TBE als Sommerbehandlung alleine ausreichend?

  • Hallo zusammen,


    ich werte gerade die Windeln der Oxalsäurebehandlung aus, stöbere parallel in Netz und Forum und spiele mit Randys Varroa-Model.


    Je länger ich aber lese und stöbere, desto mehr mehren sich die Zweifel, ob eine alleinige TBE im Sommer auf die Dauer tragfähig ist.
    Als Vorteile der TBE, in den verschiedensten Varianten, werden ja diverse Vorteile gerne angeführt. Von der Wabenerneuerung, über den möglichen Formatwechsel, der Bildung und Kunstschwärmen...und eben auch, wenn sauber durchgeführt, ist bis zum Winter keine weitere Behandlung mehr nötig.

    Aber ist das wirklich so?


    Hier schilderte  rall0r bereits Ende letzten Jahres seine durchmischten Erfahrungen im Bezug auf die Brutentnahme. Im gleichen Jahr musste ich etliche Völker Mitte/Ende September nachbehandeln, teilweise vergeblich. Das 2020 mir die Brutscheunen abschmierten, passte zu dem entsprechend hohen Befallsgrad im Sommer und ergab ein ernüchterndes Gesamtbild.
    2020 Jahr habe ich es u.a. auf den frühen und nachhaltigen Brutbeginn zurückgeführt - aber ist es wirklich so einfach?


    Drehen wir aber die Zeit noch weiter zurück. Seit einigen Jahren setze ich immer mehr, bis (fast) ausschließlich auf eine Brutentnahme, bei der der alle Waben entfernt werden und lediglich eine Fangwabe verbleibt. Die Fangwabe wird nach 4-7 Tagen entfernt und das Volk wird mit einer OX-Sprühbehandlung zusätzlich behandelt und die Fangwabe eingeschmolzen - nur zum Hintergrund.

    Wenn man den Studien zur Wirksamkeit glauben kann, dann sollte man eine 90-95% Wirksamkeit annehmen können und bis 2020 lief das auch so weit immer glatt.
    Anfang Dezember Restentmilbung und gut war - für die ich auch eine Wirksamkeit von 90-95% annehme.


    Angeregt durch Ludger Merkens Einleitung zum Varroamodell, habe ich das dort mal etwas verfolgt und die Grunddaten etwas angepasst. Zumindest meine Bienen sind Anfang November nicht brutfrei und Pollen kommt auch eher. Tippt man das Ganze aber ein, so stellt man am Ende fest, dass bei den jeweiligen angenommenen Behandlungserfolgen, sich die Milbenpopulation zum Start des nächsten Jahres erhöht.

    2021-12-10 (9).png
    Und im Folgejahr wieder
    und dann taucht da eben plötzlich so ein roter Klecks auf - der Böse 2-3 Jahres Rhythmus.
    Ja, der hatte mich, bzw. eher die Völker, letztes Jahr erwischt.


    Dieses Jahr starteten die Völker mit einer als sehr gering anzunehmenden Grundlast. Nach der Nachbehandlung im September/Oktober 2020 erfolgte auch eine Winterbehandlung, die auch wiederholt wurde.

    Dennoch zeigten die Völker dieses Jahr wieder eine zunehmende Milbenlast September/Oktober, aber noch im Rahmen meiner Erfahrungswerte und nach der Winterbehandlung einen sehr deutlichen Varroafall. Um ehrlich zu sein, sehen bei meinen TBE-behandelten Völkern die Windeln meistens so aus, auch wenn das jetzt ein Mitglied der Spitzengruppe ist. Daher war ich über ein solches Bild die letzten Jahre nicht beunruhigt und bin es jetzt eigentlich auch nicht - ich kenne es eigentlich nicht anders von TBE-Völkern, die nicht im September/Oktober weiter behandelt wurden.

    Windel.jpg


    Mein aktuelles Fazit aus den Ergebnissen der Winterbehandlung sieht daher aktuell wie folgt aus:
    WV mit einer erfolgreiche AS-Langzeitbehandlung Anfang/Mitte August werfen zur Restentmilbung in den letzten Jahren recht zuverlässig 50-300 Milben ab - mit einzelnen Ausreißern.
    Noch etwas besser sieht das Ergebnis bei Völkern aus, die aus unterschiedlichsten Gründen Bayvarol bekommen haben.

    Die OX-Sprühbehandlung bei den Brutscheunen hat auch sehr gut und zuverlässig funktioniert, die haben aktuell ~50 Milben nach der Winterbehandlung abgeworfen, aber natürlich auch eine Brutpause im Sommer gehabt.

