Kalkulation Honigpreis

  • Der Typ, der mein Klo richtet und 50 EUR die Stunde verlangt ist also der kernige, ehrliche Handwerker, aber ich als Imker, der höchstwahrscheinlich nicht mal auf die Hälfte davon kommt und alles versucht, um wenigstens etwas in Richtung faire Entlohnung zu robben, bin eine Raupe Nimmersatt?!? Handwerk Imkerei minderwertig, alle anderen hochwertig oder wie?

    Da wären wir ja wieder bei der Stundensatz-Ermittlung.

    Die muss natürlich irgendwo in eure Preiskalkulation einfließen!

    Und setzt die um Himmels-Willen nicht zu tief an!


    Was das "Maximum, nur weil alle das machen" betrifft, das rase oben erwähnt, da muss ich sagen, ich sehe mich als kleinen Fisch im Haifischbecken des Marktes. Nicht ich bestimme die Preise, auch nicht meine eigenen, sondern der Markt - sonst würde ich noch viel mehr für den Honig verlangen können und z.B. meine Arbeitszeit voll mitbezahlen lassen, wie es "alle anderen" ja eigentlich auch machen.

    Das geht aber nicht und genau deswegen wird man ja mit der Imkerei in der Regel nicht reich, da gäbe es deutlich lukrativere Beschäftigungen. Hat rase selbst gesagt ;)

    Ich sehe mich nicht als kleiner Fisch im Haifischbecken!

    Ja, es gibt günstigeren Honig. Aber ich habe regionalen, handwerklich hergestellten Honig.
    Und damit bin ich hier in der gegen mindestens ein großer Fisch, wenn auch noch kein Hai...

    Wer Bio-Eier aus dem Mobilstall verkauft, vergleicht sich auch nicht mit den Eiern aus einem konventionellen geschlossenen Stall!

    Und auch wenn ich Fan von Kalkulationen bin, finde ich - falls man eben nicht kalkulieren will - den Ansatz sich eher an den teuersten zu orientieren als an den günstigsten als den besseren Ansatz. Aber eben in der eigenen Produkt-Nische! Also nicht mit irgendwelchen Spezialitäten (Manuka etc....), aber eben auch nicht mit der Flotten Biene!

    Siehe dieses Thema und das Video Der richtige Preis - Vermarktung - Imkerforum seit 1999

    Wir haben m.M. nach ein exklusives Produkt (regionalen, handwerklich hergestellten Honig), da ist zwar der Markt klein, aber auch die Menge die in diesen Markt reinfließt.

    Bei uns im REWE stand letztes Jahr DIB Honig für 7 Euro. Nach ein paar Monaten wurde er auf 6,5 reduziert. Das nehme ich auch.

    Spannende Frage: DIB von Imker oder Abfüller? Wie groß ist der? Da gibts leider größere Abfüller. Siehe die Aldi-Aktions-Geschichte.
    Das DIB Glas sagt leider nix über das was dahinter steht. Da muss man schon auf das Abfüller-Feld schauen.

    Würde mich aber nicht trauen 8 € an der Haustür zu nehmen.

    Warum? Wenn es im "Ramschladen" schon 8 kostet, warum darf es dann in der "Manufaktur" nicht soviel kosten?

  • Ich war hier bei uns im Dorf der "neue" Imker und habe auch als erstes den Preis von 5 Euro im ersten Jahr auf 6,50 Euro plus 50 Cent Pfand erhöht.


    Das erste Glas wurde über den Status bei WhatsApp mit "nur heute für 6 Euro" beworben und viele der Kunden kaufen nun auch für 6,50 Euro.


    Die Kunden haben fragend auf den Preis reagiert. Ich habe Ihnen erklärt, wie der Preis zustande kommt und das alles was ich über die Jahre in der Imkerei gekauft habe auch jedes Jahr bei Nachbeschaffung etc. teurer wird.


    Ich gehe ehrlich mit den Leuten um und die meisten gehen auch noch mit über den Stand, Kinder gucken gerne in die Beuten (habe extra ein Gitter drüber) und so ist es nicht nur der Honig der gekauft wird, sondern auch das Gefühl zu wissen wo es her kommt. Wenn die Kinder dann stolz mit nem Stück Wabe nach Hause gehen, ist der nächste Kunde gewonnen.

  • Ich gehe ehrlich mit den Leuten um und die meisten gehen auch noch mit über den Stand

    Bei dem Aufwand ist der Preis erst recht zu gering. Kalkulation offensichtlich vollkommen außen vorgelassen.


    Ich möchte behaupten, dass mehr als die Hälfte der Preisfindungen nach dem Schema ablaufen, wie hornet es empfiehlt. Nachsehen was der Markt so an Vergleichen hergibt und etwas unter den Höchstpreisen bleiben.


