsweise entschieden, in der ich problematische Verläufe möglichst früh entdecken und heilen will, um dadurch die durchschnittliche Leistungsfähigkeit meiner Wirtschaftsvölker hoch zu halten.


    Das heisst aber nicht, dass ich die Beobachtung des Wetters für unerheblich halte. Ganz im Gegenteil!

    Anfangs der 80er Jahre hatte ich das Glück, in Mainz an einem mehrtägigen Workshop mit Bretschko teilzunehmen. (Der vermutete Zusammenhang Volksstärke-Brutzellen-Schwarmabgang ist mir also schon geläufig. ;) )

    Seit damals schaue ich beim Wetter etwas genauer hin, anfangs mit Millimeterpapier und bunten Stiften, heute steht eine Wetterstation in meinem Garten und liefert Daten.

    Mir genügt allerdings ein etwas groberer Blick auf die Wetterdaten (Temperatursummen) und die Beobachtung der Blühtermine für meine imkerlichen Entscheidungen.

    Und wie es um die Befindlichkeit eines einzelnen Volkes steht - das sagt mir weiterhin der Blick in die Kiste.


    Ich werde die Diskussion hier interessiert verfolgen und werde zumindest bis in den Juni hinein Deine Tabelle füttern, um die Prognosen mal direkt mit den realen Abläufen vergleichen zu können.


    Immer neugierig,

    Rudi

    _______________________________

    Drei Imker - fünf Meinungen. Und ich stehe zu meinen beiden... ;)

  • Hallo Bruno,

    hab ja die Tabelle bei Heuvel gekauft und die gleichen Daten in Deiner eingetragen.

    Ist irgendwie nicht identisch mit den Ergebnissen.

  • Hallo zusammen, Hallo 12er,

    Ich habe einen Fehler drin. Die Anfangswerte müssen exakt in Beziehung zu C2 gesetzt werden.

    D2 = C2

    E2 = D2

    F11 = C2

    Dann sollte es klappen. Bei G23, H23 und K23 stimmt es.

    Ich hatte die Absolutwerte von C2 bei mir kopiert und nicht die Beziehung hergestellt.

    Gern auch eine korrigierte Fassung mit der Grafik, wenn gewünscht.


    Die Unterschiede gegenüber HEUVEL könnten im Folgenden bestehen:

    - HEUVEL lässt beim Brutgeschehen den ersten Tag weg (Anzahl Brut = 0)

    - Differenzen könnten in den Tagen bestehen (Stockbiene, Rundmade, Schlupf, Verdeckelt, neue
    Flugbienen usw. (Das ist Ansichtssache; Diff. vielleicht 1 Tag.)

    - Bei den Winterbienen ist das schon gravierender. HEUVEL geht von einer Mortalitätsrate 0,975 aus. Ich halte das für nicht richtig. Das ist eine exponentielle Entwicklung mit einer Halbwertszeit von 28 Tagen, d.h. nach 28 Tagen habe ich nur noch die Hälfte der Bienen. Ich habe mehr einen linearen Verlauf, der sich an den Zählungen der alten Meister orientiert mit einer Sterbequote (50 - 100 Biene täglich; je nach Anpassung und Volksgröße). Letztlich ist das nicht ganz so wichtig, weil sich zur Schwarmzeit bereits alles ziemlich normalisiert hat und die Winterbienen nicht den Einfluss haben.


    Hallo nassauer,

    um den Workshop beneide ich Dich. BRETSCHKO ist einer der ganz Großen mit Zählen und Messen. Bei ihm kann man viel lernen. Seine Bücher später weitergeführt von MOOSBECKHOFER sind eine Fundgrube.
    Ich komme mit dem Forum noch nicht ganz klar. An einer anderen Stelle hatte ich schon mal geschrieben worauf ich hinaus will: BRETSCHKO hat 1978 einen Messwert gesucht für optimalen Brutraum-Zargentausch. 1985 hat er dann das Schwarmverhalten untersucht. In „Naturgemäße Bienenzucht“ 1985 sagt er: „Jedes Bienenvolk gerät während der aufsteigenden Entwicklungsphase in eine unterschiedlich ausgeprägte depressive Phase.“ Diese kritische Phase kann ein Schwarmfieber auslösen. Die Intensität dieses „Fiebers“ hängt von der Volksstärke, der allgemeinen vorausgehenden Entwicklung und von der Temperatur ab. Raummangel kann diesen Effekt z. B. noch verstärken.

    Das Ganze soll helfen, diese depressive Phase zu erkennen (die Zukunft kennen wir ja noch nicht) und ihr zu begegnen. HEUVEL hat den Faktor 120% als Hinweis auf beginnende Schwarmtendenzen genannt. Aber es gibt noch mehr Signale. Alles kann aber nur bei Völkern, die den o.g. Annahmen entsprechen, funktionieren: möglichst gesunde, gut gefütterte, ungestörte, also stressfreie Bienenvölker.

    Ich lege auch die Kurven von verschiedenen Jahren übereinander. Jedes Jahr ist anders. Aber es geht nicht darum, hier eine Übereinstimmung zu finden, sondern um die Steilheit des Anstiegs der Brut und dem Zeitpunkt der anschließenden Dämpfung im konkreten Jahr. Erkenne ich den, begegne ich der der Schwarmtendenz durch gezielte Raumgebung.

    Ich kenne den Zustand im Brutnest nicht, denn von Oktober bis Ende Juni bleiben die WV unangetastet (außer Schieden).

    Die Temperatursummenmethode ist auch eine feine Sache bei den Pflanzen, um den Blühzeitpunkt zu bestimmen.

