Erfahrungsaustausch zu Genetik und Zucht der Varroamilbe

  • Ich bin in dieses Forum gekommen, nachdem ich auf YT etwas von Lutger zum Thema "der Weg zu besseren, eigenen Bienen" gesehen habe.

    In Bezug auf Details im Diskussionsfaden von Bernd: "Erfahrungsaustausch zur Züchtung der Varroamilbe überlebenden Biene VSB ( varroa mite survived bee)' erscheint mir zusammenfassender Diskussionsfaden zur Varroazucht en detail von Vorteil zu sein.

    Im Diskussionsfaden vom Bernd wurde zur praktischen Arbeit mit Varroen hinsichtlich Infektionsexperimenten diskutiert, jedoch ist dieser Experimental-Faktorenkomplex (Varroa + Viren) nicht bis wenig standardisiert und medizinisch-biologisch-gnetisch-analytisch überwacht, scheint es mir. Vor allem ist Varroa ein Vektor von Virenerkrankungen; Stichworte: Virenlast, Pathogenität bzw Attenuität der Viren.


    Denn mir will nicht klar werden, was Lutger behauptete, dass unsere Varroen genetisch homogen seinen und man daraus also nicht züchten könne, da die genetische Varianz als Vorraussetzung fehle.

    Soweit ich weiss, hatte F. Ruttner native Varroen mit Forschungs-Packetbienen der Art Apis cerana eingeführt und will sie 7 Jahre lang nicht erkannt/entdeckt haben, der Schlamper. Was zur europaweiten Verbreitung dieser Varroen-Population führte, vom Bieneninstitut Oberursel als Epizentrum des Seuchenausbruchs aus.

    Vielleicht ist diese Seuchen-Population von Varroen genetisch verschieden von jenen Populationen die z.B. auf Apis mellifera mellifera in der Region Primorski parasitieren, die ja zumindest dort als VSB-Population gelten kann und bei uns eingeführt und verbreitet wurde, setzt man vorraus, dass die nativen Varroa destructor Populationen bei A. cerana hinreichend Varrianz aufweisen.

    Im Zusammenhang mit der Globalisierung der Imkerei ist die parallele unabhängige Verbreitung verschiedener Varroa destructor Populationen in die Imkerschaften weltweit wahrscheinlich.

    Eine hinreichende genetische Nicht-Homogeneität der Varroa destructor Populationen in Deutschland kann also durchaus vermutet werden.

    So wie es ",Rassen' der Westlichen Honigbiene" gebe, so gibt es vielleicht auch ",Rassen' der Varroamilbe"?


    ☠ Imkerliche Varroazucht oder Nicht-Varroazucht, das ist vll. die Frage?

    Aloha ❀ Markus F.

    ✦ Liebe deine Bienen wie dich selbst - Liebe ist Verantwortung eines Ichs für ein Du, hierin besteht, was in keinem Gefühl bestehen kann, die Gleichheit aller Liebenden.

  • Natürlich sind Varroamilben keine Klone, durch Crossing Over wird es auch dort genetische Varianzen geben. Bei mehrfachparasitierung wird es dann noch zu einer weiteren Genvariation kommen. Somit wäre eine genetische Heterogänität der Milben, auch Lokal nicht unwahrscheinlich. Vielleicht gibt es die aber auch gar nicht, da durch Belegstellenbeschickung und Wanderimkerei auch Varroagene verbreitet werden.

    Die Frage ist vielmehr: Wie relevant ist das bezüglich VSH/SMR?


    Ich denke das lässt sich aufgrund der vielen Bedingungen (Temperaturen, Feuchtigkeit, etc.) die auf Milben und Bienen wirken nicht ausmachen.

  • Aus meiner langjährigen Erfahrung mit unbehandelten Bienenvölkern, würde ich eher sagen, dass wir die Milbe mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften, nicht beachten müssen.


    Auch nicht in dem Zusammenhang, dass die Milbe als überträger von Viren in Frage kommt.


    Lg Sulz.

  • freyflug: Die Dissertation von Dr. Verena Schneider


    https://edoc.ub.uni-muenchen.de/12025/


    hat andere Ergebnisse erbracht als die von Dir vermuteten Thesen (bspw. Zitate von S. 56 + 60):


    "Es wurde unter den gesammelten Proben weder der Japan-Biotyp, noch eine andere Milbe der Gattung Varroa gefunden. Dieses Ergebnis entspricht den Untersuchungen von Anderson und Trueman (2000), die bereits in anderen europäischen Ländern Analysen mit ähnlichen Untersuchungsansätzen (vgl. auch Anderson, 2000) durchgeführt haben. Anhand der Ergebnisse aus bekannter Literatur (Anderson 2000, Anderson und Trueman 2000, Solignac 2005), lag nahe, dass es in Europa nur einen Biotyp gibt, und dass dieser der Korea-Biotyp ist."


    "...kann nicht ausgesagt werden, dass es unterschiedliche Migrationswege der Milbe nach Deutschland gab. Vielmehr wird die Meinung erhärtet, dass aufgrund der homogenen, genetisch identischen Gruppe die Milbenpopulation in Deutschland einen gemeinsamen Ursprung hat. Andererseits kann damit belegt werden, dass der Wirtswechsel eindeutig vor der Besiedelung Deutschlands stattgefunden hat, was auch der Literatur entnehmbar ist (De Jong 1982, Donzé 1996, Oldroyd 1999)."

