Erfahrungsaustausch zur Züchtung der Varroamilbe überlebenden Biene VSB ( varroa mite survived bee)

  • Da viele Tips und Hinweise in vielen Threads verstreut sind, habe ich auf Anregung hier ein neuen Diskussionsfaden eröffnet.


    Viel Vorwissen kann man in Thema Nicht-Behandeln nachlesen.


    Mein spezielles Angebot neue VSB Projekte zu unterstützen kann man hier nachlesen.

    Seite 84 #1172


    Wie man anfangen könnte #1176 und einige Erfahrungen in #1180.


    Lets Go!


    Liebe Grüße Bernd

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Hallo Bernd,


    danke für Deine Initiative. Könntest Du bitte etwas näher erklären auf welchen Personenkreis oder welchen "Ortskreis" sich Dein Angebot erstreckt? Mir ist nicht so klar wer sich dabei beteiligen darf oder soll.


    Gruß

    Franz.

  • Da ich im Norden Deutschlands beheimatet bin, muss jeder für sich entscheiden, ob er egal woher, zu mir kommen möchte oder nicht.

    Das Angebot steht natürlich Jedem offen, der möchte, jedoch unter dem Gesichtspunkt ökologischer Fußabdruck sind kurze Wege besser. Irgendwo entscheidet natürlich auch die kaufmännische Seite der Unkostenentschädigung, was noch sinnvoll ist.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • In Deutschland basieren viele VSB Projekte auf dem Verbundprojekt SMR Selektion bei Bienen und sind nicht an Verbände oder Bienenrassen gebunden.


    Infos dazu findet ihr hier https://llh.hessen.de/bildung/…smr-selektion-bei-bienen/


    Dieses Programm der aktiven Unterstützung läuft 2021 aus und ist 2022 dann beendet.


    Ob es Anschlußprojekte geben wird, kann ich im Moment nicht sagen, da mir persönlich dazu Informationen fehlen.


    Da ich auch in der Richtung schon aktiv war, bin ich durch luffi 2019 eingeladen worden mein theoretisches Wissen mit praktischer Arbeit zu untermauern.

    Damit wollte und habe ich mir das Rüstzeug für ein Projekt in Norddeutschland geholt.

    Dazu suchte ich mir Gleichgesinnte, mit denen man sowas stemmen könnte.

    Der Vorstand des LBMV hatte dafür Gehör und wir gründeten eine VSB Projektgruppe unter Leitung von Carsten Ziegs.


    Wir gingen das Projekt teils blauäugig an unter dem Motto: Augen zu und durch, nur Machen zählt. Ralf und ich waren bisher bei so einer Projektauszählung, der Rest war vollkommen unbekannt.

    Also schlau machen, Arbeitspapiere studieren, Praxistage besuchen, basteln und alles hinterfragen.

    Nebenbei gilt es passende Örtlichkeiten für die gemeinsamen Events von 150 bis 200 Prüfvölker und Abläufe organisieren.

    So war der Start 2020 mit viel Enthusiasmus aber wenig Erfahrungen. Ich muß sagen, wir hatten jederzeit Unterstützung von Wissender auf die wir zurückgreifen konnten.

    Nur die Arbeit, die muss man schon selbst machen.

    2021 wussten wir halbwegs schon, was uns erwartet und wir waren experimentierfreudiger mit den Linien.


    Über alles muss ich sagen, ist das größte Problem die Gewinnung von ausreichend vitalen Varroamilben für die Infektion der Prüfvölker und die Zeit für die Betreuung der Völkchen neben den Bedürfnissen seiner Wirtschaftsvölker.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Teil1


    Bei der Organisation eines VSB Programm in der Art, an denen ich teilgenommen habe, gibt es 2 Fixtermine, um die sich die ganze Organisation dreht.

    Der erste Termin ist die instrumentelle Besamung der Bienenköniginnen, der zweite Termin ist die Auszählung.


    Man muss beachten das es parallel zu planende Prozesse gibt, die sich in ihren Arbeiten überlappen.

    Dazu gehört die Erstellung von Drohnenvölker schon weit vor dem Umlarven der Königinnenlarven.

