Hilfe beim Finden einer Betriebsweise

  • Hallo zusammen,


    die Arbeit an den Bienen ist - bis auf die Winterbehandlung - für das Kalenderjahr erledigt. Nach anderthalb Imkerjahren bin ich ziemlich frustriert: das erste (Kalender-)Jahr auf eigenen Füßen lief echt bescheiden und das es vielen, auch erfahrenen Imkern so ging, macht es auch nicht viel besser.

    Was mich am meisten nervt, ist, dass ich noch immer keine klare Vorstellung einer Betriebsweise entwickelt habe: ich habe den Eindruck, dass ich weniger weiß, mir weniger klar ist, als ganz zu Beginn. Ich drehe mich im Kreis, der Knoten will nicht platzen, irgendwo beißt sich die Katze immer in den Schwanz. Vielleicht hat von Euch jemand den Nerv, mir ne Ausfahrt zu zeigen?


    Beutensystem ist Dadant. Eingewintert habe ich drei WV, vier starke/frühe Ableger/Jungvölker (die sitzen alle auf zehn Waben incl. Futter), und zwei spätere/schwächere Ableger (da reden wir von sechs Waben Dadant incl. Futter).

    Ich hoffe, dass ich mit mindestens sechs Völkern aus dem Winter komme (bin bei einigen skeptisch).


    Was will ich dauerhaft?


    - Nominell zehn WV führen (kann und wird ja zwischen acht und zwölf schwanken), kein Wachstum darüber hinaus

    - möglichst keine "überschüssigen" Völker, da ich hier mit Dadant auf weiter Flur allein bin, was den Völkerverkauf erschwert (eines meiner Hauptprobleme, sonst würde ich (s.u.) einfach genug Ableger bilden)

    - Je die Hälfte der WV soll jedes Jahr eine frische Königin vom Züchter bekommen, also umgeweiselt werden.

    - Königinnenzucht ist bis auf Weiteres abgesagt, ich muss erstmal mit den Basics klar kommen

    - TBE als Spätsommerbehandlung

    - einfach wäre schön, scheine ein deutlich schlichteres Gemüt zu sein, als bisher gedacht :rolleyes: ...


    Es geht mir nicht um Schwarmkontrolle, Honig, Füttern, etc.; das bekomme ich hin.

    Es geht mir um die Völkerführung und -verjüngung bzw. das Umweiseln. Ich würde gern Krabelzellen oder unbegattete Königinnen kaufen, die ich standbegatten lasse, um sie als legende Königinnen zum Umweiseln zu nutzen.

    Aber wie und wann?


    Bevor ich hier wieder langatmig beschreibe, was ich mir alles überlegt habe, frage ich lieber: wie würdet ihr das an meiner Stelle machen?


    PS: ja, dazu gibt es viel - für mich aber offenbar zuviele Möglichkeiten, ich habe irgendwie den Überblick verloren :/

  • möglichst keine "überschüssigen" Völker, da ich hier mit Dadant auf weiter Flur allein bin, was den Völkerverkauf erschwert (eines meiner Hauptprobleme, sonst würde ich (s.u.) einfach genug Ableger bilden)

    Hallo, solange du mit dem Auto erreichbar bist, sehe ich da kein Problem. Im Frühjahr werden Dadantvölker mehr gesucht wie Zander und DN.....

    Bis bald

    Marcus

  • Dass Du glaubst, weniger zu wissen als 'ganz am Anfang' solltest Du nicht negativ werten!

    Das zeigt doch nur, dass Du langsam dahinter kommst, was bei den Bienen wirklich Sache ist - nicht nur in der staubigen Theorie, auf geduldigem Papier oder in den Überlegungen eines unerfahrenen Imkers.


    Bzgl. der überschüssigen Völker/Ableger, von denen Du befürchtest, sie nicht los zu werden:

    Imker kaufen manchmal ganz gern Völker von weiter weg. Eben da, wo man sich nicht unbedingt kennt. Und dann vielleicht sogar regelmäßiger, als man meinen könnte...


    Sich selbst eine gewissen Einfachheit zuzugestehen, ist übrigens echt 'ne feine Sache. Noch besser, wenn man's sogar umsetzen kann 😊

  • Es geht mir nicht um Schwarmkontrolle, Honig, Füttern, etc.; das bekomme ich hin.

    Das reicht doch erst mal bzw. ist mehr als manch Anderer in der ersten Saison hinbekommt.

    Bevor ich hier wieder langatmig beschreibe, was ich mir alles überlegt habe, frage ich lieber: wie würdet ihr das an meiner Stelle machen?

    Zuerst eine Pause. ;)


    Irgendwann überlegst du dir dann, woher die Unbegatteten kommen sollen, bestellst ggf. vor und siehst zu, das die Ablegerkisten/Beuten bis zur Lieferung wieder frei sind.

  • Moin Waldi !