  • Richtig und hier wird auch von Wegen über den Bereich Imkern in Garnisonen der russischen Armee im Osten von Deutschland gesprochen verbunden mit Transfer von Bienenmaterial aus Russland.


    Hat dort rein zufällig jemand Informationen über den Ablauf der Verbreitung der Varroamilbe in Russland?

    Es geht jetzt nicht um ein Fingerzeigen, sondern ehr um die sachliche Bewertung der Vorgänge.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Auch nicht in dem Zusammenhang, dass die Milbe als überträger von Viren in Frage kommt.


    Lg Sulz.

    Hallo Sulz!


    Laut Wissenschaft heißt es aber:

    "Über den Nahrungsweg muss die Biene zig Millionen Viren aufnehmen damit ein Schaden entsteht. Über den Biß/Stich reichen sehr viel weniger Viren."

    Das trifft natürlich besonders bei der Parasitierung der Brut zu.

    Es kann natürlich bei dir sein, dass du recht wenig Viren in den Völkern hast. Es gibt ja auch DWV-A und DWV-B mit sehr unterschiedlicher Schadwirkung.


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."

  • Kennen wir überhaupt die für Varroatoleranz notwendigen x Eigenschaften der Biens? Oder gibt es bei der Annahme eines variablen Systems (variabel durch Quartier, Standort, Witterung, Tracht, Dynamik des Milbs, Drittorganismen, Pestizide, u.v.a.m.) keine dort überall gleichartige Anzahl notwendiger Eigenschaften im Jahresverlauf im Vergleich der Jahre untereinander, von Stand zu Stand sowie von Bien zu Bien? Schließlich ist jeder Bien ein Unikat!


    Die Behandler bemerken es daran, dass Milb und Bien sie immer häufiger und auf immer neue Art und Weise austricksen (wollen).


    Noch vielseitiger wird es dadurch, dass es in einer sich extrem schnell verändernden Umwelt nicht ausreicht, wenn die Biens die Faktoren lediglich nach üblichem Bedarf reproduzieren. Hier bedarf es auch ihrer stets erweiterten Reproduktion, da sie zuvor so (noch) nicht gefordert waren. Diese Annahme könnte u.a. auf gelegentlich überraschende Rückschläge bei als varroatolerant geltenden Beständen hinweisen, weil sie eben noch nicht allen diesen Anforderungen genügten.


    Eine zuverlässige Feststellung von Varroatoleranz ist derzeit nur die Überlebensfeststellung an Biens, die langfristig nicht behandelt wurden und nicht behandelt werden. Deren Überleben ist das Ergebnis der Wirksamkeit von Mechanismen, deren Bestandteile und Abläufe sich unserer Wahrnehmung weitgehend entziehen. Was überlebt hat, sieht man und es ergeben sich weder Anlass noch Verlockung etwas herbeizureden. Dabei ist es auch völlig gleichgültig, was Bien und Milb tun, wann sie es tun und wie sie es tun. Die Hauptsache ist, sie tun es und die Biens leben. Im anderen Falle sterben notwendigerweise beide!


    Erinnern wir uns noch an den wissenschftlichen Ausfresstest bei C- und P-Völkern und dabei an das, von dem wir noch nicht genug wissen: Die C-Völker waren den P-Vökern beim Ausfressen deutlich überlegen.

    Von den Testvölkern lebten im Frühjahr aber nur noch P's. Wie das?

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Laut Wissenschaft heißt es aber:

    "Über den Nahrungsweg muss die Biene zig Millionen Viren aufnehmen damit ein Schaden entsteht. Über den Biß/Stich reichen sehr viel weniger Viren."

    Das trifft natürlich besonders bei der Parasitierung der Brut zu.

    Es kann natürlich bei dir sein, dass du recht wenig Viren in den Völkern hast. Es gibt ja auch DWV-A und DWV-B mit sehr unterschiedlicher Schadwirkung.

    Nun, Wissenschaftler belegen auch, dass Neonics sogar bei sehr geringer Konzentration die Immunität der Bienen gegenüber Viren senken, indem deren Vermehrung deutlich steigt.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Wegen mir oder wegen der Wissenschaft?

    Wegen Dir.


    Denke einfach mal darüber nach, ob dein Wissen dazu ausreichend ist, einen Erfahrungsbericht zu einem Thema, über das du kaum eine Ahnung hast, in Frage zu stellen.


    Egal ob du dabei die Wissenschaft, oder deine "Natur-Ideologie" zu Rate ziehst.........Zumal mir, nicht nur die wissenschaftlichen Daten, sondern auch die "natürlichen Zusammenhänge"(z.B. Imunsystem der Honigbiene), zu diesem Thema sehr wohl bekannt sind.


    Lg Sulz.

  • Ich habe weder dein Wissen in Frage gestellt, noch eine fragwürdige Frage gestellt.

    Trotzdem, Danke für deine Ehrlichkeit.


    Rolf, der Anfänger

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."