Drüsiges Springkraut

  • Hallo Franz,

    da hat sich nichts erledigt, da wurde auch nichts wegrationalisiert.

    Was passiert wenn der Spritzenlenker mal nicht korrekt fährt? Dort wo nichts wirksames hinkommt blüht der Mohn. Den gibts noch trotz Jahrzehnte langem Herbizideinsatz!

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • Hallo Franz,

    da hat sich nichts erledigt, da wurde auch nichts wegrationalisiert.

    Was passiert wenn der Spritzenlenker mal nicht korrekt fährt? Dort wo nichts wirksames hinkommt blüht der Mohn. Den gibts noch trotz Jahrzehnte langem Herbizideinsatz!

    :) - ich sehe wir verstehen uns - aber Du muss doch zugeben das von den Samen, die im Boden sind und nicht blühen, können sich unsere Bienen im Herbst nicht ernähren... ;(

  • ei invasiven Neophyten gibt es das zwangsläufig nicht, diese helfen also nur Generalisten wie den Honigbienen.

    Gestern beim Waldspaziergang sah ich nicht nur Honigbienen im Springkraut, auch Hummeln und diverse Solitärbienen, einige Fliegenarten fanden das auch attraktiv.

    Hummeln, diverse Solitärbienen und einige Fliegenarten sind Generalisten. Das passt zur obigen Aussage.

  • ei invasiven Neophyten gibt es das zwangsläufig nicht, diese helfen also nur Generalisten wie den Honigbienen.

    Gestern beim Waldspaziergang sah ich nicht nur Honigbienen im Springkraut, auch Hummeln und diverse Solitärbienen, einige Fliegenarten fanden das auch attraktiv.

    Hummeln, diverse Solitärbienen und einige Fliegenarten sind Generalisten. Das passt zur obigen Aussage.

    Weil wir wollen nur noch Spezialisten, oder warum? Der breite Masse an Insekten fehlt es zu dieser Jahreszeit doch an Futter. Das Springkraut die bedient, ist ja erstmal unzweifelhaft. Das die anderen Pflanzen in der Breite fehlen durch das Springkraut, wäre allerdings noch zu beweisen. An bestimmten Standorten mag das durchaus so sein! Aber generell? Glaube ich nicht. Das ist eher ein Sündenbock für die Auswirkungen allgemeinen verkackens durch zu perfekte Ackerhygiene, Versiegelung, Überdüngung, you name it.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Und deswegen ist es okay das Springkraut zusätzlich fördern, frei nach dem Motto jetzt ist alles egal? Nach dieser Logik kann ich auch mit dem Heilkopter zur Arbeit fliegen, das CO2 kommt je eh überwiegend woanders her. Da kann ich nicht mitgehen.


    Viele Spezialisten haben es schwer genug, da muss an nicht noch bewusst einen weiteren Sargnagel, wie klein er auch ist, einschlagen. Selbst du hälst es doch für möglich, dass an bestimmten Standorten Arten durch das Springkraut und andere Neophyten verdrängt werden. Das trifft kleine Populationen wesentlich härter und die von Spezialisten sind im Allgemeinen kleiner als solche der Generalisten.


    Das empfinde ich als nicht gut und als ökoligisch negativer als die Vorteile einer weitere Pollen/Nektar-Versorgung von Generalisten. Die kommen schon durch und breiten sich auch schnell wieder aus, wenn es doch mal lokal eng wird. Es sind schließlich nicht Honig- oder Mauerbienen, die bedroht sind.

  • Hallo Franz,

    da hat sich nichts erledigt, da wurde auch nichts wegrationalisiert.

    Was passiert wenn der Spritzenlenker mal nicht korrekt fährt? Dort wo nichts wirksames hinkommt blüht der Mohn. Den gibts noch trotz Jahrzehnte langem Herbizideinsatz!

    Dann komm mal hier her ins weitverbreitete und vielen bekannten gelobte "Gülle- und Maisland". Hier sind vielfach die Äcker so kaputt gedüngt und gespritzt, dass sogar an manchen Stellen der Mais nicht mehr wirklich will. Da wächst nichts mehr. Als wir in den Urlaub gen Osten gefahren sind, konnte man im Osten der Republik noch Beikräuter an den Feldrändern sehen. Bei uns im Nordwesten ein Ding der Unmöglichkeit. Hier herrscht eine gepflegte bis auf den letzten mm ausgenutzte Maiswüste! Da hat Mohn, Brennessel und Co keine Chance mehr.

