Der zweijährige Völkerumtrieb nach Rudi Maurer

  • Hallo Rudi nassauer Maurer,
    so viele nützliche Denkanstöße habe ich seit langem nicht mehr erfahren. Das Video bei den Montagsimkern war nicht einfach zu verarbeiten.

    Hilfreich für mich ist echt die ergänzende Diskussion hier im Imkerforum und auch die leicht nachzuverfolgende Historie. Nun glaube ich verstanden zu haben. Ich musste erst einmal alles zu Papier bringen und für mich strukturieren.

    Imkere selbst mit 10er und 12er US-Dadant – angepasster BR. Ableger in MiniPlus mit halben Dadant-Rähmchen (285 mm hoch) und 5er Ablegerkästen (letztere sollen verschwinden und werden ersetzt durch 4 geteilte Dadantbeute nach Jungels – baue damit meinen 12er Bestand ab – ist einfach zu schwer).

    Die Hauptschlussfolgerung für mich aus dem Vortrag: Die im vergangenen Jahr durchgeführte TBE bei 10 Völkern 14 Tage vor Ernte, die ich in diesem Jahr durch das Bannwabenverfahren ersetzen wollte, kann nun durch das Maurersche Verfahren mit Scalvini-Käfig deutlich vereinfacht werden. Brauche Königin nicht dreimal umzusetzen und habe nicht die riesigen Brutscheunen. Die Bannwaben hatte ich schon fertig gebaut mit Nirosta-ASG.


    Besonderen Dank für die vier Bausteine: Schwarmverhinderung, Zwei-Jahres-Betriebsweise, vereinfachte Varroa-Klassenschätzung und Stressfolie. Werde ich integrieren.

    Allein die Tipps „Stress vermeiden!“ konsequent angewendet, sollten helfen die Varroalast nachhaltig auf niedrigem Niveau zu halten.

    Rudi, danke auch für die Hommage an Deichmann hier im Forum, hat mir sehr gefallen.

    Dir und allen Imkern ein gutes und gesundes neues Jahr, herzlichst

    Imker Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...

  • ...jetzt wird erstmal der Jahreswechsel gefeiert. :):thumbup:


    Ich wünsche uns allen einen guten Start ins neue Jahr und - was sonst in diesen Tagen - Gesundheit, Gesundheit, Gesundheit.

    Beste Grüße aus dem Hintertaunus,

    Rudi

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    Drei Imker - fünf Meinungen. Und ich stehe zu meinen beiden... ;)

  • Wie trägt dann das Abschaffen der Völker zur Varroareduzierung bei?

    Hallo zusammen,

    Wachskreislauf = Anreicherung von unerwünschten Stoffen

    Wachsstrecke + Kerze = Ausschleusen von unerwünschten Stoffen


    Völkerkreislauf = Anreicherung von Unerwünschtem (z.B. Milben, Viren, Altwachs)

    Völkerstrecke + Abschaffen = Ausschleusen von Unerwünschtem


    Abschaffen schafft Platz für den "ständigen Neubeginn", ersetzt stärker belastete Altvölker durch weniger belastete Jungvölker.

    Wie im Schwarm halt - aber ohne Schwarm. :):thumbup:


    Ein gutes neues Jahr wünscht uns allen

    Rudi

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    Drei Imker - fünf Meinungen. Und ich stehe zu meinen beiden... ;)

  • Hallo zusammen, hallo ImkerBruno,

    freut mich natürlich, :) aber:

    Die im vergangenen Jahr durchgeführte TBE bei 10 Völkern 14 Tage vor Ernte, die ich in diesem Jahr durch das Bannwabenverfahren ersetzen wollte, kann nun durch das Maurersche Verfahren mit Scalvini-Käfig deutlich vereinfacht werden.

    Bitte unbedingt beachten, dass das Verfahren mit dem Scalvini-Vorlauf bisher nur in meinem Kopf besteht, völlig ungetestet!

    Ich hatte darauf hingewiesen...

    Wenn Ihr das versucht (oder auch was anderes Neues): Setzt bitte nicht alles auf eine Karte. Beim ersten Versuch sollte der Großteil der Völker unbedingt nach einem bei Euch bewährten Verfahren geführt werden.


    Ich mach das genau so: Das in dem Montagsimker-Vortrag mit Folie 39 dargestellte Verfahren, das ist getestet und hat funktioniert. Die Hälfte meiner Völker werde ich nach diesem Verfahren führen. die andere Hälfte erhält den Scalvini-Vorlauf.

    Und danach wird bewertet und entschieden, wie es weiter geht.


    ImkerBruno: OT: Hast Du Walter Deichmann gekannt?


