Methode der Tages-Maximaltemperaturen

  • Hallo d2dum, Hallo nassauer, Hallo alle Interessierten,

    Nachdem nunmehr bei den Völkern die 18.000er Marke bei der Brut so langsam geknackt wurde und wird, möchte ich mit meinem Beitrag fortfahren.


    Nach den Anregungen mit den gut erhältlichen Wetterdaten von DWD habe ich 65 Jahre Vergangenheit durchgespielt, sowohl örtlich südlicher Raum Berlin, quer durch Deutschland und auch einen Vergleich mit Österreich und der Schweiz geführt. Hinsichtlich Schweiz hatte ich allerdings bisher nur auf einen Datensatz Zugriff. Vielleicht können hier die Schweizer helfen. Auch Daten aus den USA entsprechen dem Trend.

    Weiterhin habe ich alle verfügbaren Schwarmdaten (hier steuerte das Forum viel dazu bei) mit in die Überlegungen einbezogen.


    Um den berechtigten Anforderungen von hartmut zu genügen, habe ich zu allen Verlagen, wo ich Bildmaterial, Tabellen usw. nutzen möchte, Verbindung aufgenommen; bei vielen sofortige problemlose Zustimmung - d.h. Zitieren nach den Regeln genügt. Bei einem Verlag ging es soweit, dass die Erben konsultiert wurden. Dann aber auch dort Zustimmung. Da ging es um zwei Abbildungen, die ich für wichtig erachte. Danke an den Administrator, hier haben mir die Kontakte zu den Urheberrechtsinhabern die Augen geöffnet. Auch bezüglich des Europäischen Datenschutzgesetzes. Das alles ist nicht trivial. Bei Zitaten in Printmedien alles ganz einfach. Im Internet kann das zu sehr ernsten Konflikten führen. Letztlich kann man sich schon angreifbar machen, wenn man eine Seite zitiert oder verlinkt, wenn dort für eine dritte Seite anstößige Informationen irgendwo in der Tiefe enthalten sind oder auftauchen können. So nebenbei, man kann seine Kinder garnicht genug aufklären.


    Aber weiter zum Thema. Es ist natürlich ein Leichtes eine Brutkurven- und Populationsentwicklung mit eventuellen Schwarmsignalen im Nachhinein zu analysieren. Was für uns alle wichtig erscheint, ist der rechtzeitige Hinweis auf mögliche Handlungen, die schwarmdämpfend, schwarmverhindernd oder gar schwarmausnutzend sein können. Hier stelle ich mich und liefere mich mit meinem Modell aus.

    Letztlich möchte ich ja auch von Euch lernen. Also konstruktive Kritik und Mitmachen ist erwünscht.

    Heute schon mal vorab die Brutkurve zu Lübeck für d2dum. Noch entfernt von jeglichen Schwarmneigungen.

    TMT-Lübeck-2022-04-12.jpg

    Zur Vorgehensweise: Ich stelle meine Brutkurve ins Netz und erläutere daran das Entstehen von Schwarmsignalen, soweit sie denn auftreten. Es ist etwas komplex, deshalb parallel unterstützend und erläuternd die Vorarbeiten, vor allem von Bretschko und Armbruster. Es ist auch einwenig neue Erkenntnis und Umsetzung durch mich enthalten, deshalb werden wesentliche Bausteine als pdf-Folien eingestellt. Unter Beachtung der Urheberrechte darf alles von mir weiterverwendet und verbreitet werden. Ich strebe keinen kommerziellen Nutzen an.

    Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...

  • So sieht die Tabelle derzeit bei uns aus:


    pasted-from-clipboard.png


    Der gestrige kurze Blick in die Völker zeigte auch, dass hier teilweise die Völker in den nächsten Tagen "explodieren" werden, da hier 2-3 Brutwaben (DNM 1 1/2) bebrütet sind.


    Dies entspricht auch in etwa den ca. 20.000 Brutzellen gemäß Tabelle.


    PS: Ich freue mich darüber, dass es zunächst erst mal etwas kühler wird, so dass der massiv eingetragene Pollen etwas aufgezerrt werden wird.

  • Siegen zeigt es auch.

    Die Wetterverhältnisse in Deutschland sind sehr unterschiedlich.

    Von Lübeck nun einmal nach Köln. Hier wurde die 18.000er Marke für Brut deutlich überschritten und wäre es nicht März, würde ich eine erste Schwarmwarnung herausgeben. Der Zacken am gestrigen Tag signalisiert das. In Verbindung mit Rapsblüte wahrscheinlich.

    Nun gehen aber die Temperaturen wider runter und entsprechende Absichten werden erst einmal verschoben.

    2022-03-28-Köln-TMT.jpg


    Zur Herangehensweise nochmal ein Grundsatz vorab. Bei den Betrachtungen zum Schwarmphänomen.