    Zum Besamungstermin müssen die Drohnen fitt und voller Sperma sein. Die Qualität der Drohnen ist bei der Besamung DER Knackpunkt, den sie entscheiden darüber, wie schnell bzw. welche Menge an Königinnen besamt werden können.

    Braucht man 30min pro Spermaportion, kann man effektiv mit einer Person nur 20 Königinnen am Tag instrumentell besamen.

    Hat man viele Königinnen im Programm braucht man mehrere Tage dafür oder mehrere Besamer. Hier muss man schon beim Start des Projektes, die Größenordnung bestimmen und dann planen.

    Da die Besamer für Bienenköniginnen nicht gerade im Überfluß zu den gewünschten Terminen verfügbar sind, plant man hier oft schon 1 Jahr im voraus.

    Der Termin muss jedoch wegen der Vorarbeit von ca 50 Tagen auch so liegen, das das Wetter, die Natur und die Völker auch in solchen Zuständen sind, das sie Drohnen erzeugen wollen/können und die Drohnen auch zur Abgabe bereit sein.


    Bei der Aufzucht der Königinnen ist der regulierende Faktor auch der Besamungstermin. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Königinnen brünstig sein. Ich empfehle hier ein Zeitfenster von 8 bis 10 Tagen nach Schlupf.

    Bitte beachtet bei der Erstellung der Königinnen, das es in den ganzen Projektstufen immer Verluste gibt.

    Also larvt mehr als reichlich um (200%), auch wenn ihr nicht so viele Miniplus Zargen und Völker habt, macht euch noch 25% Königinnen in Kleinbegattungseinheiten (Apideaformat) mindestens bis zur Besamung. Damit kann man Königinnenverluste beim Schlupf (wenn man Zellen steckt), Verluste bei der Annahme, Verluste bei und nach der Besamung ausgleichen.

    Nicht jede besamte Königin legt auch rechtzeitig und erzeugt ein kompaktes Brutnest mit Arbeiterinbrut.


    Der nächste regulierende parallel laufende Prozeß ist die Zucht der Varroamilbe. Dieser beginnt schon im Winter des Vorjahres mit dem Auslassen der Varroa Winterbehandlung ausgesuchter Völker.

    Der Hintergrund ist, man benötigt ca 150 Milben für die Infektion pro Miniplus Testvölkchen.

    Je eher im Jahr die Varromilben Infektion statt finden soll, um so schwieriger ist es, die notwendige Menge an Milben zu gewinnen.

    In meinen Fall, 24 Testvölker, benötigte ich 3600 Milben.

    Das ist schon eine extrem große Menge im Juni eines jeden Jahres. 2021 habe ich das mit Hilfe meiner Unterstützer sehr gut hinbekommen und konnte an 2 Tagen alle Völkchen erfolgreich infizieren. Darüber hinaus konnte ich noch mehreren Kollegen einige tausend Milben abgeben.

    2020 bin ich dagegen insgesamt an 6 Tagen in 3 Wochen unterwegs gewesen und habe mit Ach und Krach eine halbwegs vernünftige Anzahl zusammen bekommen, auch weil andere Kollegen zurückgetreten sind und mir die Milben überlassen haben. Ich siebte 2020 ca 30 Völker, 2021schaffte ich das mit 3 Völkern plus Überschuß.


    Die Ernte ist absolute Zeitkoordination und benötigt auch mutige Unterstützer, die im Winter nicht behandeln, die Milben in ihren Völkern ansammeln, Brutscheunen und TBE's so zeitlich mit dem eigenen Programm abstimmen, das man ordentlich ernten/infizieren kann.

    Wenn man selbst viele Völker hat, die die Milben in Schach halten oder ein gutes Varroamanagement hat, dann erntest du mit dem Puderzucker evt nur 50 Milben pro Volk zu dieser frühen Zeit. Das ist dann wirklich frustrierend, da die Arbeit ja nicht in 10min gemacht ist.

    Danke nochmal an alle Helfer.


