Naturbau nach der Sommersonnenwende/Trachtende

  • Es heißt ja immer, Bienen bauen wenn sie nur genug Futter und Bienenmasse haben. Dazu gibt es die Tricks mit dünn und intervallweise füttern. Bei mir hat das nun schon im dritten Jahr nach der Sommersonnenwende/Trachtende Anfang/Mitte Juli nicht mehr funktioniert. Meine Völker bauen bei Warré eine Zarge im Naturbau noch gut aus wenn sie gefüttert werden, gehen aber nicht mehr in die zweite Zarge runter. Da lungern sie nur noch in einer Traube rum, lassen sich aber nicht dazu überreden, noch Waben zu bauen. Selbst der große Naturschwarm den ich am 12.07.21 gefangen habe hat nach einer Zarge das bauen eingestellt. Zusätzlich zu Füttern habe ich in den letzten 3 Jahren schon ausprobiert: einzelne Waben runterhängen (im ersten Jahr auch mal ne Brutwabe, was mir immer noch leid um die arme, danach verkühlte Brut tut), zu 2/3 abgeschnittene Honigwaben von anderen Völkern reinhängen (da haben sie dann ordentlich die rissigen Kanten geglättet aber keinen cm weitergebaut).

    Das ist ein echtes Hemmnis in der Völkerführung. Zum einen muss ich bei der Honigernte (ich presse ja) darauf achten, genug Waben intakt zu lassen und somit nicht zu ernten, dass auch die späten Völker noch ihre zwei ausgebauten Zargen für die Überwinterung bekommen. Außerdem fällt die TBE als Behandlungsmöglichkeit weg, da die Völker ihr Wabenwerk nicht mehr gebaut bekommen.

    Irgendwie muss man doch die Völker noch zum bauen animiert bekommen, bei den Heideimkern ging das doch sogar noch im September. Liegt es an den Oberträgern, dass die als Bausperre wirken? Die 150km die ich weiter nördlich wohne als die Heidjer können doch nicht den Riesen Unterschied machen oder doch? Oder ist das eine Tatsache die ich akzeptieren und auf die ich mich dann betriebstechnisch anpassen muss?

    Wie machen das die erfahrenen Naturbauimker hier im Forum?

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré-Beuten, in dieser Saison „klassische Magazinbetriebsweise“ im Naturbau, aktuell 9 Völker

  • Erklär mal ein paar Details:

    Verstehe ich es richtig, du hast eine TBE gemacht? Wieso nicht nach oben erweitert?

    Wie, womit und wie oft gefüttert?


    Glaskugel: TBE gemacht, da ist die Bauphase durch die Bienen begrenzt. Ab Tag drei wird etwa 7-10 Tage gut gebaut, davor ist der Schock noch da. Da bauen sie dir die Zarge mal eben aus. Dann sinkt die Bienenmasse und auch das zunehmende Alter bremst. Wenn der erste Brutsatz schlüpft, dann wird langsam die Bautätigkeit wieder aufgenommen. Aber gebaut wird nur, wenn es unbedingt nötig ist, also der Futterdruck so groß ist, dass es sonst keinen Platz gibt. Aber lieber oberhalb des Brutnests als unten. Bestehende Waben werden nach unten verlängert, Holz aber ungern überwunden. Nach oben klappt es besser. Vielleicht mal nach oben erweitern und eine Leerwabe als Richtmaß und Kldtterhilfe geben. Besonders nach einer TBE würde ich keine BW isoliert in eine Zarge geben - große Brutflächen, wenig Pflegebienen --> schnell verkühlte Brut.

  • Nach fünf Jahren Naturbau bin ich diesen Sommer im Zuge der TBE auf Mittelwände umgestiegen. Ich hatte es bereits geahnt: Dazwischen liegen Welten. Das Tempo, in dem Mittelwände ausgebaut werden, ist – zumindest nach meiner bescheidenen Erfahrung – viel, viel höher als das Tempo, in dem Naturbau errichtet wird. Trotz sehr dünner Fütterung (weniger als 1kg Zucker auf 1kg Wasser) wurden die neuen Naturbauwaben oben immer extrem dick ausgezogen, das ist bei Mittelwänden nicht der Fall gewesen. Nur schwache Völker haben nicht alle Mittelwände nicht komplett ausgezogen. Bei Naturbau (Dadant US) waren immer nur relativ wenige Waben letztlich ausgebaut.


