Ameisensäure noch zeitgemäß ?

  • ICH glaube daher, dass es bei der AS (noch) besser und sicherer funktionieren würde, wenn das Verdunstersystem über eine Temperatur- und Feuchtigkeitsmembran verfügte, welche durch ihre automatische Ausdehnung bei Änderung der genannten Faktoren die Verdunstungsmenge entsprechend richtig reguliert ud freisetzt. Ähnlich einem Regensensor oder der Wischfunktion von Scheibenwischer oder oder...

    Der Nassenheider Universal funktioniert mMn genau so: es wird immer die selbe Menge verdunstet, die erforderliche verdunstungsfläche passt sich automatisch an. Das Teil hat sogar nochmal mehr Fläche als der professional und deckt somit auch bei niedrigeren Temperaturen einen größeren Bereich ab. Über 30 Grad ist aber auch hier Ende.


    Bin ebenfalls der Auffassung, dass AS richtig angewendet gut funktioniert. Als Problematik sehe ich allerdings Königinnenverluste und dass die 85%ige nicht zugelassen ist, aber das wurde alles schon geschrieben, ich bin seit diesem Jahr auf tbe & Oxalsäure umgestiegen und bisher sehr zufrieden, Milbenbelastung ist bis jetzt sehr niedrig.


    Schöne Grüße - Matthias

    Es war alles sooo gut geplant. Und dann kam das Leben dazwischen...

  • Moin,

    meiner Meinung ist die Ameisensäure nicht mehr zeigemäß, aber einfach in der Anwendung.

    Ja, sie funktioniert und ja, wenn man alles richtig macht, dann gibt es auch keine Königinnen-/Völkerverluste.

    Aber:
    Der Grat zwischen erfolreicher Behandlung und einem verlorenen Volk sind sehr schmal.

    Alleine die Anzahl an Dispensern, die es für AS gibt, ist schon groß und ebenfalls sind sie in der Anwendung sehr unterschiedlich. Da ist die erste Fehlerquelle neben der richtigen Auswahl an Dochten/Flächen und AS-Menge.

    Dann das Wetter, das man nun mal nicht beeinflussen kann. Das eine Jahr Wochenlang über 30°C, in denen eine Behandlung nicht möglich ist, dieses Jahr viel zu lang kalt und nass, dass eine Behandlung auch z.B. durch Varroa-Wetter nicht empfohlen wurde.

    Ein findiger Imker würde jetzt auf eine größere Verdunsterfläche (oder 2 Verdunstern) oder höhere AS-Konzentration umsteigen, andere, die sich an das geschriebene halten, behandeln nicht, weil es nicht empfohlen wurde, oder behandeln ohne Effekt (zu nass) oder mit zu Höher Konzentration (zu warm), und erleiden Verluste, weil sie nicht, falsch oder zu spät behandelt haben.

    Und das ist die Krux an der AS. Sie kann halt nur innerhalb bestimmter Parameter. Und ich kann sie nicht unendlich nach hinten schieben, weil das Wetter nicht passt. Von daher wäre es wünschenswert, wenn die AS auch später könnte (wie andere Verfahren).

    Bei der TBE/TuB und Sprühen von Oxalsäure kann ich Wetterunabhängig in einem recht definiertem Fenster arbeiten.

    Das würde auch beim Verdampfen/Vernebeln von OS gehen, wenn die Behandlung zugelassen wäre.

    Ich will hier keinem den Sinn von AS ausreden, sie funktionert und das auch sehr zuverlässig und gut (sonst würde das Aumeier/Liebig nicht bei ihren 200-300 Völker so durchführen), aber man muss das System bzw. die Randbedingungen immer hinterfragen, sonst kann es halt auch schief gehen.

    In meinen Augen gibt es andere (nicht unbedingt bessere) Methoden und Systeme, dass man nicht unbedingt auf AS zurück greifen muss.

    Selbst ein Varroa-Controller funktioniert;-) Auch wenn das in meinen Augen eine teure und zeitaufwändige Variante ist.

    Aus diesem Grund ist AS aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß.

    Das soll aber keinen daran hindern, sie weiter zu benutzen, wenn sie für seinen Standort funktioniert (never change a running system), aber es geht auch anders.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • (sonst würde das Aumeier/Liebig nicht bei ihren 200-300 Völker so durchführen),

    Du bist nicht auf dem neuesten Stand.

    Und das ist die Krux an der AS. Sie kann halt nur innerhalb bestimmter Parameter.

    Das tun alle anderen Methoden auch.


    Das Äpfel und Birnen vergleichen ist wirklich lästig. Viele der aufgeführten Nachteile der AS fallen weg, wenn man brutfrei behandelt. Da kann man mit wesentlich geringeren Konzentrationen arbeiten. Aber es wird immer OXS brutfrei mit AS mit verdeckelter Brut verglichen. Das ist schlicht ungerecht.

  • Wirklich aus Interesse: Welchen Vorteil hat AS im brutfreien Zustand gegenüber Oxalsäure?

  • Schon wieder die Ungleichbehandlung bereits in der Frage. Warum muss AS einen Vorteil haben? Gleichgut oder gleichchlecht reicht doch.


    Aber die AS erscheint mir bequemer in der Anwendung und der Imker sollte eigentlich bei den Verfahren weniger mit der Säure in Kontakt kommen, als bei der Oxalsäure.

    Selbst wenn eine Vorliebe für AS nur auf Bauchgefühl beruht, wäre das für mich o.k..


    Es ging mir aber in erster Linie darum zu verdeutlichen, dass immer von den Voraussetzungen bei der AS geschrieben wird und die Voraussetzungen bei der OXS unter den Tisch fallen. Das geschieht leider sehr systematisch.


    Ich bin froh, mehrere verschiedene Möglichkeiten der Varroabekämpfung zur Verfügung zu haben, die ich je nach Situation einsetzen kann.

  • Danke für deine Antwort. AS muss natürlich nicht besser sein. Das wäre nur für mich interessant, wenn ich für mich in Erwägung ziehe zu wechseln.

    AS wird in Büchern und Kursen immer nur als eine Behandlung erklärt, die in die Brut wirkt. Ich kam gar nicht auf den Gedanken, dass man sie auch im brutfreien Zustand nutzen würde. Aber natürlich, warum auch nicht?

  • Guten Morgen,


    ich finde diesen chat zu Ameisensäure und Alternativen zur Sommerbehandlung sehr interessant und wertvoll!


    Ein sehr erfahrener Bekannter ist mit Ameisensäure nicht so zufrieden, weil es eben die Brut schädigt, manchmal die Königin, und die Wirkung vom Wetter abhängt.

    Er hat deshalb an einer Oxalsäure-Methode 'getüftelt', mit der er seit nun 4 Jahren sehr gute Erfahrungen hat: Vernebeln von Oxalsäure-Lösung mittels 'Luftbefeuchter' (z.B. RuBee Ox), d.h. feinste Sprühtröpfchen, täglich über 15 (bis 18) Tage in relativ kleinen Mengen unmittelbar nach der letzten Ernte parallel zum Füttern, am brütenden Volk. Somit können die Winterbienen bei möglichst geringem Varroadruck gesund heranwachsen.

    Dies natürlich Teil eines Gesamt-Konzepts, d.h. Drohnenbrutschneiden während Tracht und Restentmilbung mit Oxalsäure im Dezember.

    Dieser Ansatz wurde in ähnlicher Weise schon früher beschrieben, aber mit Anwendung nur alle ca 4 Tage, was sich als nicht ausreichend erfolgreich gezeigt hat. Jetzt mag man sagen, 'täglich' sei zuviel Aufwand, aber bei 2min pro Stock hält sich der Aufwand eigentlich sehr in Grenzen, auch im Vergleich zu TuB und TBE.


    Im Anhang was ich mal so zusammengetragen habe zu dieser Oxalsäure-Variante und Vergleich zu anderen Wirkstoffen gegen Varroa und Vergleich zu den Fachinformationen der entsprechenden Mittel. Sind halt 9 Seiten Vernebeln Oxalsaeure-Loesung gegen Varroa_V1_14Sep21.pdf, nicht erschrecken, mit Abbildungen etc.


    Was meint Ihr?

    Wäre es nicht außerdem super, wenn diese oder ähnliche Variante(n) des Oxalsäure-Sprühens/-Vernebelns in die Fachinformationen aufgenommen werden könnten?


    Viele Grüße, Corinna

  • Das OXS vernebeln (mit einem Inhaliervernebler) geht mir schon seit zwei Jahren durch den Kopf.

    Unklar war mir aber immer die OXS-Konzentration und die Menge / Volk.

    Nun habe ich dank der obigen Information alles was mir gefehlt hat.

    Danke!

    Mit freundlichen Grüßen

    Harald

  • Wenn du dazu noch 3-4 andere Fäden füllst bekommst du sicher irgendwann die Antwort die du hören willst. 😉

    Ich benutze ein baugleiches Gerät um die Luftfeuchtigkeit in einem Pilz-Fruchtungszelt zu halten. Meine Bienen würde ich damit nicht benebeln wollen. Schon gar nicht 20 Tage lang... Blockbehandlungen gehen anders.
    Zudem bezweifle ich, dass das die Technik im Gerät der Säure langfristig standhalten wird.

    "Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel."

  • täglich über 15 (bis 18) Tage

    […]

    Jetzt mag man sagen, 'täglich' sei zuviel Aufwand, aber bei 2min pro Stock hält sich der Aufwand eigentlich sehr in Grenzen, auch im Vergleich zu TuB und TBE.

    2 min * 16 = 32 min

    Das ist mehr Aufwand, als bei einer TBE.

  • täglich über 15 (bis 18) Tage

    […]

    Jetzt mag man sagen, 'täglich' sei zuviel Aufwand, aber bei 2min pro Stock hält sich der Aufwand eigentlich sehr in Grenzen, auch im Vergleich zu TuB und TBE.

    2 min * 16 = 32 min

    Das ist mehr Aufwand, als bei einer TBE.

    Nach meiner meinung lohnt sich der Aufwand mit vernebeln.

    Keine Waben ziehen, keine Brut entnehmen und so weter. :P

    LG Waldemar

  • Erstens:

    Blockbehandlungen gehen anders.

    Zweitens: Nach meiner (bescheidenen) Erfahrung tut man gut daran, Blockbehandlungen ganz grundsätzlich als absolute Notnägel anzusehen. Die TBE mag ein harter Eingriff sein, aber das ist ein einziger Hammerschlag pro Jahr, der in den meisten Fällen sicherstellt, dass danach monatelang (mit Winterbehandlung ein Jahr lang) wieder Ruhe in der Kiste ist. Eine Blockbehandlung ist dagegen für die Milben und auch für die Bienen nur eine nicht enden wollende Störung ohne diesen lange anhaltenden Erfolg.


    Ich musste letztes Jahr bei einem Volk unplanmässig eine (klassische) Blockbehandlung durchführen. Da purzelten im Winter dann mit Abstand die meisten Varroen. Dieses Jahr habe ich versuchsweise jene Brutwaben, die ich hätte vernichten sollen (Fangwaben der Brutspender und Fangwaben der Brutscheunen), in einem weiselrichtigen Ableger auslaufen lassen, wobei ich alle drei Tage Oxalsäure sublimiert habe. Diese Blockbehandlung hat sich über sechs Wochen hingezogen, bis alle Fangwaben komplett ausgelaufen waren. Anschliessend habe ich den phoretischen Befall geprüft: 5%!!! Mich bestätigt das in meiner Annahme, dass die Blockbehandlung bestenfalls eine Notlösung sein kann. Aber dann muss sie richtig durchgeführt werden, und dann wären wir auch gleich wieder beim ersten Punkt oben.


    Drittens: Dieses Verfahren hat keine Zulassung. Da könnte man jetzt wieder ellenlange Diskussionen führen, aber ich hier will meinem Bieneninspektor das Behandlungsprotokoll vorweisen können, ohne mich noch stundenlang erklären zu müssen und dann zu hoffen, dass er sich irgendwie überzeugen lässt. Die zugelassenen Mittel richtig eingesetzt geben uns das, was wir und vor allem unsere Bienen brauchen. Nur um (als Hobbyimker!!!) weniger Aufwand zu haben, muss ich keine Experimente wagen.