Ausbildung Tierwirt Imkerei

  • Eigentlich ist die Völkerzahl nicht so ausschlaggebend, sondern der Gewinn pro Zeit.

    Und da gibt's einfach sehr unterschiedliche imkerliche Ansätze.

    Der Golz z.b. hat da ja viel drüber geschrieben, Stichwort wirtschaftliche Extensivbetriebsweise.

    Da gibt's spannende Konzepte.

    Umgekehrt gibt's Imker, die zwanzig Völker nebenher machen und meinen, dafür ihre gesamte Freizeit opfern zu müssen.

    Nur an der Völkerzahl kann man das nicht festmachen.

  • Wenn man zurück zur Ausgangssituation geht, kann es schon eine deutliche Verbesserung sein, wenn sie es bis zur Prüfungszulassung und dann auch durch die Prüfung schafft. Egal wie es danach weitergeht, sie hat dann einen Berufsabschluss in der Tasche. Damit stehen ihr auf dem zweiten Bildungsweg ggf. wiederum Türen offen, die je nach Schulabschluss vorher geschlossen waren.

    Selbst wenn es dann imkerlich bei Hobby, Aufstocken, Nebenerwerb, Anstellung oder Saisonjobs in Imkereien bleibt, sie hätte ihre Ausgangsbasis für die Zukunft, von der sie zumindest dem Nick nach noch viel vor sich hat, erheblich verbessert. Und immer eine Möglichkeit zumindest ein wenig Geld zu verdienen.


    Insofern halte ich den Plan angesichts der geschilderten Ausgangslage für eine gute Idee.

    Dieser Plan setzt voraus, über mehrere Jahre eine große Zahl Völker allein(!) zu betreuen. Das kostet mindesten 30.000 eher 50.000 Euro und erfordert ein hohes Maß an Selbständigkeit und Können. Die Ausgangslage ist, dass Material geliehen werden soll und trotz mehreren Jahren Erfahrung soll nächstes Jahr immer noch nicht allein an den Bienen gearbeitet werden.

    Ich glaube, der bessere Einstieg in die berufliche Imkerei wäre, kostenlose Praktika zu machen und die Kollegen dabei mit Überstunden, ständiger Pünktlichkeit, Motivation und vor allem Können zu beeindrucken. Wenn das gut genug ist, bieten die dann von selbst eine Ausbildung an!

    Wenn es dafür nicht ganz reicht, kann man als Helfer zu arbeiten und dann nochmal versuchen, die Kollegen zu beeindrucken.

  • Ich bin seit zehn Jahren dafür zuständig Auszubildende in unserem Betrieb zu betreuen, beim lesen dieses Strangs hab ich mich gefragt wieviele von ihnen autodidaktisch die Examensprüfung bestanden hätten…


    Glaube das ist, vorsichtig ausgedrückt, ein ambitionierter Plan.


    Dabei lasse ich als Jungimker das Thema der Finanzierung dieses Vorhabens mal außen vor.


    Ich denke unter den gegebenen Voraussetzungen, wäre der reguläre Weg über einen passenden Ausbildungsbetrieb vielleicht zielführender.


    Wünsche, auf alle Fälle, viel Erfolg bei der Umsetzung😀

  • Moin,

    ein nicht unerheblicher Anteil an der ganzen Geschichte ist die Selbstständigkeit, was rase auch angesprochen hat. Das ist dann der Zeitpunkt, ab dem man selber für sich, sein Tun und dann auch für die Bienen verantwortlich ist.

    Das kostet Zeit und Nerven! Und Geld, wenn man es nicht schafft, aus seinem Tun auch Gewinne zu erwirtschaften.

    Da ist es dann auch egal, ob man 5, 50 oder 150 Völker hat;-)

    Es gibt Leute, die haben Bock auf Selbstständigkeit, bzw. können nicht ohne.

    Ich hab die Selbstständigkeit immer als Belastung empfunden. Jetzt bin ich Angestellter und kann mich in meiner Freizeit in aller Ruhe meinen Bienen widmen;-)

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Ich denke, daß der gemeine Imker immer die Tendenz zur Selbstständigkeit hat, viele machen es eben deswegen. Sie haben neben dem Beruf 7 Völker und spielen in ihrer Freizeit Imkerprofi. Sie entscheiden alles selbst und lassen sich nicht reinreden. Das schöne bei diesem AR-Spiel ist doch, daß die ganzen wirtschaftlichen Zwänge und Probleme wegfallen weil ja noch eine geregelte Arbeit da ist. Vom Weihnachtsgeld wird eine Mutantenschleuder angeschafft, vom Urlaubsgeld einen Wachsschmelzer, der regelmäßig in Eneppetal die Lichter zum flackern bringt. Solange der Partner das mitmacht ist alles gut.

