Kalkulation Honigpreis

  • Hi Leute,


    wollte noch mal kurz auf die Preis-Diskussion für Honig von letztens eingehen. Bin der Rechenheini der Familie und fand es als Verkaufs-Neuling mal wichtig, den Gesamtüberblick von oben auf alle Dinge, die in der Imkerei Geld kosten, zu haben und auf den Honigpreis dann halbwegs gescheit umlegen zu können. Man vergisst so viel über die Zeit...was hat man alles im Imkereifachhandel gekauft...wie viel Zeit investiert man an den Völkern und in der Honigverarbeitung...das ganze Drumherum. Wie viel Zeit möchte ich davon auch entlohnt haben und wie viel ist Hobby. Es kommen so viele Dinge zusammen und man verliert schlichtweg den Überblick.


    Auf der Suche nach einer Kalkulationssoftware bin ich auf eine schöne Exceltabelle vom Bienenzuchtverein Kleinostheim gestoßen. Ich weiß nicht, ob die hier im Forum schon bekannt ist. Hier kann man mit der Änderung verschiedener Parameter mal ein Gefühl dafür bekommen, wie kostspielig die Imkerei ist., wie sich unterschiedliche Kosten und Völkerzahlen dann auf den Preis je Glas niederschlagen und was auch den Kunden und uns selbst unserer Honig wert sein sollte.


    Vielleicht kann der eine oder andere davon profitieren. :)


    Hier der Link zur Seite: Downloads – BZV Kleinostheim (imker-kleinostheim.de)


    Und auf "Preiskalkulation für Imker" herunterladen.


    Grüße und viel Spaß damit ;)

  • Ich finde, diese ganzen Kalkulationsansätze sind zwar ganz unterhaltsam und lehrrreich, um festzustellen, wie hoch die Kosten der Imkerei tatsächlich sind. Vor allem sind sie auch nützlich, um zu zeigen, dass die Kosten viel, viel höher sind als die allermeisten Leute zunächst annehmen.


    Aber rein um den eigenen Honigpreis festzulegen, sind sie eigentlich nicht notwendig. Denn im Bereich Honig sind wir in der günstigen Situation, dass zumindest bei "regionalem Honig vom Imker" ein starker Verkäufermarkt besteht. D.h. man kann einen sehr viel höheren Preis festsetzen, als er zur reinen Kostendeckung mindestens notwendig wäre.


    Man muss dazu noch nicht einmal die wahren eigenen Kosten kennen! Man kann sich stattdessen einfach immer an den teuersten 10-20% der heimischen Honige orientieren, die man in den "höherwertigen" Supermärkten (als Abgrenzung zu den Discountern) in seiner Region vorfindet. In meiner Gegend sind das regelmäßig 8-9 EUR/500g Glas, seit heuer wird vereinzelt auch schon darüber gehandelt. Ich wette, es werden in Deutschland nirgendwo weniger als 7 - 7,5 EUR sein, seit heuer mit steigender Tendenz (Inflation ist derzeit in aller Munde...).


    Dann bekommt man den Honig zu diesem oder sogar einem noch etwas höheren Preis locker an Endkunden los, denn die Supermärkte beweisen ja eindrücklich, dass in der jeweiligen Region größere Mengen Honig zu diesem Preis weggehen! Denn Honige, die nicht gut gehen, würden dort ansonsten konsequent aus dem Sortiment fliegen.


    Und meiner Erfahrung nach kaufen zwar manche der Leute nur deshalb im Supermarkt, weil sie zu faul sind, woanders zu suchen. Die erreicht man aber sowieso nicht als Direktkäufer. Aber sehr viele Leute kaufen oft nur deshalb in diesen Supermärkten, weil sie gar keinen Imker direkt kennen oder nicht wissen, wo man dessen Honig sonst noch bekommen könnte.


    Wüssten sie das, sind viele dieser Kunden freudig bereit, direkt beim Imker sogar noch etwas mehr zu bezahlen und freuen sich dann darüber, so sogar einen besonders authentischen Honig "direkt vom Imker" bekommen zu haben. Probiert es aus! Ihr müsst nicht alle diese Kunden für euch gewinnen, nur soviele, dass ihr euren Honig zu einem fairen Preis losbekommt.


    Nur größere Imker stoßen dann natürlich an Grenzen, allein wegen der Menge, aber die verkaufen sowieso immer mehr Anteil an Wiederverkäufer, nicht an Endkunden und haben daher sowieso eine ganz andere Kalkulation.