    Alles, was Du da aufgeschrieben hast hat doch schon einmal Hand & Fuß, von daher kannst erstmal getrost genießen, was Du alles so geschafft hast! Du hast klar vor Augen, was Du willst. Du hast klar definiert, was Du kannst. Du hast klar erkannt, wo noch Optimierungen erfolögen müssen.

    Ich finde also, dass Du doch Deine Betriebsweise schon hast?! Wenn es jetzt "nur noch" um die Verjüngung geht, dann suchst Du Dir dafür am besten hier im Forum unter der Suchfunktion Tipps oder fängst zu lesen an.

    Ich persönlich würde bei der noch überschaubaren Völkerzahl begattete Königinnen kaufen und in '22 damit umweiseln. Wenn Du sie auf Standmaß hältst, dann kannst Du sie im Herbst durch zuhängen einfach einweiseln und Du hast nur 1 Maß am Stand, was ziemlich nice ist. Ichhabe Mini+, bilde kleine Kunstschwärme bei der ersten Ernte ud lasse die neuen Königinnen dann so durch den Sommer laufen, beurteile die Königin und die Nachkommen auf alle mir wichtigen Eigenschaften und setze im Herbst auf die WV auf, ist aber Geschmackssache.

    Wenn Du dann Ende der kommenden Saison klarer siehst, kannst du die '23 Saison dann mit Schlupfzelle, unbegatteten Königinnen oder der eigenen Zucht beginnen, dann bist Du schon sicherer.

    Insgesamt mußt Du Dir keinen Kopf machen, klingt alles logisch, was Du schreibst!

    Viel Erfolg beim Finden Deiner Antworten und LG Rudi

  • Wenn du TBE machen möchtest, stecke doch in die Brutsammler nach 9Tagen eine Zelle/Prinzessin.

    Im September sind diese Königinnen dann allesamt vollreif.

    Jetzt entweiselst du die Zielvölker - bspw jene, die du als schwächste identifiziert hast - und steckst dort jeweils einen Brutsammler mit seiner jungen F1 vom Züchter rein.


    Ergebnis:

    Die vermeintlich untauglichen Kös sind umgeweiselt, die Schwächlinge verstärkt, die Anzahl der Völker wächst nicht exorbitant.

    Es ist etwas wie TuB, nur vertikal :)


    Im Frühjahr erstellte Ableger, bspw. zur Schwarmverhinderung, kann man ja ggf. auch vereinen.

    Der vielleicht wichtigste Aspekt zu mehr Gelassenheit in der Imkerei: So viele Völker zu viel haben, dass man ohne Reue zusammenlegt, allein um die Völkerzahl zu reduzieren :)

  • Hallo, solange du mit dem Auto erreichbar bist, sehe ich da kein Problem.

    Hast du schon versucht Völker zu verkaufen?

    Nein, bisher noch nicht. Meint Ihr wirklich? Ok, das würde die Sache ggf. vereinfachen. Ich war davon ausgegangen, dass sich sowas eher im lokalen Umfeld abspielt. Was mich außerdem zögern lässt ist, dass ich meine Beuten egtl. auch nicht verkaufen möchte - und üblich wäre Verkauf in der Kiste, richtig?


    Der vielleicht wichtigste Aspekt zu mehr Gelassenheit in der Imkerei: So viele Völker zu viel haben, dass man ohne Reue zusammenlegt, allein um die Völkerzahl zu reduzieren

    Da würde ich gern hin, genau!

  • Hallo Waldi,


    üblich ist eigentlich der Verkauf nur der Rähmchen, also Käufer bringt leere Beute + ein paar Rähmchen mit und bekommt von Dir aus Deiner Beute die Rähmchen.

    Dubium sapientiae initium. Zweifel ist der Weisheit Anfang. René Descartes

  • Wenn du TBE machen möchtest, stecke doch in die Brutsammler nach 9Tagen eine Zelle/Prinzessin.

    Im September sind diese Königinnen dann allesamt vollreif.

    Jetzt entweiselst du die Zielvölker - bspw jene, die du als schwächste identifiziert hast - und steckst dort jeweils einen Brutsammler mit seiner jungen F1 vom Züchter rein.

    Genau solche Überlegungen tragen mich immer aus der Kurve. Den Ansatz kenne ich natürlich (trotzdem Danke!), aber wenn ich die TBE kurz vor oder bei Trachtende Anfang/Mitte Juli (s.u.) mache, dann sitzen die WV "im September" doch - je nachdem wann im September - nicht nur auf zehn frisch ausgebauten Waben, sondern haben neben einem noch ansehnlichen Brutnest auch schon den größten Teil des Futters eingelagert. Wo soll ich denn da die mindestens vier oder sechs Waben des "Brutsammlerablegers" noch unterbringen? Oder nehme ich dann entsprechend Futterwaben raus und füttere nochmal ordentlich nach?

    Genau in diesem Kleinklein verstricke ich mich immer.