    Ich bewundere die Leute, die es schaffen auf dem zweiten Bildungsweg evtl. zeitgleich mit einer Anstellung oder Familie z.B. das Abitur nachzuholen, ein Studium oder gar eine Berufsausbildung. Hochachtung, weil, mir erschließt sich nicht, wie das jemand schaffen kann, für mich wäre das nicht denkbar. Allerdings vermute ich auch, daß dies nur ein Notfallplan sein kann, wenn der übliche Weg irgendwie nicht geht. Allerdings, wenn der einfache Weg nicht geht, frage ich mich natürlich, ob der schwierige Weg dann wirklich der richtige ist oder nur das, was theoretisch möglich wäre.

    Wenn jemand jedenfalls über mehrere Jahre 50 Völker bearbeitet, dann ist er Profiimker, vollkommen egal, ob er oder sie noch eine Prüfung ablegt, und es sich zuhause neben das Jodeldiplom hängt.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Abschlüsse, Diplome egal welcher Art habe nie Bedeutung für einen selbst, außer man steht auf Lametta. ( sich mit allerlei Orden/Dienstgraden schmücken)

    Sie sind dann wichtig, wenn man Fremden unter welchen Bedingungen auch immer etwas nachweisen muss, oder wenn man sich in der Außendarstellung anderen gegenüber abheben will.

    So lange man von niemanden etwas will, ist das wurscht.

    Da wir in der Regel keine Einsiedler und Selbstversorger sind, müssen wir zwangsläufig mit anderen interagieren, wo sich fremde Fragen, kann ders überhaupt?


    Da helfen vorzeigbare Abschlüsse/Scheine schon mal Hürden leichter zu überspringen, die man erst sonst mit seinen Fähig- und Fertigkeiten nachweisen muss.

    Oder man bekommt nicht mal die Change dafür seine Fachkunde zu beweisen.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Abschlüsse, Diplome egal welcher Art habe nie Bedeutung für einen selbst, außer man steht auf Lametta. ( sich mit allerlei Orden/Dienstgraden schmücken)

    Das mit dem "nie" stimmt nicht. Wenn man etwas lernt, merkt man oft nicht, wie gut man es verstanden hat. In der Imkerei sagen einem die Bienen, was man wie gut kann, aber in anderen Bereichen hat man so ein direktes Feedback nicht immer. Und nicht jeder Anfänger versteht, was die Bienen ihm sagen. Man weiß also oft gar nicht, wo man steht.

    Wenn man dann Lehrer hat, auf deren Meinung man Wert legt, und die teilen einem mit, dass man etwas erreicht hat, dann weiß man, dass man etwas erreicht hat. Vorher schwamm man nur so vor sich hin und hoffte, dass man das Richtige tut. Danach weiß man, dass man die letzten Jahre gut gelernt hat und jetzt etwas kann. Dann weiß man etwas über sich und das hat eine Bedeutung für einen selbst. Dabei geht es nicht um das Zeichen, nicht um das Lametta, sondern um das, worauf es hinweist.


    Aber das ist ja nur ein Ausnahmefall, für einen Schüler, der sein eigenes Können nicht einschätzen kann und noch keine Gelegenheit hatte es unter Beweis zu stellen. Für alle anderen Belange hast du natürlich Recht, Bernd. Mein original Diplom hat übrigens nie jemand gesehen :D Ich hatte meinen ersten Job, bevor es ausgestellt war und bei den folgenden habe ich immer nur Kopien verschickt :D Und bei der Imkerei hat es bisher immer gereicht eins meiner Honiggläser auf den Tisch zu stellen, vielleicht noch mit einem Messer und geschnittenem Baguette.

  • Ja klar, das meinte ich damit nicht direkt.

    Das man sich Wissen aneignen muss, ist vollkommen klar. Fertigkeiten kann man auch nicht vom Baum flücken, da muss man üben üben üben.

    Aber man braucht dafür nicht unbedingt irgend einen Abschluß für sich und sein Seelenheil.

