Hygiene praktisch

  • Ein Hygienegrundsatz bei der Säuberung von Honiggerätschaften oder Honiggläsern lautet wohl: Wischlappen tragen mehr Keime auf, als sie beseitigen. S.a. # 47:



    Kikibee: Entschuldige meine Fragen an die Fachfrau, aber ich bin da wirklich ungebildet:


    - Gilt das auch für frisch gewaschene Lappen?

    - Wie sind die "Wasserflecken" unter Hygienegesichtspunkten zu beurteilen, die bes. bei Verwendung von "hartem" Trinkwasser (wir haben hier z.T. > 30 dH) zurückbleiben?

    - Sollte man Schleuder & Co. nach monatelanger Standzeit in sauberen Räumen/gut abgedeckt bzw. verpackt (also ohne erkennbare Staubschicht und mit neutralem Geruch) 2 Tage vor dem Schleudern vorsorglich nochmals mit Trinkwasser spülen?

    - Honig ist ja selbst auch nicht steril. Wie ist in diesem Zusammenhang der mögliche Zusatzeintrag von Keimen zu beurteilen, wenn die Gerätschaften nach dem Spülen/Trockenwischen an der Luft (ebenfalls nicht keimfrei) zum Austrocknen/Auslüften aufgestellt werden?

    - Kann durch Lüften/luftige Lagerung ggf. Keimlast reduziert werden? Wenn ja, gibt es Anhaltspunkte für Mindestlüftungszeiten, um etwaige Keimlasten zu senken (vollständige Austrocknung vor dem Lüften - auch in Materialfugen/Spalten - vorausgesetzt)?

    - Macht die Verwendung von Preßluft aus dem Hobbykompressor zum Ausblasen bspw. vom Schleuderkorblager bzw. aus konstruktionsbedingten Spalten und Ritzen einer Honigschleuder (z.B. an der Befestigung der Stehbolzen für die Motortraverse) mehr Schaden als Nutzen bei der Hygiene?

    - Wie ist die Wiederverwendung von Blechdeckeln auf Honiggläsern zu beurteilen? Nach meiner Erfahrung sammelt sich Spülwasser zwangsläufig im umgekanteten Bördelrand derartiger Deckel und verdunstet dort nur sehr zögerlich. Rosterscheinungen sind oft die Folge, die man aber äußerlich nicht sehen (weil ja durch Bördelung innenliegend), aber bspw. durch Ausschütteln/Aufschlagen auf der flachen Hand nach 1 Tag Trocknung angesichts von Rostwassertröpfchen durchaus bemerken kann.


    Vielen Dank schon im Voraus von allen mikrobiologisch Unterbelichteten!

  • Die haben alle Ölschmierung.

    Ja, aber wenn Öl in der Druckluft vorhanden ist, dann ist der Kompressor hinüber.

    Es kann Kondenswasser vorhanden sein, dafür gibt es Wasserabscheider.

    Der Pessimist ist ein Optimist, der aus seinen Erfahrungen gelernt hat.

  • Ich persönlich denke, man muss nicht päpstlicher sein als der Papst. Andererseits kann man schon darauf achten, dass der Eintrag von Dreck, Keimen, sonstigen Stoffen (Spülmittel, Schmiermittel, Waschmittel, Hautschuppen etc) so gering wie ohne großen Aufwand möglich sein sollte. In dieser Hinsicht ist Nichtwischen doppelt wirksam. Keine Arbeit und kein Eintrag. Was will man mehr? Das mit dem Nachwischen und Abtrocknen wurde uns nur so anerzogen, damit die Küche schneller 'fertig' ist.


    Kalkränder von Spülwassertropfen dürften gesundheitlich völlig unerheblich sein. Die sind nur nicht hübsch.


    Mit einem Kompressor ausblasen würde ich nichts. Wie FeDia anmerkt, weiß man nicht, was da alles rauskommt. Besser wird die Situation dadurch jedenfalls nicht, das trocknet auch so.