  • Wenn in deiner Region keine Kleewiesen im Frühjahr mehr blühen, weil das Springkraut die plattgemacht hat, überlegst du vielleicht ob das mit dem Springkraut so ne gute Idee war.


    Springkraut wächst doch nicht auf denselben Flächen wie Klee. Ich sehe Springkraut immer nur auf sehr feuchten Böden. Auf Wiesen habe ich das noch nie gesehen. Daher verstehe ich diesen Einwand nicht.

  • Llecter Es geht doch (zumindest mir) nicht darum, wild durch die Gegend zu tanzen und Samen des drüsigen Springkrauts in die Luft zu werfen. Kann sein, dass engagierte Imker das machen, finde ich persönlich aber nicht okay. Allerdings finde ich es ebenso wenig okay, alles, was blüht auszureissen, nur weil es «nicht hierher gehört». Das ist eine menschlich-überhebliche Sichtweise, die ich nicht teilen kann. Was wächst und überlebt, soll wachsen und überleben, ohne dass es mir seinen Stammbaum vorzeigen muss, anhand dessen ich sein Anwesenheitsrecht hier überprüfen würde. Meine Meinung. Ich werde die gesammelten Springkrautsamen hier bei mir im Garten keimen lassen und darauf achten, dass die Pflanzen ihre Samen nicht wild in der Gegend verteilen. Was andere Leute machen, habe ich nicht zu beurteilen.

  • Und deswegen ist es okay das Springkraut zusätzlich fördern, frei nach dem Motto jetzt ist alles egal?

    Nö, aber das fordert doch auch kaum jemand. Das Zeug mit religiös anmutendem Eifer auszureißen aber schon. Ich seh das ziemlich pragmatisch. Es ist hübsch, es nutz der Mehrzahl der Insekten und das Abendland geht davon nicht unter 🤷

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Weil das mißverständlich war: ich ziehe persönlich nicht durch die Natur, und siedel überall Springkraut an! Mir fehlt bloß die Motivation, mich da drüber aufzuregen, wenn es irgendwo wächst^^

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Die Honigbienen haben die gleichen Probleme wie die Wildbienen oder andere Insekten. Außer dem Habitatverlust. Spezialisten hatten es schon immer schwer und sind regelmäßig das Opfer der Darwinistischen Entwicklung. Generalisten hatten schon immer die Nase vorn. Und einiger dieser Spezialisten haben nur die Zeit überstanden weil sie durch menschliche Eingriffe ungewollt oder wenigstens ungeplant unterstützt wurden. Ich erwähne jetzt mal die Haideflächen und die Almwiesen, aber auch viele erzeugte Trockengebiete und Weideflächen. Hier werden Spezialisten gegen Generalisten ausgespielt und irgendwer spielt Gott und will darüber entscheiden was gute Insekten sind und was nicht, gute Unkräuter und schlechte. Gegen die ausufernde Landwirtschaft sind sie machtlos, aber bei den Imkern kann man es ja mal versuchen. Ich fürchte, es wird schwer, mir das Ausbringen verschiedener Pflanzen wirksam zu verbieten und, mein lieber Ersatzgott für Arme, wenn sich die Futtersituation für die Honigbienen nicht verbessert, werde ich wohl nicht Mitte Juli schon anfangen regelmäßig Biozuckerwasser zu füttern, sondern, Du weißt schon was.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Nö, aber das fordert doch auch kaum jemand. Das Zeug mit religiös anmutendem Eifer auszureißen aber schon. Ich seh das ziemlich pragmatisch. Es ist hübsch, es nutz der Mehrzahl der Insekten und das Abendland geht davon nicht unter 🤷

    Darauf können wir uns einigen :)


    Llecter Es geht doch (zumindest mir) nicht darum, wild durch die Gegend zu tanzen und Samen des drüsigen Springkrauts in die Luft zu werfen.

    Das habe ich auch nicht so verstanden, keine Sorge. Und ich bin auch niemand, der fordert jetzt alle Bestände zu vernichten. Ich sehe mich (als Imker) als jemanden, der von einer (insgesamt) unvorteilhaften Siutation profitiert und tue mir entsprechend schwer damit, diesen Vorteil (zu Lasten) anderer weiter auszubauen. Und das springkraut wird sich vermutlich auch bei dir verbreiten, so denn die Bedingungen passen.