    12 Völker US-Dadant. Angepasster Brutraum. Wissensbasierte Imkerei aufbauend auf Erfahrungen und Können der Alten und lernend von den Bienen, die wissen was zu tun ist und stets das Erforderliche tun.

  • räusper, ...


    Meine seinerzeitige Verfolgung der Bienen/Brutkurve hat ziemlich klar den Schwarm vorausgesagt. Nicht auf den Tag genau aber die Woche stimmte.


    "Erkenne ich den, begegne ich der Schwarmtendenz durch gezielte Raumgebung." schreibst Du.


    Wenn die Genetik "schwärmerisch" ist, wird der zusätzliche Raum wenig nützen. Da ist der Kö'-Ableger schon zuverlässiger und die Genetik lässt sich dann schon mal aussortieren.


    Nur so als Anregung ;)

  • Hallo ImkerBruno,


    ich habe heute meine Temperaturdaten in eine Kopie Deiner Tabelle eingetragen und werde nun gespannt die Entwicklung beobachten und vergleichen.


    Ein Veränderung habe ich vorgenommen: Negative Temperaturen führen zu Fehlermeldungen. Natürlich kann man einfach Null eingeben und hat damit dieses Problem gelöst. Ich würde allerdings gerne den richtigen Temperaturverlauf eintragen und habe in der Formel der Eiquote folgende Ergänzung vorgenommen, die alle negativen Werte auf Null setzt:


    Beispiel für C3: =$P$3*POTENZ(MAX(0;B3);$P$4)


    Dir nochmal vielen Dank für das Einstellen der Tabelle.


    Herzliche Grüße,
    Thanaidh

  • Hallo beemax,

    Danke für die Aufmerksamkeit. Schön, dass es bei Dir geklappt hat mit der Voraussage. Ich muss mir irgendwie helfen, da ich keine Schwarmkontrolle mache und Raumgeben hat scheinbar bisher geholfen. Schiede aber extrem scharf (max. 5 Waben - steht noch bevor)!

    Imker Bruno

    12 Völker US-Dadant. Angepasster Brutraum. Wissensbasierte Imkerei aufbauend auf Erfahrungen und Können der Alten und lernend von den Bienen, die wissen was zu tun ist und stets das Erforderliche tun.

  • Hallo Thanaidh ,
    vielen Dank, das ist eine sehr elegante Lösung.
    (Intern hatte ich bei meiner ausführlichen Tabelle folgende Zeile stehen:

    =WENN(C19>0;$M$3*POTENZ(C19;$M$2);0)/$M$4 ( $M$4 = 1)

    über den Faktor $M$4 kann man eine Korrektur setzen. HEUVEL hat für Januar 2017 einmal nur die Hälfte der Brut angesetzt (Buch S. 82). Hatte das mal nachgerechnet.)


    Hallo nassauer ,

    ... fehlen da noch Makros oder Formeln?

    Ja, habe die Tabelle bewusst einfach gehalten, später kommt mehr. Trotzdem kannst Du damit spielen und beliebige Daten einsetzen. Mache ich auch so, wenn ich für einen Imkerfreund einen Verlauf berechne.


    Hallo BreadOnToast ,

    sehr interessant. Quelle kannte ich noch nicht. Leider kann ich Deine zip nicht entpacken. Kannst Du Deine Herangehensweise bitte etwas ausführlicher erläutern. Danke.
    Denke bitte an die Urheberrechte bei Nutzung. Hatte da schon Probleme hier im Forum.

    Imker Bruno

    12 Völker US-Dadant. Angepasster Brutraum. Wissensbasierte Imkerei aufbauend auf Erfahrungen und Können der Alten und lernend von den Bienen, die wissen was zu tun ist und stets das Erforderliche tun.

  • @ImkerBruno

    Das Copyright sollte kein Problem sein, da ich den DWD als Quelle genannt habe, was die einzige Bedingung ist, siehe hier: https://www.dwd.de/EN/service/copyright/copyright_node.html


    Zu Herangehensweise: Ich hab ein Python Skript geschrieben, was die zip-Archive vom DWD Server herunterläd und entpackt.

    Im DWD Datensatz ist dann in der csv-Datei produkt_klima_tag<identifyer>.txt ein Datenfeld TXK was die Tages-Maximaltemperatur ist. (Die Datenfelder sind in der Datei Metadaten_Parameter_Klima_Tag_<Stations-ID>.txt beschrieben).

    Daraus berechne ich dann die Eiablage, und daraus resultierenden Zahlen für Stifte, Brut und Schlupfrate.

    Hinter die Berechnung der Volksgröße bin ich noch nicht hintergestiegen, kommt aber noch. Wenn du dich für das Skript interessierst kann ich es dir zukommen lassen, ist aber etwas Hackydy-Hack...

    Hab jetzt die einzelnen CSV's hinterlegt.

    brutvorhersage
    Shared with Dropbox
    www.dropbox.com

  • BreadOnToast

    Toll wie Du das machst, aber irgendwie reichen da meine IT-Kenntnisse nicht aus - leider.

    So verstehe ich die Daten nicht. Zu komplex.

    Uns interessiert nicht der Zeitraum Juli bis Dezember 2021, sondern 01.01. bis 30.06.2021 und da die Tagesmaximaltemperatur. Könntest Du da mal eine cvs- oder txt-Datei für z. B. Berlin/Brandenburg generieren oder Potsdam z.B.

    Dann könnte ich das mal in eine Excel-Tabelle einfügen. Wäre prima, danke!

    Imker Bruno

    12 Völker US-Dadant. Angepasster Brutraum. Wissensbasierte Imkerei aufbauend auf Erfahrungen und Können der Alten und lernend von den Bienen, die wissen was zu tun ist und stets das Erforderliche tun.