Oxalsäureverdampfer nach Dr. Liebig

  • Hallo, sehr geehrte Forumsteilnehmer und -teilnehmerinnen,

    ich war interessiert an der Varroa-Behandlung mittels Oxalsäureverdampfung. Da mir die Methode von Dr. Liebig mit dem verbogenen Teelöffel und der Kachel zu unsicher erschien und ich wenig Basteltalent habe, kaufte ich mir einen "Oxalsäureverdampfer nach Dr. Liebig" im Fachhandel. Das ist so ein löchriger Zylinder, wo unten ein Teelicht hineinpasst und oben die Oxalsäure hineingegeben werden kann.

    Ich sage: Hände weg von den Dingern! Ich hatte einige Mühe, die Teelichter am Stand zu entzünden und dann sicher in die Beute zu bekommen, aber das mag mein Unvermögen sein. Aber als ich nach einer Stunde nach den Beuten schaute, war ich entsetzt! Die stauende Hitze hatte das Wachs im Teelicht komplett verflüssigt und alles brannte lichterloh, die Oberseiten der Rähmchen waren sogar leicht angekokelt und die Bienen waren in heller Aufregung. Beim Entfernen des gefährlichen Gegenstandes habe ich mir ein paar Handschuhe ruiniert, aber wichtiger ist, dass die Völker überlebt haben.

    Als ich mich dann beim Fachhandel beschwerte, sagten die mir, ja, das Problem sei bekannt, da könne man halt nichts machen. Sie würden mir ein paar Euro Rabatt auf meine nächste Bestellung geben, weil ich ja mit meiner letzten Bestellung von ihnen beinahe meine Völker gekillt hätte.

    Ich werde mich jetzt wohl für den Varrox Eddy entscheiden. Der kostet zwar mehr, funktioniert aber dafür hoffentlich einwandfrei.

  • Das verstehe ich nicht. Ein Teelicht ist in einem Alu-Näpfchen, eben damit das geschmolzene Wachs nicht auslaufen kann. Außerdem ist ein Schälchen unter dem Teil. Stand das Teil vllt schief? oder direkt (ohne Unterlage) auf den Rähmchen?
    Vielleicht kannst Du etwas genauer erklären.


    s.

  • Na, dann hast ja 'was gelernt ;) .


    Nicht alles, was einen Namen hat, ist brauchbar. Abgesehen von der Feuergefahr, weiß man bei solchen Konstrukten natürlich nicht, in welchem Temperaturbereich die Sublimation bzw. der Zersetzungsprozess abläuft. Somit kann es sein, dass zwar ein großes Brimborium abgelaufen ist, die Bienen aber nur mit einer geringen Menge an Ameisensäure (Zersetzungsprodukt der OXS) behandelt wurden. Damit die weiterhin überleben, würde ich da nochmals schnell träufeln bzw. den "Eddy" einsetzen.


    Vel Erfolg!

  • Vielleicht kannst Du etwas genauer erklären.

    Hitze staut sich, das gesamte Wachs wird flüssig und bis zum Flammpunkt weiter erwärmt.
    Ab da brennt das Teelicht auf der gesamten Oberfläche und nicht du der Docht.

    Als ich mich dann beim Fachhandel beschwerte, sagten die mir, ja, das Problem sei bekannt, da könne man halt nichts machen.

    Ich würde Herrn Doktor mal darüber informieren, was so unter seinem Namen alles passiert.

  • Und wer“darf“ denn OXS verdampfen / sublimieren?

    Wir alle wohl nicht! Weil wir das nicht können und somit das gefährlich ist 😉

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • Lebenslanges Lernen: Der Fachhändler hatte offenbar keine näheren Kenntnisse zu seinem Produkt bzw. zum Verfahren. Sehr viel fachkundiger und abgewogen sind dagegegen die Erläuterungen von 14301 zu seinem Verdampferstövchen:

    Anwendung der Verdampferstövchen

    Die in #1 beschriebene Brandgefahr wird darin ausdrücklich erwähnt und eine sichere Vorkehrung dagegen angeraten, nämlich: Teelicht nur im Wasserbad betreiben!

    Auch scheint die Luftführung im "Liebigverdampfer" nur gewählt, um die Zuführung von Verbrennungsluft zu gewährleisten, an die gewollte Sublimationstemperaturführung hat bei dieser Konstruktion offenbar keiner einen Gedanken verschwendet - ganz anders als bei der Konstruktion von Blechtechnik Hommel, wo der beschriebene Hitzerückstau auf das Teelicht nicht so stark ausfallen kann (ganz unabhängig vom Wasserbad).


    p.s.: Aus gegebenem Anlaß (Brandfall) wies unser Landesverband ausdrücklich auf einen entsprechenden Warnhinweis der Imkerglobalversicherung hin, die Brandschäden durch Liebigverdampfer nicht als versicherbaren Schadensfall anerkennt.

  • Das Ding stand gerade, der Wachs war komplett verflüssigt und die gesamte Oberfläche brannte dadurch.

    Das verstehe ich nicht. Ein Teelicht ist in einem Alu-Näpfchen, eben damit das geschmolzene Wachs nicht auslaufen kann. Außerdem ist ein Schälchen unter dem Teil. Stand das Teil vllt schief? oder direkt (ohne Unterlage) auf den Rähmchen?
    Vielleicht kannst Du etwas genauer erklären.


    s.

