Kalkulation Honigpreis

  • Erzählt doch mal vom Aufwand:


    Völker über den Winter bringen, Winter- und Vorbereitungsarbeiten, Pflege, Schulungen, Weiterbildung , Fürsorge, Zeitaufwand...

    Nicht zu vergessen Rücken, Gerätschaften, Einkauf, Fahrtkosten, das Risiko einer Missernte etc. - vielleicht gibt es da schon eine kleine Broschüre, in der solche Sachen zusammengetragen sind, das habe ich noch nicht recherchiert - oder wir könnten so ein kleines Faltblättchen erstellen, auf dem diese Punkte aufgeführt sind. Wäre dann in einem anderen Thread, hier geht es ja erstmal um den Selbstkostenpreis, den man sich anhand verschiedener Tools überlegen kann.


    Eine weitere einfache Herangehensweise, die ich gut finde und die woanders schon genannt war, finde ich wenn man einfach eine Imker-Barkasse übers Jahr führt mit einem bestimmten Startbestand (z.B. 100 Euro/Volk) und dann am Ende des Jahres den Endbestand zählt und übers Jahr konsequent alle (!) Kosten der Imkerei davon abzieht. Dann kann man ohne rechnen den tatsächlichen Aufwand schnell herausbekommen und somit einen Mindestpreis bestimmen. Einmalanschaffungen wie eine neue Schleuder würde ich dann allerdings nur mit dem linearen Abschreibungsbetrag fürs erste Jahr berechnen und nicht mit der vollen Summe, sonst ist die Schatulle zu schnell leer ;-). Das war jetzt auch nix Neues, aber das meiste zum Thema Preisfindung wurde auch an anderer Stelle schon gesagt, da lohnt sich die Suchfunktion.


    Schöne Grüße - Matthias

    "Wenn du es eilig hast, gehe langsam". Lothar M. Seiwert

  • Ich lege den VK-Preis an meine Wiederverkäufer auch fest, um den Marktwert für Honige mit "meinem Etikett" auf ein entsprechendes Niveau zu halten. Meine Honige kosten überall den gleichen Preis. Egal ob bei mir an der Haustüre oder sonst wo.

    Habe ich auch schon drüber nachgedacht, bin mir für die Preiskalkulation aber noch nicht schlüssig wie der Gewinn des Wiederverkäufers bemessen sein sollte und ob er damit glücklich ist, nimmst du 1/3 an? So dass bei Endpreis 8 Euro z.B. du für 6,02 Euro inklusive 10,7% MwSt verkaufst und der Wiederverkäufer entsprechend 5,43 netto zahlt? Nur mal als Hausnummer...


    Schöne Grüße - Matthias

    "Wenn du es eilig hast, gehe langsam". Lothar M. Seiwert

  • Schockierend wird es ja auch erst, wenn ich ein beliebiges Kalkulationsmodell nehme und das auf die Imker in unserem Verein anwende,die schon länger imkern. Die haben dann bei 4 €/500g Glas plötzlich ein Einkommen über dem Mindestlohn und nehmen trotzdem mehr.

    Was ich aus der Diskussion noch mitnehme ist, dass man bei Honig nicht über den Preis gewinnen kann, aber trotzdem der viel zu niedrige Preis der anderen Imker immer ein Reizthema ist.

  • Stylex
    Ich verkaufe mit 20% Rabatt an Wiederverkäufer und weise auf Wunsch 10,7% zusätzlich aus, die der gewerbliche Wiederverkäufer ggf. als Vorsteuerabzug beim FA geltend machen kann.
    Es steht dem Wiederverkäufer aber auch frei, mehr als den Mindestverkaufspreis zu nehmen.
    Da ich als Stadtimker viel in Kleingartenanlagen unterwegs bin, geht ein beachtlicher Teil meines Honigs über die Gartenvereine an den Endkunden. Da bleiben für den Gartenverein die Marge von 20%.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Danke Cuximker für Deine Erfahrungen! Ist immer schwer finde ich, da den richtigen Einstieg zu finden.


    Was in der Ausgangsbeitrag-Tabelle weiter noch fehlt, sind Kapitalbeschaffungskosten, es wurden nur die Jahres-Kosten berechnet. Ein Kredit möchte ja auch (von den Imkerei-Einnahmen) zurückgezahlt werden.


    Schöne Grüße - Matthias

    "Wenn du es eilig hast, gehe langsam". Lothar M. Seiwert

  • Das attraktive am langsam Wachsen ist ja auch, daß man evtl. auf einen Kredit verzichten kann. Wobei, zur Zeit sind die Zinsen ja sehr günstig. Trotzdem hängt an einem Kredit meist noch mehr dran. Richtig durchgezogen finanzierst Du dann das Leben der Bänker, der Berater, der Versicherer, den Vertrieb, den sozial Networker, den Netzwerkadministratoren, den Tankwart, das Autohaus, das Finanzamt, den Steuerberater und die Mitarbeiter sowieso.

    Viel Spaß beim Nachrechnen am Ende der Saison und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Das attraktive am langsam Wachsen ist ja auch, daß man evtl. auf einen Kredit verzichten kann. Wobei, zur Zeit sind die Zinsen ja sehr günstig. Trotzdem hängt an einem Kredit meist noch mehr dran. Richtig durchgezogen finanzierst Du dann das Leben der Bänker, der Berater, der Versicherer, den Vertrieb, den sozial Networker, den Netzwerkadministratoren, den Tankwart, das Autohaus, das Finanzamt, den Steuerberater und die Mitarbeiter sowieso.