    Ein gutes neues Jahr wünsch ich uns allen,

    Rudi

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  • Hallo zusammen,

    uff, mit soviel Zustimmung hatte ich nicht gerechnet. Eher mit reichlich Gegenwind zu einigen Punkten (aber der kommt ja vielleicht etwas später...). ;)8|


    Es schmeichelt mir natürlich, wenn Ihr Elemente aus meinem Vortrag in Eure Imkerei übernehmen wollt.

    Aber - ehrlich gesagt - ich bin froh, dass jetzt Winter ist und dass ihr nicht direkt an die Völker rennen könnt, um dort alles auf links zu drehen! :)


    Was ich Euch vorgestellt habe, ist kein Suppenrezept, das Ihr nach Belieben stumpf nachkochen könnt. ("Man nehme: ...")

    Ich sollte meine Lösungen für komplexe Probleme in der heutigen Bienenhaltung schildern, das habe ich getan.

    (Einen Vortrag für Einsteiger hätte ich ganz anders aufgebaut. Zum Beispiel haben wir die Themen "Aufstellung von Bienenvölkern", "Auswinterung und Schieden", "Schwarmtrieblenkung vs. Schwarmverhinderung" usw. bestenfalls kurz gestreift - nicht genug für eine Einsteigerschulung.)


    Und Ihr müsst Euch bewusst sein, dass meine Lösungen und das dazu angehäufte Wissen über viele Jahre entstanden sind, oft mit gehörigen Umwegen. Das könnt Ihr nicht durch das Hören eines Vortrags nachholen, auch nicht durch 10maliges Hören.


    Deshalb noch einmal die dringende Bitte:

    Wenn Ihr etwas aus meinem Vortrag in Eure Völkerführung einbauen wollt - brecht nichts übers Knie!

    Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Wer den zehnten Schritt vor dem ersten machen will, fällt unweigerlich auf die Schnauze.

    Und was Euer erster Schritt sein kann: Das bestimmt sich ganz allein aus Eurer bestehenden Imkerei heraus.

    (Wer am zweijährigen Umtrieb Spaß bekommen hat, der könnte sich z.B. als ersten Schritt überlegen, woher die Ableger kommen und wie die überwintert werden.

    Wer längst ein Ablegerkonzept realisiert hat, kann weiter denken.)


    Lasst Euch Zeit. Habt Geduld mit Euch selbst und mit Euren Bienen.

    Sicher wäre es schön, innerhalb von einer Saison ein Konzept umsetzen zu können.

    Aber das haut nicht hin, Imkerei ist komplex, funktioniert anders.


    Beste Neujahrsgrüße aus dem Hintertaunus,

    Rudi

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  • Auch von mir herzlichen Dank, nassauer für den Einblick in Deine Verfahrensweise. Es wird schon deutlich, dass da sehr viel Sachverstand, Zeit und Arbeit von Dir da drin steckt. Das kann man nicht einfach übernehmen und dann klappt's...


    Durch die Diskussion dazu und Deinen Anmerkungen zur "Brutpause nach Büchler" wird vieles klarer - die Ursachen, der mögliche Weg und die Einbindung von unterschiedlichen Notwendigkeiten in die Arbeitsweise. Was bei mir hängen blieb:


    - Brutpause (Absperren der Kö') ist besser als Brutunterbrechung (TBE) und zudem einfacher zu handhaben

    - Die "Völkerstrecke" ist eine gute Methode zur Verjüngung von Bien und Material sowie zum Eindämmen von Erkrankungen und Parasiten

    - Die Reserveimkerei im Standmaß ist Basis, mit der mehreren Zuständen im Saisonverlauf begegnet werden kann - immer zum Wohle des Biens


    Noch eine Frage zu der Reserve:


    Wenn Du die 5er/7er Einheiten auswinterst und diese nicht zur Schwarmzeit benötigst, wie verfährst Du, um den zwingend entstehenden Honigeintrag stapeln zu lassen ? Oder hast Du separate HRe ?

  • Hallo zusammen, hallo beemax,

    Wenn Du die 5er/7er Einheiten auswinterst und diese nicht zur Schwarmzeit benötigst, wie verfährst Du, um den zwingend entstehenden Honigeintrag stapeln zu lassen ? Oder hast Du separate HRe ?

    Siehe Folie 12 im Montagsimker-Vortrag:

    "Ein Teil der Reserve wird im Frühjahr verkauft...

    ...und/oder zu Völkern umgebaut (3 gute Ableger ergeben zu Frühtrachtbeginn

    2 Völker für die Honigernte und einen kleinen Königinnenableger für die Reserve.)"

    Die 7er-Ableger (wenn sie denn noch da sind) sind zu dieser Zeit eigenständig trachtbereit.