    Im Prinzip geht es ja bei der Sauberkeit um drei Dinge: Möglichst viele Keime vor die Tür setzen, sonstige Substanzen rausspülen, die da drin nichts zu suchen haben und Wasser wegtrocknen, damit sich verbliebene Keime nicht mit Hilfe verbliebener Substanzen im Feuchten fröhlich vermehren. Und damit nicht doch irgendwas rostet etc.


    Ich unterscheide da auch klar zwischen innen und außen. Irgendwelche anfälligen Ritzen außen kann man natürlich nochmal speziell trocknen, da läuft ja auch kein Honig durch.


    Blechdeckel sind ein extra Thema...

    Hoffentlich ein wieder normales IFT am 11-13.3.2022 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda.

  • Kompressor ... Die haben alle Ölschmierung...Ausgenommen...ganz billigen Reifendruckkompressoren.

    Auf meinem Kompressor steht ausdrücklich: ölfrei. Wäre der dann unbedenklich?


    Kikibee: Je länger ich darüber nachdenke, um so mehr Fragen kommen mir. Z.B. i.Vm. mit dem oft empfohlenen Kärcher/Hochdruckreiniger oder dem Ausspritzen der Schleuder im Freien mit Gartenschlauch (Biofilm im Schlauchinneren) usw.


    Wenn man Interessierte als Ersthelfer in den Schleuderraum einlädt, machen die Wasserflecken in der frisch hergeräumten Schleuder am frühen Morgen vor dem ersten Schleudergang einen irritierenden Eindruck. Die Helfer denken sich dann ihren Teil, aber sprechen das Thema lieber nicht an. Deshalb nochmals gefragt: Auch ein frisch gewaschender Lappen (Mikrofaser) nur zum Trockenreiben (ohne Wasser oder gar Spülmittel) wäre hygienisch bedenklich?

  • Ich würde den Helfern den Grund für die Wasserflecken erklären, ggf. auch ohne Nachfrage. Dann haben sie was gelernt und trocknen nie wieder ab. 8)

    Beim nächsten Mal wissen sie es dann.

    Hoffentlich ein wieder normales IFT am 11-13.3.2022 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda.

  • Praktisch? würde ich mir mal die Filme auf YT ansehen über die Korb/Heideimkerei in einem der letzen teile sieht man wie vor ein paar Jahrzehnten noch gearbeitet wurde. Unter anderem eben auch die Honigernte. Zwar ohne Schleuder, aber die Behälter sind echt sehenswert aber auch damals ist keiner tot umgefallen. Sieht aber alles noch ziemlich nach "Ackergerät" aus.


    Ich meine das weniger als Vorbild mehr als Anschauung wo wir uns heute "Hygienemäßig" befinden.

    Honig ist kein Hackfleisch!

    VG

    Martin

  • Mich würden weniger die Wasserflecken stören, als Fasern eines Tuches. Weniger Keime als in der Luft und im Wasser sind, kannst Du nicht erreichen und macht auch keinen Sinn.


    Ein Kompressor hat immer siffiges Wasser drin.


    Gruss

    Ulrich

  • Kommt wie immer drauf an. :D

    Es gibt welche, die halten das länger aus, andere gar nicht oder kürzer. Vermehren geht ohne Wasser und Nährstoffe nicht.


    Übrigens, die Aussage 'Honig ist kein guter Nährboden für Keime' stimmt nur extrem eingeschränkt. Nämlich nur so lange, wie zu dem Honig kein Wasser dazukommt. Auf reifem Honig wächst nichts, weil das darin enthaltene Wasser so fest an den Zucker bindet, dass die Keime es nicht nutzen können. Sobald ausreichend viel Wasser dazukommt, ist so eine Honigbrühe ein Paradies für alle mögliche Organismen.

    Hoffentlich ein wieder normales IFT am 11-13.3.2022 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda.

  • Mische mich mal ein...


    Der größte Keimeintrag erfolgt durch Staub (an jedem Staubkorn sitzen unzählige Keime) in Vbdg. mit Feuchtigkeit. Fasern sind noch schlimmer als Staub verkeimt, weil die Keime da besser haften ...


