Oxalsäure verdampfen im Bienenhaus

  • Hallo ich habe ein Bienenhaus übernommen. Es ist mit 10 Völkern besetzt. Bei der Varroakontrolle vor 2 Wochen lag der Befall bei 5%- ermitelt wurde mittels auswaschen.

    Ein Behandlung ist also ratsam.

    Ich habe also eine Blockbehandlung mit Oxalsäure sprühen begonnen. Dabei sind leider 3 Königinnen "verschwunden" also wahrscheinlich gequetscht worden.


    Beim Sprühen habe ich ja den feinen Sprühnebel, der sich ebenfalls in der Hütte gut verteilt. Die Tröpfen legen sich auch auf weitere Flächen nieder.

    Diese werden verdunsten und die Oxalsäure bleibt als Staub liegen. Dies schätze ich min genauso gefährlich ein wie Staub durch verdampfen.


    In der Schweiz wir Oxalsäure verdampft und das auch im Bienenhaus. natürlich erfolgt die Behandlung von außen und mit weit geöffneten Fenstern. So soll gewährleistet werden das sich Staub, der aus den Beuten dringt, sich möglichst nicht im Bienenhaus niederschlägt. Es wird weiterhin geraten das Bienenhaus nach der Winterbehandlung bis Februar nicht mehr zu betreten.


    Wenn man vom dümmsten User (also ich) ausgeht muss man annehmen das ebenfalls Staub auf den Flächen zu liegen kommen wird.


    Gibt es im Forum Chemiker, die mir erklären können,

    - ob Oxalsäure Pulver ds ja dann eine extrem große Oberfläche hat Waser anzieht und sich verflüchtigt. Und welcher Zeiraum zugrunde liegt.

    - ob sich die Säure auf andere chemische Reaktionen einlässt und sich abbaut und wenn ja in welchem Zeitraum

    - oder ob es chemisch inert da liegt bis es mit igrendwas reagiert, also meiner Haut.


    - Wie viel Gramm Oxalsäure werden versprüht, bei der üblichen 3% Lösung wenn man ca. 60ml (6ml pro vollbestezte Wabe verwendent). Gege ich richtig, das es ca. 1,8g sind? oder muss man es mit Gewichts %, oder Mol% rechnen?

    Am Freistand hat man ja genug bewegte Luft um sich rum und außer der Beute keine kontaminierten Flächen. Im Bienenhaus können sich die Rückstände über die Jahre auch anreichern.

    Die Kernfrage ist eigentlich was ist aus Anwendersicht die sicherste Variante. Und wo ist die Gefährdung im Bienenhaus am geringsten.


    Und welchen Arbeitsschutz sollte man dan aus reiner Vorsicht tragen, (Handschuhe, und Filtermaske (FFP3))?

    Und welche weitere Vorsichtsmaßnahmen kann und muss man treffen, also hald mehr als Lüften.

  • Innerhalb eines geschlossenen Raumes würde ich OXS keinesfalls anwenden - weder sprühen, noch sublimieren.

    - OXS enthält in Pulverform 2 Teile Wasser pro Teil OXS (-dihydrat). Bis auf diesen Anteil zieht es kein Wasser aus der Luft an, d.h., es bleiben feste Partikel auf den Oberflächen.

    - Diese verflüchtigt sich nicht (die Bienen putzen sie aus dem Stock).

    - chemisch inert ist es nicht aber als feste Form stabil. Es baut sich nicht von selbst ab

    - Beim versprühen von 60 ml 3%-iger OXS-Lsg. werden 1,8 g OXS verteilt.

    - Arbeitsschutz wäre Schutzbrille FFP3 Maske und Handschuhe.


    Einfacher, aber gleich wirksam wäre eine Staubbehandlung von außen durch das jew. Flugloch. Nach vollständiger Behandlung dann den Innenraum gut lüften (Maske).


