Tracht in der Stadt bzw. dem Stadtrand (Berlin)

  • Hallo!


    Da ich im nächsten Jahr nach Berlin bzw. den Stadtrand ziehe, stellt sich mir die Frage, an welcher Stelle ich die Bienen aufstelle:


    1. Direkt am Wohnbereich hätte ich im Umkreis von ca. 500 m Kleingärten und einen Friedhof. Ab 500 m gibt es dann fast nur noch Kiefermischwälder und Seen in alle Richtungen. Reicht dieses Gebiet um mit einer akzeptablen (Hobby-)Tracht zu rechnen? :/


    2. Der zweite Standort steht 40 min weit weg. Dafür erstreckt sich das das Wohngebiet mit Kleingärten über mehr als 2 km im Umkreis, das wäre sicherlich schöner für die Bienen, aber umständlicher für mich.


    Im Grunde reduziert sich meine Frage darauf, ob ein Umkreis von 500 m mit Kleingartentracht ausreicht um auf eine gewisse (Frühtracht-)Ernte hoffen zu können?! Oder ist das extrem Einzelfallabhängig?


    Viele Grüße

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Moin,
    ich imkere zwar nicht in Berlin, aber ausschließlich in Kleingartenbereiche. Erfahrungsgemäß kann ich feststellen, dass die Frühtrachternte einmal sehr Witterungsabhängig und dennoch auch geringer als die Sommertracht ausfällt. Bei der Sommertracht wird die Linde dann manchmal noch zu einem richtigen Booster.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Moin,

    Berlin ist stark einzelfallabhängig und eine pauschale Aussage zum Standort kaum bis garnicht möglich. Wichtig ist nicht die Größe der Anlagen sondern die Bewirtschaftung, obwohl der Eintrag aus den Anlagen wohl der geringste Anteil der Tracht sein wird... Kastanie, Akazie, Linde dürfte bei mir überwiegen...

  • Frühjahrsblüte ist hier recht selten, nur in den letzen zwei heißen Jahren gab es da gute Einträge. Linde eigentlich in den letzten zehn Jahren immer gut.

    Obstblüte wird auch in den Kleingärten nicht so üppig ausfüllen, in dem normalen Gärten ist hier so ZiemlichEssig. Da gibt man ja Thuja, Rasen, Forsythien, Schotter, gepflasterten Outdoorküchen, Stellplätzen und Pools den Vorzug….


    Aber wie Du schriebst, extrem abhängig vom Einzelfall und vom Wetter.

  • Kleingärten eben 😬🥴

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • Moin,

    man meiner Meinung in keinster Weise vorhersagen, wie sich die einzelnen Standorte im laufe eines Jahres entwickeln.

    Ich würde beide Standorte testen, am besten über mehrere Jahre, und dann entscheiden.

    Ich bin selber Standimker im Randgebiet von Hamburg und jedes Jahr ist anders.

    Einzig weiß ich, dass die erste "Tracht", die Weide, bei mir am Stand als Aufbautracht nicht unerheblich ist, weswegen ich meinen Standort mag.

    Das Frühjahr ist sehr durchwachsen, auch je nachdem wo und ob Raps zu finden ist.

    Beim Sommer kommt es bei mir auf die Linden in der Umgebung an. Von Lindenblüte (extrem hell) bis Tautracht (extrem dunkel) war schon alles dabei.

    Und jedes Jahr ist anders!

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Je vielfältiger die Landschaft/Bepflanzung für das Gebiet, desto höher ist die Ausfallsicherheit, wenn einzelne Phasen wegen Temperatur oder Trockenheit ausfallen. Dafür gibt es auch in guten Jahren keine Massen an Honig von einer Tracht. Da die Bienen oft auch Quellen finden, die dem Imker beim Spaziergang entgehen, bleibt dir nur ausprobieren. Wichtiger als üppig Nektar zu jeder Zeit finde ich Pollen, wo man auch mit Blumenbeeten und ungemähten Wegrändern/Gartenecken ein Mindestmaß an Versorgung bekommt. Nektar könnte man zur Not auch leichter durch Füttern oder größere Vorräte beim Schleudern übrig lassen kompensieren. Für den direkten Vergleich müsste man beide Standorte auch im direkten Vergleich testen (gleiche Zeit, ähnliche Völkerzahl und Volksstärken). Wenn du im Zweifelsfall schon damit zufrieden bist, dass der bequemere passt, dann probier doch zunächst nur den sofern du dort alle Völker unterbringen kannst, ohne einen Standort zu überfordern.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Die Erfahrung hier am Stadtrand von MD und meinem Kollegen der einen Stand in MD und mehre „auf dem Land“ hat ist: Die Stadt schlägt das Land! Bei mir hat in diesem Jahr der Heimatstand pro Volk genau soviel gebracht wie der Wanderstand (Robinie, Linde, Sonnenblume und Heide). Allerdings ernte ich zu Hause keine Sortenhonige und das ist für mich das Entscheidene.

  • Ja, das mit dem Sortenhonig ist ein echtes Argument, um zu wandern. Die Nähe zur Stadt ist aus meiner Sicht (als Kleinstimker) wichtig und wenn es geht, weg weg we von intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen. Nahezu jeder qm wird mehrfach im Jahr mit Spritzung behandelt, das ist in der Fläche im Stadtgebiet nicht so.

    Aus meiner Erfahrung ist ein Friedhof im Flugbereich sehr gut, weil es dort meist große Blüher wie Kastanien und Linden in nicht unerheblicher Anzahl gibt und auch gleichzeitig für den Herbst eine Menge Efeu vorhanden ist.

    Der Platz selbst ist natürlich zusätzlich zu beobachten im Hinblick auf "Kälteloch", Wind und Wasserversorgung.

    Ich imkere an 3 festen Ständen und alle sind unterschiedlich, obwohl sie nur in einem Dreieck liegen mit ca. 3 km Abstand zum jeweils anderen Stand. Jedes Jahr erstaunlich, wie sich das Honigergebnis unterscheidet und wie unterschiedlich sich die Völker entwickeln.

    LG Rudi

  • Guten Morgen ! :)


    Meine stehen im südlichen Stadtteil von Berlin.


    Kleingarten


    Die Tracht ist bei mir das Jahr über wirklich gut, beginnend mit der Obstblüte.

    Ich ernte keinen Sortenhonig.

    Aber:

    Bis dato (toi,toi) keine nennenswerte Trachtlücken bis Juli !


    Fließende Übergänge von Stein- Kernobst, Ahorn, Robinie ( nicht immer üppig) bis hin zur Linde, ist hier bei mir wirklich in sehr großer Menge vorhanden.


    Ich kann mich wirklich nicht beklagen, Standort ist klasse !

    :)


    LG

    Hulki

  • Hat jemand Erfahrung, wie es mit Golfplätzen ist? Da wird ja glaube schon mal behandelt, gleichzeitig gibt es da aber auch Blühstreifen. :/

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Beide nehmen und testen. Man braucht sowieso mehrere Standorte, z.B fürs Aufstellen von Flitterwöchnern, Ablegern, Brutscheunen, Räubern usw. Zwei Standorte, doppelter Spaß!

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.