    (Fortsetzung folgt)


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Hallo Zusammen,


    hier ist der genaue Link zum Projekt Setbie.


    https://setbie.uni-hohenheim.de/projekt


    Die genauen Ziele die wir verfolgen findet ihr hier:


    • Durch die Etablierung der VSH Linien in der Landesbienenzucht soll der Befall der Bienenvölker mit Varroamilben flächendeckend reduziert werden.
    • Dadurch wird die Bienengesundheit deutlich erhöht, die chemische Varroa- Behandlung und die hohen Winterverluste vermindert.
    • Vorselektion von Bienenherkünften aus Baden-Württemberg auf möglichst hohe VSH- Ausprägung im ersten Jahr.
    • Vollständige Analyse des Erbgutes auf Basis der Genotypen, Genaktivitäten und epigenetischen Markierungen aus Völkern mit hoher und niedriger VSH-Ausprägung.
    • Identifizierung potentieller markerrelevanter Signale aus den molekularen Daten. Weiterzüchtung dieser Herkünfte über die Besamung mit einem Drohn "Single drone insemination" (SDI), um VSH-Linien mit möglichst hoher Ausprägung zu erhalten, welche dann als Kreuzungseltern zur Verfügung stehen.
    • Evaluierung der molekularen Marker und Vitalitätstest der Völker mit hoher VSH-Ausprägung.
    • Vorbereitung eines kostengünstigen Schnelltests, der ein breites Screening von Bienenvölkern in Baden-Württemberg ermöglicht.

    Wir haben also auch Genetiker mit bei uns dabei und alles was wir rausfinden,

    wird durch die Wissenschaft, in dem Fall durch die Landesanstalt für Bienenkunden der Universität Hohenheim unabhängig gegengeprüft.


    Bei Fragen einfach melden :)

  • Teil 2

    Im ersten Projektjahr haben wir zum Jahresbeginn an den Böden der Miniplus gebaut.

    Die Böden sollten so sein, oder die Beuten so aufgestellt sein, das möglichst kein Licht in das innere der Zarge fällt. Dies gilt laut Empfehlungen bis zur Anlage des ersten Brutnestes.

    Da Königinnen schon 6 Tage nach Schlupf brünstig werden können, soll somit verhindert werden, das sie sich durch die inneren Königinnenabsperrgitter zwängen (gezwängt werden) und dabei beschädigt werden.


    Für das Milbensieben haben wir 14 Tage vorher eine Übungsrunde gemacht. Dabei konnten wir die selbst gebauten Siebeimer erproben und gegebenfalls nochmal nachbessern bzw am Verfahren feilen.

    Die Miniplus Völker bitte nicht zu spärlich bilden. Entweder als 500g Kunstschwarm auf Mittelwänden oder Leerwaben oder mit 2 vollständig verdeckelten Brutwaben plus einer oder 2 Futterwaben. Den Rest dann mit MW auffüllen.

    Bei KS fange ich mit 3 MW und Futtertasche an oder 6 MW mit Futterzarge.

    Arbeite ich mit Futtertasche und Flüssigfutter erweitere ich mit einer weiteren MW, wenn die letze MW begonnen wird auszubauen. Sind 5 (bei mir 6) Mittelwände ausgebaut nehm ich die Futtertasche raus, ersetze die Leerstelle mit Mittelwand und steige auf Futterzarge um.

    Weitere Zargen komplett mit MW gebe ich erst, wenn nach der Besamung genug Bienenmasse durch die neu geschlüpften Bienen entstanden sind. Das ist frühestens ein Monat nach der Besamung.

    Prinzipiell gebe ich persönlich ungern Zellen zu den Völkchen, da ich so schon den Prozentsatz Zelle nicht geschlüpft als Fehlerquelle ausschließen kann. Weiter kann ich so eine vollständig markierte Königin hinzugeben und brauche später weniger zu suchen. Das schnelle finden ist vor allem beim käfigen vor der Besamung wichtig. Da die Königinnen da schon brünstig sind, sind sie auch sehr hibbelig und nicht selten steigt sie auf und dreht dann mal eine Runde.

    Dabei fällt einem jedesmal das Herz in die Hose, aber bleibt cool, lasst das Mini einfach auf und wartet bis sie wieder im Mini landet. Meistens passiert das in einem 5 bis 10min Zeitfenster. Wichtig ist offen lassen, da ja Königinnenabsperrgitter vor dem Eingang sind.

    Kommt sie doch nicht wieder, kann man auf eine Reservekönigin aus einer Kleinbegattungseinheit oder ReserveMP zurück greifen.

    Warum habe ich auf Reservekleinbegattungskästchen verwiesen?