    • Sicht des Imkers: Unliebsame Geschichte!
      Verhindern kann man es nur schwer; recht gut regeln durch Eingriffe.
      Schwärmen beeinflusst die Honigernte entscheidend.
    • Sicht der Biene: Jubel und Hochzeit.
      Schwarm bedeutet Aufbruchsstimmung, Fortpflanzung und Neubeginn.
      Hier spielen die Drüsen und Nervenzellen verrückt. - Wie im richtigen Leben!
      Im Schwarmgeschehen liegt deshalb auch eine Kraft und enormes Potential.

    In der Praxis werde ich in diesem Jahr die Brutpause zur Varroa-Reduzierung mit der Schwarmstimmung im Mai koppeln. Dazu aber in einem anderen Faden mehr.

    Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...

  • Zur Herangehensweise nochmal ein Grundsatz vorab.

    • Sicht des Imkers: Unliebsame Geschichte!
      Verhindern kann man es nur schwer; recht gut regeln durch Eingriffe.
      Schwärmen beeinflusst die Honigernte entscheidend.
    • Sicht der Biene: Jubel und Hochzeit.
      Schwarm bedeutet Aufbruchsstimmung, Fortpflanzung und Neubeginn.
      Hier spielen die Drüsen und Nervenzellen verrückt. - Wie im richtigen Leben!
      Im Schwarmgeschehen liegt deshalb auch eine Kraft und enormes Potential.

    In der Praxis werde ich in diesem Jahr die Brutpause zur Varroa-Reduzierung mit der Schwarmstimmung im Mai koppeln. Dazu aber in einem anderen Faden mehr.

    Bruno

    Die Methode funktioniert (schon mal hier geschrieben), um Schwärmen annähernd vorauszusagen.


    Eine Schwarmvermeidung beginnt jetzt - da nützt die ganze Rechnerei recht wenig: Brutnestanpassung (kompakt) und Raum über Kopf soll helfen. Die wichtigste Maßnahme jedoch, war vor Jahren oder Monaten fällig - die genetische Auswahl!


    Schwarmverhinderung mittels Brut- oder Kö'-entnahme als ultima ratio setzt im Mai unglaublich Energie frei. Ob man jedoch zur "besten Zeit" wider die Natur arbeiten und die Kö' einsperren soll, steht dahin. Ich würde da eher mit dem "Auftrieb" arbeiten, statt diesen zu bremsen. Und der Effekt einer Brutunterbrechung auf die Milbenreduktion zu diesem Zeitpunkt hält sich in Grenzen, ist aber vorhanden. Vielleicht schafft die Brutpause da mehr Effekt, jedoch handelt man sich zu diesem Zeitpunkt ggf. andere Probleme damit ein.


    Vielleicht habe ich das aber missverstanden. Bin gespannt auf Deine Beobachtungen.


  • Hallo beemax,

    gebe Dir 100%ig recht. Die genetische Auswahl ist ein entscheidender Baustein.

    Was ich ausdrücken wollte: unsere Sicht ist Honig, die des Biens: wir wollen uns in der Natur behaupten, leben und fortpflanzen.


    Dem scheinbaren Widerspruch kann man vielleicht begegnen, indem man auf eine geringe Menge an Honig im Mai verzichtet und den Vorschwarm aktiv vorwegnimmt (ohne Königin wegzusperren) und gleichzeitig Varroa reduziert. Ich verweise hier auf Dr. Ralph Büchler vom LLH Kirchhain.
    Büchler-Varroa-3.jpg
    Die 8,8 % erscheinen erstrebenswert. Dazu in einem anderen Faden mehr.

    Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...

    • Offizieller Beitrag

    Sind hier die Nutzungsrechte eindeutig geklärt? Wer hat die Rechte an der Grafik/ Daten, wer an dem Artikel? Dr. Ralph Büchler oder das LLH Kirchhain? Wurde der Nutzung schriftlich zugestimmt? Alles Dinge bei denen ich ein flaues Gefühl im Bauch bekomme....

  • Dem scheinbaren Widerspruch kann man vielleicht begegnen, indem man auf eine geringe Menge an Honig im Mai verzichtet und den Vorschwarm aktiv vorwegnimmt (ohne Königin wegzusperren) und gleichzeitig Varroa reduziert. Ich verweise hier auf Dr. Ralph Büchler vom LLH Kirchhain...

    ImkerBruno, bin mit ähnlichem Konzept schon länger unterwegs. Die Brutunterbrechung im Mai schafft Entlastung - kein Zweifel. Ob das 5 - 8 oder 10 % sind, ist unerheblich; es entlastet.