    Viel Spaß beim Nachrechnen am Ende der Saison und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Und den Architekten ;)


    Für 5 % bekommt man zur Zeit angeblich für alles einen Kredit. Da kann man sagen "Gut, dann gebe ich eben 5 % an die Bank ab, ist ja nicht so viel." Wenn man dafür zum Beispiel ein Legoset für 100 Euro kauft und man verkauft es nach Abzug aller Kosten mit 10 % Gewinn, hat man 10 Euro mehr. Davon muss man dann 5 € an die Bank abgeben. Man gibt in diesem Fall also nicht 5 % von irgendwas ab, sondern die Hälfte vom Gewinn!

  • Das mit den Zinsen ändert sich auch wieder. Und dann folgt eine schlechte Saison auf ein schlechtes Jahr und plötzlich steht der ganze schöne Edelstahl im Imkermarkt. Bestenfalls isser schon abbezahlt.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich lege den VK-Preis an meine Wiederverkäufer auch fest, um den Marktwert für Honige mit "meinem Etikett" auf ein entsprechendes Niveau zu halten. Meine Honige kosten überall den gleichen Preis. Egal ob bei mir an der Haustüre oder sonst wo.

    Habe ich auch schon drüber nachgedacht, bin mir für die Preiskalkulation aber noch nicht schlüssig wie der Gewinn des Wiederverkäufers bemessen sein sollte und ob er damit glücklich ist, nimmst du 1/3 an? So dass bei Endpreis 8 Euro z.B. du für 6,02 Euro inklusive 10,7% MwSt verkaufst und der Wiederverkäufer entsprechend 5,43 netto zahlt? Nur mal als Hausnummer...


    Schöne Grüße - Matthias

    Honig als Dauerlebensmittel mit niedrigem turn over und d.h. teurem Regalkosten solltest du bei etwa 30% Marge ansiedeln.

  • Es geht bei meiner akuten Kreditalergie nicht um einen Kredit von 100 €. Das ist kein Kredit, das ist vorgezogenes Taschengeld. Bei einem richtigen Kredit will die Bank meist eine Absicherung oder noch gleich eine Lebensversicherung mitverkaufen. Dann will die Bank ein Konzept sehen und den Nachweis, daß das funzt vom Steuerberater. Das meine ich damit und das bedeutet eben Kosten für den Architekten natürlich ( was sich wirklich lohnt, hihi ), aber eben auch für den Steuerberater, Versicherer usw. Hab ich alles schon geschrieben, nur das Wichtigste, den Architekten hatte ich vergessen.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang, do ist with an Architekt

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Es geht bei meiner akuten Kreditalergie nicht um einen Kredit von 100 €. Das ist kein Kredit, das ist vorgezogenes Taschengeld.

    Ach Wolfgang, das war doch nur ein Beispiel, damit Leute mit einem Hochschul-Künstler-Abschluss wie du auch mitrechnen können 😘

    Ich wollte damit nur zeigen, dass zu den ganzen vielen Nebenkosten, die du freundlicherweise aufgelistet hast, die Zinsen am Ende vom Gewinn abgehen und dann leicht mal dafür sorgen können, dass man die Hälfte von allem was man erwirtschaftet hat, an die Bank abgeben muss.

    Für eine Imkerei mag man vielleicht einen günstigeren Kredit als 5 % bekommen, aber vielleicht sind da auch die Margen am Ende geringer und dann kommt man auf grob das selbe raus. Und wenn man nicht die Hälfte an die Bank abgibt sondern „nur“ 40 % ist dann auch nicht wichtig, ich glaube es ist in jedem Fall enorm viel, wenn man so ein Unterfangen voll finanziert. Und das schon in guten oder normalen Jahren.

    Daher kann ich deine Kreditallergie verstehen und möchte sie bekräftigen.

  • Ich kann diese Kreditallergie überhaupt nicht verstehen, denn wenn ich mein sauer verdientes Geld irgend einem Überlebenskünstler und unterkapitalisierten Imkerlehrling an die Hand gebe, möchte ich auch Sicherheiten.

    Heh und wenn der nicht in der Lage ist, einen ordentlichen Betriebsgewinn zu erwirtschaften, sollte ich vielleicht überlegen, ob ich das Geld nicht jemand mit einem ordentlichen ROI verleihen sollte.

    Warum sollte ich mir da als Geldgeber Gedanken machen ober das für ihn 50 oder 40% Abgaben vom Wohlverdienten bedeutet, außer das mit dem Geschäft wohl etwas nicht stimmt.


    Bitte einmal auch für andere Gewerke auf dem Teppich bleiben und überlegen, wem oder was du Geld verleihen würdest.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Aber ja, mein Bänker, alles klar, ich meinte nur, daß ein größerer Kredit immer Unkosten nach sich zieht, die man sich beim langsam Wachsen ersparen kann. Gleichzeitig, und das ist auch gut, kann man lernen und einige Teile sind schon als Hobby abgeschrieben bevor man Profi wird.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang, dessen Hyperhausbank für den Hausbaukredit eigentlich die gleiche Summe auf einem von ihnen kontrollierten Konto und zwei Lebensversicherungen plus einen Bürgen wollten

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.