Langlebigkeit als Zuchtziel

  • Bei den Rinderzüchtern ist die Langlebigkeit = Nutzungsdauer ein stark gewichtetes Merkmal im Gesamtzuchtwert.

    Säugetier vs. Insekt.

    Bienen können je nach aktuellen Bedürfnissen switchen.

    Randy hat einen sehr interessanten Beitrag dazu. colony build up 9b.

    Die Flexibilität der Bienen sind das Thema, sowie die Komplexität der Steuerungen über Vittelogenin usw. Den Züchter will ich sehen, der alle Aspekte die da zusammenkommen, greifen und umsetzen kann.

  • Eine kürzere Verdecklungszeit wäre laut Paul Jungels nicht zielführend, da kurzes Puppenstadium gleichzeitig Kurzlebigkeit bedingt. Bruder Adam hat wohl in der Langlebigkeit enormes Potential gesehen. Jeder weitere Tag Lebensdauer bedeutet ja schon eine Menge mehr Arbeiterinnen im Volk ohne Mehraufwand für Aufzucht. Das kann die Effizienz eines Volkes bestimmt deutlich verbessern, vorausgesetzt natürlich dass die anderen Parameter wie Fleiß, Fruchtbarkeit etc auch stimmen.

    Was sind denn die Nachteile der Langlebigkeit? Sulz

    Das würde mich interessieren, da ich bisher nur von den Annahmen Bruder Adams gelesen habe und dass bisher auch schlüssig fand.

  • Bei den Rinderzüchtern ist die Langlebigkeit = Nutzungsdauer ein stark gewichtetes Merkmal im Gesamtzuchtwert. 2 Jahre investiert der Landwirt in das Jungrind bis die Nutzung als Milchkuh beginnt. Da macht es dann wirtschaftlich einen entscheidenden Unterschied, ob die Kuh nur zwei Laktationen schafft oder 10.

    Für ein Bienenvolk müssten die Verhältnisse doch nicht soviel anders sein: DIe Energie für Wärme/Futter der Larvenaufzucht ist sehr hoch im Verhältnis zu zwei Wochen "Nutzungsdauer" als Flugbiene.

    D.h. es müsste schon einen Unterschied auch für die Honigleistung machen, ob die Kiste mit Bienen voll ist, weil die Königin sehr gut legt, oder ob die Kiste mit Bienen voll ist, weil die Bienen langlebiger sind.

    Woher kommt diese Erkenntnis? Soweit ich mich entsinne liegt das durchschnittliche Abgangsalter von Milchkühen in Deutschland bei 5 - 6 Jahren, sie schaffen in dieser Zeit durchschnittlich 3,5 Laktationen, was alles in allem miserabel ist, wenn man bedenkt, dass die Lebenserwartung von Kühen deutlich höher liegt.


    Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Langlebigkeit (ungleich Vitalität) in der Zucht ein entscheidendes Merkmal ist, weil die Kühe viel früher „durch“ sind.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Langlebigkeit (ungleich Vitalität) in der Zucht ein entscheidendes Merkmal ist, weil die Kühe viel früher „durch“ sind.

    Doch - ist es schon viele Jahre, da es eben für die Wirtschaftlichkeit so bedeutend ist. Beim Fleckvieh ist die Langlebigkeit aktuell mit 10% im Gesamtzuchtwert enthalten.

    Siehe hier:

    https://www.lfl.bayern.de/mam/…_gesamtzuchtwert_tab1.pdf

  • Eine kürzere Verdecklungszeit wäre laut Paul Jungels nicht zielführend, da kurzes Puppenstadium gleichzeitig Kurzlebigkeit bedingt.

    Man muss Paul Jungels nicht kennen um es besser zu wissen: Die Bienenkönigin hat das kürzeste Puppenstadium und die höchste Lebensdauer.

  • Die Theorie hat ja Paul Jungels nicht aufgestellt. Er schreibt, dass er die Information von einem Insektenkundler hat und dass es da im allgemeinen eine Korrelation gibt. Die längere Lebenszeit der Königin rührt ja auch nicht von der Genetik. Man kann ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wenn, dann muss man natürlich entweder die Verpuppungsdauer und Lebensdauer von Arbeiterinnen untereinander oder von Königinnen untereinander vergleichen.

