Volk verkaufen, mal anders

  • Ein Firmenbesitzer ist gestern an mich herangetreten mit folgendem Anliegen :

    Ich möchte ihm ein Wirtschaftsvolk verkaufen incl. neuer Beute und sämtlichem Zubehör, neu.

    Das möchte er gerne neben meine Kisten auf unser Grundstück stellen, ich solle das Volk für ihn pflegen, versorgen und er möchte den Honig dieses Volkes dann für seine Mitarbeiter als kleine Präsente im 250 g Glas kaufen.

    Meine gesamten Auslagen und die Arbeitszeit wird er honorieren.


    Den höheren Sinn dahinter verstehe ich nicht ganz ( er kann ja 250g Gläser jederzeit bei mir kaufen) .

    Herausgehört habe ich nur, er will was für die Umwelt und die Insekten machen, hat aber weder Zeit, noch Ahnung noch Lust mit Bienen, da sie stechen.


    Hat jemand ein solches Angebot schon einmal bekommen und wo liegt evtl. der Haken ?


    Vom Bauch her habe ich keinen richtigen Bock auf so was, da eine strikte Trennung wohl gar nicht geht oder wenn das Volk krank würde, nicht übern Winter käme und , und ,und , ich dann die A - Karte habe.

  • Ihr solltet halt einen richtigen Vertrag machen, in welchem auf die möglichen "Problemfelder" inkl. Ernteausfälle etc. hingewiesen wird.


    Man will halt der Firma einen "grünen" Touch geben. Die Sache ist, dass für ein Volk eine einzelne Honigernte sehr aufwändig wäre, weswegen du dann die Ernte zusammenlegen würdest. Dann wird es aber interessant mit deinem und seinem Honig...


    Ich würde es eher auf die Richtung Miete gehen, bei dem du dort ein Volk pflegst, das Volk aber einen von deinen Völkern ist und du ihm Honig anbietest, welcher u.a. auch von diesen Bienen stammt.

  • Ich würde das Angebot so wie es ist annehmen. Er kauft sich das alles (über dich) und du steigerst dadurch erstmal deine Produktionsfähigkeit. Du musst keinen neuen Standort mit nur einem Volk aufmachen, was die Arbeit erleichtert. Am Ende kauft er dir den Honig (zu einem vorher festgelegtem Preis) ab. Das bedeutet, einen Teil des Honigs hast du schon vor der Ernte verkauft. Sollte das Volk nix bringen, verkaufst du die Ernte des Nachbarvolkes. Derselbe Standort und dadurch imho auch ein ähnlicher Honig wie er vom Firmenvolk zu erwarten gewesen wäre.

    Das Völker sterben können, würde ich einfach mal transparent machen. Es sind Lebewesen, da kann das immer passieren.

    Falls der Typ auf diese Zusammenarbeit irgenwann keine Lust mehr haben sollte, denke ich dass er dir alles umsonst oder für einen fairen Preis überlassen würde. Verloren hättest du in beiden Fällen nichts.

    Ich würde es machen :)

  • Viell. sieht er das 'Das ist mein Volk', auch eher symbolisch. Also dass das Volk, das in seiner Kiste wohnt halt 'sein' Volk ist. Wenn das wirklich mal nicht übern Winnter kommst, dann quartierst halt ein anderes ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihn das stört.

  • Vom Bauch her habe ich keinen richtigen Bock auf so was, da eine strikte Trennung wohl gar nicht geht oder wenn das Volk krank würde, nicht übern Winter käme und , und ,und , ich dann die A - Karte habe.

    Dann lass es auch bzw. geh auf die Schiene Patenschaft/Mietvolk, das dürfte für dich auch günstiger sein, wenn es sich nicht um eine einmalige Aktion der Firma handelt. Honigmenge müsste ja abschätzbar sein anhand der Mitarbeiterzahlen. Schriftlicher Vertrag über alle zu erbringenden Leistungen.

  • Tue gutes und rede drüber- und mindere deine Steuern.

    Firmenschild an die neue Beute und ein Reserveableger mehr einwintern, und wahrscheinlich wird bei der Buchführung raus kommen, das er als einziger Kunde den wahren Honigpreis bezahlt.

  • Ich kann ihm vom Gefühl her verstehen. Er möchte was tun, Geld ist ihm nicht so wichtig, also bezahlt er für die Sachen und Tätigkeiten die er nicht machen kann oder will. Das macht ein Unternehmer ja eh so.

    Wenn er das Volk und das gesamte Material kauft und dann die Arbeitszeit bezahlt, fände ich es unfair, wenn er anschließend für den Honig den normalen Preis zahlt.

