Kalkulation Honigpreis

  • so dass der Kunde versteht, was alles an Handwerkskunst hinter dem Produkt Honig steht.

    ich stimme dir völlig zu - traue mich aber definitiv (noch?) nicht, das, was ich da hinter den Beuten veranstalte als Kunst zu bezeichnen ^^

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."

  • Schreib doch mal den Monatsverdienst der Käufer dieser Honige dazu.

    Offen gesagt ist mir der relativ (Durschnitt lt google: De 3.000€, München 4.400€ Berlin 3.100€) . Die Besserverdiener gibt's aber überall. Mal mehr, mal weniger...

    Wenn du regionalen Honig aus Handwerklicher Produktion für Geringverdiener produzieren willst, machst du das aus inneren Beweggründen.

    Ich schaue wo ist mein Produkt im bestehenden Markt. Ich schaue mir meine Kosten an. Ich schaue mir die Marktpreise an.

    Kosten geben einen Mindestpreis. Am Markt kann ich kontrollieren, ob ich da rein passe.

    Wenn ich Hobby mache, kann ich mich auch bei Unterdeckung am Markt orientieren. Dann aber nach oben und nicht nach unten. Wenn ich davon leben will oder muss, muss ich was ändern, oder die Imkerei wieder auf das Hobby reduzieren.

  • Die Vermarktung ist jedoch ebenfalls gleichwertig zu setzen. Wird aber leider sträflich vernachlässigt. Mit dem Ergebnis eines nicht erreichten Deckungsbeitrages. Es reicht meiner Meinung nach nicht. Per Exceltabellen die Selbstkosten pro Kg Honig dem Imker zu zeigen, sondern viele Imker müssen an die Hand genommen werden um Ihren Honig entsprechend „Preis Wert“ dar zu stellen. Wodurch auch immer! Da sind der Kreativität des Imkers wohl keine Grenzen gesetzt.

    Erst muss der Imker mal in der Lage zu sein, seinen persönlichen Deckungsbeitrag zu ermitteln, dabei hilft die verlinkte Excel Tabelle schon mal sehr, wenn man sich keine eigenen Tools basteln will. Vielleicht kommt dem Ein- oder anderen dann mal der Gedanke, sein aufgerufener Preis ist zu niedrig.

    Vermarktung liegt in der Verantwortung des Einzelnen und schlau machen kann man sich übers Netz genauso leicht. Der Kreativität des Imkers sind keine Grenzen gesetzt, da hat du recht. Schulungen würden dazu führen, das 99 v. 100 Imkern mit den gleichen vermittelten Marketinginstrumenten losrennen. Stelle ich mir lustig vor.


    so dass der Kunde versteht, was alles an Handwerkskunst hinter dem Produkt Honig steht.

    ich stimme dir völlig zu - traue mich aber definitiv (noch?) nicht, das, was ich da hinter den Beuten veranstalte als Kunst zu bezeichnen ^^

    Da fängt es an, der Kunde will keine Realitäten hören, sondern Geschichten. Natürlich ist es Handwerkskunst, egal wie dilettantisch man sich selber vorkommt. Fliegende Honigeimer interessieren sowieso nur die Community. ;)

  • Das Thema wird sich m.E. wahrscheinlich in ein paar Jahren eh erledigen. Bei uns im Kreis haben sie angedeutet, dass für das kommende Jahr geplant ist, dass jeder (noch so kleine) Imker Besuch vom Gesundheitsamt bekommen soll.


    Und dank der steten Verschärfung wird dann wahrscheinlich getreu dem Motto "Honig = Hackfleisch" die Messlatte der sonst üblichen produzierenden Lebensmittelbetriebe Stück für Stück angeglichen.


    Dann wäre es nur noch ein kleiner Schritt zur Vorschrift, dass eigene Räumlichkeiten zur Verfügung stehen müssen, mit eigenem WC, Wasseranschluss, Abwasser, Strom, Wände gekachelt bis 1,40m Höhe, usw. usf. (muss ja eh schon das meiste, wenn man erstmal aus der Küche raus ist) - die Kosten werden explodieren, wenn es soweit ist, dann werden sicher viele ihre Preispolitik überdenken.


    Mich graust es, wenn es soweit kommen würde, aber wann wurde jemals eine gängelnde Vorschrift wieder zurückgenommen, wann Gebühren oder Steuern wieder gesenkt, wann Kontrollen reduziert? Noch wird das alles im Vergleich recht locker gehandhabt, aber ob das so bleibt...