    Aufgrund von Formatwechsel (immer ein paar Völker über Jahre) habe ich beobachtet, dass diese Völker


    a) Honig bringen, vlt. etwas reduzierter

    b) im Sommer vglw. weniger Milben hatten.


    Es klingt widersinnig, in der besten Zeit die Nachkommen rauszunehmen, ist aber der Volksentwicklung sehr nahe - Schwarmsimulation (Brut weg).


    Möchte das hier nicht vertiefen, weil es OT wäre. Wir können das gerne in einem anderen Faden diskutieren.

  • Zwei Dinge noch:

    Nach der Analyse der 65 Jahre Brutkurven von 1957 bis 2022 haben sich 8 Schwarmkriterien herausgebildet. Das sind 4 primäre und 4 sekundäre Kriterien.

    Schwarmindikatoren.jpg

    Ich werde sie in der Folge erläutern.

    Beginnen wir mit dem exponentiellen Anstieg. Jeder lebenden Entwicklung liegt normalerweise geometrisches Wachstum zugrunde. Das ist ein prozentualer Anstieg je Zeiteinheit. Bevölkerungswachstum je Jahr - etwa 1,6 %; wahrend der industriellen Revolution etwa 0,7 %. Jeder kann sich in der Kurve mal ansehen, wo er sich in der gegenwärtigen Zeit befindet. Sehr eindrucksvoll und erklärt vieles der Gegenwart und was auf uns noch so zu kommt.


    Bei den Bienen rechnen wir das je Tag und liegen zwischen 1 % und 9 %. Die Varroa-Milbe liegt zwischen 2 und 3 % bei ihrer Population. Später mehr dazu.

    Das ist immer auch eine exponentielle Entwicklung. Dabei gilt es den Betrachtungsbereich im Auge zu behalten. Weil, irgendwann gibt es einen Kipppunkt oder allmähliche Wende und dann ist es plötzlich eine andere Art von Entwicklung, z. B. eine logistische.

    Ich möchte hier nicht belehrend wirken, aber einige Grundlagen sind für das Verständnis wichtig. Für uns von Interesse: der Kipppunkt. Und, die Verdopplungszeiten, denn die Legekapazität einer Königin ist beschränkt. D. h. der Wachstumsprozess kann sich nicht unbegrenzt fortsetzen.

    Depressive Phase.png

    Dann noch eine zweite Sache, der Brutnest-Quotient oder Brutnest-Differentialquotient nach Armbruster. Das klingt komplizierter als es ist. Habe auch einige Zeit gebraucht, um dahinter zu kommen, was er meint. Bretschko war dann sehr hilfreich.

    Gemeint ist eine depressive Phase, die sich bei Temperatureinbrüchen herausbildet. Gut zu sehen gegenwärtig bei dem Verlauf Köln oben.

    Berechnet wird der Quotient so: Brutzellen vor 7 Tagen geteilt durch Brutzellen heute. Um den Indikator handhabbarer zu machen, benutze ich Maximalwerte oben (blau) durch Minimalwerte unten (rot). Gut zu sehen auch der Brutmaximalwert am 06.05.68.

    BNDQ.jpg

    Möchte hier noch ein Gleichnis nachschieben. Wie für die Menschen die Eisheiligen, also der Temperatureinbruch im Mai, für den Gärtner das Signal liefert, jetzt können Gurken und Tomaten ins Freiland, so gilt für die Bienen mit der depressiven Phase das Signal, jetzt sind optimale Verhältnisse für die Fortpflanzung. Weiselzellen anblasen, Königin in der Eilage einschränken, Weiselzellen belegen, usw.

    Hier die Brutkurve von 1968 mal insgesamt.

    1968.png

    Übrigens waren die klimatischen Verhältnisse 1968 in unserer Gegend nicht unähnlich den Verhältnissen in der Kölner Gegend heute. Schwarmandeutung bereits Anfang April. Temperaturrückgang auf 6 Grad mit Legestopp der Königin. Alles natürlich Modellrechnung. Brutzellen damals: 23.600. Brutmaximum Köln oben: 24703.

    Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...

  • Werbung
  • Hallo hartmut,

    selbstverständlich habe ich die Einwilligung eingeholt, von Hr. Dr. Ralph Büchler persönlich. Mit Nennung, wo ich das verwenden möchte - im Imkerforum1999.

    Grüße Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...

  • Hallo zusammen, kurzer Zwischenstand zum Modell:

    Brut-SBU-2022-04-03.jpg

    Mit dem Schlupf der während der letzten Warmphase erzeugten Brut (Brutmaximum am 29.03.2022 mit ca. 20.000) wird ein Stockbienenmaximum (16.600) um den 18.04.2022 erwartet – rechtzeitig zur Obstblüte. Falls danach erneut eine Warmphase kommt, werden die Bruttendenzen mit steilem Brutanstieg stark zunehmen.

    Grüße Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...