    Anmerkung: Im trockenen Zustand ist OXS-Pulver völlig harmlos. Erst wenn es der Haut/Schleimhaut Wasser entzieht, löst sie sich auf und wirkt sauer (lokal ätzend). Auf dem Effekt beruht ja der Transfer in den Milb über die Haftmembranen der Füße.

  • Zum Abbau/Zerfall von OX habe ich noch eine Einschätzung von Glaronius aus 2016 gefunden:

  • Update:
    Inzwischen würde ich nicht mehr von Dampf reden, stattdessen 'Staubwolke', da die resublimierte OS (Oxalsäure) kein (Kristall-)Wasser mehr enthält.

    Technisch bin ich inzwischen auf Ultraschall-Vernebelung umgestiegen. Da ensteht wirklich feuchter Nebel mit gelöster OS. Gründe für den Umstieg: Der Nebel bleibt kühl (nicht ganz kalt), veranlasst dadurch praktisch keine Fluchtbewegungen der Bienen, sie klettern teilweise sogar gegen den Strom in den Bedampfungsschlauch, und der Dampf setzt sich leichter und besser an den Haftlappen der Milbe fest.

    Das gilt natürlich nicht für die Bienen in Deutschland: Mein herzliches Beileid an die - natürlich niemals bedampfenden - Imkerkolleg/innen dort.

    MfG, Wolfhard

  • Glaronius: Hast Du wirklich einen signifikant besseren Wirkungsgrad der Ultraschallvernebelung gegenüber der Sublimation festgestellt? So akribisch, wie Du arbeitest, wage ich eine weitere Frage aus echtem und ernstgemeintem Interesse: Kannst Du den Unterschied gar in %-Größenordnungen angeben?

  • ribes
    Nein, die Effizienz ist in etwa die gleiche. Ganz grob stelle ich nur ein weniger verzögertes, dafür aber auch weniger anhaltendes kräftiges Abfallen der Varroen fest: 2 Tage lang reichlich, dann rasche Rückkehr zum natürlichen Fall, ist aber statistisch nicht robust belegbar. Einen Vorteil sehe ich darin, dass ich rascher sehe, ob eine weitere Bedampfung angezeigt ist, sodass die Gesamtbelastung (durch Varroa und Behandlung) kürzer ist und allfällig anbehandelte Varroen schneller erfasst werden - so meine unbewiesene Vermutung. Für mich entscheidend jedoch ist die offensichtlich geringere Irritation der Bienen, soweit ich das aus dem Bewegungsverhalten ableiten kann.
    Im Moment verfolge ich den Ansatz, dass pro Behandlung 4g Oxalsäure gegeben werden müssen, die sich als einzig wirklich wirksame Dosis - gegenüber 1 - 3 gr wie üblich und zugelassen - erwiesen haben (Arbeitsgruppe um Ellis, J apic res 60(2021)3p414-420).
    MfG, Wolfhard

  • Hallo Wolfhard,


    danke für die ganzen Hinweise zum Vernebeln. Hast Du eventuell noch ein paar Hinweise zum verwendeten Gerät und wie Du den Nebel in die Beute bekommst (Flugloch, Bodenschieber etc.)?


    Grüße Ronald

  • Hast Du eventuell noch ein paar Hinweise zum verwendeten Gerät und wie Du den Nebel in die Beute bekommst (Flugloch, Bodenschieber etc.)?

    Hallo Ronald
    Ich benutze das Gerät von Bienen Ruck. Ist leider sehr leicht gebaut und ein wenig spillerig, aber es funktioniert.
    Ich bedampfe über das Futterloch im Deckbrett, dabei kann ich das Gerät darauf abstellen und parallel mehrere Völker behandeln. Übers Flugloch kann ich nicht empfehlen, denn Dampf ist immer schwerer als Luft, kann sich also bei Zufuhr von oben besser verteilen. Bodenschieber und Flugloch dichte ich vorher ab.
    MfG Wolfhard

  • Vielen Dank für die ganzen Antworten.

    Vor allem an Glaronius! Darf ich fragen hast du ebenfalls ein Bienenhaus? Die Behandlung von Hinterbehandlungsbeuten lässt mich das annehmen.