    Nur kommen die wenigsten Imker damit bei 8,- Euro pro 500 Gramm-Glas an.


    Warum?

    Weil der "Ramschladen" jede Menge an vertriebsbedingten Kosten zu tragen hat.


    Das DIB Glas sagt leider nix über das was dahinter steht.

    Aber natürlich sagt das etwas aus. Dafür gibt es genau einzuhaltende Regeln, die für alle gleich sind.

    Und ganz nebenbei: Machen kleinere Imkerein besseren Honig als große? Oder macht der Nachbrimker in jedem Fall besseren Honig als der aus der nächsten Stadt, den ich nicht persönlich kenne?

  • Weil der "Ramschladen" jede Menge an vertriebsbedingten Kosten zu tragen hat.


    Warum? Wenn es im "Ramschladen" schon 8 kostet, warum darf es dann in der "Manufaktur" nicht soviel kosten?

    ......und der Ramschladen will ja auch etwas daran verdienen. Würde eher nicht an Manufaktur denken, sondern an den Werksverkauf.

    Bis bald

    Marcus

    40 Wirtschaftsvölker auf DN 1,5, 8 Miniplus, 20 Ableger Dadant, Zander und DN, Waage 401

  • und welcher ist nun besser? Woran macht man das wirklich fest?

    Bisher nicht wirklich was erfahren können.

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • Du willst es doch garnicht wissen^^


    Klein ist jedenfalls nicht automatisch gleich Qualität. Gute Verarbeitung ist einfacher mit Technik. Zumindest reproduzierbarer. Und es wird auch genauer hingeschaut.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich glaub das mit dem „klein“ und „in der Gegend“ ist so ein menschliches Ding.

    Wenn man Berliner ist, interessieren einen die anderen Berliner in der Bahn ja auch nicht, im Gegenteil. Aber wenn man in NewYork in einem Bus sitzt und jemand Dialekt reden hört, ist man sicher sofort beste Freunde.

  • Das Etikett sagt schon etwas, ob das ein Abfüller ist, der den Honig am Markt für 3,70€ aufkauft und für 10€ verarbeitet weiter verkauft oder ob das Paule X mit seinen 19 Völkern

    um die Ecke ist.

    Beide habe Produktiongestehungskosten, aber Paule rechnet nicht bzw die die ihn für 3,70€ verkaufen.

    Das ein Verkauf unter DIB Label zusätzlich noch an andere Qualitätsfaktoren gebunden ist, das ist allen soweit doch klar.

    Sofern aber im Großhandel nichts mehr für 3,70€ zu kaufen ist, oder die benötigten Mengen nicht beschafft werden können, muß zwangsläufig der Verkaufspreis bei rentabler Produktion des Abfüllers steigen, denn der kann sich nicht leisten 5€ pro Glas dazu zu geben.

    Paule kann das scheinbar.

    Nicht wirklich, aber er tut's aus welchen Gründen auch immer.

    Jemand der sagt, weil ich mir das so leisten will oder in der glücklichen Lage bin mir das so leisten zu können, den wird man mit einer Selbstkostenkalkulation nicht überzeugen können.

    Da helfen nur Schmerzen, die aus seinem Erzeugungsgebahren heraus entstehen könnten.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Paule kann das scheinbar.

    Nicht wirklich, aber er tut's aus welchen Gründen auch immer.

    [...]

    Da helfen nur Schmerzen, die aus seinem Erzeugungsgebahren heraus entstehen könnten.

    Vielleicht ist Paule auch einfach froh, dass er den Honig los ist, weil er das mit dem Verkaufen einfach nicht gern macht und immer wenn er es versucht hat, hat es nicht gut funktioniert. Vor 5 Jahre hatte er mal eine halbe Ernte im April wegwerfen müssen, weil die im Keller gärig wurde und eigentlich will er eh lieber Bienen machen.

    Das mit der Varroa-Zucht rechnet sich doch bestimmt auch nicht, oder?

    Lass doch Paule den Honig so verkaufen wir er möchte, wir kennen ja seine Gründe nicht, oder?

  • Schmerzen in welcher Form?


    Wenn er den Honig nicht mehr für die 3,70 Euro verkaufen soll, wird er die Produktionsmenge drosseln. Ist das das Ziel?

    Im besten Fall steigt die Produktionsmenge andernorts zeitgleich an. Ausgleichen wird diese den Verlust an anderer Stelle aber eher nicht.

  • JaKi und darum geht es nur über Schmerzen.

    Erst dadurch wird er handeln.