    Aber Kleinimker könnten in meinen Augen alle so verfahren wie oben beschrieben. Natürlich muss man sich dazu auch ein wenig umtun und auf Kundensuche gehen bzw. sich zeigen. Einfach daheim warten und hoffen, dass zufällig wer vorbekommt wird selten reichen, schon gleich gar nicht wenn man abgelegen wohnt.


    Mit weniger Völkern kann man auch glücklich imkern und das eventuell bestehende Absatzproblem verkleinern.

    Alternativ könnte man sich mit marktaffineren oder günstiger wohnenden Imkern zusammentun und denen den Honig anbieten. Win-Win-Win (man selbst, der Kollege und die Kunden dieses Kollegen, die tollen Honig aus dem XY-Wald bekommen können, den es im Supermarkt nicht gibt...


    Nur so als Anregung.

    Mindestens kostendeckende Preise sind jedenfalls absolut nicht notwendig, es geht viel, viel mehr auch ohne mühsame Kalkulation.

  • rase: sind es nicht sonst immer die Berufsimker, die nach höheren Preisen schreien? :/

    "Die Hobbyimker verschleudern ihren Honig und machen uns die Preise kaputt ;( "


    Grüße

    Roland

  • Nur so als Anregung.

    Mindestens kostendeckende Preise sind jedenfalls absolut nicht notwendig, es geht viel, viel mehr auch ohne mühsame Kalkulation.

    Möchte ich gerne sehen. - Aber bitte nicht schöngerechnet. ;)

    Übrigens, in der Excel-Kalkulation reichen für 10 WV nur ings. 10 Beuten, mit je nur 2 HR. Läuft.:thumbup: Dafür insg. 100 Std. Gesamtaufwand im Jahr für den Imker. Bester Mann.:thumbup: (Daher bitte nie wieder ein Wort von Überforderung, zu viel Arbeit, keine Zeit, und so.:D ... da gehen auch mehr als 100 WV für den rührigen Imker im Ruhestand.) Und so könnte man mit vielen Punkten weiter machen ... bestes reines Bienenwachs für 13,95 pro kg... etc. etc. ...


    Übrigens, anteilige Kosten für Imkerfahrzeug, Sprit, Strom, Heizung, und Raum für die Imkerei... geschenkt! Ist ja Hobby und so, weil eh da. (Je größer die Hobby-Imkerei, desto mehr Kohle darf dafür versenkt werden... oder schöngerechnet.)

    Man muss dazu noch nicht einmal die wahren eigenen Kosten kennen! Man kann sich stattdessen einfach immer an den teuersten 10-20% der heimischen Honige orientieren, die man in den "höherwertigen" Supermärkten (als Abgrenzung zu den Discountern) in seiner Region vorfindet.

    Sehe ich auch so: Entweder Hobby und preislich nach oben orientierter Honigpreis (für Leute die ihr Hobby teilweise refinanzieren wollen) ... oder eine betriebswirtschaftlich rentable Imkerei. (Eine reale Kalkulation dazu habe ich im Netz bisher noch nicht gesehen.)

  • Ich habe diese Tabelle, die es ja schon länger im Netz gibt, einfach mit meinen Kosten versehen. Da sind dann eben für 5 Wirtschaftsvölker zum Ernten auch Material für 10 Völker vorgesehen, das ich abschreiben muss, höhere Zeitansätze (auch für mehr als 5 Völker, weil ich ja auch die Reserven pflegen muss....). Zudem sind die ganzen Preise an meine Ausgaben angepasst.
    Das fand ich dann schon interessant, weil ich nur für mich natürlich auch nur 3 Völker einwintern könnte und eben keinen Honig verkaufen, wenn ich dann im Frühjahr nur eines zum Ernten und eines zum Vermehren behalte.

    Ich muss mit Imkern kein Geld damit verdienen, dass meine Freunde, Nachbarn und Leute aus dem Ort guten Honig kaufen können, weil ich gerne mit Bienen arbeiten will. Ich muss aber auch nicht zusätzlich draufzahlen, wenn ich wegen denen mehr Völker halte, um diesen Honigbedarf zu decken. Als Kleinimker bleibt für mich derzeit eigentlich kein Gehalt übrig, aber immerhin bringe ich zur Arbeit - die mir Spaß macht und deshalb nicht zwangsläufig als solche gesehen wird - nicht auch noch Geld fürs Material mit. Auch sowas wie das IFT, Mitgliedsbeitrag.... wird vom Verkauf bezahlt und sorgt für deutliche Ausgaben. So ist das für mich ok und die größeren Imker aus dem Nähe könnten sogar erhöhen, um erst auf diesen Preis zu kommen. Vielleicht könnte ich sogar noch mehr verlangen, aber ich kenne fast jeden Käufer persönlich und muss da jetzt auch nicht auf deren Kosten Gewinn mit dem Hobby machen.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ich hab nix gegen gute Preise. Aber sich, anstatt sich die Mühe zu machen mal zu kalkulieren, einfach am teuersten Produkt am Markt zu orientieren und zu sagen, 'das will ich jetzt auch!!!' ist natürlich auch 'ne Möglichkeit^^

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Auf der Suche nach einer Kalkulationssoftware bin ich auf eine schöne Exceltabelle vom Bienenzuchtverein Kleinostheim gestoßen. Ich weiß nicht, ob die hier im Forum schon bekannt ist. Hier kann man mit der Änderung verschiedener Parameter mal ein Gefühl dafür bekommen, wie kostspielig die Imkerei ist.

    Moin Jens,

    danke für die Tabelle, die zwar von 2016 ist und preislich angeglichen werden sollte. Man kann aber auf "Dokument bearbeiten" jede Menge Extrazeugs einfügen und alle Einzelposten bearbeiten, so dass am Ende eine realistische Zahl herauskommt.

    Aber sich, anstatt sich die Mühe zu machen mal zu kalkulieren, einfach am teuersten Produkt am Markt zu orientieren und zu sagen, 'das will ich jetzt auch!!!' ist natürlich auch 'ne Möglichkeit^^

    Das ist m.E. sogar eine sehr gute und pragmatische Möglichkeit. Vor allem als Anfänger hat man idR ja keine Vorstellung vom ganzen Aufwand bzw. die Wahrnehmung ist da oft eher noch auf das einzelne Bienchen gerichtet als auf sowas Profanes wie den Honigpreis, gleichzeitig möchte man aber sein Produkt vielleicht auch nicht unter Wert verkaufen. Ich habe das ähnlich gemacht, auf den teuersten Preis der Umgebung 50 Cent aufgeschlagen und gut ist - tausend mal einfacher, als die ganze mühselige Herumrechnerei.


    Schöne Grüße - Matthias

    "Wenn du es eilig hast, gehe langsam". Lothar M. Seiwert

  • Gier galt mal als unsexy.

    Komisch. Wenn es um's eigene Gehalt als Angestellter geht, ist es immer zu niedrig, kann gar nicht hoch genug sein und der böse Arbeitgeber ist ein elender Ausbeuter.


    Aber wenn man umgekehrt unternehmerisch versucht, den maximalen Gewinn zu erzielen, gilt man als gierig, Gewinnmerzielungsabsicht ist grundsätzlich böse und es wird kein Unterschied gemacht zwischen Unternehmen, die das durch Ausbeutung, Rücksichtslosigkeit bis hin zum Betrug erzielen und solchen, die einfach die reale Marktsituation nutzen OHNE irgendjemand zu schädigen - denn der meiste Honig ist ja viel, viel billiger und niemand muss, aber jeder kann wie er will!

    Fast alle, die etwas anbieten, was Imker und Menschen so brauchen, haben da wenig Hemmungen, das Maximum auszureizen. Der brave Imker murrt und zahlt und meint, er rettet die Welt...nur er...

  • Ich versuche mich von 'maximal' etwas fernzuhalten. Kann man alles halten wie man will. Gut leben reicht mir. Mich nerven Superlative. Ich will gut davon leben können, aber wenn ich unbedingt reich werden wollte, würde ich vermutlich was anderes machen^^

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich bin immer bei dir und habe größten Respekt von dir und deinem Können, möchte hier jedoch einwerfen, dass es bei der Festlegung des Honigpreises nicht nur um die Einnahmen des Erzeugers geht, sondern um die Wertigkeit des Produktes. Ich bin froh, dass hier praktisch in der gesamten Umgebung der Preis pro 500g festgelegt ist und alle darauf achten, dass dies niemand untergräbt. So regelt sich die Nachfrage rein über Qualität.

  • Das hat ja auch nix mit Gier zu tun, einen guten Preis für sein Produkt zu bekommen. Da bin ich ja völlig auf Eurer Seite. Mich stört es bloß, wenn anstatt einer vernünftigen Kalkulation oder eines fairen Preises die Raupe Nimmersatt übernimmt^^

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich werde wohl 2022 das erste Mal versuchen, alles festzuhalten, was ich an Geld reinstecke und was ich am Ende rausbekomme.

    Ich denke, dass ich jetzt tatsächlich endlich den "das muss ich auf jeden Fall noch haben"-Teil so ziemlich abgeschlossen habe. Jetzt kommen (hoffentlich) nur noch Sachen, die verbraucht werden oder die kaputt gehen. Vorher hat die Rechnerei keinen Sinn gemacht und hätte mich nur frustriert oder entsetzt.

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."