Imkerei als Nebenerwerb -- Tipps und Einschätzungen

  • ich habe garnicht reduziert. Ich arbeit 39 Stunden die Woche im Hauptberuf und mache die Imkerei nebenher.

    und alles andere ist nicht gut, was ist wenn dein Arbeitgeber sagt, so fertig gefaulenzt, wir arbeiten auch noch Samstags ? Mich haben 35 Völker und eine 50 Stundenwoche mit jedem 2. Samstag und Bereitschaft sehr beansprucht. Würde es nicht mehr machen.

    Bis bald

    Marcus

  • Hallo febee,


    nun hast Du ja schon einige Antworten erhalten - je offener und "ehrlicher " Du fragst, desto besser und "ehrlicher " (vielleicht auch nicht wie erhofft) werden die Antworten sein.

    Hallo Ihr Lieben,

    ich habe seit 8-9 Jahren Bienen, bis vor drei Jahren jedoch nur 1-2 Völker. Dann bin ich auf 3, 6, 9 gewachsen und plane jetzt den Sprung in den Nebenerwerb -- zum Start mit 50 Völkern. Dabei treibt mich vor allem um, wie ich das mit meinem Job in Einklang bringen kann und zu welchen Zeiten es am ehesten über mir zusammenbricht! ;-)

    Ich würde - bei aktuell gleicher Größenordnung - das Problem, ohne Dich zu kennen, vor allem im zu schnellen Wachstum sehen - von 3 auf 50+ in drei Jahren! Wenn Du nicht einer von ganz ganz wenigen bist, zu denen ich mich auch nicht zähle, wirst Du Probleme, Stress und vielleicht sogar Depressionen bekommen. Ich will Dir die Bienen nicht ausreden, das ist mit das Schönste, was ich bisher kennengelernt habe, aber auch das mit Abstand Härteste. Und die Idee, es könne so klappen, die hinter Deiner Frage steht, wäre für MICH ein deutliches Warnzeichen, dass es da an einer soliden "Risikobetrachtung" fehlt. Wie übrigens sehr oft bei Gründungen...


    Ich bin deutlich langsamer gewachsen und habe gerade die Tage von einem sehr erfahrenen Imker (35 Jahre im Nebenerwerb) nur Kopfschütteln geerntet, als er gehört hat, wie viele Völker ich neben einem normalen Job halte. Nachts zu arbeiten macht mir nichts aus, ich kann viel bauen, basteln und improvisieren, durchhalten und ich schinde mich auch gerne - aber irgendwann bist Du dann an einem Punkt, wo es eben nicht mehr geht und Du dann einfach den Spaß dran verlierst. Entkräftung, Übermüdung und schmerzende Glieder sind keine gute Basis, um Spaß an etwas zu haben. Und wie viel schon schrieben, es ein mehrfacher, mehrstufiger Veränderungsprozess, so ein großes Wachstum. Und teuer!

    3 oder 8 Völker machst Du an einem Abend mit der 4-Waben-Handschleuder in der Küche - bei Deiner Betriebsgröße brauchst Du einen hochwertigen Schleuderraum, ein sauberes Lage, Fahrzeug und Hebetechnik. Der Veterinär wird kommen und die Lebensmittelkontraille - bei uns hier eins.

    Erstmal außenvor:

    - Schleuderraum / Technik / Equipment (in Arbeit)

    - Honigabsatz (in der Mache)

    "... in der Mache" fände ich besonders bedenklich! Das ist der einzige Punkt, wo Du nach der Saison etwas für die vielen Stunden, den Schweiß , die Anstrengung und den Berg an Investitionen zurückbekommen kannst - und der Punkt ist offen? Das wäre einer der wertvollsten Bestandteile einer Imkereiübernahme - nicht olle Beuten, die nicht zu Deiner Betriebsweise passen oder Edelstahl oder alte ausgeleierte Rähmchen oder Beutenböcke.

    Bis auf Edelstahl kannst Du das alles selber bauen - solltest Du zumindest bei so einer Größe können. Der gut eingeführte Absatz, treue Kunden, die auf regelmäßige Lieferungen zu einem fairen Preis eingerichtet sind brauchst Du.

    Und nur dann macht es doch Sinn, so viele Völker zu halten, wenn man soviel Honig braucht, um die Nachfrage zu befriedigen, "Ich halte mal so viele, da finde ich schon Abnehmer" ist aus meiner Sicht - und da werden mir sicher einige aus dem Forum beipflichten - genau die falsche Richtung!

    Schau mal bei der Höhle der Löwen, die werden immer erst dann neugierig, wenn der Absatz schon läuft und die Marge stimmt.


    Grüße Frank

  • Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Standardisierung, wie meine Vorredner zum Teil schon angemerkt haben. Einheitliches Beutensystem, damit nicht überlegt werden muss, an welchem Stand jetzt was passt. Nicht nur gleiches Beutenmaß, sondern wirklich alles einheitlich, damit jede Zarge auf jede und auf jeden Boden und jede Futterzarge auf jede Zarge und jede Windel in jeden Boden und jede Bienenflucht auf jede Zarge und jeder Fluglochkeil in jeden Boden passt. Am besten ein System wählen, bei dem Futterzarge, Bienenflucht und Absperrgitter das ganze Jahr auf der Beute bleiben können. Außer Platz ist ausreichend vorhanden.Reduziert den Materialtransport ungemein.


    Alle Königinnen an einem Stand gleich alt und von gleicher Herkunft. Stände, wie schon erwähnt, strikt trennen, Wirtschaftsvölker von Ablegern trennen. Dann lässt sich die Entwicklung von Ablegern viel besser beurteilen, als wenn die an unterschiedlichen Ständen stehen.


    Die Stände (oder das Auto) so groß wählen, dass alle Völker an einem Stand mit einer Versorgungsfahrt versorgt werden können. Spart Fahrerei und Unsicherheit, welche Völker denn schon versorgt wurden.


    Konsequent Königinnen vom Züchter / Vermehrer des Vertrauens oder, wenn Zuchtkönigin vorhanden ist, selber von einer Zuchtmutter nahziehen. Damit ist einigermaßen gewährleistet, dass die Volksentwicklung gleich ist. Das spart viel Arbeit und Kopfzerbrechen. Auf Sanftmut achten, sodass möglichst ohne Schutz oder nur mit leichtem Schutz geimkert werden kann.


    Viele Grüße


    Carsten

  • Du musst körperlich und vorallem auch psychisch überdurchschnittlich belastbar sein.

    unbedingt, man stelle sich ein gebrochenes Bein oder Arm mitten in der Saison vor...

    Ich würde davon Abraten in einem Schritt von 10 auf 50 zu gehen.

    Seh ich genau so, ohne jemandem, der einem da am Anfang zur Seite steht oder wenn die Imkerwelt am untergehen ist kurzfristig einspringen kann, ist es ganz schnell soweit, dass:

    Dass es mich mental fordert bis überfordert, habe ich eingeplant.

    Das glaubst du jetzt, das kann dich schnell körperlich und geistig auslaugen. Sowas kann man nicht einplanen, da es am Ende zu Lasten der Bienen gehen wird.


    Einfach Gerechnet gehst von 3 Minuten je Volk und Woche aus für die kurze Kontrolle, ist der Schwarmtrieb da, dann dauert es länger und du hast den Druck auch wieder auf Termin zu kontrollieren. Egal ob Regenwetter oder 36 Grad im Schatten! Dann hast 5 Tage Regen und genau am 1. hättest du Zellen brechen müssen, da kommst dann schon in Wallung sobald die Sonne wieder aus den Wolken hervor schaut. Dazu noch das daran denken und das Wissen im Hinterkopf, sowas verfolgt einen ganz schnell.


    Ist dann aber noch gar nix wenn du alle Völker zeitgleich abernten, zeitgleich Futter rein und dazu noch die Varrobehandlung erfolgen muss, da stehst dann bis tief in die Nacht im Schleuderraum und erlebst dann den nächsten Schock, weil der Wassergehalt über 20% liegt usw.


    Wenn ich aktuell meine Stunden rechne, dann bin ich neben dem normalen Job von 06:30 - 14:45 mit 37,6h beschäftigt und dann ab 15 Uhr geht es zu den Bienen bis es dunkel ist und im Bedarfsfall mit der Stirnlampe, im Durchschnitt ist das dann meist so 21-23 Uhr. Dazu noch Samstag und Sonntag den ganzen Tag mit etwa +-12 Stunden.

    In der Hautphase hab ich dann meist 4 Wochen Urlaub. Die +-60 Völker wären auch ohne Urlaub machbar, jedoch kommen dann für die Königinnen nochmal an die 3-400 Minis dazu. Belegstellentermine, Umlarven, Füttern und und und.

    Das kannst dann auf 5 Monate hoch rechnen in denen du spätestens Ende Mai/Anfang Juni auf dem Zahnfleisch daher kommst. Da hilft entweder ein Tunnelblick und alles andere um einen herum ausblenden oder man muss zeit für sich suchen um auch mal abzuschalten.


    Tatsächlich könnte ich auch 150 Völker halten und dann auch mit einem Großteil wandern, dann würde es aber mit den Königinnen zeitlich nicht aufgehen.

    Mit etwas Erfahrung kannst du nebenbei jeden Tag mit 20-30 Völkern rechnen die du dann konrollierst. Wenn dann aber eine Woche Regen kommt... oder du allen die HR geben musst, oder alle gefüttert, behandelt und abgeschleudert werden müssen... Das geht nur wenn man zuvor 2-3 Monate darauf hin trainiert hat (Anfang April- Mitte Juli).

    Ab einer gewissen Größe kann man die Arbeiten nicht mehr nur auf einen bestimmten Tag legen, man muss ständig darin sein um die Routine zu haben usw.


    Wenn du jemanden hast, der dich im ersten Jahr damit begleitet, dann mach es!

    Im Logbuch kam glaub ich nichtsmehr von mir, das habe ich dann aufgegeben. :)

    Reduziere doch eine Stunde im Job, dann hast auch wieder Zeit 8o8)

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Hi,


    ich bin inzwischen ungefähr bei der von Dir geplanten Völkerzahl.

    Allerdings langsamer gewachsen und trotzdem regelmässig an der Grenze der

    Überforderung gewesen. Wenn alles mitläuft, ist es kein Problem. Dann kann man

    die Völker auch locker neben der Arbeit pflegen und schafft alles.

    Ich bin noch 30 Stunden berufstätig und theoretisch ist alles kein Thema.

    Jetzt spielt mal das Wetter einige Tage nicht mit, oder man ist Krank oder verletzt, oder

    was auch immer. Dann fängt das ganze Konstrukt an zu schwimmen, und oftmals holt man den Rückstand die ganze Saison nicht wieder auf. Dadurch ergeben sich ständig neue

    Baustellen. Immer gerade dann, wenn man meint fast wieder dran zu sein.

    In der Rapsblüte ein oder zwei Durchsichten nicht geschafft, ergibt Schwärme.

    Nachschaffung hat nicht geklappt, benötigt Königin. Die Waben fangen im Schleuderraum

    oder auf den Völkern schon an zu kristallisieren und Du musst an diesem Wochenende eine Wanderung machen. Das kann man alles skalieren, es wird nicht weniger.

    Allerdings lernt man mit den Jahren damit umzugehen und entsprechend zu planen. Auch

    ein paar Urlaubstage zwischendurch entspannen die Sache ungemein. Aber diese

    Lernkurve benötigt halt Jahre und geht nicht von Null auf 100. Man muss halt seine

    Prioritäten setzen und manchmal ist die Fünf auch gerade.Selberbauen habe ich inzwischen komplett abgeschafft. Das machte mir zwar Spaß, aber kostete Zeit und vor allem

    können andere, die es gelernt haben, besser. Dann nehme ich für das Glas Honig

    lieber 50 ct mehr, und kaufe das was ich benötige ein.

    Ich habe allerdings auch kein Absatzproblem, eher immer zu wenig Honig.

    Meine Empfehlung wäre, die Imkerei zu kaufen, die Hälfte der Völker im Frühjahr verkaufen

    und in die Imkerei hineinzuwachsen. Wenn es dann läuft, werden die Völker von alleine

    wieder mehr und Du bist in der Lage sie auch entsprechend zu betreuen.


    Gruss Joachim

  • du kaufst/handelst dir blauäugig nen Haufen Ärger ein.

    In ein gemachtes Bett steigst sicher nich ein. Noch ises Hobby..

    Mann muss müssen können..... ;)

    Ich würds bei aller Verlockung nich machen, denn Träume>>Albträume

    Wachse langsam und aus eigener Kraft, dann klappst auch mit der Frau (haste die gefragt, die jubelt bestimmt nich)

    Haste keine Starke Frau, und steht die nich hinter dir....

    Schau/höre dich um, die Familie wird immer aussergewöhnlich belastet, isso

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.


    Hier gibts was Gutes zu lesen

    http://www.pedigreeapis.org

    Eure Pedigrees, könnt ihr ab sofort hier problemlos u. fachlich geprüft im Original eintragen

  • Ich persönlich denke, daß es sehr kritisch wird, neben einem Vollzeitjob noch eine größere Menge Bienenvölker zu bearbeiten oder gar eine Imkerei zu betreiben. Da hängt ja noch viel mehr dran. Das gilt auch für die Helden hier im Forum.

    Was das Wachsen angeht, sind die Grundlagen da, ist ein Einsteigen vielleicht auch nicht schlechter als das langsame und immer wieder qualvolle Wachstum.

    Wenn er Einsteigt in eine vorhandene funktionierende Infrastruktur vermeidet er die bekannten jährlichen Probleme des Wachstums. Emotionslos und mit vorhandenem Plan durchziehen, das ist oft erfolgreicher als jeden Tag heulen wollen. Wenn er es schafft zwei Monate frei zu bekommen ist das schon mal ein guter Anfang. Eine zweite Person wäre natürlich hilfreich, darauf kann man selbst als Hobbyimker nicht verzichten, habe es selbst gemerkt.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Er ist jung und voll Zuversicht, solche Leute können die Welt verändern. Also, warum nicht, laßt es ihn versuchen und unterstützt ihn dabei. Ich kann kaum helfen, nicht meine Beute.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Bienenköniggibmirhonig Danke! :)


    Ich lese mir hier alles interssiert durch und ziehe raus, was ich für hilfreich halte.


    Ich hab natürlich auch immer die Frage im Kopf ob ich das machen soll (ist ja noch etwas Zeit). Aber vor allem treibt mich grade um: Wenn ja, wie. Und natürlich rede ich auch mit Imker:innen darüber, die ich persönlich kenne und die mir direkt zu Hand gehen können oder beim Gedanken ordnen helfen.


    Die lass-es-Kommentare nehme ich ernst, aber die das-kommt-auf-Dich-zu- / so-wird-das-was-Kommentare nehm ich ernster^^

    10 Völker, 12er Dadant, weniger 10 Jahre Erfahrung