    Das kann auch bedeuten, ich muss 50% meiner Völker reduzieren um die Schmerzen los zu werden oder ganz aufhören oder in Technik investieren oder oder oder.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Wenn ich mich mit meinem Preis von Mitbewerbern abheben möchte, dann muss ich mich auch mit meinem Angebot abheben.

    Möglichst so darstellen, dass ein direkter Vergleich für den Kunden so leicht nicht möglich ist. Das sehe ich einmal mit einem DIB Glas-Etikett eben so nicht. Die eingedruckte Imkeradresse wird erst auf den zweiten Blick vom Kunden wahrgenommen, wenn überhaupt registriert.


    Mit einem kreativen, personalisiertem Etikette hebe ich mich dagegen schon mal optisch vom Mitbewerber ab.

    Das die Honigqualität gut ist, davon geht der Kunde meistens aus, weil er beim Mitbewerber eben auch gut ist.

    Oft erwarten die Kunden, welche direkt beim Imker kaufen, egal ob an der Haustüre, dem Marktstand oder am Gartenzaun der Imkerei, immer ein paar begleitende Worte in Form von persönlichenr Informationen rund um die Imkerei. Ja hier muß der Imker oder auch bereit sein, den Erklärbär zu machen. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Das ist halt der Preis für eine Direktvermarktung.


    Neukunden gewinnt man als Dauerkunden eben durch das bischen mehr was er bei mir bekommt gegenüber dem Mitbewerber. Das fängt mit einer freundlichen persönlichen Ansprache an und geht über erweiterte Information rund um die Imkerei, bis hin zur Demonstration der Exklusivität des Angebotes.


    Ich will jetzt nicht sagen, dass der Preis zweitrangig ist, aber er verliert mit zunehmend, mit für den Kunden erkennbare Bemühungen des Imkers um sein Produkt, für diesen an Bedeutung und wird gerne akzeptiert.

    Ja, ich fordere meine Kunden direkt auf, beim Imker seines Vertrauens in der Region zu kaufen und auch hier das Angebot zu vergleichen.


    Wenn der Imker für sich selbst Argumente findet, warum gerade sein Honig dem Kunden gerade dieser Preis Wert sein sollte, findet er auch Worte es dem Kunden rüber zu bringen.

    Dem Kunden interessiert dabei nicht was dem Imker alles teurer geworden ist und somit eine Preisanpassung für ihn erforderlich ist. Dem Kunden interessiert ganz alleine seinen persönlichen Mehrwert durch dieses Produkt.


    Es werden viele Fortbildungskurse für die Imkerei angeboten. Diese enden aber leider mit dem Honig in Gläser abfüllen.

    Die Vermarktung ist jedoch ebenfalls gleichwertig zu setzen. Wird aber leider sträflich vernachlässigt. Mit dem Ergebnis eines nicht erreichten Deckungsbeitrages. Es reicht meiner Meinung nach nicht. Per Exceltabellen die Selbstkosten pro Kg Honig dem Imker zu zeigen, sondern viele Imker müssen an die Hand genommen werden um Ihren Honig entsprechend „Preis Wert“ dar zu stellen. Wodurch auch immer! Da sind der Kreativität des Imkers wohl keine Grenzen gesetzt.

    Mir ist schon klar, dieses liegt nicht jedem Imker gleichermaßen. Daher trauen sich, wie hier aus den Beiträgen und auch aus persönlichen Gesprächen mit Imkern heraus zu hören ist, viele nicht entsprechend erforderliche Wege zu gehen. Dann bleibt halt nur die Preisorientierung an dem was der Nachbarimker für seinen Honig nimmt, um dann diesen Preis möglichst noch um 10 Ct. Zu unterbieten.

    Einen erforderlichen Honigpreis zu erzielen ist kein Selbstgänger sondern erfordert ständig eine hohe Aufmerksamkeit und Kreativität des Imkers.
    Viele Bienen und entsprechend viel Honig zu haben ist die eine Seite der Imkerei. Diesen Honig auch in den Markt zu bringen ist die ebenso wichtige, vielleicht auch für manchen schwierigere Seite der Imkerei.


    Glücklich ist der Imker, dem beides ausgewogen gelingt.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • @Bergeist Schmerzen in welcher Art auch immer, die durch seine Erzeugung entstehen. (Körperlich, finanziell, geistig ...)

    Jetzt keine aus angedrohter Gewalt egal welcher Form, das ist damit auf keinen Fall gemeint.


    Eine Marktverschiebung kann dann auch wieder die Entscheidungsbedingungsschmerzen an andere Stellen verschieben und Regulierungen auslösen.

    Klar redet es sich alles ganz einfach drüber.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.