    Mein Problem ist eigentlich weniger die Anwendung der Oxalsäure- da wird hoffentlich jeder die sinnvolle Schutzkleidung tragen. Also Handschuhe, Langärmlige Kleidung sowie Brille und FFP3 Maske.


    Vernebeln oder Verdampfen findet ja dann von außen nach innen ins Bienenhaus statt. Mit der "Gefahr" dass sich auch Staub durch die Beuten ins Bienenhaus gelangt.

    Beim Sprühen habe ich zwangsläufig Aerosole im Bienenhaus, also nach dem verdunsten des Wassers auch wieder Staub im Bienenhaus.

    Unser Bienenhaus lässt sich baulich bedingt gut lüften.

    Dennoch ist davon auszu gehen, dass sich bei diesen beiden Anwendungsformen Staub im Raum niederschlägt.


    Das Risiko für den Anwender,liegt doch darin, dass man nach der Behandlung keine Schutzkleidung mehr trägt, aber der Staub immer noch da ist. Die Bienen sind mir in diesem Punkt mal egal, es geht rein um das Risiko für mich, meine Familie und evtl. Besucher


    Es wäre also besser eine Verdampfung/ Vernebelung/ Zerstäubung von außen vorzunehem, dabei das Bienenhaus zu lüften und alle Beutendeckel sowie Bodenschieber mit feuchten Lappen zu bedecken.

    damit sich dort die Rückstände fangen können.

    Anschließend das Bienenhaus trotzdem nur mit Maske betreten um die Fenster zu schließen.


    Das Risiko für mich als Imker wäre so geringer als wenn ich den Sprühnebel von ca. 170 Rähmchen (10x Golzbeute) absolut unkontrollierbar im gesamten Raum verteile.

    Zumal von den Instituten nur die FFP2 Maske empfohlen wird....


    Die alternative wäre eine schlechter wirkende Milchsäurebeahndlung jetzt im Herbst- darf man hier eine Block behandlung als Varroa Bremse machen?

    Und träufeln im Winter.


    Nur für träufeln ist es jetzt zu warm und für AS ist es zu kalt..... das st das eigentliche Dilemma..

  • Gordian Vorsicht ist besser als Nachsicht! :thumbup: Hier in der Schweiz imkern sehr viele in Bienenhäusern mit Hinterbehandlungsbeuten (Schweizerkästen). Der Gebrauch des Varrox ist ebenso weit verbreitet und das schon seit Jahren. Allfällige Oxalsäurerückstände in den Bienenhäusern sind noch nie zu einem Problem geworden, von dem man öffentlich gehört hätte. Ich denke, mit den gängigen Vorsichtsmassnahmen bzw. mit dem von Dir skizzierten Vorgehen dürfte kein relevantes Gesundheitsrisiko bestehen.


    Eine Blockbehandlung würde ich jetzt nicht mehr durchführen. Bald sind die Bienen brutfrei. Dann ein gezielter Schlag, fertig. Völker, die es nicht bis dahin schaffen, hätten schon längst aufgelöst werden müssen.