    Ganz einfach für ein MP braucht man 0,5kg Bienen für so ein Apidea ca. 200g.

    Wenn ich 24 Testvölker als KS erstelle sind das 12kg reine Bienenmasse sprich mindestens 4 Vollvölker, die komplett geschlachtet werden.

    Je weniger Vollvölker ich jetzt für Reserven schlachten muss, um so eher werde ich Reserven anlegen.

    Hinweis: Bitte orientiert euch jetzt nicht an der Menge der Testvölker die ich erstelle. Das ist kein Muß, macht das was ihr könnt und rechnet euch die Größenordnungen dann um. Für mich ist es im Bericht einfacher, da ich mir das Umdenken auf andere Größen sparen kann.

    Baue ich jetzt vorher MP Brut- und Futterwaben auf, werden beim Start je 2×24=48 Brut- und 48 Futterwaben benötigt.

    Bei den 12er MP Systemen sind das 8 Zargen, dh auch 4 Völker mit je 3 bis 4 Zargen.

    Wenn diese Spendervölker dann noch weiter existieren und nicht auf 6 Waben mit Königin dahinsiechen sollen, brauchen die mindestens 24 Waben für sich, was die Anzahl der Spendervölker wieder erhöht.

    Wenn man die Testvölker zu schwach bildet, wird man das im schleppenden Wachstum und Ausbau der Waben des Testvölkchen merken. Später nach der Infektion führt es dazu, das das Volk sich davon nicht richtig erholen kann und überhaupt nicht in Fahrt kommt.

    Wer jetzt denkt, gut ich habe genug Bienenmasse und wenig Einheiten, machen wir mal den Pot richtig voll, der tut sich überhaupt kein Gefallen und riskiert den Verlust des Volkes.

    Die Testvölker sind oft selbst bei heißer Witterung unterwegs und je größer sie sind und je mehr Bienmasse auf kleinem Raum vorhanden ist, um so eher werden sie verbrausen.

    Da kann man aufpassen wie man will, das passiert den erfahrendsten Imkern. Selbst wenn es nicht auf der Fahrt ist, kannst du vergessen ein Flugloch zu öffnen, Mini steht in praller Sonne am Besamungs-, Infektions- , Auszählungsort oder am heimischen Platz und die ganze mühevolle Arbeit und das investierte Geld ist für die Katz.

    Sollte sich vor der Infektion zeigen, das einzelne Völkchen zu stark gebildet sind, dann bitte schröpfen. Diese geschröpften Waben und Bienen bitte nicht schwächeren Testvölkchen zugeben, denn vor der Infektion und danach bis zur Auszählung darf das Volk nur mit Bienen der jeweiligen Königin am Start sein.

    Ich höre oft die Frage, wie transportiere ich über die Brutwaben oder KS möglichst wenig Milben in die Völker?

    Das spielt überhaupt keine Rolle. Vormilbenpopulationen werden bei fähigen Völkchen schon allein minimiert oder wenn nicht, da hat sich das mit der Königin eh erledigt.

    Bei der SMR Auszählung spielt die absolute Menge an Milben nicht direkt eine Rolle, sondern da geht es eher um die Ermittlung der Reproduktionsbehinderung der Varroamilbe.


    (Fortsetzung folgt)


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Prinzipiell gebe ich persönlich ungern Zellen zu den Völkchen, da ich so schon den Prozentsatz Zelle nicht geschlüpft als Fehlerquelle ausschließen kann. Weiter kann ich so eine vollständig markierte Königin hinzugeben und brauche später weniger zu suchen. Das schnelle finden ist vor allem beim käfigen vor der Besamung wichtig. Da die Königinnen da schon brünstig sind, sind sie auch sehr hibbelig und nicht selten steigt sie auf und dreht dann mal eine Runde.

    Kleiner Tipp, wenn man Zellen reingibt, kann man auch die Königin an einem Abend nach dem Schlupf suchen und zeichnen dann sind die noch nicht so schnell unterwegs, oder man kann eine weitere Zelle reingeben, falls die Köniigin nicht geschlüpft sein solle.

    (Wenn man keine Zellen verwende und noch offene Brut auf den Waben ist, kann die Annahmenquote auch niedrig sein...)