    Ableger auch im Rahmen.
    Nur die TBE-Völker lassen gerne mal >500 Milben fallen, eigentlich aber auch nicht weniger. Diese werden demnächst auch nochmal ein zweites Mal behandelt, um die Milbengrundlast zuverlässig zu drücken.


    Woran das aber liegt, kann ich mir noch nicht so recht erklären. Klar kann ich mit dem Modell von Randy spielen, aber da passen z.B. aber meine Beobachtungen zu der AS-Langzeitbehandlung nicht zu den Modellrechnungen.

    Ob mutmaßliche Effekte der dritten geschlechtsreifen Milbe zugerechnet werden, wie von nassauer unter im Milbenwunder 2009 modelliert, oder ich vielleicht für eine TBE zu doof bin, kann ich nicht beantworten. Auch was die Wirksamkeit der OX-Sprühbehandlung betrifft, so zeigen mir die Ableger und Brutscheunen, dass die echt gut wirkt. Nur in der Kombination brutfrei und WV komme ich da nur zu für mich unbefriedigenden Langzeitergebnissen. Vielleicht sollte auch nochmal einen Blick auf den Zwei-Jährigen Völkerumtrieb werfen.
    Die geschwärzten Bretter beunruhigen mich jetzt aber noch nicht, und ändern könnte ich eh nichts. Die Völker gehen aber, selbst bei einer Wirksamkeit der Winterbehandlung von 90-95% noch immer mit vielleicht zu vielen Varroen in das kommende Jahr, auch wenn es vielleicht erst im übernächsten Jahr knallt.

    Flankiert werden muss die TBE auf jeden Fall mit einer entsprechenden Diagnose September/Oktober und einer vorhandenen Eingreifmöglichkeit.
    Den Effekt weiterer Maßnahmen, wie Ablegerbildung und Drohnenschnitt kann ich nicht beurteilen.

    Zumindest eine mögliche Kumulation auf eine kritische Grundlast über wenige Jahre halte ich für durchaus möglich, so dass man auch trotz Behandlung bei Brutfreiheit im Sommer in den gleichen 2-3 Jahresrhythmus der Probleme gelangt.
    Genetische Hintergründe mögen natürlich eine Rolle spielen und ich bewunderte die Erfolge, die in diesem Zusammenhang auch mancher Hobbyimker erzielt hat. Aktuell scheint aber bei mir auch keine interessante Linie vorhanden zu sein - okay, kommen auch alle weitgehend aus gleichem Hause ^^ .


    Meine Stichprobengrößen sind natürlich sehr gering, und nein, ich führe auch keine Populationsschätzungen über x-Jahre durch und auch bei den Windeln gibt es, außer nach der Restentmilbung, nur die Einheiten nix, joar, mmmaaaor und ui. Dennoch möchte ich mal die Frage in den Raumstellen, ob die TBE, in welcher Variation auch immer, tatsächlich eine langjährig erfolgreiche Behandlungsstrategie sein kann, wenn perspektivisch im Spätsommer doch noch ggf. durch AS/was auch immer nachgebessert werden muss.


    Viele Grüße
    und genießt das Wochenende

  • Hallo Chris,


    Wann im Sommer war denn deine TBE ?

    Ich denke es macht einen großen Unterschied, ob diese Mitte Juni oder Ende Juli stattfindet. Die früher behandelten Völker können bis zur Wintterbehandlung durchaus zwei Brutzyklen mehr durchlaufen haben, und die Milbe dadurch natürlich auch.

    Viele Grüße

    merops

  • Danke für die ausführliche Schilderung. Ich quäle mich auch mit dieser Dynamik und beobachte Ähnliches. Vorweg - es ist kein Volk verloren gegangen, jedoch muss ich immer im Sept./Okt. bei einigen WV eingreifen, trotz TBE/OXS.


    Die Fangwabe habe ich aufgegeben, weil ich es bisher nicht geschafft habe, jeweils eine überwiegend frisch bestiftete Wabe
    hinzuzufügen, somit der Reduktionseffekt nicht sichtbar war. Möglw. muss über längere Zeit eine oder mehrere frisch bestiftete Wabe(n) präsent sein, damit sich die Milben dorthinein flüchten (s. Nur Mut: Die Brutpause nach Büchler funktioniert!).


    Ebenso beobachte ich einen 2 bis 3-jährigen Milbenzyklus, den ich nicht interpretieren kann: 2 Jahre wenig bis nix, im 3. Jahr hoher Befall !?? Bei routinemäßig TBE zw. 10. und 20. Juli, sowie Nachbehandlung im Sept./Okt. und Winterbehandlung. Vlt. liegt das an einer nicht sichtbaren Kumulation durch mangelhaften "reset" im Dez. - Ich weiß es nicht. Die Winterbehandlungen "liefern" relativ limitierten Milbentotenfall in der Größenordnung < 50 bis 100 pro Volk.


    Von der beschriebenen Dynamik ausgenommen sind Jungvölker/Ableger und interessanterweise solche Völker, die mit jungen Königinnen samt deren Brutnestern im Sommer umgeweiselt wurden. Da hält sich auch ohne TBE und Brutpause der Befall in engen Grenzen.


    Wenn ich es grob einordnen soll, kann ich nur eine zeitliche Steigerung über mehrere Saisonzyklen ausmachen; das unterstützt den kumulativen Aufbau des Milbs in den Völkern.


    Für die kommende Saison habe ich mir vorgenommen:

    - TBE im Mai (erspart Schwarmkontrolle, liefert Brutwaben für die Kö'-Vermehrung/Jungvölker);

    - erzwungene Brutpause im Juni/Juli mit OXS Behandlung.

    - rigorose Auslese der Kö's, deren Völker weniger Milben aufweisen.


    Es ist ein sehr langwieriger Lernprozess...

  • Theoretisch schon, aber die Brutpause...


    Diese ist m.E. effizient gg. den Milb plus die initiale Behandlung, welche jedem Jungvolk die Startbedingungen verbessert. Um so erstaunlicher erachte ich die Beobachtung, dass sommerlich umgeweiselte WV mit diesen Jungvölkern die "Milbenlast" beider Ursprünge tragen und im Sept./Okt. dennoch (!) geringeren Befall aufweisen. :/

  • beemax

    Wie würdest du dann im Juni/Juli die Brutpause erzwingen? Bei mir ist nämlich leider das gleiche dieses Jahr zu beobachten, musste auch alle meine TBE Völker nachbehandeln, aber sind drei Brutpausen dann der richtige Weg!? Oder habe ich irgendwas nicht richtig verstanden? :/

  • Bei wie vielen Völkern/Jahren ist das aufgefallen? Könnte das noch ein Zufall sein?

    Bei 5 von 10. Die anderen 5 erhielten eine TBE und weitere 5 eine erzwungene Brutpause mit Absperren der Kö'. Da muss ich aber noch dran verbessern...

    beemax

    Wie würdest du dann im Juni/Juli die Brutpause erzwingen? Bei mir ist nämlich leider das gleiche dieses Jahr zu beobachten, musste auch alle meine TBE Völker nachbehandeln, aber sind drei Brutpausen dann der richtige Weg!? Oder habe ich irgendwas nicht richtig verstanden? :/

    TBE ist keine Brutpause, nur eine kurze Unterbrechung. Dennoch ist der Milb in der Brut im FJ dann raus. Brutpause gibt's dann im Sommer durch Absperren der Kö' und OXS Behandlg.

  • Wenn man 4 bis 7 Tage nach der TBE sprüht, gibt es Larven im Futtersaft.

    Ich glaube, das ist jedenfalls meine persönliche Erfahrung, dass sich das nicht pauschal sagen lässt. 4 Tage nach TBE bereits Larven mit Futtersaft würde ja bereits bedeuten, dass die Kö am gleichen Tag, an dem man die Brutwaben entnimmt und mit Mittelwänden (?!) ersetzt, bereits wieder mit dem Stiften beginnt. Dafür müssen diese aber erst mal ausgebaut werden und die Kö sich auch erst mal wieder zurecht finden. Larven nach 6 oder 7 Tagen ja evtl, nach 4 bis 5 meiner Erfahrung nach eher nicht.

  • Ich glaube, das ist jedenfalls meine persönliche Erfahrung, dass sich das nicht pauschal sagen lässt. 4 Tage nach TBE bereits Larven mit Futtersaft würde ja bereits bedeuten, dass die Kö am gleichen Tag, an dem man die Brutwaben entnimmt und mit Mittelwänden (?!) ersetzt, bereits wieder mit dem Stiften beginnt.

    JaKi schrieb 4 - 7 Tage nach TBE. Ich habe oft genug beobachtet, dass bereits 2 Tg. nach kompl. Brutentnahme und MW-Gabe mit 1:1-Fütterung der obere Wabenbereich ausgebaut und mittig die Bauzone war. Oben gab's dann schon bestiftete Zellen. Insofern hat man keine richtige Brutpause, sondern nur eine Unterbrechung.

  • Dein Varroamodell - welches du oben gepostet hast - zeigt doch genau diese Werte.


    Nach der TBE bis Dezember ca. Milbenaufwachs auf über 600.


    Wenn dann bei deiner Behandlung > 500 Milben fallen, sieht man doch das die Zahlen in etwa stimmen...


    Weil ich meine TBE im Juni mache, führe ich im August/September noch mal eine Blockbehandlung durch.