    Dazu die Preisexplosion bei den Imkereibedarfshändlern, den Wachspreisen, dem Edelstahl, Energiekosten usw.


    Vielleicht kommt aber auch alles anders. Wir werden es erleben.


    Über den Preis, um zum Ausgangsthema zurückzukommen, konnten wir jedenfalls noch nie mit dem Honig aus anderen Ländern konkurrieren, und das ist auch überhaupt nicht schlimm, weil das würde langfristig nur auf Margen im Centbereich hinauslaufen, wenn sich jeder immer unterbietet. Über den Preis zu gehen, ist das hinterletzte Argument für den Käufer, ein Produkt zu kaufen (nämlich dann, wenn ich als Verkäufer sonst nix kann, außer billig).


    Es bleiben Regionalität, Qualität oder andere "besondere Merkmale". Und hier gibt es die letzten Jahre einen für uns Imker sehr vorteilhaften Trend.


    Jetzt muss ich nur noch meinen Vertrieb aufbauen, Werbung machen, Kontakte knüpfen, mich mit social media befassen und was sonst noch so anliegt...


    Schöne Grüße - Matthias

    "Wenn du es eilig hast, gehe langsam". Lothar M. Seiwert

  • den Monatsverdienst der Käufer dieser Honige

    nicht den Durchschnitt der Einwohner.

    Dann schau mal, wie viele solcher Käufer du in deinem Umkreis erreichen kannst und auf wie viele Verkäufer die sich dann wohl aufteilen mögen.

    Das die Auswahl der Städte schon sehr einseitig ist, könnte man ja auch mal berücksichtigen.


    Das ist mindestens so ernüchternd, wie die eigene Kostenaufstellung.

  • Nein, der Hobbyimker muß garnichts, jedenfalls nicht mit Hilfe von Exeltabellen oder selbst gebastelten Tools irgendwelche Preise berechnen. Und da sprechen wir von Gut über 90% aller Imker, solange sie sich noch so nennen dürfen. Für die Leute hier im Forum, die sich das nicht vorstellen können, es gibt auch andere Berechnungsmethoden.

    Und ja, die Regionen und die dort üblichen Preise sind bisweilen sehr unterschiedlich.

    So kannte ich mal einen jungen Mann, der mir erklärt hat, daß sein finanzielles Gebaren in Punkto eines erweiterten Hobbys nur dazu dienen muß, die Unkosten für seinen VW-Bus einzubringen. So rechnet der Hobbyimker.

    Ich war heute wieder mal bei einem Imker in meiner Heimat, der acht seiner Völker im Sommer zur Lavendelblühte nach Südfrankreich karrt um Lavendelhonig zu ernten. Nach der Blühte holt er sie wieder ab. Für diesen Honig hat er einen festen Käufer zu einem ordentlichen Preis und das wiederum finanziert seine zwei Südfrankreichausflüge, gut iss.

    So rechnet der Hobbyimker.

    Ein anderer denkt sich, die Einnahmen einer geringfügigen Beschäftigung zum Mindestlohn reichen ihm ein Anderer fragt sich, was er bereit ist zu tun, wie weit sein Engagement reicht um vermeiden zu können, sich über Jahre in einem Sche….Job die Knochen kaputt zu machen. Ich erwähne da nur mal rollende Schichten, Nachtschichten, drei von vier Wochenenden arbeiten und zu den Schulferien kein Urlaub. Das alles zum Mindestlohn bei mehr als 50 km Anfahrt und eine halbe Stunde zum Einrichten des Arbeitsplatzes jeden Tag. So rechnet auch manch Einer.

    Preise kalkulieren ist ein Riesenspaß für so manch Einen, die allermeisten Hobbyimker rechnen anders oder garnicht.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Mich stört nicht der gute Preis, mich stört, das man sich laut hornet auf Maximum fixieren soll, 'weil das alle anderen auch machen'. Ich finde das bei 'allen anderen' auch total ätzend. Dann muß ich das ganz sicher nicht selber so machen. Natürlich kommt man mit viel Ellenbogen schneller voran. Und? Will man das das? Ich will einen guten Preis, den hab ich für mich gefunden. Wird jetzt sogar wieder erhöht. Aber es ist für mich halt auch Luxus, es mir leisten zu können, nicht gierig zu sein.

    Geht es hier um den Preis? Oder um persönliche Animositäten?

    Denn das was dem guten Hornet da alles vorgeworfen wird, kann ich beim besten Willen nicht rauslesen aus dem geschriebenen. Ab und an könnte man schon versuchen die Intension aus dem Geschriebenen herauszulesen. Ohne Zuspitzung klappt es mit dem Verständnis besser.