  • Teil3

    FranzXR, ja das ist vollkommen richtig, das kann man so auch erfolgreich machen.

    Weitere Beweggründe, warum ich das so mache, sind ein bis 2x weniger Störungen und Arbeit mit den noch kleinen Völkchen bei der Suche und Kennzeichnung der Königin.


    Recht hast du mit offener Brut, da musst man bei den Wabenspendern im Zeitplan eine Woche vorher schon einmal eine Vorsortierung in die ganzen Spenderzargen der jeweiligen Völker über ein Absperrgitter machen. Ich versuche dann die Waben halbwegs von der Brut- und Futtermenge zu ordnen.

    So kann man sich seine 3er oder 4er Wabengruppen vorher schon einmal Königinnen frei in die Spenderzargen zusammenstellen. Die Arbeit kann man auch auf mehrere Tage aufteilen, wenn man nicht soviel Zeit für alle Spendervölker hat.


    Zum Zeitpunkt x heisst es dann nur, alle MP in Doppelreihe (weil ich mir 2er Böden gemacht habe) auf die Wiese, MiniFlugloch zu, Spendervölker der Reihe nach Zargen runter und die vorsortieren vollkommen verdeckelten Waben einfach recht schnell in die Minis einsortieren, Deckel drauf, Mini fertig.

    Wenn alle Minis gefüllt sind hole ich die Königinnen geeignet gekäfigt in einem kleinen Karton aus dem Brutschrank.

    Königin werden mit Wassersprüher angefeuchtet "reingeworfen", Deckel zu, nächstes Mini.

    Bei mir ist die Königin mit Nicotnäpfchen im Schlüpfkäfig, weil ich den einfach handhaben kann und die Königin beim Zeichnen gut rein und raus zu befördern ist.

    Diese Volksbildung soll ja auch nicht ewig lange dauern und je mehr Einheiten man bildet, um so weniger aufwendig muss der Ablauf sein. Mann muss jetzt nicht hetzen, aber bei 30min pro Mini, wäre ich damit sonst 12h beschäftigt.

    Selbst bei 5min sind das immer noch 2h für alle MP.

    Die Bildung mit Kunstschwärmen oder Waben splitte ich und mache erst die Wabenspender zu Ende. Da ich vorsortiert habe, weiß ich im Normalfall, wieviel Völkchen ich dann noch mit KS machen muß. So fahre ich im Anschluß durch die Gegend und besorge soviel kg an Bienenmasse, wie ich brauche.

    Am nächsten Tag bilde ich dann aus den "abgehängten" Bienen mit Pheromonspender (tote oder lebende Königin, Geruchsbändchen was auch immer) dann die restlichen Völker.

    Man kann auch zu spärlich gebildeten Brutwabenvölkchen eine Kell Bienen dazu geben.

    Es gibt viele Möglichkeiten, die jeder sich selbst zurecht biegen kann.

    Alle rumfliegenden Bienen bei der Bildung fliegen zu den Spendern zurück und vagabundieren dann nicht heimatlos in der Gegend rum. Bei den KS sieht es etwas anders aus, da hat man dann immer noch eine Weile heimatlose Bienen rumschwirren.

    Die fertigen Minis kommen jetzt bis zur Besamung an einen nicht sonnigen Ort außerhalb des Flugkreises der Spender mit Flugloch zu und dürfen bei mir frühestens nach 3 Tagen geöffnet werden.


    Gefüttert wird bei mir 1:1 Zuckerwasser am Anfang ca 0,5l pro Fütterung. Nachschub gib es, frühestens nach 3 Tagen, wenn das Futter alle ist.

    Je nach Volksgröße und Ausbau der Mittelwände steigt die Menge dann auf 1-1,5l pro Fütterung.

    Ich rechne 20kg Zucker Minimum pro Volk im Projekt und habe da dieses Jahr locker bis jetzt 300kg nur in die Prüfvölker verabreicht. Seit Oktober bekommen sie keine 1:1 Mischung mehr, sonder 3:2 Zuckerwasser.


    Das sind alles Größen, die jeder für sich einplanen muss.

    Manchmal sehe ich bei der Besamung schon fehlerhaftes Futtermanagement, deutlicher wird es jedoch bei der Auszählung, wenn die Völker überfüttert oder teilweise gehungert haben, bzw die 2. Zarge nicht rechtzeitig aufgesetzt wurde.