    Insofern beantworte ich mal Deine Eingangsfragen


    - frisch gewaschene Lappen sind völlig o.k. bei Einmalverwendung - darum im Hygienebereich einmal-Wischtücher.

    - (Kalk)wasserflecken - ist alles dazu gesagt.

    - abgedeckte Schleuder, Abfüllkannen etc. sind völlig i.O., da weder staubig noch feucht.

    - Honig ist hochgradig keimbelastet (Bakterien, Hefepilze) und verdirbt nicht, weil der Zuckeranteil sehr hoch ist. Die zusätzliche Keimbelastung aus der Verarbeitung ist irrelevant, solange es keine pathogenen Keime bez. oraler Aufnahme sind (z.B. H. pylorii).

    - lüften führt zu neuer Keimbelastung (Staubeintrag); wenn, dann Gefäß mit Öffnung nach unten

    - damit ist auch die Frage nach dem Kompressor beantwortet - mit dem verteilt man nur Staub im Raum

    - Spalten, Fugen und Ecken sind gute Ablagerungsorte für Staub und damit Keime aller Art. Da hilft nur nass wischen und trocknen lassen. Das gilt natürlich auch für Blechdeckel mit Falz. Hier könnte man auskochen bzw. Spülmaschine...


    Alles in Allem reicht ein hygienischer Arbeitsraum, der gewischt und getrocknet ist. Keime auf dem Boden sind halt da, aber dort ist i.d.R. kein Honig. Flächen kann man desinfizieren, muss man aber nicht - ordentlich reinigen reicht.

    Gefäße normal spülen und umgedreht abtrocknen lassen ist o.k. Beim Abtrocknen - wenn überhaupt - frische Tücher nutzen.

    Honig ist mit < 18 % Wasser selbst geschützt.


    Das Prinzip lautet: sauber, staubarm und trocken !

    .

  • Vermehrungsstop. Wenn sie nichts zum essen oder trinken bekommen, werden sie schon irgendwann absterben. Deshalb reinigen und nicht nur verschmieren und mit grösserer Oberfläche für noch bessere Vermehrung sorgen. Meine Fleischereimaschinen habe ich mit

    sauberen Tüchern abgetrocknet. VetAmt hat am Liebsten Papier. Ich habe nur Gerätschaften desinfiziert, die mit verkaufsfertigen Produkten in Berührung kamen.

    Keime brauchen Wasser, Nahrung und Sauerstoff. Wenige können nur ohne Sauerstoff, z.B Clostridium botulinum. Deshalb kein Honig an Babys.


    Gruss

    Ulrich

  • Mich würden weniger die Wasserflecken stören, als Fasern eines Tuches.

    Deswegen Mikrofasertuch (ähnliches Material wie Brillenputztücher) - fusselt jedenfalls nicht sichtbar, wenn man es gegen das Licht ausschüttelt.


    Die Wasserflecken nach dem Geschirrspüler-Durchgang stören nicht nur optisch. Einfache Probe:

    a) Honiggläser + Plastikdeckel nach dem Geschirrspülgang ohne weiteres abkühlen und trocknen lassen und zusammenschrauben.

    b) Vergleichsgruppe noch feucht mit Mikrofasertuch abtrocknen, ablüften lassen, ebenfalls zusammenschrauben.

    Nach einer Woche wird die Geruchsprobe beim Öffnen von nicht nachbehandelten Gläsern aus a) manchmal einen Hauch von NaOH o.ä. Geschirrspülmittelrückständen ergeben. Besonders prägnant manchmal bei Gläsern aus Kundenrücklauf (die wurden ggf. mit Restfeuchte zugeschraubt, aber der Chemorest bleibt ja auch nach der Trocknung in Variante a) zurück).

  • Honig der zuviel Wasser enthält, ist nicht als Honig zu vermarkten. Darf demzufolge auch nicht Honig heissen. Bei einem Wassergehalt von erlaubten 20 % (Heidehonig lassen wir aussen vor) können nur Hefen leben.


    Gruss

    Ulrich