    Erstaunlich: Die MiniPlus-Völker, denen ich sicherheitshalber aus Platzgründen nochmals eine Zarge mit Rähmchen und grosszügigen Anfangsstreifen aufgesetzt habe, müssen alle (!) kurz hochgewandert sein und die Waben ausgezogen haben – aber nur bis zum Ende des Anfangsstreifen, keinen Millimeter weiter. In diesen Waben ist nix und es sind auch keine Bienen mehr da, aber offenbar üben diese vorgeprägten Wachsplatten einen ungeahnten Reiz aus … :/


    Arbeite nächstes Jahr einmal mit Mittelwänden oder grossen Anfangsstreifen und beobachte. Ich weiss, dass dies nicht zum Warré-Konzept passt, aber Du wirst sehen, dass Du den Bienen das Leben mit Mittelwänden deutlich leichter machst.

  • Erstaunlich: Die MiniPlus-Völker, denen ich sicherheitshalber aus Platzgründen nochmals eine Zarge mit Rähmchen und grosszügigen Anfangsstreifen aufgesetzt habe, müssen alle (!) kurz hochgewandert sein und die Waben ausgezogen haben – aber nur bis zum Ende des Anfangsstreifen, keinen Millimeter weiter.

    Das klingt danach, als gäbe es für die Bienen einen Unterschied zwischen „Ich mach das mal fertig“ und „Ich fang hier mal was neues an“

  • Erstaunlich: Die MiniPlus-Völker, denen ich sicherheitshalber aus Platzgründen nochmals eine Zarge mit Rähmchen und grosszügigen Anfangsstreifen aufgesetzt habe, müssen alle (!) kurz hochgewandert sein und die Waben ausgezogen haben – aber nur bis zum Ende des Anfangsstreifen, keinen Millimeter weiter.

    Das klingt danach, als gäbe es für die Bienen einen Unterschied zwischen „Ich mach das mal fertig“ und „Ich fang hier mal was neues an“

    Ja, scheint wirklich so. Aber eben: Nur meine minimal(st)e Erfahrung!

  • Guten Morgen Deichkind


    Bei mir, kenne ich dieses Problem nicht.

    Meine heurigen 2 Nachschwärme, bauten noch den ganzen August lang. Und der eine davon, bis Mitte September.

    Auch Schwärme im Juli, bauen diese "60 Liter" Raum praktisch noch gänzlich aus.


    Ich müsste aber schon mehr zu deiner Vorgehensweise wissen.


    Lg Sulz.

  • swissmix, das es mit Mittelwänden einfacher wäre, ist mir klar. Die Bienenprodukte die ich für meine Familie haben will sind Presshonig, Naturbauwachs und Propolis. Also herzlichen Dank an alle, die mir mit meinen Naturbauproblemen weiterhelfen möchten.

    Also hier meine bisherige Vorgehensweise bei Jungvölkern zur Fehleranalyse, anbei ein paar Beispielbilder wie meine Beuten im Betrieb aussehen.


    „Nackte“ Völker (z.B. Feglinge/Fluglinge/Schwärme) bekommen als Start eine Beute bestehend aus 2 Zargen a ca. 20l mit Oberträgern und Leitwachsstreifen.

    In diesem Jahr aus verschiedenen Gründen (Brutnestkontrolle, Futterkranzprobemöglichkeit, Platz für Futtertasche oder Nassenheider classic) modifiziert mit mobilen „Halbrähmchen“ mit Leitwachsstreifen (s. Foto, Oberträgern mit Seitenleisten) an Position 3,5,8 von hinten im Kaltbau gesehen.


    Bis zur Einwinterung müssen die beiden Zargen (40l) vollständig ausgebaut sein. Es klappt zwar auch auf einer Zarge zu überwintern wenn man Futterteig auflegt (habe ich im ersten Jahr gemacht), dann fehlen ihnen aber die Waben für die Durchlenzung und die Frühtracht.