  • Man muss Paul Jungels nicht kennen um es besser zu wissen: Die Bienenkönigin hat das kürzeste Puppenstadium und die höchste Lebensdauer.

    Wenn man sich mal die Entwicklung der Arbeiterinnen und Königinnen unter dem Einfluss des bereits in #15 erwähnten Hormons anschaut, merkt an schnell, daß eher Paul Jungels Argumentation greift. ( Zeitpunkt der Ausschüttung des Vg u. a.)

    Vg in honey bees

    Könnte sein, daß er tiefer in der Materie steckt, als manch Einer von Uns. ;)

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sinnvoll ist, Langlebigkeit als eigenes Zuchtziel zu definieren. Wenn sie zu höherer Honigleistung und anderen Verbesserungen führen würde, würde sie sich als implizites Zuchtziel automatisch einstellen, wenn nach diesen anderen Zielen selektiert wird.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Langlebigkeit (ungleich Vitalität) in der Zucht ein entscheidendes Merkmal ist, weil die Kühe viel früher „durch“ sind.

    Doch - ist es schon viele Jahre, da es eben für die Wirtschaftlichkeit so bedeutend ist. Beim Fleckvieh ist die Langlebigkeit aktuell mit 10% im Gesamtzuchtwert enthalten.

    Siehe hier:

    https://www.lfl.bayern.de/mam/…_gesamtzuchtwert_tab1.pdf

    Ok, Fleckvieh ist Zweinutzung und dann hat die Nutzungsdauer wahrscheinlich mehr Relevanz.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Ich denke Dieter hat es auf den Punkt gebracht, volle Kiste bei ressourcenschonenden Einsatz der Königin.

    Ich denke es gibt nicht _DIE_ Langlebigkeit an sich, sondern das ist eine lebensangepasste Strategie der Minimalisierung der Natur.

    Schlußendlich hat es auch etwas mit der Leistungsfähigkeit der Königin zu tun, ob sie in ungünstigen Situationen mittels hoher Legeleistung auch eine volle Kiste hinbekommt.

    Ansonsten bremst sich das Brutgeschäft doch ein und die Brut wird zurückgefahren, wenn die Volksstärke für die Witterung, Tracht und alle Arbeiten ausreicht.


    Nachteil von nur Langlebigkeit ohne Brutvitalität ist bei Erkrankungen, das Dahinsiechen und eine längere Infektionsverbreitung.

    Kurzlebige haben eine schnellere Selbstheilung des Volkes durch Aussterben der Schädigung.


    Man kann sich nicht nur die rosigen Seiten (Langlebigkeit) raussuchen, denn irgendwie ist das alles ein riesen zusammenhängender Batzen an Abhängigkeiten und bringt dann andere Probleme mit sich, die vorher einfach gar nicht da waren (Überalterung).


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Wenn sie zu höherer Honigleistung und anderen Verbesserungen führen würde, würde sie sich als implizites Zuchtziel automatisch einstellen, wenn nach diesen anderen Zielen selektiert wird.

    Das muss nicht unbedingt auf jede Gegend und Trachtsituation zutreffen, da starke Völker mit vielen langlebigen Bienen auch mehr Honig wieder verzehren. Dann kann es dazu kommen, dass das Volk hunger leidet, mit allen negativen Konsequenzen (zB. auch kurzlebige Bienen).


    Nur zu welchem Zeitpunkt sollte man die Langlebigkeit erfassen? Einwinterungsstärke im Vergleich zur Stärke vor dem ersten Bruteinschlag? In dieser Zeit sollte die größte Varianz auftreten.


    Oder könnte man vielleicht zur Schwarmzeit die Pflegebienen von einer Brutwabe abschlagen und mit einer Art Pigmentpulver bestäuben. Vielleicht gibt es ja schon etwas das groß genug ist um die Tracheen nicht zu verstopfen und trotzdem Pigmente haften bleiben.

    Zur Schwarmzeit sollten die geringsten Umwelteffekte auftreten, da nahezu alle Völker gut versorgt sind.