    Der Rest wird nach Bedarf verwendet (Begattungsableger im Standmaß, Jungvolkaufbau), Honigräume gibt es nie in der Reserve.


    Ausnahme: Die überwinterten Nachzuchtmütter bekommen manchmal nach der Nachzuchtsaison zwei bis drei Honigräume.

    Bei denen gilt dann wieder: Den Kleinen in die Mitte! :)

    ableger in der tracht.jpg

    Beste Neujahrsgrüße aus dem Hintertaunus,

    Rudi

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    Drei Imker - fünf Meinungen. Und ich stehe zu meinen beiden... ;)

  • Ich habe gehört, dass im Spätsommer etwa jedes zehnte Volk unbemerkt umweiselt und dadurch die Käfigunh ruiniert wird. Du hast das nie erwähnt, das scheint bei dir also ein eher zu vernachlässigender Fall zu sein?

  • das scheint bei dir also ein eher zu vernachlässigender Fall zu sein?

    ...wenn es den vorkommt isses ein Sonderfall der gesondert behandelt wird.

    Beste Neujahrsgrüße aus dem Hintertaunus,

    Rudi

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    Drei Imker - fünf Meinungen. Und ich stehe zu meinen beiden... ;)

  • Rudi hat keine alten Tanten in den starken Völkern. Königinnen werden bei ihm nur von starken Völkern aufgezogen. Außerdem sind sie erst geprüft, bevor sie in die Wirtschaftsvölker kommen. Deshalb kommt es bei ihm seltener vor.


    Gruss

    Ulrich

  • Hallo Rudi nassauer, vielen Dank für die Vertiefungen. Natürlich gebe ich Dir 100%ig recht, niemals alles auf eine Karte zu setzen.

    2022 wird es so sein: 1/3 TBE, 1/3 Bannwabe nach Büchler und 1/3 Scalvini nach Maurer. Das werden je 2 Völker sein. Mehr als 6 Wirtschaftsvölker gibt es in diesem Jahr bei mir nicht; den Rest bilden Reservevölker.


    Das mit der Übernahme von Ideen für Anfänger sehe ich nicht so dramatisch. Lernen muss man grundsätzlich und nach tiefgründigem Studium Deines Vortrages bei den Montagsimkern – was mehrere Teilnehmer und ich bestätigen können – auch mehrmals(!) und mit helfender Diskussion des Themas in der Tiefe des Forums unter den Beiträgen gast057 sollten die notwendigen Klarheiten für eigenes Handeln möglich sein.


    Lernen geht halt mal nur über eigene Fehler. Hatten wir doch neulich bei den Montagsimkern mit dem Zitat von Bretschko: „Das Erkennen von Nachteilen bildet die Grundlage des Erfolges. Nachteile, die jedem Stocksystem und jeder Betriebsweise anhaften.“


    Auch ich habe das durch: Zander, dann ZaDant, dann US-Dadant mit Ausflug über eigene Hochwabe (328 x 456) in modifizierter Gerstung-Beute in Warm- und Kaltbau. Und dann noch alles selbst in Holz gefertigt. Vorteil: man lernt schneller und der Umbau geht leichter. Inzwischen bilden Flachzargen die Honigräume und die Dadant-Beuten werden bald alle durch Hartschaum ersetzt sein. Wo ich in ein paar Jahren stehe, weiß ich nicht. Mit Technik von der Stange lernt man zu wenig.


    Dein zweijähriger Völkerumtrieb hat aus meiner Sicht nur Vorteile. Konsequente Verjüngung und Gesundung des Bestandes. Passt bei mir deshalb gut, weil ich auch weniger Bienen und Königinnen haben möchte.


    Zur einfachen Varroa-Schätzung mit den Schätzklassen habe ich noch eine Frage.


    Die Bodeneinlage bleibt bei Dir immer eingelegt. Wenn ich den Varroa-Schieber längere Zeit drin lasse, entsteht zu viel Feuchtigkeit und möglicherweise Schimmel. Das Flugloch ist bei mir prinzipiell schmal.

    Ich müsste deshalb in alle meine Schieber eine ca. 15 %ige Öffnung hinten als Streifen zwecks besserer Luftzirkulation einbringen.

    Wie ist das bei Dir? Der Varroa-Schieber deckt die 15 x 15 cm-Gitteröffnung ab, oder nicht?