    Zitat

    Das ist eine menschlich-überhebliche Sichtweise, die ich nicht teilen kann. Was wächst und überlebt, soll wachsen und überleben, ohne dass es mir seinen Stammbaum vorzeigen muss, anhand dessen ich sein Anwesenheitsrecht hier überprüfen würde. Meine Meinung.

    Als Meinung ist das sicher nicht zu kritisieren, die darf jeder haben und ich freue mich ja insgeheim auch über die Goldrute an meinen Ständen :) Faktisch finde ich das aber bedenklich. Für Arten, die sich natürlich ausbreiten (Klimawandelfolger etc.) finde ich dies so auch okay - die Bedingungen ändern sich, manche profitieren, andere verlieren. Für anthropogen verschleppte Arten sehe ich das allerdings anders. Da ist meiner Meinung nach die menschlich-überhebliche Sichtweise eher die, das anzupflanzen/anzusiedeln, was man gut findet, auch wenns nicht hergehört.


    Solche Arten zu bekämpfen ist dann eher der (meist zum Scheitern verurteilte) Versuch einen hausgemachten Fehler zu beheben. Das kann auf Dauer üble Folgen haben, auch wenns natürlich nicht immer so schlimm ausgehen muss wie in unserer heimischen Flusskrebsfauna oder bei der Agakröte in Australien.

  • swissmix na da hast Du aber eine Diskussion losgetreten... ^^


    Aufregen und Fronten bilden bringt nix. Aber bedenkt doch mal, wie einfach es ist, einfach Flächen sich selbst zu überlassen. Das reicht ja schon, um dort das wachsen zu lassen, was dort gut wachsen kann. Und wenn es eben das Springkraut ist, dann halt das. Man muss es ja nicht unbedingt noch aktiv verbreiten.


    Bedenkt aber auch, dass viele der Spezialisten auf Pflanzen angewisen sind, die sich nur in der vom Menschen gepflegten Kulturlandschaft finden (Almwiesen, Feldrand etc.). Dummerweise wird die Kulturlandschaft halt in neuerer Zeit zu sehr "gepflegt", man könnte auch sagen überdüngt, gespritzt und maximal ausgebeutet. Mein Garten besteht aus Wiese und Obstbäumen. Ohne fette Düngung, zweimal im Jahr zeitlich versetzt abschnittsweise gemäht, gibt es dort inzwischen eine wahre Pracht an Pflanzenvielfalt. Und irre viele Insekten. Und Rebhühner sind auch mal zu Gast, sogar Rehe nutzen den Platz regelmäßig als Lager und Futterquelle.


    Wenn wir wirklich allen helfen wollen, darf auch das Springkraut dabei sein. Aber vor allem müssen wir wieder mehr Vielfalt in die Landschaft bringen. Jeder in seinem kleinen Umfeld. Und die Natur mehr das machen lassen, was sie am besten kann: sich entfalten und anpassen.


    Eigentlich so einfach...


    Grüße

    Roland

  • Bedenkt aber auch, dass viele der Spezialisten auf Pflanzen angewisen sind, die sich nur in der vom Menschen gepflegten Kulturlandschaft finden (Almwiesen, Feldrand etc.). Dummerweise wird die Kulturlandschaft halt in neuerer Zeit zu sehr "gepflegt", man könnte auch sagen überdüngt, gespritzt und maximal ausgebeutet.

    Gerade solche Flächen verlieren wir aber gerade aktuell durch falschen Naturschutz, namentlich Flächen an Magerstandorten, die durch Beweidung entstanden sind. Heide, Almen etc.

    Zitat

    Aber bedenkt doch mal, wie einfach es ist, einfach Flächen sich selbst zu überlassen.

    Zu wenig gepflegt sind diese Flächen aber auch ganz schnell eben nicht mehr so wertvoll, sondern verbuschen usw.


    Wenn in der Region dann noch der Tourismus einbricht, weil auf der Bergwandertour ein paar Hütehunde zwischen der Wandergruppe und dem nächsten Ziel steht, oder ohne Schäfer die Heide aufhört, zu blühen, dann ist niemandem geholfen. Langfristig auch nicht dem Wolf. Naturschutz, welcher die Rolle des Menschen negiert, ist keiner, zumindest nicht auf lange Sicht. Springkraut bzw. der Umgang mit Neopyten generell ist da auch nur ein Baustein.

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