    Was passiert mit Ablegern und Wachs aus seinem Volk?

    Damit es fair und nachvollziehbar bleibt, würde ich jede Arbeitszeit mit Datum und Uhrzeit notieren.

    Wie hoch soll der Stundenlohn sein?

  • Genau, überlege nicht lange,

    Material wird bezahlt und der Honig ist auch schon verkauft, besser kann man Dir kein Geld schenken. Gleicher Honig wie Nachbarvolk, dann ist es auch vollkommen egal ob es das erste Volk ist oder das zweite. Das Startervolk, daß Du als Ersatz dann einquartierst ist seins, das zweite und das dritte auch.

    Wenn Du noch eins drauflegen willst fragst Du ihn, ob er nicht auf dem Firmengelände vier oder acht Firmenvölker aufstellen will und die Kosten dafür übernimmt. Nägel mit Köpfen und was zum angucken für seine Kunden.

    Ich würde das sofort machen

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Solche Patenschaftsmodelle sind ja mittlerweile weit verbreitet. Ich würde, damit das nicht so kompliziert wird, nur den Honigpreis und die (anteilige) Abnahmemenge vereinbaren. Das kann dann entweder den kompletten Honig umfassen oder nur einen Teil der Ernte.

    Im Übrigen würde ich klarstellen, dass Volk und Beute Dir gehören. Das kann ja auch so aussehen, dass die "Gefahr des zufälligen Untergangs" bei Dir liegt. Das Ganze rechnet sich ja immer noch, wenn der Honig aus einem anderen Volk kommt.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ich denke, daß das Ganze auch einen symbolischen Charakter hat, woher da der Honig tatsächlich oder zu welchem Anteil kommt ist da nicht so entscheidend, ein akademisches Problem, bzw. eines für Korintendingens.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich kann ihm vom Gefühl her verstehen. Er möchte was tun, Geld ist ihm nicht so wichtig, also bezahlt er für die Sachen und Tätigkeiten die er nicht machen kann oder will. Das macht ein Unternehmer ja eh so.

    Wenn er das Volk und das gesamte Material kauft und dann die Arbeitszeit bezahlt, fände ich es unfair, wenn er anschließend für den Honig den normalen Preis zahlt.

    Was passiert mit Ablegern und Wachs aus seinem Volk?

    Damit es fair und nachvollziehbar bleibt, würde ich jede Arbeitszeit mit Datum und Uhrzeit notieren.

    Wie hoch soll der Stundenlohn sein?

    Solche Einzelheiten habe ich noch nicht durchdacht.

    Was würdet Ihr als Stundenlohn rechnen ?

  • Ob das System, ein Volk zu betreuen, welches mir nicht gehört, für einen selber paßt, wird wohl jeder für sich anders bewerten.

    Ich habe 2 Bienenstandorte (6 und 3 Völker) an denen meine Bienen in meinem Equipment, auf fremden Plätzen stehen, weil die Besitzer mich darum ersucht haben.
    Als Gegenleistung nimmt der Besitzer mir den kompletten dort geernteten Honig, in Gläser mit meinem Etikett abgefüllt und zum üblichen Verkaufspreis ab.

    In einem Dreizeiler haben wir das und auch die uneingeschränkten Zugangsrechte zu diesen Standorten für mich, festgehalten.

    Die Laufzeit für diese Vereinbahrung gelten jeweils für 1 Jahr mit automatischer Verlängerung oder einer Kündigungsfrist von 3 Monaten jeweils zum 1. April eines Jahres.
    Klappt bislang reibungslos, wobei ich auf Grund der guten allg. Honignachfrage immer zu wenig Honig zur Verfügung habe.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Ich denke, daß das Ganze auch einen symbolischen Charakter hat, woher da der Honig tatsächlich oder zu welchem Anteil kommt ist da nicht so entscheidend, ein akademisches Problem, bzw. eines für Korintendingens.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Mag für dich so sein, aus meiner Sicht ist das unehrlich!


    Wenn man ihm mitteilt: Du pass auf, das Volk hat dieses Jahr nur 15 Kg gebracht und deswegen kommen nur 60 Gläser a 250g raus, dann kann ER entscheiden, was er noch möchte.


    Wenn du einfach beifügst und ihm erzählst (bei Nachfrage) das es alles aus dem Volk ist und er zufällig irgendwo mitbekommt, dass alle Imker ein schlechtes Jahr haben, nur aus seinem Volk kommen 100 kg? Dann ist doch irgendwas seltsam, selbst für einen Nichtimker!