    Während der Tracht habe ich im ersten Jahr gefüttert (alle 3 Tage 1l Zuckerwasser 1:1), in den letzten zwei Jahren nicht mehr. Soweit ich das bei der geringen Stichprobe beurteilen kann, gab es dabei keinen Unterschied im Bautempo aber die „Zuckerwasserwaben“ waren instabiler und sind leichter abgerissen an heißen Tagen als die „Naturtrachtwaben“.


    Die einlogierten Völker hängen sich in der leeren Beute in der oberen Zarge zur Bautraube auf und bauen zügig die obere Zarge aus. Dann kommt eine Pause bis ein größerer Brutsatz schlüpft, dann gehen sie in die untere Zarge und bauen auch diese aus. So zumindest in der Tracht (bei uns bis Anfang/Mitte Juli).

    In jedem der drei Jahre die ich bisher Bienen halte habe ich irgendwo noch mindestens einen Schwarm gegen Ende der Tracht oder schon zur Zeit der Drohnenschlacht gefangen. Außerdem habe ich letztes Jahr nach dem Kurs bei Guido Eich bei einem Volk eine TBE Mitte Juli ausprobiert, indem ich es am Stellplatz vollständig in eine leere Beute abgefegt habe. Diese Völker bauten jeweils die obere Zarge gut aus. Die zweite Zarge dann aber nicht mehr, die nutzten sie nur noch, um sich darin aufzuhängen, teils in einer richtig großen durchhängenden Bienentraube (bis zu 1/2 Zarge voll) aber ohne jegliche Bautätigkeit. Gefüttert habe ich in den ersten zwei Jahren mit Zuckerwasser 1:1, in diesem Jahr mit Sirup. Das führte dann wenn ich nicht aufgepasst habe zu einer Brutpause weil alle Zellen mit Futter belegt waren. Gebaut haben sie trotzdem nix mehr, egal was ich noch zusätzlich (s. Eingangspost) versucht habe.


    Mein diesjähriger Julischwarm sitzt inzwischen mit guter Bienenmasse in den beiden Zargen, hat in der unteren mehrere „defekte“ Waben anderer Völker mit Löchern drin (wo ich z.B. Pollenecken rausgeschnitten hatte bei der Ernte der Wirtschaftsvölker um die Waben einzulagern über Winter, mit dem Schwarm hatte ich nicht gerechnet). Er lagert in jede freie Zelle Futter, macht aber keine Anstalten die Löcher zu reparieren oder die Waben weiterzubauen.


    Im Warré Forum hatten immer mal wieder Jungimker ähnliche Probleme, ein sehr erfahrener Imker hatte den Verdacht, dass es an der Breite der Oberträger (2,4cm) liegt, dass diese als Bausperre nach unten wirken. Er hatte eine Versuchsbeute mit deutlich schmaleren Oberträgern gebaut und eindrucksvoll mindestens doppelt so schnelle Bauergebnisse ohne jegliche Fütterung demonstriert. Nun wusste dieser alte Herr aber nun wirklich was er tut und konnte mit Bienen in jeglicher Behausung umgehen, die Beute war da gewiss nicht der einzige Erfolgsfaktor.


    So weit die Erklärungen, nun bin ich gespannt auf Rückfragen und Tips.

  • Löcher in Brutwaben werden meist nicht schön repariert, es bleiben Spalten und Lücken, die sich in der nächsten Saison perfekt als Verstecke für Weiselzellen eignen. Am besten wird an Kanten angebaut, an die man sich gut anhängen kann. Senkrechte Seitenkanten sind auch schon schlecht. Das sollte man beim Ausschneiden berücksichtigen.


    Reiner Naturneubau nach Juli wird oft nicht vollständig ausgeführt, dh es gibt Waben, die zum Winter noch nicht bis ganz unten aufgefüllt sind. Damit muss man seelisch zurechtkommen können. Die Bienen bauen so viel, wie sie in dieser Situation brauchen und können. Das hängt von vielen Faktoren ab. Irgendwann nehmen sie nichts mehr an, aber normalerweise reicht die eingelagerte Futtermenge für dieses Volk. Auch wenn es für den Imker nicht so aussieht.