    Mal abgesehen davon, ich lebe von meiner Arbeit als Imker und Handwerker. Beides Bereiche in denen man viel Verantwortung trägt und nicht wirklich wie die Raupe nimmersatt entlohnt wird.

    Ohne Neiddebatten befördern zu wollen, aber ich sehe schon ab und an Leute, die buchstäblich ein Schweinegeld verdienen. Wenn es da der eine oder andere Imker schafft da einen minimalen Teil davon für sich zu ergattern, nur zu.

    Die berühmte Oma oder Familie die sich dann keinen Honig mehr leisten kann, findet ganz sicher noch genügend Imker die gerne ihre Arbeitskraft (fast) kostenlos zur Verfügung stellen.

    8 € das Pfund Honig geht bei uns auch noch nicht, aber ich werde in Zukunft auch in diese Richtung denken, denken müssen. Die Kosten laufen davon und der Erlös verharrt.

    8 € haben auch nichts mit Ellenbogen zu tun. Sie stellen ein Angebot dar. Wer es sich leisten kann und leisten will nimmt es an. Die anderen lassen es.

  • Immer wieder dieses "Klein machen" beim Honigpreis. Völlig unverständlich ist mir die Haltung "ist ja nur Hobby und Imkerlinge machen sowieso an den Bienen rum".

    Bauern, Bäcker, Metzger verdienen an unserem Hunger; Ärzte, Therapeuten und die gesamte böse Pharmabranche an unseren Krankheiten usw.


    Und der blinde Nachbarimker, der seinen Honig verschleudert...


    Mittelmaß finden in einem derzeit bewegten Marktumfeld (Lebensmittelherstellung und -vermarktung) ist sicher völlig o.k. Dafür muss ich mich nicht entschuldigen sondern darf stolz darauf sein, dass mein Honig ausschließlich regional gesammelt und verarbeitet wurde, dass er die bestmögliche Qualität hat, dass nix dazugesetzt und nix rausgenommen wurde, dass die Bienen als Sammlerinnen ordentlich behandelt und versorgt wurden und einen wesentlichen Bestäubungsdienst in der Region geleistet haben, dass als Abfall lediglich Nymphenhäutchen, ein kompostierbares Eiweiß, angefallen ist und ansonsten alles in den Kreislauf ging und dass dies alles mit meiner Hände Arbeit und meiner Zeit geschaffen wurde. Das passiert bei uns allen so oder ähnlich und wir trauen uns kaum, dem aktuell allgegenwärtigen Trend zu folgen (Gemüse und Obst verteuern sich um 10 bis 30 %!) ?


    Wir Imkerlinge sind schon sonderbar...

  • Die Kosten laufen davon und der Erlös verharrt.

    nd wir trauen uns kaum, dem aktuell allgegenwärtigen Trend zu folgen

    Nur so zur Info für die, die es womöglich noch nicht bemerkt haben. Allein der Preis für Neugläser ist bei mir und ganz sicher auch bei euch seit meinem letzten Kauf vor 1 Jahr um sage und schreibe 20% angestiegen! Bei den Edelstahlprodukten traue ich mich noch gar nicht hinzuschauen....beim Sprit geht das Wegschauen leider nicht, bei Strom und Gas dafür um so leichter, da man nur 1x im Jahr die Rechnung kriegt...ändert aber nix daran, dass am Jahresende bei gleichen Einnahmen deutlich weniger in der Kasse ist.


    Vor allem, wenn man keinen Job mit bequemen automatischen Lohneerhöhungen oder Gewerkschaften hat, die einem jedes Jahr mehr Geld in den Hintern nachblasen, ohne dass man deswegen irgendwie mehr leisten müsste.

  • Vor allem, wenn man keinen Job mit bequemen automatischen Lohneerhöhungen oder Gewerkschaften hat, die einem jedes Jahr mehr Geld in den Hintern nachblasen, ohne dass man deswegen irgendwie mehr leisten müsste

    Ja, wirklich schlimm. Wie sollen da Unternehmer nur überleben?

    Freilich spricht die Einkommensstatistik eine eigene Sprache und den Lohnerhöhungen stehen Produktivitätssteigerungen und die Inflation gegenüber. Ich hätte nicht gedacht, dass man volkswirtschaftliche Phänomene immer noch auf einem solchen Niveau diskutieren kann.

    Nebenbei bemerkt sind wir Imker/innen davon abhängig, dass sich die Menschen (auch die abhängig Beschäftigten) unseren Honig auch künftig leisten können.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)