    Ein Lehrer / Vorturner ist immer gut und jemand der die Qualität und Quantität der Arbeit als Gradmesser für die eigene Reife messen kann ist noch besser.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Ich kann nur folgendes Beispiel aus eigener Erfahrung berichten:


    Ich habe in der Vergangenheit viel Brennholz (tlw. pro Jahr 40m³) gemacht. Angefangen vom fällen, über das aufarbeiten bis hin zum spalten und sägen.


    Mein Cousin, welcher schon einen Lehrgang gemacht hat, hat mir viel gezeigt.


    Ich musste dann einen Lehrgang machen, um im städtischen Wald auch Holz aufarbeiten zu dürfen.


    Im Rahmen des Lehrgangs habe ich noch so viele wertvolle und gute Kniffe gezeigt bekommen, dass es sich definitiv gelohnt hat!


    Was ich damit sagen will ist: Man lernt nie aus und (solange der Lehrgang nicht völlige Grütze ist) kann man meistens noch etwas mitnehmen und hat den ein oder anderen Aha-Effekt. Und wenn es nur der Blick über den Tellerrand ist, mal Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.


    Und das macht auch das Forum für mich so wichtig und relevant.


    Ergo: Ich würde den Abschluss machen, wenn ich es (Teil-)beruflich machen wollte!

  • So sehe ich das auch. Wobei der Titel an sich tatsächlich nicht das wichtigste ist. Der Titel ist dann von Belang, wenn man tatsächlich noch viel vor hat und die testierte Vorbildung Voraussetzung ist, um Zugang zu weiterführenden Schulen und Studiengängen zu haben.

    Auch rein das lernen des Stoffes ist nicht das Essentielle, das sind die Basics.

    Wo man unterscheiden muss ist, dass Erwachsenenbildung sich grundsätzlich von der

    Pflichtschule abhebt. Eine Klasse voll von Schülern, die das was gelehrt wird, auch lernen wollen.

    Eine Klasse voll von Schülern, die den Referenten da vorne bezahlen und im Idealfall am Ende des Kurses bewerten, ob er diesen Job auch richtig gut gemacht hat.

    Die in der Regel alle auch schon Vorerfahrungen haben. Erst dann im Austausch zwischen Lehrer, Mitschüler und eigener Praxis zündet der Bildungsturbo richtig. Von den Erfahrungen von vielen anderen im angeleiteten Schulgespräch profitieren. Angereichert um den Diskurs mit dem Referenten und der von diesem rübergebrachten Fachmeinung. Nicht zu vergessen, die Lenkung und Schlichtung des Referenten, damit der Unterricht nicht im kreativen Chaos versinkt.

    Was auch noch wirklich wichtig ist, das sind die Kontakte die man da knüpft. Das sind Helfer im Leben die einfach unbezahlbar sind. In der Imkerei sind das Bundesweit verteilte Gleichgesinnte, die vom Entwicklungsstand, dem des eigenen Betriebes zumindest potentiell gleichauf sind.

    Dagegen ist dann das reine Diplom an der Wand tatsächlich eher als Lametta einzustufen. Was die letzten 2 Jahre gefehlt hat ist natürlich der Unterricht in Präsenz, da sich die genannten synergetischen Effekte, bei einer Onlineschulung bei weitem nicht so entfalten können. Ich wünsche viel Erfolg!


    Grüße

    Peter

  • Es geht doch garnicht um Lehrgang und Ausbildung.

    Angedacht ist zeitlich gestrecktes autodidaktisches Lernen mit abchließender Facharbeiterprüfung.

    Außerdem scheint die Antwort für die Fragestellerin eh nicht mehr von Belang zu sein.

  • Laut meiner Erfahrung kann man eine niedrige dreistellige Völkerzahl im Nebenerwerb bewirtschaften. Es braucht natürlich Idealismus und einen stabile Beziehung dahinter. Dazu viel Material und Technik damit das schnell geht. Außerdem kann mit nicht ständig was neues ausprobieren sondern muss einen Plan haben wenn man den Hänger belädt.

    Den Tierwirt Imkerei strebe ich an weil im Vorbereitungskurs 3 Wochen Vollzeit über Bienen geredet wird und ich das geil finde.

    Obwohl sich bei mir die Bienenbücher stapeln habe ich nicht das Gefühl Alles oder auch nur Ausreichend zu Wissen. Jedes Jahr überrascht mit die Situation aufs neue.

    Die Erwartungshaltung für die Fortbildung ist dass die Lücken zwischen meinen Wissensinseln geschlossen werden. Die Prüfung würde ich natürlich auch gerne bestehen.




    Gruß Max

    Die Natur muss gefühlt werden.

    (Alexander von Humboldt)