    Imkerforumstreffen am 11-13.3.2022 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda.

  • Deichkind


    Meine Oberträger sind 28mm Breit. Das kann nicht der Grund sein.


    Auf den ersten Blick, sehe ich bei der Fütterung einen Unterschied.


    Wenn keine gute Tracht herrscht, was bei Schwärmen im Juli bei mir wohl immer der Fall ist, dann gebe ich Rund 10-15 Liter Zuckerwasser 1:1 in den ersten 10 Tagen (1,5 L pro Tag) nach dem einlogieren.

    Erst danach, reduziere ich die Futtermenge je nach Bedarf.


    Lg Sulz.

  • Also viel mehr füttern dünn am Anfang und anders (wie? für 3d Legastheniker?) schneiden. Damit kann ich doch schon mal arbeiten.


    Kann oder sollte ich zum jetzigen Zeitpunkt die Völker noch dazu bringen die unvollständigen Waben zu vervollständigen oder geht das zu sehr auf Kosten des Fettkörpers der Winterbienen?

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré-Beuten, in dieser Saison „klassische Magazinbetriebsweise“ im Naturbau, aktuell 9 Völker

  • Deichkind Mir ist klar, dass mein Beitrag keine direkte Antwort auf Deine Frage war. Trotzdem wird das die für Dich und die Bienen angenehmste Lösung sein. Mittelwände kann man aus dem eigenen Wachs erstellen, Honig wird daraus sowieso nicht gepresst, die Ideologie darf auch gern mal hinter praktische Interessen zurücktreten (finde ich) … Ansonsten würde ich halt mit Kniffs arbeiten: Sehr, sehr viele Schwärme und Kunstschwärme produzieren, jeden eine Zarge ausbauen lassen, dann wieder wild vereinigen, ausgelaufene Brutwaben in bewohnten Kisten oder aber in einer Tiefkühltruhe «aufbewahren» und dann zum geeigneten Zeitpunkt wieder verwenden etc.


    Jedenfalls wollen Deine Bienen offenbar (wie meine auch) partout nicht so viel Naturbau erstellen, wie wir gerne hätten. Ich denke, das sollte man irgendwann respektieren. Vielleicht sind diese Gedanken in ein paar Jahren ja doch noch nützlich für Dich … ? :/

  • So kann man die Leistungsfähigkeit der Voelker und Koeniginnen erkennen.

    Natürlich ist Wöchentlich duenn fuettern angesagt, kostet Zeit.

    Früher gebildete Voelker haben es natürlich leichter die haben mehr Bienen wenn die K gut ist.

    Gute Voelker kommen von Mini Plus auf Dadant ohne viel Zusatzwabenmaterial.

    Leichter von 2 bis 3Dadant auf 10 Dadant. Zum Waben Wechsel im aufgesetzten System brauchts schon ziemlich Bienen- Druck.

    Hier helfen 2 ausgebaute Waben immer 1 Leerwabe und 1 Schied. Wenn voll, weiter so.

  • Kann oder sollte ich zum jetzigen Zeitpunkt die Völker noch dazu bringen die unvollständigen Waben zu vervollständigen oder geht das zu sehr auf Kosten des Fettkörpers der Winterbienen?

    Wenn kein Bedarf nach mehr Wabenbau vorhanden ist, und die Völker bei diesem "Ist-Zustand" gut durch den Winter kommen, dann würde ich da nichts mehr erzwingen.

    Es würde eh nur noch klappen, wenn noch ein recht akzeptables Brutnest vorhanden ist. Der Wintersitz, ist wohl schon in der oberen Zarge gegeben.


    Lg Sulz.

  • Jedenfalls wollen Deine Bienen offenbar (wie meine auch) partout nicht so viel Naturbau erstellen, wie wir gerne hätten. Ich denke, das sollte man irgendwann respektieren.

    Und ich denke, dass dies nicht an den Bienen, sondern an der Völkerführung liegt....... swissmix. vielleicht ist dir dieser Gedanke auch mal nützlich ;)


    Lg Sulz.....Bei dem es eher zuviele Naturbauwaben gibt.