    Da ist dann die ganze Arbeit nahezu umsonst, da entweder kaum Bienen und Mini Brutnest oder gar kein Brutnest vorhanden sind. Da kann man dann nichts zählen und das Volk ist für dieses Projektjahr wertlos.


    (Fortsetzung folgt)


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Teil4


    Da hier auch die Frage nach der Selektion kam, kann ich hier den nächsten Teil anschließen. Dabei geht es um die Auswahl einer Königin- und Drohnenlinie. Was ist dabei meines Erachtens nach zu beachten. Vorweg, mein Lehrer und Wissensvermittler hat mir geraten, nimm nur getestetes Material bei Drohnenlieferanten. Was heisst das? Normalerweise liefert eine Königin mit Ihren Drohnen die genetischen Eigenschaften der Königinmutter/Großmutter des Drohns.

    Somit werden auf Belegstellen und zur Besamungen immer Töchter einer weiterzugebenden Linie benutzt.

    Beispiel: b7 = b3435 ins EL7112

    Setze ich jetzt als Drohnenvolk ein Volk mit der Königin B7 ein vererbe ich die Eigenschaften der Mutter B3435 mit den Drohnen der B7. Die Anpaarung der B7 mit der EL7112 spielt dabei keine Rolle.

    So könnte man meinen das jede Schwester der B7 als Drohnenvolk genau die gleichen Eigenschaften vererbt. Rein theorethisch ja rein praktisch nicht, da es für Allelkombinationen 65535 Möglichkeiten gibt.

    Darum muss man sich sicher sein, das die Königin der Drohnenvölker auch über die Eigenschaften, der über die Drohnen zu vermittelnden Eigenschaften verfügt, damit das auch korrekt weitergegeben wird und nicht einer 2 hoch 16 Variation im Drohn zum Opfer gefallen ist.

    Somit sollte man nicht einfach eine beliebige F1 als Drohnenmutter, sondern eine ebenfalls in einer Auszählung attestierten Königin benutzen. Da ich das selbst noch nicht ganz richtig verstanden habe, werde ich mich zukünftig trotzdem daran halten. Darum empfehle ich im ersten Projektjahr solche Königinnen durch die Auszählung und den Überlebenstest zu ermitteln. Meine Empfehlung geht sogar etwas weiter. Es ist vorteilhaft mehrere gleich angepaarte Schwesterlinien zu ermitteln und so mit mehreren Drohnenvölkern als Superschwestern anzutreten.

    Bei der Besamung kann man sich dann entscheiden, ob man SDI (single drohn insemination) Königinnen oder MDI (multi drohn insemination) als 1drc ( 1 Drohn Colonie ) oder xdrc (x Anzahl der Schwesterndrohnengruppen) besamen lässt.


    Einige Ausführungen zur Bildung von Drohnenvölkern brachte ich schon. Ich verfahre nach der 47/50 Tage Regel mit dem Einlegen der Drohnenwabe in das Drohnenvolk.

    Bisher habe ich mit Drohnenwabenmittelwänden gearbeitet um zeitliche Puffer zu haben, wenn ein Volk mal nicht bauen will. Zur Not kann ich bei schlechter Bautätigkeit auch 2 Tage später eine Drohnenwabe einsetzen. Die sollte man jedoch das Jahr vorher ausbauen lassen haben. Hat man dies alles nicht, nimmt man 5 bis 7 Tage mehr als Zeitpuffer für den Einsatz eines Leerrahmen.

    Wird das ganz schnell ausgebaut und bestiftet, entnimmt man ihn friert alles ein und hängt zeitlich abgestimmt ein neues oder dieses Rähmchen wieder ein.

    Ich benutze 43mm breite Drohnenrahmen inklusive Abstandshalter in verschiedenen Formaten (DD, 1/2DD, MP, DD-HR) DD Drohnen Rähmchen kann nan bei Wagner kaufen, die anderen sind selbst gebaut. Diese Rähmchen gebe ich kurz vor Schlupf in neu gebildete weisellose Drohnenableger. Ich versuche damit Drohnenzargen zu bilden, die ich ober- und unterhalb mit Absperrgittern zum Pflegevolk kapseln kann.

    Diese Zargen kann ich dann problemlos Völkern auf oder untersetzen, wie auch immer ich möchte, um meine Flexibilität zu erhalten und die Drohnen immer genetisch geschützt zu halten.

    In den letzten Jahren habe ich 6DD formatig große Drohnenableger ohne Königin gebildet. Nächstes Jahr möchte ich das mit 2 zargigen 6erMP Pflegeabteil plus einer Drohnenzarge und mehreren Superschwestergenetiken probieren.

    Ich habe für mein Hardwareystem passende Drohnenflugkäfige gebaut (für MP muss ich noch), damit ich Drohnen vor der Besamung definiert fliegen lassen kann. Bei mehreren Völkern versetze ich am Abend den Käfig und am nächsten Tag können dann die Drohnen des anderen Volkes fliegen.

    Gelegentlich markiere ich die Drohnen am Tag oder ein Tag nach Schlupf mit einem Farbstift. So habe ich genau markierte Drohnen, wenn man bei schlechtem Wetter die Beute öffnen muss, um die Drohnen abzusammeln, weil sie wegen Kälte oder Regen im Flugkäfig nicht fliegen wollen, oder das Volk schon gut "abgeerntet" ist. Auch kann ich wenn ich dringend noch ein zwei Drohnen für eine vollständige Spermaladung benötige, ausgebügste Drohnen von überall abnehmen und verwenden.


    (Fortsetzung folgt)


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

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  • Teil5


    Nachdem ich ausgiebig die Drohnenseite beleuchtet habe, möchte ich noch etwas zu den Königinnen die die Larven liefern sagen.

    Bei der Auswahl hängt es davon ab was ich erreichen will.

    Am Anfang wird es meist eine Kreuzungszucht sein.

    Ansatz 1 - eine Königin oder Zuchtlinie aus meinem Bestand zeigt seit mehreren Jahren im Vergleich zu anderen immer etwas weniger Milben.

    Ansatz 2 - eine Königin oder Zuchtlinie soll mit VSB Eigenschaften angereichert/stabilisiert werden


    Im ersten Jahr unseres Projektes haben wir eine potente Königinlinie aus dem Bestand von Andreas und Rudolf Gerber B261(ARG) und eine fremde Linie M97(DSU) von Dietmar Uhlemann aus dem sächsischen VSH Programm genommen.

    Diese beiden Linien sind schon vorbelastet und es hätte mit dem Teufel zugehen müssen, wenn da gar nichts bei rauskommt. Ich wollte gern für das erste Projekt die Kollegen mit Erfolgserlebnissen überzeugen und begeistern.

    Das ist auch ganz wichtig, denn jeder wird den großen Aufwand im Projekt kennen lernen und wenn dann nur wenig Erfolge erarbeitet werden, motiviert das nicht gerade.

    Gut das hat jetzt wenig mit der Biene zu tun, aber wenn man gemeinsam in Projekten arbeitet und noch neu anfängt muss man überzeugen, nicht mit Worten und Chi Chi, sondern mit meßbaren Ergebnissen.

    Darum haben wir schon rechtzeitig Drohnenlinien gesucht, die aus Projekten anderer Verbände stammen.

    Die Kollegen aus Hessen und Peter Spiecker stellen uns Völker und Dronenwaben zur Verfügung.

    Die Hälfte davon war projektentsprechend vorbelastet die andere Hälfte würde ich persönlich als experimental einstufen.


    Im 2. Jahr haben wir ganz viele Königinlinien ausgewählt. Darunter Linien aus dem Projektvorjahr und viele aus unseren eigenen Reihen. Dabei waren jahrelange Linien standbegattet, auf jahrelang auf Belegstellen geführt mit VSH potenten Drohnen begattet oder Überlebensköniginnen unserer Projektteilnehmer.

    Bei den Drohnenlinien haben wir diesmal potente vorbelastete Linien eingesetzt. Hier vielen Dank an die Buckfastkollegen aus Bayern, Hessen, Peter Spiecker und unsere eigenen Kollegen.

    Im Nachhinein muss ich sagen, das man nicht an allen Stellschrauben drehen sollte sondern in der Anpaarung Königin Experiment mit TopTip Drohnenvolk bzw anders herum kombinieren sollte.

    In Abhängigkeit der Menge an Testvölkchen kann man mehr oder weniger Experimente machen.

    Bitte lässt auch immer eine größere Menge der einzelnen Kombinationen besamen, die gut unter den Teilnehmern verteilt sind.

    Zur Absicherung der gesamten Genetik sollten neben den SDI Einheiten auch MDI Einheiten erstellt werden.

    Sobald ein Teil experimental ist, ist es meiner Meinung wichtig diese als SDI Kombination zu erstellen.

    Allerdings haben SDI angepaarte Kreuzungen keine hohe Lebenserwartung. Von den SDI Kreuzungen aus dem ersten Projektjahr leben nur noch ganz wenige. Ich bin in der glücklichen Lage noch so eine Königin in meinem Bestand zu haben und hoffe, das sie noch so lange hält, das man da nächstes Jahr noch nachziehen kann.


    Die instrumentelle Besamung muss besonders sorgfältig vorbereitet werden, denn der Besamer sollte so wenig Leerlauf wie möglich haben. 2020 hatten wir so ca. 120 Königinnen mit 85% SDI besamen lassen, 2021 war das Verhältnis eher 20% SDI bei ca 140 Königinnen. Matthias Engel hat mich bestimmt als Sklaventreiber an dem Wochenende verflucht.

    Vorher muss man einen Plan haben, welche Königin mit welcher Nummer aus welchem Züchterkästchen soll mit welcher Drohnenlinie in welcher Art besamt werden.

    Dabei gilt es Anpaarungswünsche der Züchter einerseits, als auch Verwandschaftsverhältnisse der Königin- und Drohnenlinie zu beachten. Wir haben in diesen Kreuzungen auf möglichst ferne und oder einzigartige Kombinationen geachtet, da wir neue Linien gesucht haben und vorhandene mit Eigenschaften angereichern wollten.

    Als besonders gut haben sich 2 Brutkästen erweisen.

    So kann man den Materialfluß vor der Besamung und nach der Besamung trennen und besser überwachen.

    Weiter benötigt man viel Platz zum aufstellen der ganzen Testvölkchen. Diese Plätze sollten pro Züchter gekennzeichnet werden. Jedes Prüfvolk/Königin sollte unabhängig von Beutennummern und Königinnummer eine Projektnummer haben.

    So kann man Projektbezogen auch wenn man will anonymisiert den ganzen Prozeß abarbeiten.

    Neben dem Besamer ist es gut ein Projektkoordinator für die Besamung zu haben.

    Der kontrolliert alle Stufen und sorgt dafür, das der Besamer immer Material im Zulauf hat.

    Das Außenteam sorgt dafür, das alle Königinnen nach Vorgabe aus den Kästchen geholt werden, gegebenfalls genug richtige Drohnen zum Ausquetschen in Reichweite des Besamers sind

    und nach dem ganzen Prozeß die fertigen Königinnen auch wieder in das richtige Kästchen zurück gebracht werden.

    Diese Prozessüberwachung in Zusammenarbeit mit dem Außenteam ist extrem wichtig, denn wenn eine Königin falsch besamt in einem falschen Kästchen landet, bei der Auszählung super Werte liefert, Leute davon nachziehen .... ist das einfach nur .... bäh ....und vollkommen nutzlos gewesen.

    Eventuell wird von falschen Königinlinien nachgezogen, wo sich nach Jahren immer noch kein nennenswerter Erfolg einstellt.

    Trotzdem unterlaufen dabei auch immer Fehler, die mich persönlich sehr ärgern, weil schon soviel Arbeit, Zeit und Geld drin steckt.

    Im Besamungszyklus kann man die Königin auch zeichnen und den Flügel schneiden wenn gewünscht.

    Ich befürworte den Schnitt, den Plättchen können im Nachhinein auch abfallen.

    Von einer Königin, die kein Plättchen mehr hat ziehe ich grundsätzlich nicht mehr nach, weil ich nicht sicher sein kann ob es abgefallen ist, oder es eine andere Königin ist.

    Wenn der Flügel geschnitten ist, kann sie kaum zugeflogen sein, also doch noch die Originale sein.


    (Fortsetzung folgt)


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.