    Wie ist die Luftzirkulation gewährleistet?


    nassauer Deine Frage nach Walter Deichmann:

    Leider kenne ich ihn nicht persönlich. Deichmann hat mich seinerzeit interessiert in Verbindung mit Schwarmlenkung und Schwarmverhinderung. Bei Böttcher „Bienenzucht als Erwerb“ und an anderer Stelle bin ich auf ihn mehrmals gestoßen. Inzwischen habe ich aber mein eigenes System gefunden mit Verzicht auf Schwarmkontrollen, d. h. nicht ganz – einzige Schwarmkontrolle bei Frühtrachtentnahme.


    Im vergangenen Jahr habe ich damit Glück gehabt. Es gab da aber auch keine Schwarm-Signale aus der theoretischen Populationsentwicklung nach max. Tagestemperatur und wahrscheinlich traten auch keine Schwärme deshalb auf, weil ich den angepassten Brutraum strikt auf max. 5 Waben begrenzt habe und früh reichlich Honigräume gab.


    Ab morgen geht das Temperatur-Aufschreiben und Rechnen wieder los.

    Heute gab es bei uns in der Gegend schon viele große Wildgans-Schwärme. Wird wohl ein warmes Frühjahr werden.

    Danke und Grüße von Imker Bruno

    12 Völker US-Dadant ... schauend, staunend, lernend ...

  • Hallo ImkerBruno, hallo zusammen,

    ImkerBruno: Daß Du weißt was Du tust, daß Du Deinen Weg siehst und den auch gehst und daß Du auch schwierige Situationen bewältigst - das ist mir schon klar. :):thumbup:

    Hast ja auch schon einige Haken geschlagen...


    Und daß man auch als Beginner aus meinen Erzählungen was rausholen kann, davon gehe ich natürlich aus, Deshalb nehme ich mir ja auch hier die Zeit, noch die eine oder andere Frage zu klären.

    Die Bodeneinlage bleibt bei Dir immer eingelegt. Wenn ich den Varroa-Schieber längere Zeit drin lasse, entsteht zu viel Feuchtigkeit und möglicherweise Schimmel. Das Flugloch ist bei mir prinzipiell schmal.

    Meine Bodeneinlage ist immer eingelegt, aber nur ab der letzten Honigernte bis zum Jahreswechsel. Also jetzt sind die Einlagen draußen, bis in den Juli hinein ("...imkern, als ob es Varroa nicht gibt.").

    In dieser Zeit kontrolliere ich spätestens alle 2 Wochen und bis zum Kälteeinbruch im Oktober/November gibt es keine Probleme mit Feuchtigkeit. Je kälter es wird, um so mehr Wasser findet sich auf der Kunststoff-Bodeneinlage, das kann ja nicht weg. Aber zur Schimmelbildung kommt es nicht, obwohl das Bodengitter bedeckt ist.

    Was hilfreich ist:

    • Nach der Winterfütterung stelle ich meine Kästen steiler, indem ich hinten Dachlattenstücke unter die Böcke lege. Schon erstaunlich manchmal, wieviel Wasser da übers Flugloch raus geht.
    • Meine Fluglöcher sind nicht eng. Der Ausschnitt im Holz ist 30x3,5 cm groß und wird durch die handelsüblichen Fluglochschieber (auf meinen Folien gut zu sehen) abgedeckt und verengt. Dadurch befindet sich bei einem Temperatursturz die kälteste Stelle der Beute immer fluglochnah - also da, wo das Kondenswasser gut weg kann.
    • Mein Boden hat ja 3,5cm Abstand zur Rähmchenunterkante, da kann die Luft gut zirkulieren. Auch bei eingelegter Bodeneinlage.

    Es gab da aber auch keine Schwarm-Signale aus der theoretischen Populationsentwicklung nach max. Tagestemperatur ...
    Ab morgen geht das Temperatur-Aufschreiben und Rechnen wieder los.

    Dieses Verfahren kenne ich nicht. Magst Du es kurz beschreiben, vielleicht sogar in einem eigenen Thema? Das interessiert vermutlich nicht nur mich alleine.


    ... in der Tiefe des Forums unter den Beiträgen gast057 ...

    Vorsicht! Ich bin nicht gast057 !

    Das ist eine von Hartmut geschaffene Kunstfigur, in der die Beiträge von etlichen ehemaligen Benutzern des Forums zusammengefasst sind, darunter auch meine Beiträge aus der Zeit von vor 2017.

    Wie schon einmal geschrieben:

    "Zusammen mit etlichen fremden Beiträgen, die ich noch nicht mal mit der Kneifzange anfassen möchte. ;(  :thumbdown:

    Goldene Regel zum identifizieren: Nur wo 'Rudi' drunter steht, ist auch Rudi drin." :)


    Beste Grüße aus dem Hintertaunus,

    Rudi


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    Drei Imker - fünf Meinungen. Und ich stehe zu meinen beiden... ;)