  • Ich habe ihn tatsächlich angeschrieben, aber keine Reaktion bekommen. Im Fachhandel meinten die sogar, sie könnten nichts daran ändern, weil es ja von Dr. Liebig so entwickelt worden sei.

    Vielleicht kannst Du etwas genauer erklären.

    Hitze staut sich, das gesamte Wachs wird flüssig und bis zum Flammpunkt weiter erwärmt.
    Ab da brennt das Teelicht auf der gesamten Oberfläche und nicht du der Docht.

    Als ich mich dann beim Fachhandel beschwerte, sagten die mir, ja, das Problem sei bekannt, da könne man halt nichts machen.

    Ich würde Herrn Doktor mal darüber informieren, was so unter seinem Namen alles passiert.

  • Hallo,

    Zitat

    bestehend aus einem Edelstahl-Stanzgitter-Stövchen mit gewölbtem Dach und einem fertigen Teelicht zum Verdampfen, getestet von Dr. Liebig


    Zitat

    bestehend aus einem Edelstahl-Drahtgitter-Stövchen, einem fertigen Teelicht und drei Teelichthüllen zum Verdampfen, entwickelt von Imker Horst Peschel, getestet von Dr. Liebig


    Hätte besser mal die Stiftung Warentest getestet.

    Bis bald

    Marcus

    40 Wirtschaftsvölker auf DN 1,5, 8 Miniplus, 20 Ableger Dadant, Zander und DN, Waage 401

  • Na, dann hast ja 'was gelernt ;) .


    Nicht alles, was einen Namen hat, ist brauchbar. Abgesehen von der Feuergefahr, weiß man bei solchen Konstrukten natürlich nicht, in welchem Temperaturbereich die Sublimation bzw. der Zersetzungsprozess abläuft. Somit kann es sein, dass zwar ein großes Brimborium abgelaufen ist, die Bienen aber nur mit einer geringen Menge an Ameisensäure (Zersetzungsprodukt der OXS) behandelt wurden. Damit die weiterhin überleben, würde ich da nochmals schnell träufeln bzw. den "Eddy" einsetzen.


    Vel Erfolg!

    Ohne das Teelicht ins Wasser zu stellen, besteht die Gefahr, dass der Brennstoff die Siedetemperatur etwa 220 - 250 °C (nicht Flammtemperatur) erreicht. Dadurch wird durch die am Docht brennende Flamme natürlich erheblich verstärkt.


    Wenn das Teelicht etwa bis zur halben Höhe des Teelichtbechers im Wasser steht, schmilzt nicht einmal der ganze Brennstoff auf. Es bleibt an den gesamten Innenwänden des Teelichtbechers eine nicht aufgeschmolzene Schicht des Brennstoffes übrig, obwohl das Teelicht ausbrennen durfte. Damit erreicht ein wesentlicher Teil des Brennstoffes nicht einmal die Schmelztemperatur von ca. 50 °C. Ein Brand wird dadurch sehr sehr unwahrscheinlich.


    Die vorgeschlagenen 2 g Oxalsäuredihydrat sublimieren mit Sicherheit zum ganz großen Teil, ohne sich zu zersetzen. Dieses sieht man an den weißen Oxalsäureniederschlägen in der Leerzarge. Die Zersetzungsprodukte der Oxalsäure bilden keine weißen Niederschläge.

    Die Teelichtflamme erwärmt die Verdampferpfanne ja langsam. Zuerst wird aus dem Oxalsäuredihydrat das Wasser ausgetrieben. Dieses Wasser verdampft. Durch die aufgenommene Verdampfungsenthalpie wird die Verdampferpfanne überall dort, wo noch Wasser ist gekühlt. Die Sublimation folgt dann in einem schmalen Streifen, dem sich zurückziehenden Wasser folgend. Wer die Niederschläge und die entstehende Sublimatwolke gesehen hat, befürchtet keine Zersetzung in nennenswertem Umfang mehr. Außerdem dauert der Vorgang auch mehrere Minuten. Wenn sich die Sublimation über mehrere Minuten zieht, ist dieses bezüglich der Wirksamkeit auf jeden Fall positiv zu bewerten. Ich hätte eher Probleme mit der Zersetzung der Oxalsäure bei Geräten, die zwar angeblich temperaturgesteuert sind, bei denen aber die Oxalsäure in Sekunden verdampft. Wir hatten ja schon mal die Debatte bezüglich der nicht möglichen Konvektion bei Feststoffen.


    Der große Vorteil bei der Arbeit mit den Stövchen ist der, dass (mit vorbereiteter Leerzarge) das Nachfüllen des Stövchens und das Wechseln und Anzünden des Teelichtes nach Einarbeitung (ohne Stress) etwa eine Minute dauert, die Verdampfung aber erst nach mehreren Minuten startet. Wenn man dann gegen den Wind arbeitet, ist man weit weg von lungengängiger Oxalsäure.

    Außerdem braucht man weder Verlängerungskabel, noch Batterien, noch Gasflaschen.


    Ich habe nichts gegen andere Verfahren, muss aber konkrete Fehleinschätzungen im Zusammenhang mit der Anwendung meiner Stövchen korrigieren.

    Gruß Bernd http://www.hommel-blechtechnik.de

    "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    (Bertrand Russel, englischer Philosoph und Mathematiker 1872 - 1970, Nobelpreis für Literatur 1950)