  • Egal, ob du von außen durch das Flugloch oder von innen durch eine (nachher verschließbare) Öffnung bedampfst, wird aus jeder Ritze auch feiner OS-Staub in das Innere vom Bienenhaus gelangen. Dieser wird sich auch auf allen Oberflächen niederschlagen. Das Rausquellen aus jeder Ritze kann man ja auch bei der Behandlung bei freistehenden Beuten beobachten.
    Wenn du es allerdings schaffst, während der Behandlung und danach mit Lüften (am besten Durchzug) den in der Luft schwebenden Staub hauptsächlich nach draußen zu verteilen, ehe er sich drinnen niederschlagen kann, sollte der Rückstand im Bienenhaus ziemlich gering sein. Da ist dann eher die Verbreitung in der Umgebung das Problem, wenn jemand ungeschützt in der Nähe vom am Bienenhaus ist. Eine offene Sprühbehandlung der Waben im Bienenhaus sorgt wahrscheinlich wirklich für eine höhere Oberflächenkontamination, wenn du die Sprühnebel nicht absaugen kannst.
    Ob das zusätzliche Abfangen der Staubpartikel drinnen wirklich eine nennenswerte Verbesserung gegenüber dem Lüften bringt, müsste man vermutlich konkret an deinem Setting probieren. Dazu einfach eine dunkle Unterlage zum Messen daneben legen und an einer Beute mit und ohne zusätzlichen "Fangteppich" drumrum bedampfen. Du kannst für die Versuche ja auch zusätzlich eine Decke auf den Oberflächen auslegen, um die Verunreinigungen beim Versuch einzufangen oder mit Staubschutzfolien/tunnel aus dem Baumarkt den Bereich um die TEstbeuten eingrenzen statt gleich alle Oberflächen im Haus zu versauen. Schaden wird der zusätzliche Schutz wohl nicht, aber der Aufwand ist dann schon nochmal deutlich höher... (aber eigentlich musst du deine Bienen zum Bedampfen derzeit ja sowieso über die Grenze fahren ;) )

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Darf ich fragen hast du ebenfalls ein Bienenhaus? Die Behandlung von Hinterbehandlungsbeuten lässt mich das annehmen.

    12 meiner Völker sind im Bienenhaus, die restlichen 30 auf Freistand an 2 Orten. Hinterbehandlung habe ich vor Jahren verlassen und arbeite nur mit Magazinen. Nach innen dichte ich die offenen Böden mit Schaumstoff ab, da kommt kein Dampf ins Haus. Und wenn doch, dann halte ich die Luft an und gönne dem bisschen Dampf die Freiheit.
    Im Übrigen sollte man die Kirche im Dorf lassen, denn....

    Allfällige Oxalsäurerückstände in den Bienenhäusern sind noch nie zu einem Problem geworden, (....) mit den gängigen Vorsichtsmassnahmen (...) dürfte kein relevantes Gesundheitsrisiko bestehen

    Dem kann ich zu 100% beipflichten.
    MfG Wolfhard

  • ...Für mich entscheidend jedoch ist die offensichtlich geringere Irritation der Bienen, soweit ich das aus dem Bewegungsverhalten ableiten kann.


    Im Moment verfolge ich den Ansatz, dass pro Behandlung 4g Oxalsäure gegeben werden müssen, die sich als einzig wirklich wirksame Dosis - gegenüber 1 - 3 gr wie üblich und zugelassen - erwiesen haben (Arbeitsgruppe um Ellis, J apic res 60(2021)3p414-420).

    Vielen Dank Glaronius!

    zu 1.: M.E. kommt es auch auf die Umgebungsbedingungen an. Bei von mir beobachteten Sublimationen z.B. in Magazinen mit Flachboden von unten (Höhe der Windel, ca. 10cm bis zum Unterträger der BrutR-Rähmchen) werden die Bienen infolge des Wärmeeintrags durch den Erhitzer deutlich aktiv, fächeln dagegen an und verteilen so den sublimierten OX-Staub noch zusätzlich gut untereinander. Ähnlichen Effekt beobachtete ich beim Oxamaten, kein Ausweichen der Bienen.

    Bei Naßvernebelung dagegen, noch dazu bei herbstlich kaltem Wetter/Nachttemperaturen würde ich dagegen einen (ungünstigen) Kühlungseffekt vermuten (Verdunstungskälte des mitvernebelten Wassers). Aber da fehlt mir freilich die praktische Anschauung.


    2. Leider kann ich die von Dir genannte Quelle nicht finden. Die würde ich gerne gegenlesen zu den Ergebnissen des Flächenversuchs der Fischermühle an 1.509 Bienenvölkern, in dem 1 g OX/Volk für das Sublimationsverfahren als ausreichend wirksam ermittelt wurde (deutlich über 90 %, kein signbifikanter Unterschied, ob 1,4 g oder 2,8g OX/Volk). Kannst Du uns die genauere Quelle nennen?