    Reiner Schwarz hat in seinem Buch einen in gewisser Weise ähnlichen Ansatz unter dem Rubrum "Zwei auf einen Streich" (S. 86 f) beschrieben. Auch der klingt total charmant - bis auf die Kleinigkeit, dass er das Verfahren, das auch das Sprühen von Milchsäure (inzwischen würde er vielleicht Oxalsäure empfehlen) beinhaltet, Ende Juni ansetzt. Bei ihm ist da schon mehr oder weniger Trachtende (s. Hauptteil des Buches), er geht also offenbar von (frisch) abgeräumten Völkern aus. Hier blühte in den letzten beiden Jahren die Linde und offenbar auch die Brombeere fleißig bis Mitte Juli. Leidlich trocken war meine Sommertracht erst gg. Ende Juli: eigentlich schon reichlich spät selbst für eine klassische TBE.


    Manchmal frage ich mich, ob ich nicht stumpf Ableger zur Schwarmverhinderung und MAQS-Streifen zur Spätsommerbehandlung im August (!) nutzen sollte, wie das hier in der Gegend offenbar die meisten nach alter Väter Sitte machen X/ ...

  • Konzept ist wichtig; denn man verliert sonst die Ziele aus den Augen. Dazu gehört erstmal einfachste Disziplin, z. B.

    - nichts entscheide ich aus der Hosentasche am geöffneten Volk, sondern mache es wieder zu und überlege, was die "große Linie" sein soll,

    - wenn ich weiß, wie es dort hinein passt, handle ich. Selten muss man schnell etwas machen, um den Bienen den Weg zu weisen.

    - unangenehme Aktionen, die dem Ziel dienen, schiebe ich nicht weg, weil "sich später schon eine Lösung finden wird". Diese "Lösungen" entwickeln sich fast immer zum Problem (Arbeit!).

    - Materialmangel vermeiden, d.h., für z.B. 10 Völker habe ich Beutenmaterial inkl. HRe für 15 Völker. Damit kann das Konzept "atmen".


    Ein Forist hatte hier mal sehr gut beschrieben, wie man immer auf dem "level" von 3 Völkern bleiben kann. Ich erinnere mich, dass über die Trachtsaison der Bestand auf 5 Völker wuchs (Schröpfung und Ableger), diese im Spätsommer konsequent zu 3 Völkern vereinigt wurden, mit denen überwintert wurde. Rechnet man das hoch auf die angestrebten 10 Völker, kommt man auf theoretisch 10 WV und 7 Ableger. Daraus z. B. im Spätsommer wieder 10 bis 14 WV zu machen, ist kein Problem. Der Überschuss an Ableger ist Kö'-Reserve, an WV ist im FJ Verkaufsmasse.


    Ich mache das mit 6er Styrokästen für Ableger, in denen kleine Völker auch überwintert werden können.


    Wichtig ist, konsequent zu selektieren und zu realisieren. Mit den Jahren bekommt man Routine und das Probieren hört auf.


    Viel Erfolg!

  • Hallo gehen wir davon aus du kommst mit 6 Völker aus dem Winter, kauf dir zur Schwarmzeit im Mai 6 begattete Königinnen und ernte aus den 6 WV Bienenfleisch für 6 oder auch nur 3-4 Kunstschwärme.. Einschlagen behandeln,Füttern, separater Stand.

    Eine Woche vor Honigernte Königinnen im Wv knipsen, bei Honigernte Bienen aus Honigraum in Kunstschwarmbox, behandeln und vor die 6 Kunstschwärme auf dem separaten leeren zum einlaufen lassen...

    Zwei Wochen (21Tage+) nach Honigernte Wirtschaftsvölker auf begatteter Königinn kontrolieren, behandeln mit Ox, evt verdeckelte Brut raus (vernichten,einfrieren)..

    Königinnen von Wirtschaftsvölker im Oktober mit gekaufter Kö ersetzen bzw Völker vereinigen...

    Solltest du bei dieser Größe bleiben würde ich mit Hand abkehren ohne bienenflucht abkehrmaschine etc. Und auf Kunstschwärme mit begatteter Kö setzen.


    Mfg Martin

  • Moin,

    warum schließt du "Zucht" kategorisch aus?

    Es muss ja nicht ungedingt Zucht sein, reines Vermehren geht soch auch.

    So hast du es selber in der Hand, wann du wieviele Königinnen hast, ggf. ja auch Überschuss, den du "abgeben" kannst.

    Vielleicht gibt es bei dir um die Ecke einen Züchter oder einen guten Vereinskollegen, von denen du gutes Kö-Material zum Umweiseln bekommen kannst.

    Mit dem Vermehren kannst du im späten Frühjahr starten und gleich Völker, die dir nicht so viel Spaß machen, da einbeziehen (Sammelbrutableger, Mini-Kiunstschwärme, etc.)

    Die Kö's würde ich dann erst einmal parken und gucken, wie die sich machen (Ablegerkästen odre Mini+), und entweder später im Jahr oder im Jahr darauf (ganz nach Bruder Adam) die WV, die es nötig haben, umweiseln.

    Schließe das Nachziehen der eigenen Kö's nicht aus, es hilft auch, später für sich zu entscheiden, welche Bienen und welches Konzept ich fahren möchte.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool: