Kalkulation Honigpreis

  • Ich denke, dass ich jetzt tatsächlich endlich den "das muss ich auf jeden Fall noch haben"-Teil so ziemlich abgeschlossen habe.

    *KICHER* DAS denke ich auch jedes Jahr am Ende der Saison - und bin jedes Jahr aufs Neue erstaunt, wie dringend ich dann so vieles wieder benötige, wovon ich vorher gar keine Ahnung hatte… Und was schon wieder alles verbraucht ist: Palette Rähmchen, 25 Kilo Wachs, Tonne Zucker….

  • Bei mir kommt der Wirtschaftsingenieur durch.


    Ich kalkuliere knallhart alle Kosten mit Abschreibungstabellen und sehe so die Kosten pro Jahr und kann es dann aufs Glas umrechnen.


    ich muss dazu sagen, wir haben noch 70 Hühner und die Streuobstwiesen. Das ganze läuft in der Landwirtschaft und daher muss ich das auch kalkulieren. Muss ja die Einnahmen von allem versteuern. Da wir noch Pachteinnahmen und den Holzverkauf haben, geht das nicht anders.

    Imker im dritten Jahr.

    Imkern im angepassten Brutraum.

    24 Völker Stand Juni 2021:

    Dadant, Zadant und Mini Plus Völker, 1 TBH, 1 Bienenkiste

    53 Hühner

  • Es geht schon damit los, welchen Anteil das Hobby hat (wofür keine Kosten, nur ideeller Gewinn angesetzt werden kann) und welchen Anteil Kostendeckung sein soll. Das kann man gar nicht allgemein fixieren.


    Der Ansatz von hornet ist insofern plausibel, als der Markt den Preis bestimmt. Und ob dieser Preis kostendeckend ist bzw. noch einen Überschuss liefert (, der zumeist für Investitionen draufgehen!), steht dahin.


    Wenn ich bspw. € 7,00 für ein 500 g Glas plus € 0,50 Pfand verlange und im Zuge der aktuell stark anziehenden Preise für Lebensmittel auch 10 % aufschlage, läge der Neupreis bei € 7,70 + 0,55 Pfd. = € 8,25. Der Nachbarimker belässt es aber bei den € 6,50 inkl. Pfd., d.h. ich verliere bspw. 50 % der Kunden und er verkauft mehr - so funktioniert der Markt!


    Ich kann es mir leisten, einen Teil der Kunden zu verlieren, wenn ich einen Preisaufschlag mache, mit dem Argument, dass alle Lebensmittel deutlich teurer wurden und Qualität ihren Preis hat, zumal es fast ausschließlich Handarbeit ist. Wenn mehr Imker sich dessen bewusst wären, könnte man adäquate Verkaufspreise erzielen.


    Insofern liegt der Hase beim Überzeugen der Kollegen/innen im Pfeffer, statt bei der Kostenkalkulation.


    Euch allen wünsche ich Bestpreise!!

  • Ich kann es mir leisten, einen Teil der Kunden zu verlieren, wenn ich einen Preisaufschlag mache,

    (...)

    Insofern liegt der Hase beim Überzeugen der Kollegen/innen im Pfeffer, statt bei der Kostenkalkulation.

    Das ist ein Denkfehler.

    Ihr denkt einfach zu sehr an den Billig-willich-0815-Kunden. Bei denen mag das so kommen. So Leute verfahren auch 1 EUR Umweg mit dem Auto, um 20 ct zu sparen. Aber die haben auch noch nie euren Honig gekauft. Die könnt ihr also auch nicht verlieren.


    Wer sich vorher mit seinem Honigpreis eher oben als unten orientiert hat, hat Kunden, die nicht wegen dem Preis bei ihm sind. Das sind Kunden, die auch sonst viele hochpreisige Konsumgüter kaufen, obwohl es objektiv betrachtet jede Menge billigere und genau so gute Alternativen gibt. Einfach, weil sie es können und noch wichtiger: weil sie es WOLLEN!

    Und die machen nur wegen Euch garantiert keine Extrawurst und verhalten sich plötzlich ganz anders, nur um euch eins auszuwischen.


    Nein, den billigen Honig gab es schon vorher und trotzdem sind diese Leute zu Euch gekommen und wollten EUREN Honig, aus Gründen.

    Die Gründe dafür sind vor und nach eurer Preiserhöhung die selben, warum sollten diese Kunden ihre Kaufentscheidung also ändern?


    Ein Porschekäufer steigt auch nicht auf Dacia um, nur weil der Porsche heuer 5.000 EUR mehr kostet.

    Ganz bestimmt nicht.

  • Moin,

    das Erste, was wir hier im Osten nach der Wende lernten: Preise kalkuliert man nicht nach dem, was man benötigt, sondern danach, was der Markt hergibt.

    Dafür brauche ich auch heute noch keine Excel-Datei, es genügt ein Bierdeckel für die Ermittlung der Kosten, die die Erzeugung des Honigs verursacht. Da ich das Imkern als Hobby betreibe, kalkuliere ich die "Arbeitsleistung" nicht ein, würde aber dann aufhören, wenn ich pro Stunde Vergnügungssteuer zahlen müsste. Hier hätten die Profis ihre Chance :-).


    Der Blick in den nächsten noch halbprivaten Bäcker/Fleischerladen zeigt mir, wie die Vereinsfreunde oder auch die Profis anbieten.

    Zur Ernüchterung dann mal zu Netto oder andere Supermärkte, die sich komischerweise Einzelhändler nennen dürfen.


    Ich habe glücklicherweise so viele Freunde und Verwandte, die meine Ernte honorieren, daß mit diese ganzen Preisgeschichten inzwischen egal sind. Profi mag ich nicht mehr werden - zu anstrengend. :-)


    Man kann natürliche auch "künstiliche" Intelligenz oder die NASA befragen, was Honig kosten darf. ist ja inzwischen modern, alles irgendwie elektronisch zu begründen.


    Ich mach das lieber nach wie vor, wie oben.


    Grüße Ralf

  • Hier muss ich dir recht geben.

    Wir verkaufen die überschüssigen Eier. Letztes Jahr noch mit konventionellem Futter und da habe ich 3 € für 10 Eier verlangt. Jetzt habe ich auf Demeterfutter umgestellt und verlange 3,5 €. Ich habe keinen einzigen Kunden verloren.
    So geht es mir auch beim Honig.

    Imker im dritten Jahr.

    Imkern im angepassten Brutraum.

    24 Völker Stand Juni 2021:

    Dadant, Zadant und Mini Plus Völker, 1 TBH, 1 Bienenkiste

    53 Hühner

  • Grundsätzlich gibt es bei mir auch diese beiden Seiten. Klar möchte man in der Imkerei wirtschaftlich arbeiten, sich im oberen Preissegment orientieren. Vor allem wenn man den entsprechenden Kundenkreis hat. Ebenso möchte ich auf der anderen Seite meinen Honig nicht billiger verschleudern als der Edeka den EU Honig.


    Trotzdem finde ich es schön, wenn ich meiner Nachbarin, der Omi von Nebenan oder anderen netten Dorfbewohnern noch in die Augen schauen kann und nicht immer das Gefühl habe, dass sie gerade so das Glas Honig bezahlen würden und trotzdem immer ein ungutes Gefühl dabei haben. (Wenn ich an unseren Sommerurlaub und die damit verbundenen in die Höhe geschossenen Preise für Verpflegung denke, weiß ich, wovon ich erzähle. Fischbrötchen 6 €.. =O ) Und dass es mir dann Egal ist, diese Kunden zu verlieren so nach dem Motto "ich verkaufe meinen Honig sowieso dieses Jahr", kann ich auch nicht sagen.


    Ich finde ein gutes Mittelmaß ist es einfach. Dann sind die Kunden und auch ich glücklich. Natürlich imkert man nicht nur zum Spaß. Und ich finde es auch wichtig, dass man die Preise nicht kaputt macht, wie der Imker im Nachbardorf, der das Glas Honig für 3,50 € verkauft. Damit ist keinem geholfen. Aber wenn alle Kosten gedeckt werden, die Arbeitszeit dabei in gewissem Maße bezahlt ist und noch ein paar Groschen extra heraus kommen, reicht mir das persönlich aus. Letztendlich ist es ein bezahltes Hobby...andere geben dafür viel Geld aus...


    Natürlich sollten es dann auch ein paar Völker mehr sein. Mit 3 Völkern rentiert sich die große Schleuder und der Dampfwachsschmelzer nur schlecht. Aber dafür ist die Tabelle da. Ich bekomme ein gutes Gefühl für die Einnahme/Kosten Rechnung und kann schauen, wie sich welche Investition am Endpreis niederschlagen könnte. Welche Investitionen lohnen sich dauerhaft? Wie gut möchte ich meine Arbeitskraft bezahlt haben? Wie viel bleibt Hobby? Wie verändert sich mein Honigpreis mit inflationsbedingten höheren Anschaffungskosten in den nächsten Jahren etc. etc.

  • Ein Porschekäufer steigt auch nicht auf Dacia um, nur weil der Porsche heuer 5.000 EUR mehr kostet.

    Ganz bestimmt nicht.

    Dann wohnst Du bestimmt im Reichenviertel. Bei mir in der Umgebung lebt der Mittelstand. Da fährt niemand einen Porsche. Und diese Menschen kaufen sich keine Luxusgüter. Sie wollen Qualität, aber zu einem fairen Preis...Und dabei spreche ich nicht von billig sondern angemessen.

  • Das es Regionen mit weitaus weniger Kaufkraft gibt, als es im südlichen Bayern der Fall zu sein scheint, wird bei der Foderung nach max. Preisgestaltung meist ausgeblendet.

    Die Kostenseite reel zu erfassen, ist allerdings sehr sinnvoll, Das würde manchen von dem Trip runterholen, noch Preise von annodazumal aufzurufen.

  • ralf_2 : Du hast Recht, was die Kostenrechnung betrifft, dazu braucht man keine komplizierte Berechnungen. Ist müssig, wenn man es als Hobby betreibt. Aber mein Freund der Sonne, das Wessibashing solltest Du lassen wenn Du aus einer Gegend kommst wo man für ein gebrauchtes Auto mehr bezahlte als für einen Neuwagen. Wo es unterschiedliche Läden für unterschiedliche Währungen und Waren gab.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig, ihr Opfer

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich finde ein gutes Mittelmaß ist es einfach.

    Wieso Mittelmaß? Es verbietet dir doch niemanden, den Honig an die, denen "du in die Augen schauen" musst zu einem anderen Preis abzugeben als anderen "anonymen" Kunden? Bei mir hat sogar jeder Kunde seinen individuellen Preis, das ist Verhandlungssache. Es gibt Kunden, denen wächst das Geld zu den Ohren raus, die können dann gut andere Kunden querfinanzieren, die ich sonst nicht hätte, weil es ihnen sonst vielleicht zu teuer wäre. Hier muss nur der Schnitt über alle Kunden stimmen und schon passt es.


    Beim nochmal Durchlesen ärgert mich dann doch noch etwas, nämlich die wiederholten Sticheleien von rase, von wegen "Raupe Nimmersatt" und "Gier".


    Dabei hinkt seine Argumention doch gewaltig.

    Einerseits schreibt er

    Ich will gut davon leben können, aber wenn ich unbedingt reich werden wollte, würde ich vermutlich was anderes machen

    und gibt damit ja zu, dass man in der Imkerei unterdurchschnittlich verdient, selbst als Profiimker, erst recht dann also als Nebenerwerbs- oder Freizeitimker.


    Kommt nun einer wie ich, der seine Einnahmen aus der Imkerei wenigstens etwas mehr in Richtung "normaler Durchschnitt" heben möchte, gilt er als "Raupe Nimmersatt" und "gierig".


    Der Typ, der mein Klo richtet und 50 EUR die Stunde verlangt ist also der kernige, ehrliche Handwerker, aber ich als Imker, der höchstwahrscheinlich nicht mal auf die Hälfte davon kommt und alles versucht, um wenigstens etwas in Richtung faire Entlohnung zu robben, bin eine Raupe Nimmersatt?!? Handwerk Imkerei minderwertig, alle anderen hochwertig oder wie?


    Ich komme jedenfalls nicht auf Gehälter von 50, 60 oder 80K und mehr im Jahr, weder im Job noch in der Imkerei und ich wette, auch rase kommt da nicht hin.


    Aber hier im Forum wie auch überall in unserem Land wimmelt es nur von Leuten, die solche Gehälter ohne mit der Wimper zu zucken einstecken, obwohl ganz bestimmt einige darunter sind, die nur in den Sessel furzen und das Geld nie und nimmer wert sind, aber der Markt gibt es halt her.


    Trotzdem würde ich die nicht als "Raupe Nimmersatt" bezeichnen, um so mehr, als das genau die Gruppe ist, von der wir deutschen Imker leben, denn nur die kaufen in nennenswerter Menge Honig zu fairen Preisen. Alle anderen kaufen beim Discounter oder beim alten Otto um die Ecke für Dreifuffzich das Glas. und werden das auch weiterhin tun.


    Mich stört es bloß, wenn anstatt einer vernünftigen Kalkulation oder eines fairen Preises die Raupe Nimmersatt übernimmt

    dich stört, dass ich mir Arbeit erspare, die nicht notwendig ist, weil der Markt zwar klar mehr als die Kosten hergibt, aber grundsätzlich nach oben stark begrenzt ist und ich dann wenigstens erfoglreich versuche, wenigstens noch das beste vom Schlechten zu erreichen? Sparst du dir keine Arbeit, wenn es geht?


    Und hört bitte mit der Sozialheuchelei auf, indem ihr immer versucht, euch als Imker durch Mitleidspreise einen sozialen Anstrich zu verpassen, damit sich auch die "arme Oma" den Honig leisten kann. Wenn ihr sozial wirklich helfen wollt, macht ein Ehrenamt im Sozialen Bereich, spendet, geht zur Tafel, geht in Pflegeberufe oder ähnliches, dann erreicht ihr wirklich was.


    Aber Honig ist das Letzte, was Leute brauchen, die sich kein Glas für 7 EUR leisten können und hoffen, dass am Monatsende noch genug Geld übrig ist für Essen. So Leute habe dringendere Probleme als ein Luxusprodukt wie Honig zu kaufen. Wenn, dann schenkt diesen Nachbarn halt ab und zu ein Glas und verlangt aber woanders weiterhin faire und dem Handwerk Imkerei angemessene, also nicht schlechtere Preise als für andere Handwerke.

    Niemand sagt doch, dass ihr jedem den selben Preis abverlangen müsst, womit wir wieder am Beginn des Postings sind.

  • Wenn, dann schenkt diesen Nachbarn halt ab und zu ein Glas und verlangt aber woanders weiterhin faire und dem Handwerk Imkerei angemessene, also nicht schlechtere Preise als für andere Handwerke.

    :thumbup:

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."